ProSieben feiert am 9. Februar ABBA und ihre Songs für die Ewigkeit

Es ist alles über ABBA gesagt und geschrieben – nur noch nicht von jedem. Ähnliches gilt für TV-Dokus über ABBA. Über kaum eine Band vor MTV gibt es so viel gutes Material, waren ABBA doch auch Pioniere der Musikvideos. Ungeachtet des ABBA-Overloads ist der ABBA-Abend bei ProSieben am Dienstag in dieser Woche unbedingt sehenswert.

ProSieben kombiniert zwei wunderbare ABBA-Rohdiamanten in seiner Primetime, die – weil beide noch nicht soooo oft gesehen – unbedingt sehenswert sind. Zunächst gibt es (nach der Tagesschau um 20:15 Uhr) die britische Channel-5-Dokumentation „ABBA – The Secrets of their greatests hits“ aus 2019, die synchronisiert im deutschen Fernsehen noch nicht gezeigt wurde, darauf folgt der einzige HD-Konzertmitschnitt von ABBA aus der Londoner Wembley Arena.

„ABBA – Songs für die Ewigkeit“ sollte wohl erst eine Hommage an den kommerziell größten ABBA-Hit „Dancing Queen“ werden (so schreibt es ABBA Biograph Carl Magnus Palm auf seinem Blog), aber irgendwann ging den Produzenten während der Entstehung der Doku der Stoff aus und sie bauten das Feature um drei Signature-Songs der ESC-Sieger aus 1974, nämlich „Mamma Mia“, „The Winner Takes It All“ und eben „Dancing Queen“. Aber auch der ESC-Erfolg in Brighton und der missglückte Mello-Tryout aus 1973 werden nacherzählt.

Cheers! Es ist eine gute Idee, die ABBA-Geschichte anhand drei repräsentativer Songs zu erzählen. „Mamma Mia“ war 1975 aus meiner persönlichen Erinnerung gar kein soooo großer weltweiter Hits (viel stärker war die Vorgängersingle „S.O.S.“, einer der besten Schwedenschlager aller Zeiten), ist aber seit der Premiere des gleichnamigen ABBA-Musicals 1999 in London und der Coverversion der A*Teens im selben Jahr ein Song, der in allen Generationen unmittelbar mit ABBA verknüpft wird (zu keinem ABBA-Song gibt’s mehr Clips auf TikTok).

Entlang von „The Winner Takes It All“ lässt sich sehr gut die Spätzeit von ABBA erzählen, als aus zwei glücklichen Ehepaaren vier geschiedene Individuen wurden. Der europaweite No. One Hit (in der Doku als „the ultimate break up song“ klassifiziert) ist die erste Single vom vorletzten ABBA-Studioalbum „Super Trouper“ (einem der besten), auf dem auch das völlig unterschätzte grandiose „Me and I“ enthalten ist.

Und dann ist da „Dancing Queen“, der kommerziell erfolgreichste Song der vier Schweden und der einzige, der es (erst Monate nach seinem Erscheinen im Frühjahr 1977) an die Spitze der US-Charts geschafft hat. Diese Chartposition in Amerika war im Vinyl-Zeitalter der Ritterschlag für europäische Künstler. Es hat etwas gedauert auf dem Weg an die Spitze des Verkaufscharts in Amerika, in UK und Deutschland stand zur gleichen Zeit bereits die Arrival-Folgesingle „knowing me knowing you an der Spitze der Charts (allein in UK sieben Wochen). In der Doku wird der Fight zwischen dem damaligen ABBA-Manager Stig Anderson mit Björn und Benny nacherzählt, ob zuerst „Dancing Queen“ oder lieber „Fernando“ zuerst als Single veröffentlicht werden sollte. Stig wollte den sicheren Erfolg mit „Fernando“, während B&B auf den boomenden Discozug aufspringen wollten. („Dancing Queen“ hat in der Tat coole Phillysound-Elemente.) Am Ende gehören beide Songs zu den erfolgreichsten Titeln der ESC Legenden, irgendwie haben also alle drei Recht behalten.

Erstaunlicherweise kommt in der Doku nicht/kaum vor, dass ABBA „Dancing Queen“ auch am Vorabend der Hochzeit „unserer“ Königin Silvia in der Königlichen Oper in Stockholm performt haben (was den Song in Schweden zur „Ikone“ macht). „The secrets of their greatest hits“ fokussiert auf die ABBA „Eroberung“ der Märkte in den USA und in Australien (letzteres tatsächlich atemberaubend einzigartig).

Was die Doku auch zeigt: ABBA hat damals in den USA Thelma Houstons „Don’t Leave Me This Way“, aber vor allem auch David Souls „Don’t Give Up On Us“ von der Chartspitze ferngehalten. Das wusste ich tatsächlich noch nicht, beide Songs verehre ich (auch) bis zum Anschlag, speziell David Soul, der Ü40-Leserinnen und -Lesern vermutlich noch bekannt ist als Hutch aus „Starsky & Hutch“ (lief damals im ZDF).

