
Eurovision is everywhere. Auch in der Kirche! Konkret: in der schwedischen Gustaf-Adolfs-Seemannskirche in Hamburg. Alljährlich feiert die Hansestadt die populäre und einzigartige „Nacht der Kirchen“ – in diesem Jahr mit 330 Events in 79 Kirchen. Eines der Highlights war ein Eurovisions-Sing-Along in der schwedischen Seemannskirche im Hamburger Portugiesenviertel. „Von Siw Malmkvist und Katja Ebstein bis Lena und Loreen“ versprach der Musiker, Schauspieler und Sänger Petter Bjällö, der den bunten ESC-Abend in der Gustaf-Adolfs-Kirche in der Ditmar-Koel-Straße initiiert, moderiert und musikalisch geleitet hat.
Der Veranstaltungsort ist eine Hamburger Institution: Die Gustaf-Adolfs-Kirche ist die älteste erhaltene Seemannskirche in Hamburg und Bestandteil eines Ensembles von vier nordischen Seemannskirchen zwischen der St.-Michaelis-Kirche („Michel“) und den legendären St. Pauli Landungsbrücken. Vom Michel zur Elbe läuft man nacheinander an der dänischen, der norwegischen und der finnischen Seemannskirche vorbei (alle drei nah beieinander) und gelangt am Ende der auf den Hafen zulaufenden Ditmar-Koel-Straße zur Gustaf-Adolfs-Kirche. Alle vier Kirchen stehen unter Denkmalschutz und wurden von Christen aus den nordischen Ländern im 20. Jahrhundert für seefahrende Mitglieder gebaut.
Der Allrounder Petter Bjällö hatte uns Eurovisions-Gläubige also an einem geschichtsträchtigen Ort versammelt. Am Klavier begleitete Petter und uns Laien-Chorknaben und -Mädels der erfolgreiche und vielseitige Musikdozent Jon Mortimer.
Fun Fact: Beide musikalischen Gastgeber haben unmittelbaren ABBA-Bezug. Jon Mortimer hat alle Arrangements für die „ABBAMANIA“-Tribute-Show geschrieben und Petter Bjällö moderiert die internationale Tribute-Show „The ABBA Story: Thank You for the Music“ in der Rolle von „Stikkan Andersson“.
Der Nacht-der-Kirchen-Gig war für die beiden „eine spontane Affäre“, wie es der Schwede Petter bezeichnete. Denn ihren Sing-Along-Abend hatten sie vorher nicht proben können.




Das Angebot wurde in Hamburg begeistert angenommen, die schwedische Seemannskirche war bis auf den letzten Platz gefüllt und alle sangen begeistert mit. Sehr old school verteilte das Kirchenteam vorher ganz klassisch Textblätter mit allen Songs des Abends für ein Publikum wie es bunter nicht ausfallen könnte. Von 8-88 Jahren waren die Nacht-der-Kirchen-Fans, die sich im Portugiesenviertel versammelten, um eine musikalische und stimmliche Verbeugung vor dem ESC zu zelebrieren. Darunter fanden sich selbstverständlich auch viele ESC-affine Schweden.




So waren die deutschen Kirchenbesucher sehr beeindruckt, welche Euphorie sich bei Carolas Klassiker „Främling“ aus dem Jahr 1983 in der Gustaf-Adolfs-Kirche ausbreitete. Die Göttin des Melodifestivalens hat bekanntlich in diesen Tagen einen runden Geburtstag gefeiert.
Der Abend startete mit einem „Einsingen“. Petter machte dem Publikum mit vier Songs, die nur kurz angesungen worden, Mut auf das folgende Programm. Es gab (in dieser Reihenfolge) „Poupée de cire, poupée de son“, „Volare“, „April“ (Siw Malmkvist) und „Congratulations“. Bei „Volare“ war sofort Begeisterung in der Kirche spürbar und zu „April“ lieferte Petter auch gleich die Text-Vergessen-Anekdote und erzählte von Siws charmanter Improvisation 1961, die dazu führte, dass stattdessen Lill-Babs Schweden beim ESC vertrat.
Nach dem Eingrooven wurden die folgenden Songs „durchgesungen“:
- Wunder gibt es immer wieder
- Rise like a phoenix
- Euphoria
- Främling
- Satellite
- What’s Another Year
- Waterloo
- Ein bisschen Frieden
Fast alle Besucher blieben die volle, eine Stunde lang andauernde ESC-Messe, an die sich dann die Abendandacht von Pastor Magnus Boäng anschloss. Die Stimmung war feierlich-ausgelassen. Wie berichtet, konnte Carolas zum Volkslied gewordenes „Främling“ vor allem die schwedischen Kirchenbesucher begeistern, bei Lenas „Satellite“ brauchte Petter wiederum nicht mal vorsingen, weil die deutschen Besucher besonders engagiert mitsangen. Bei ABBAs „Waterloo“ fanden beide „Fraktionen“ harmonisch zusammen.
Schön war auch, dass Petter zu jedem Song noch ein paar Anekdoten beisteuerte. Bei „Waterloo“ berichtete er von dem „shitstorm“ (neudeutsch formuliert, 1974 waren die Begriflichkeiten noch andere), den der Titel in der kritischen schwedischen Presse erntete und wie sehr diese Kommerz- und Inhaltskritik die Bandmitglieder damals verletzte. So wurde der Besuch der Gustaf-Adolfs-Kirche auch zu einer smarten Eurovisions-Geschichtsstunde.




