
Der fünfte und bereits schon drittletzte Song des Uuden Musiikin Kilpailu 2026 (UMK), dem finnischen Vorentscheid für den kommenden Eurovision Song Contest in Wien, kann mit verschiedenen Alleinstellungsmerkmalen aufwarten: Zum einen nutzt Antti Paalanen in seinem Beitrag traditionelle Kehlkopfgesangstechnik, die es so beim UMK noch nie gab. Es gab bisher aber auch noch kein Lied über Rückenhaare bei diesem Wettbewerb. Ob diese begeistern oder verstören, liegt – wie immer – ganz beim Betrachter. Aber bildet Euch Eure Meinung.
Antti Paalanen, der in der 50.000-Einwohner-Stadt Kokkola lebt und ursprünglich aus Alavus stammt, ist Geiger, Akkordeonist und … Kehlkopfsänger. Sein Lieblingsinstrument ist ein diatonisches zweireihiges Akkordeon, das er im Alter von 8 Jahren zu spielen begann; das gleiche Instrument spielten auch schon seine beiden Großväter. Er ist fasziniert von der Idee, dass sowohl die südostbottnische Geigentradition als auch die aus der Mongolei stammende Kehlkopfgesangstradition sich auf natürliche Weise in den Rahmen der Pop- und Rockmusik einfügen können. Und wo könnte man das besser beweisen als bei UMK?!
Anttis Weg führte ihn in seiner Kindheit von Akkordeonstunden an einer Volkshochschule zu Rockbands. Nach seinem Militärdienst begann er sein Studium an der Sibelius-Akademie im Fachbereich Volksmusik und vertiefte sich in Traditionen vom Gedichtgesang bis zur Improvisation. Während seiner Promotion komponierte er neue Musik für das diatonische Akkordeon und arbeitete gezielt an seiner Solokarriere.
Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 2011 beim WOMEX-Showcase-Konzert in Kopenhagen. Die Veröffentlichung des Albums „Rujo “ (2019) brachte seine internationale Bekanntheit auf ein neues Niveau, und er trat in verschiedenen Teilen Europas, den USA, Japan und insbesondere Frankreich auf. Anttis Markenzeichen als Sänger ist ein Knurren, das auf der Kehlkopfgesangstechnik basiert. Dieser Gesangsstil zeichnet sich durch eine spezielle Klangbildung im Kehlkopf aus. Der Künstler verwendet die Kargyraa-Technik, die es dem Kehlkopfsänger ermöglicht, einen tiefen, grollenden Klang zu erzeugen. „Immer wenn ich anfange zu singen, entspanne ich mich auch. Es ist eine wirklich therapeutische Art zu singen, es hat etwas sehr Reinigendes und Spirituelles an sich“, sagt der Künstler selbst.
Wer jetzt denkt, dass es sich bei seinem UMK-Beitrag um einen Spaß- oder zumindest einen fröhlich-folkloristischen Beitrag handelt, dürfte damit richtig liegen. Dafür spricht auch, wie Antti den Song auf Instagram angepriesen hat: Demnach ist „Takatukka“ ein ziemlicher „Hanuri-Knaller„. Hanuri bedeute zum einen Akkordion; zum anderen ist es auch eine umgangssprachliche, scherzhafte Bezeichnung für den Hintern bzw. Po. Da ist der Weg zu den Takatukkas, also den Rückenhaaren, nicht mehr weit. (ok, eine andere Übersetzung von Takatukka ist Haaransatz.)
Begründung der UMK26-Jury:
„Antti Paalanen ist ein preisgekrönter, kühner Innovator seines Genres, der bereits durch Europa getourt ist. Der Song besticht durch einen brillanten Refrain, der zum Mitsingen einlädt. Antti ist ein Meister seines Fachs und besitzt eine einzigartige Stimme, die den Zuhörer sofort fesselt. Und falls Du dachtest, dass im Song definitiv Gesangseffekte zum Einsatz kommen, irrst Du dich. Antti selbst erzeugt diesen Klang mit der traditionellen Kehlkopfgesangstechnik. So etwas hat man bei UMK noch nie gehört.“
Bisher erschienene UMK 2026 Songs
- Etta – Million Dollar Smile
- Linda Lampenius & Pete Parkkonen – Liekinheitin
- Komiat – Lululai
- Sinikka Monte – Ready to Leave
Diese findet Ihr auch in unserer Spotify-Playlist:
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.




Ich halte ja sonst von dem sogenannten „Schönhör-Effekt“ nix. Aber hier hat er bei mir zugeschlagen. Mittlerweile kann ich den Song tatsächlich recht gut hören. 😉
Beim Friseur muss doch eigentlich jetzt immer das Lied laufen. 🤔
Ist genau meins.
Reserviere ich schon mal für den SCC.
Und nein, das hat mit Windows95Man auch nicht das geringste zu tun, den fand ich nur furchtbar.
Das muss zum ESC! Das ist genau das Salz in der Suppe dieses Wettbewerbs. Einfach der Hammer. Jetzt bin ich für diese Saison am Haken.
Das Werk hat alles, einen gewissen What-the-fuck-Faktor, der Aufmerksamkeit schafft, es bleibt im Ohr, man kann Teile davon mitsingen, es macht Spaß und es ist musikalisch stark (dieser Kehlkopfgesang und auch das Akkordeon, das wahrscheinlich nur mich an „Adelante“ von Sash! erinnert). Hat auch Meme-Potential, was für die TikTok-Generation ein Erfolgsfaktor sein kann. Vielleicht werden die Blumen im Bart ein neuer Fashion-Trend, zum Beispiel für CSDs. Die besungene Vokuhila-Frisur hoffentlich nicht …
Super an dem Beitrag ist auch, dass er nun wirklich völlig unpolitisch ist. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das Lied einen doppelten Boden hat; ich schätze, es geht wirklich nur ums Haareschneiden. In den heutigen aufgewühlten Zeiten tut so was gut.
Wird mit der Bühnenshow stehen und fallen. Und davon, ob dieses voll auf die Zwölf gebürstete Flammenwerfer-Zeuch mit Gréta Salome 2.0 (Liekinheitin) besser ankommt.
So sieht es aus. Mein Favorit ist und bleibt klar der singende Barbier mit Akkordeon!