Das muss jetzt sein: der hinreißende David Soul singt „Don’t Give Up On Us“, die meistverkaufte Vinyl 45 in UK in den Jahren 1976/1977. (Aufgrund der Popularität von David Soul gibt es in Zypern immer noch einen Pub für britische Touristen namens „Starsky & Hutch“.)

„Dancing Queen“ wird in der Doku zum „best floorfiller of all times“ hochgejazzt (was definitiv nicht stimmt, denn das ist irgendwas vom Salsoul Orchestra, sucht Euch was aus), aber dieser Superlativ reflektiert sehr gut den „mood“ der kurzweiligen 75 Minuten, die ohne ABBA selbst entstanden. Alles ist irgendwie „larger than life“ ABBAesque. Zu Wort kommen – wie es in solchen Shows gerne gemacht wird – „Zeitzeugen“ und „Experten“ wie z.B. der Band-Gitarrist Janne Schaffer, Banddrummer Roger Palm, Kostümdesigner Owe Sandström und der oben schon genannte ABBA-Biograph Carl Magnus Palm (ein „Verbündeter“, der – das ist etwas peinlich – auf seiner Homepage ein Jugendfoto ausstellt, was in der ABBA Livezeit entstanden ist).

DJ Douze Points und Blogger Peter zum Besuch im ABBA Museum in Stockholm

Für ABBA-Puristen ist der zweite Teil des ProSieben-ABBA-Abends noch lässiger. ABBA spielten 1979 vom 5. bis zum 10. November in der sechsmal ausverkaufte Wembley Arena in London (für diese sechs Konzerte gab es 3,5 Mio. Ticket Vorbestellungen). Das in HD-aufgenommene Konzert ist am letzten Wembley-Abend aufgezeichnet worden. Die BBC hat 1979 zu Weihnachten einen einstündigen Zusammenschnitt gezeigt, aber erst 2014 ist das Konzert in voller Länge veröffentlicht worden – auf Initiative von Benny Anderssons Sohn Ludwig. Und selbstverständlich ist ABBAs ESC-Klassiker „Waterloo“ eines der Konzert-Highlights.

Der Autor dieser Zeilen hatte das unvergessliche Privileg, diese Show bereits einige Tage früher sehen zu dürfen – am 25. Oktober 1979 in der Dortmunder Westfalenhalle. Ich bin meinen Eltern bis heute dankbar dafür, dass sie uns durchs halbe Ruhrgebiet nach Dortmund gebracht haben und beim Italiener gewartet haben, um uns danach wieder abzuholen (Taschengeld für Merchandise gab es auch noch). Meine Top-ABBA-Erinnerung.

Den ABBA-Abend gibt es am Dienstag, den 9. Februar 2021 ab 20:15 Uhr auf ProSieben. Zuerst läuft „ABBA – Songs für die Ewigkeit“, ab 21:15 Uhr dann „ABBA in Concert“.

Die „Greatest Hits“-Doku gibt es im englischen Original bereits auf YouTube:


22 Kommentare

  1. Da ich ja sonst gar kein lineares Fernsehen schaue, vielen Dank für diesen Tipp!

    @Peter: Hier hat sich ein „2020“ zu viel eingeschlichen: „ABBA spielten 1979 vom 5. bis zum 10. November 2020 in der sechsmal ausverkaufte Wembley Arena in London“

    Hast Du Dich nicht getraut, Dich hinter die Wand beim Abba-Museum zu stellen? Oder hättest Du dann preisgeben müssen, wen Du am liebsten magst? 🙂

  2. Die ABBA-Mitglieder hatten 1969 ihren ersten ESC-Kontakt: Benny schrieb „Hej Clown“ und wurde bei der Mello Zweiter. Am selben Abend wurde Frida mit ihrem Song Vierte.

    1972 schrieben Benny u. Björn ein Lied, dass auf Platz 2 kam.

    1973 schließlich „Ring Ring“ mit dem sperrigen Namen „Benny, Björn, Agnetha, Anni-Frid und landeten auf dem 3. Platz.

    1974 ist bekannt: „Waterloo“.

    1975 schrieben Benny u. Björn „Boom Bang-a-Bangerang“ für ein Duo erfolglos.

    1980 unterstützen Agnetha u. Frida den norwegischen Finn im Studio. Auf der Bühne in Oslo, später in Den Haag sangen andere Frauen im Chor, letzter Platz.

    1981 schrieb Agnetha ein völlig belangloses Lied für den Mello und schied aus.

    Zwischen ESC-Sieg 1974 und dem zweiten Hit vergingen aber auch 1,5 Jahre. Sonst wäre ABBA im Nirgendwo untergegangen. Die Geschichte hat gezeigt, dass es anders verlief.