Last but not least: Der Autor dieser Zeilen ging fest davon aus, dass der Kirchenbesuch eine ESC-kompakt-freie Zone sein würde. Aber weit gefehlt, nach dem Talk mit Petter und Jon sprach mich Louisa an (siehe Selfie), die sich als großer ESC-kompakt-Fan outete. Louisa war über Lord-Of-The-Lost zu ESC kompakt gekommen und ist seitdem treue Leserin. Gleichzeitig singt sie im Kirchenchor der schwedischen Seemannskirche. Einmal mehr haben die ESC-Mottos „We Are One“, „Building Bridges“ und „United by Music“ ihre Power bewiesen.
P.S.: Wer nach der Lektüre auf mehr unvergessliche Kirchen-Musik-Abenteuer Lust bekommen hat, dem sei die diesjährige „Last Night mit Pomp and Circumstance“ am 3. Oktober 2026 im Hamburger Michel eindringlich empfohlen. Unter anderem dürft Ihr mit Songs der ESC-Ikonen Nana Mouskouri, Udo Jürgen und ABBA (!) rechnen. Details gibt es in Kürze hier zu lesen. Hier bekommt Ihr Tickets und hier gibt es als Teaser schon einmal die Ankündigung aus dem Vorjahr.
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.




Herrlich! Veranstaltungen dieser Art sollte es öfters geben und danke für den Bericht mit den tollen Fotos, lieber Peter!
Danke für den Bericht, lieber Peter! Ich hatte das Sing-Along-Event auch in meinem Kalender stehen, aber eine Erkältung hat mich dann leider ausgebremst – Taschentücher statt Notenzettel. 🙁 Daher toll, über die Veranstaltung wenigstens etwas zu lesen.
Hattest Du es immerhin wie geplant nach Neugablonz geschafft?
Natürlich nicht 😀
Sam glaubt immer noch dass du das ernst gemeint hast. 😅
Ich habe ihm gerade unter einem anderen Post geantwortet, dass ich nicht da war. Aufgewachsen bin ich gar nicht mal so weit weg von Kaufbeuren (rund eine Stunde nördlich) 😀
Wow, bin echt keine Kirchgängerin, aber so einen Gottesdienst würde ich mir auch gerne gefallen lassen. Vielen Dank für den tollen Bericht und die schönen Bilder.😊
So ein Mist – mal wieder nix mitgekriegt. Ich wohne direkt um die Ecke und wäre garantiert da hin gegangen. ….schlaf weiter Ulrich.. :(((
Ich habe davon auch nur mitbekommen, weil ich an einer S-Bahnstation ein Plakat für die Nacht der Kirchen gesehen habe. Dort war mir in einer der untersten Zeilen das Wort „ESC“ ins Gesicht gesprungen. Viel andere Werbung habe ich dafür aber auch nicht gesehen..
Das Event klingt super – danke, Peter!
Ich finde es allerdings etwas befremdlich, dass es eine Gustav Adolf Kirche bei uns gibt, es ist etwa so, als ob es eine Église de Ludendorff in Frankreich gäbe.
Wieso?
Es gibt mehrere schwedische Kirchen, die nach dem schwedischen König Gustav II. Adolf benannt sind.
In Stockholm war ich auch in einer, die so hieß.