Am Sonntag, 13. Oktober 2024 besuchte Käärijä aus Finnland die Schweiz für einen Auftritt im Dynamo in Zürich. Das Dynamo ist ein Jugendkulturhaus, in dem oft Künstler*innen aus dem alternativen Musikbereich auftreten. Ich durfte mit der freundlichen Erlaubnis von dem Veranstalter Gadget bei dem Event Bilder machen und kann hier von dem Konzert berichten.
Das Dynamo ist wieder gut gefüllt. In der vordersten Reihe dominieren die weiblichen Fans, doch über den ganzen Saal verteilt scheint das Verhältnis ungefähr ausgeglichen zu sein. Käärijä hat einen aufwändigen Bühnenaufbau mitgebracht – eine grosse Videowand dominiert die Bühne. Dahinter ist erhöht eine Art DJ-Pult aufgebaut. Bevor es losgeht, wird ein bisschen Musik aus der Konserve gespielt. Kurz vor dem eigentlichen Start, kommt dann ein bekanntes „Woah-oh-oh“ über die Boxen – „The Code“ wird abgespielt und alle singen mit. Ein Moment, der bei mir immer noch für Gänsehaut sorgt. Danach beginnt noch ein Nicht-ESC Song, der aber ziemlich schnell abgewürgt wird – es geht los!
War ich im Vorfeld noch skeptisch, wird mir sehr schnell klar – „It’s crazy, it’s party!“. Und zwar nicht, weil dieser Song gespielt wird (das ist erst später der Fall), sondern weil Käärijä und das Publikum von Beginn weg Vollgas geben. Obwohl ich schlecht vorbereitet bin und die meist finnischen Songs nicht mitsingen kann, reisst diese Stimmung mit. Käärijä ist zwar zu Beginn oben ohne, aber hat dazu einen Mantel um, den er nach ein paar Songs wegschmeisst. Grün und Pink dominieren die Bühne. Käärjä hat nicht nur eine aufwändige Technik dabei, sondern auch ein paar „Minions“. Alle mit Glatze und schwarzer Sonnenbrille – einer schwingt sich hinter das DJ-Pult, ein anderer spielt die Gitarre, und alle tanzen mit.

Auch zwischen den Songs entertained Käärijä das Publikum – meist mit eher kindischen Witzen, die nicht immer politisch korrekt sind. Doch man kann es dem knuffigen Charakter irgendwie nicht übel nehmen. Musikalisch ist Käärijä auch eher schwierig zu verorten, zwar gibt es Elemente von Rap und elektronischer Musik, doch beide Labels wollen nicht so richtig passen. Teilweise werde ich auch kurz an Rammstein erinnert, wie zum Beispiel beim Kracher „Ruoaska“ (finnisch für Peitsche), mit dem der Finne zusammen mit Erika Vikman bei UMK 24 (finnischer Vorentscheid) im Interval Act den eigentlichen Bewerbungen ein bisschen die Show stahl. Die musikalische Inspiration dürfte natürlich auch nicht überraschen, denn Käärija hat ja ein sehr prominentes Tattoo mit dem Logo der deutschen Band auf der Brust.
Sogar der Song „Trafik!“, die Kollaboration mit Joost Klein, ein Song der mich bisher überhaupt nicht überzeugte, macht live gute Laune. Auch hier gehören natürlich kleine Visual Gags dazu – auf der Videowand werden die Lyrics eingeblendet. Aber wenn Joost rappt, sieht man nur Fragezeichen. Teil der Käärijä-Crew ist auch Häärija, ein Charakter der auffällig wie Käärijä aussieht. Er performt „Baila“ – seine eigene Single. Dabei spielt er auf einer Flöte, die ihm von einem Minion mehrmals kaputt gemacht wird.