  3. Wow, danke für den Tipp. Werde ich mir auf jeden Fall aufnehmen.😊😊😊
    Ich war ein riesiger ABBA-Fan und höre die Songs immer noch sehr, sehr, sehr gerne!😍😍😍

  4. Sorry Peter, aber es sind ein paar Korrekturen nötig.
    Natürlich war Mamma Mia ein großer Hit. Ihre zweite #1 im UK nach Waterloo. Das hat S.O.S. nicht geschafft.
    Und als Dancing Queen die US-Charts eroberte, stand Knowing Me, Knowing You in Deutschland und UK an der Spitze der Charts…

    • Oops, AgnethaFrida, Du wirst Recht haben. Ich hab‘ diese beiden Sachen aus der Erinnerung geschrieben und nicht gedokt. Ich baue das morgen elegant in den Text ein, wenn ich wieder am Rechner bin. I luv ABBA. Du auch, oder?

      • Was für eine Frage – na klar.
        Leider habe ich auf der falschen Seite der Mauer gelebt und konnte niemanden beknien mich nach Dortmund (oder zu einer anderen Tourneestation zu fahren). Ich beneide dich so.
        Dafür war ich an die 20igmal im Musical.

        Kleine Episode zur Single Mamma Mia. Sie hat damals Queen’s Bohemian Rhapsody von der Spitze der Charts verdrängt. Und es gibt ja diesen Part bei Bohemian Rhapsody…… „Mamma Mia Mamma Mia Mamma Mia let me go“ ….. Wie eine Ankündigung.

        Viel Spaß heute Abend.

  5. ABBA’s Reichweite und Einfluss zeigt sich ja auch darin, dass es zwei Kino-Filme gab, die ein Musical darstellten mit völlig belanglosem Inhalt, aber mit Titeln einzig von ABBA und diese im Abstand von 10 Jahren jeweils die Kinosäle auf der ganzen Welt füllten.
    ABBA kommt eben bei Jung und Alt an und ist einfach zeitlos.
    PS: Bevor ich von irgendwelchen Mamma Mia-Fans gehatet werde; ich bin ein mega Fan der Filme und Musicals, aber das Drehbuch hätte auch von Rosamunde Pilcher stammen können – der Erfolg lag zu 90% an den Songs!

    • Mein Lieblingsfilm, in dem viele ABBA-Songs vorkommen, ist „Muriels Wedding“ aus Australien.
      Einfach, weil er auch ein bißchen zum Nachdenken anregt.
      „Mamma Mia“ habe ich auch gesehen, da waren die Songs allerdings wirklich das Beste, ansonsten fand ich ihn etwas zu seicht.

  6. Ich bin 1975 geboren und schon früh mit ABBA Songs aufgewachsen. Meine großen Schwestern besaßen die Souper Trouper Platte die geliebt habe und rauf und runter gehört habe. ABBA liebe ich heute noch und war natürlich bei beiden Kinofilmen. Nur Live habe ich sie leider nie erlebt(Peter ich beneide dich) und mir fehlt noch der Besuch im Museum. Ich kann es morgen leider nicht gucken aber vllt kann man es auf der ProSieben App noch später streamen

  7. Ich danke dir Peter für diesen tollen Bericht. ABBA ist für mich ein treuer Begleiter seit meiner Kindheit. Thank you for the music is mein Favorit

  8. Meine mama war ein riesenfan von abba(und von muhammad ali). Also hat die mich im zarten alter von neun jahren ins hallenstadion mitgenommen um abba live zu sehen. Kann mich zwar nicht mehr so gut erinnern, bilder zeigen aber, dass sich meine begeisterung in engen grenzen hielt.

  9. Ach ja, die Royals des Pop schlechthin. Werde den Abba-Abend heute auch aufnehmen (wegen der nervigen Werbung bei Pro7).
    Ich habe aber irgendwie das Gefühl, dass Arte diese Doku rund um die drei Songs von Abba schon mal gesendet hat. Zumindest kann ich mich da an ein Special zur Entstehung von „Dancing Queen“ erinnern.

  10. Songs für die Ewigkeit – Den ESC-Bezug von ABBA kenne ich nur aus 2.Hand-Erzählungen oder TV-Wiederholungen. Ihre Musik ist für mich persönlich einfach mit lautstark bespielten Fahrten in Dänemark-Familienurlauben verbunden. Deshalb haben wir für die Trauerfeier meines Vaters dann auch „Thank You For The Music“ ausgewählt. Wahrscheinlich war das nicht sein Lieblingslied, aber man kann den Text auf die Situation umdeuten und der Titel hat eine melancholisch bittersüße Note für eine stimmige Reminiszenz. RIP

  11. moin!
    also im vergleich zu modernen schwedenmelosongs gebe ich mal im schnitt 40/20 ; für alle ABBA klassiker. 😀

    ich habe meine teenagerzeit bzw. jungmannzeit mit abba & co verbracht – wir hatten damals noch das privileg von allen seiten permanent mit guten popmelodien regelrecht bombadiert zu werden.

  12. okay, diese Nacht endete früh – 22.17
    Das Konzert arg zusammengeschnitten, die Dokumentation sehr aus der britischen Sicht und auch nicht ganz faktenkorrekt.
    Aber was soll’s – ABBA war im Fernsehen, zur Primetime!!!

  13. Mein Lieblingssong von ABBA ist „The Winner Takes It All“. Dazu gucke ich mir auch gerne mal an, wie Meryl Streep singend den Berg hochläuft 😃

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