Infos zur deutschen Vorentscheidung für den ESC 2026 kommen nicht vor Anfang Dezember

Bild: EBU/Alma Bengtsson

Wer folgt auf Abor & Tynna (Aufmacherbild)? Wann findet der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2026 statt? Und wie genau wird der Ablauf sein? Der seit dieser Saison in Deutschland für den Wettbewerb zuständige Sender SWR hat bisher keine offizielle Presseinformation im Hinblick auf 2026 veröffentlicht. In einer Antwort auf Social Media hieß es vom ESC-Team des Senders, dass „aufgrund laufender Abstimmungsverfahren – auf nationaler wie auch internationaler Ebene“ die Kommunikation zum Vorentscheid vorerst verschoben worden sei. Da bei der EBU-Generalversammlung am 4. und 5. Dezember über die Teilnahme Israels am ESC in Wien gesprochen wird, ist also vorher nicht mit ESC-Informationen vom SWR zu rechnen. Es kann aber auch noch viel später werden.

Neuer Sender, alte Probleme. Obwohl beim SWR die Vorbereitungen für den ESC 2026 auf Hochtouren laufen und das auch allen Interessierten bekannt ist, gibt es vom Sender dazu keine Informationen. Früher hätte es von NDR-Seite geheißen: „Wir kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gibt.“ Schuld ist dabei einmal mehr das seit Jahren bekannte Problem: die Abstimmungsprozesse innerhalb der ARD. In diesem Jahr kommt nun noch erschwerend die Frage der Teilnahme Israels am ESC in Wien dazu.

Bereits am 3. September deutete sich an, dass es 2026 wieder einen deutschen Vorentscheid für den ESC geben würde. Am 17. September stand es dann fest. Denn aus einer E-Mail des Branchenverbandes GEMA an einen ausgewählten Empfängerkreis ging hervor, dass genau dafür Artist-Song-Kombinationen gesucht werden. Eine offizielle Pressemeldung vom SWR gab es dazu bisher aber nicht.

Allerdings gibt es eine Antwort des ESC-Teams des SWR auf eine Anfrage über Social Media, wann mit einer offiziellen Pressemeldung zu rechnen sei. Diese liegt ESC kompakt vor. Darin heißt es:

„der SWR hat eine Presseinformation zum ESC und dem diesjährigen Weg zum Finale in Wien aufgrund laufender Abstimmungsverfahren – auf internationaler wie auch nationaler Ebene – vorerst verschoben.“

Beginnen wir mit dem offensichtlichen, was sich auch zeitlich konkret benennen lässt: dem Abstimmungsverfahren auf internationaler Ebene. Tatsächlich gibt es dieses so nicht mehr. Denn mit der Waffenruhe im Gaza-Konflikt wurde das Online-Abstimmungsverfahren unter den EBU-Mitgliedern über die Teilnahme Israels am ESC 2026 abgesagt. Dieses was für Anfang November terminiert. Stattdessen ist nun eine „offene Diskussion“ bei der EBU-Generalversammlung am 4. und 5. Dezember in Genf geplant.

Tatsächlich ist der Ausgang dieser Diskussion für Deutschlands ESC-Engagement im nächsten Jahr wichtig. Im Gegensatz zu anderen Ländern, die den Wettbewerb boykottieren wollen, wenn Israel daran teilnimmt, ist die Sichtweise aus deutscher Perspektive eine andere. Bisher gab es – sogar von Kanzlerseite – die Aufforderung, dass der israelische Sender KAN selbstverständlich teilnehmen dürfe. Anderenfalls sei ein Boykott Deutschlands eine Option.

Ob es am Ende soweit käme, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall werden die deutschen ESC-Verantwortlichen inständig hoffen, dass es bei der Generalversammlung keinen Beschluss gegen Israels Teilnahme gibt. Gäbe es diesen, müssten sich der SWR und die ARD klar positionieren – und unter Umständen den ESC 2026 und damit auch den Vorentscheid absagen. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass der SWR bis dahin keine weiteren Informationen herausgeben will.

Weniger verständlich ist hingegen der Verweis auf Abstimmungsverfahren auf nationaler Ebene. Denn das ist mal wieder ein rein deutsches und sehr ARD-typisches Phänomen. Die ARD ist eine Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Der SWR ist in diesem Kreis für den ESC zuständig. Aber mal abgesehen vom Sendetermin des internationalen Wettbewerbs, muss alles andere zumindest von den anderen ARD-Anstalten durchgewunken werden: nationaler Auswahlprozess der Künstler*innen, Sendetermin des Vorentscheids, Moderation – you name it.

Und wie das bei Arbeitsgemeinschaften so ist: Die Prozesse dauern lange, nicht zuletzt weil jeder eigene Interessen und auch Befindlichkeiten hat und im Zweifel Kompromisse gefunden werden müssen. Die Programmmacher des NDR, die in den letzten 25 Jahren für den ESC zuständig waren, können ein Lied davon singen. Es heißt nicht umsonst: Viele Köche verderben den Brei.

Vor diesem Hintergrund ist es alles andere als sicher, dass es bereits nach der EBU-Sitzung Anfang Dezember offizielle Informationen zum deutschen ESC-Weg nach Wien geben wird. Es kann sich auch noch alles viel länger hinziehen. In den letzten Jahren gab es die ersten offiziellen ESC-Infos meistens im Herbst. Allerdings mussten die Fans 2021 bis zum 6. Februar warten, bis wirklich klar war, dass es keine Vorentscheidung, sondern mit Jendrik eine direkte Nominierung geben würde. So gesehen hat der SWR noch etwas Luft.

Kannst Du die zurückhaltende Kommunikationsarbeit des SWR in Sachen ESC nachvollziehen? Wann rechnest Du mit den ersten offiziellen Infos zum deutschen Vorentscheid? Lass es uns in den Kommentaren wissen. 



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