Ganz bescheiden gibt sich Käärijä mit dem noch nicht erschienenen Song „People’s Champion“. Ein Spitzname von Muhammad Ali! Er spielt damit natürlich darauf an, dass er sich beim ESC 2023 in Liverpool zwar beim Televote deutlich durchsetzen konnte, aber letztlich durch die erdrückende Führung, die Loreen bei den Jury’s erzielte, geschlagen wurde. Eine Tatsache, die manche Fans immer noch nicht verdaut haben. Bei ihm nimmt man das aber eher als Augenzwinkern denn als Arroganz wahr. Während des Songs steht auch die ganze Zeit ein Minion mit einem Fliegenpilzkostüm und reißt eine unzufriedene Grimasse. Ich frag mich, ob hier die Anspielung „Champion – Champignon“ sein sollte? Zumindest im Finnischen scheint die Ähnlichkeit der Wörter aber gar nicht vorhanden… So oder so ist es ein amüsantes Bühnenbild. Der Titel ist übrigens auch namensgebend für sein neues Album „The People’s Champion“, welches am 1. November 2024 erscheint. Ich bin gespannt darauf!
Nach etwas mehr als einer Stunde kommt es dann zum Highlight: „Cha Cha Cha“. Natürlich geben die Fans nochmals alles. Das Konzert war kurz, aber intensiv. Ich bin ehrlich gesagt sehr zufrieden. Auf jeden Fall war es das bisher beste Konzert, bei dem ich außer ein paar wenigen englischen Wörtern mehr oder weniger nichts verstanden habe 🙂
Bloggerin Berenike war vor ein paar Tagen beim Käärijä-Konzert in Berlin und hat dieses Video auf dem ESC kompakt Youtube-Channel geteilt. Viel Spaß!
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.





Danke für den tollen Bericht.
Mich spricht zwar bisher kein einziger Act an.
Aber danke für deine Konzertberichte.
Er ist ein bisschen schmutzig,
Ich finde ihn ziemlich putzig!
Ewig mein Sieger der Herzen…
„Kurz vor dem eigentlichen Start, kommt dann ein bekanntes „Woah-oh-oh“ über die Boxen – „The Code“ wird abgespielt und alle singen mit. Ein Moment, der bei mir immer noch für Gänsehaut sorgt.“
Ich habe dem Umstand, dass Käärijä den ESC 2023 in Liverpool nicht gewonnen hat, zu keiner Zeit hinterher getrauert. Marco Mengoni und auch Remo Forrer waren eben einfach die Besten (meine Ansicht).
Aber alleine wegen der von Chris (Blogger) oben beschriebenen kurzen aber intensiven Nemo-Atmosphäre wäre ich gerne auf dem Käärijä-Konzert im Dynamo in Zürich gewesen. 😀
Off-topic:
Ich weiß nicht, ob ich Hoffnung haben soll oder die ganze Sache doch lieber ruhig und sachlich betrachten soll.
Vor kurzem gab Tananai in Mailand der italienische Presseagentur ein Interview zu seinem neuen Album „CalmoCobra“, welches in absehbarer Zeit erscheinen wird.
Auf die Frage der Journalisten (m/w/d) wie denn die Möglichkeit aussieht, ihn auf dem Festival di Sanremo 2025 als Teilnehmer zu sehen, gab Tananai folgende Antwort:
„Es ist ein wichtiges Schaufenster, aber ob man dorthin kommt oder nicht, hängt von dem Song und den Prioritäten ab, die man hat. Jetzt bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich mein Publikum genießen und meine Dimension aufbauen möchte. Also wenn ein richtiger Song von bspw. Davide Simonetta dabei wäre, würde ich sofort wieder hingehen“, so seine Antwort. 😀
Komponist, Texter und Produzent seines neuen Albums ist zum größten Teil ….. Davide Simonetta. 😀
Ganz ruhig. Bitte nicht abheben vor Freude. tief einatmen und ausatmen. Anfang Dezember weist du dann Bescheid, ob er teilnimmt oder nicht. 😉
Du hast gut reden. Bis Anfang Dezember sind es ja noch gefühlte tausend Tage. 😀
1001 und eine Nacht und es hat Zoom gemacht. 🥳
Und wenn es tatsächlich Anfang Dezember offiziell sein sollte:
„Atemlos durch die Nacht“. 😀
👍😀
Mal so by the way:
Die geilste Textzeile bei Helene Fischer’s „Atemlos durch die Nacht finde ich folgende:
„Ich schließe meine Augen lösche jedes Tabu, Küsse auf der Haut so wie eine Liebes-Tattoo – Oho – Oho“. 😀
Das schöne an Helene Fischer ist, dass sie genauso wie Annalisa und ich am 5.8 Geburtstag hat. Nur der Jahrgang stimmt nicht ganz. Sie ist Jahrgang 1984. 😀
Auch meine liebste Textzeile da!
Eigentlich genauso gut wie die Textzeile „Bauch-Beine-Po“ von Shirin David. 😀
😆😆😆
Käärijä ist live ne Maschine.
Ich hatte geplant, zu Käärijäs Konzerten in Köln und Frankfurt zu gehen, hatte auch schon Karten und alles geplant, aber dann hat mir eine Erkältung einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich konnte nicht hingehen. 🥲 Ich bin da wirklich traurig darüber, da ich mich seit einem halben Jahr so sehr darauf gefreut hatte, meinen liebsten Lieblingssänger zu sehen und zu hören. 😔
Etwas „Gutes“ hat es aber dennoch, dass ich nicht da war: Ich habe angefangen zu studieren und hatte in dieser Woche sehr viel Zeit für meinen Lernstoff, der echt nicht wenig ist.
Für dich, Chris, freut es mich sehr, dass du eine gute Zeit hattest und dir Käärijä Freude bereitet hat! 😊🥳
Hoffentlich schaffe ich es dann im nächsten Jahr ohne Probleme meinen Käärijä live zu erleben! 😎
Viel Glück!
❤️
Viel Erfolg im Studium! 🍀
💚
Vielen Dank für den tollen Bericht zum Konzert. Ich war beim Konzert in Hamburg und kann Dir absolut zustimmen: 70 Minuten, die aber sehr intensiv! Statt „The Code“ wurde direkt vor dem Konzert „Blood and Glitter“ gespielt und der Saal hat inbrünstig mitgesungen – toller Move vom Käärijä!
Warum sollte Peoples Champion Arrogant sein? Es ist doch die Wahrheit? Auszug vom Text, btw wegen des Pilz Kostüms 😂
Kum olin pieni, äiti tiesi, musta tulee herkkusieni
People’s champion, people’s champion
When I was little
Mom knew
I’d become a champignon
People’s champion
People’s Champion
Und warum ist das Geschlecht der Fans so wichtig? Leider werden Künstler mit eher weiblicher Fanbasis oft nicht so wirklich ernst genommen, immerhin sind ja nur Frauen Fand, und was wissen die schon, richtig?!
Der Titel ist nur mit Bezug auf den berühmten Boxer POTENZIELL ein bisschen hoch gestochen. Aber ich sag ja schon, dass es bei ihm eher mit Augenzwinkern rüberkommt.
Danke, auf die Idee den Liedtext zu übersetzen bin ich noch nicht gekommen, ich hab nur Champignon direkt auf finnisch übersetzt. Aber eben, obs mit champignon im französisch oder deutschen zusammenhängt, ist damit immer noch nicht beantwortet, auch nicht wieso es dann ein Fliegenpilz ist 😀
Das Geschlecht der Fans ist nicht „wichtig“. Ich versuch einfach immer ein bisschen auch Feedback darüber zu geben, was für ne Art Publikum an so ein Konzert geht. Bei Bambie waren es z.b. viele Metalheads, bei Nemo gabs einige Kids im Publikum. Wenn ich viele mit ESC-Shirts sehen würde, würd ich das auch erwähnen. Hier waren halt die Frauen das auffälligste ganz vorne.
Ich wüsste auch nicht wieso ich die musikschaffende Person deswegen weniger ernst nehmen sollte. Ich würd auch Girl in Red, Chappell Roan oder Taylor Swift Konzerte besuchen.. okay, Taylor wahrscheinlich nicht weil mir die Menschenmenge zu erdrückend wär 😀