
Ende dieser Woche findet endlich die Generalversammlung der European Broadcasting Union (EBU) statt, nach der endgültig klar sein soll, ob Israel am Eurovision Song Contest 2026 in Wien teilnehmen darf oder nicht. Damit geht dann hoffentlich ein quälend langer Prozess zu Ende, über den wir in den vergangenen Wochen und Monaten viel zu häufig berichten mussten (zuletzt hier). Die Dauer dieser Diskussion ist auch Ausdruck einer Führungskrise in den Reihen der ESC-verantwortlichen Funktionäre (mehr dazu hier).
Ist die Frage nach der Teilnahme Israels am kommenden ESC – und daran gekoppelt auch die nach der Teilnahme von Ländern wie Spanien und Slowenien – in den internationalen (Fan-)Medien aktuell omnipräsent, rückt ein Aspekt in den Hintergrund: Am Donnerstag und Freitag dieser Woche fällt auch die Vorentscheidung darüber, ob Deutschland – wie angekündigt – im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest teilnimmt oder sich zum ersten Mal in der dann 70-jährigen Geschichte freiwillig zurückzieht. Als größtes deutschsprachiges ESC-Fanmedium beleuchten wir deshalb kurz vor der entscheidenden Sitzung nochmal den aktuellen Stand der Dinge.
Tatsache ist: Der Druck aus der Politik auf den – zwar unabhängigen, aber an einigen entscheidenden Stellen doch auch von der Politik abhängigen – öffentlich-rechtlichen Rundfunk, namentlich die ARD, wird schon jetzt größer und größer. Darüber haben wir bereits hier berichtet; zuletzt hat sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sogar in einer offiziellen Pressemitteilung zum Thema zitieren lassen:
„Kultur und Medien prägen unsere Freiheiten und die Art, wie wir in Europa zusammenleben wollen. Ein klarer Verstoß gegen die Errungenschaften der kulturellen Freiheit ist es, wenn jüdische Künstlerinnen und Künstler in Europa mit Anfeindungen, Ausladungen, öffentliche Boykottaufrufen oder stillen Boykotten überzogen werden. Wenn damit bestimmt werden soll, was und wer auf Europas Bühnen gezeigt werden darf, dann ist das das Ende der Freiheit von Kunst und Kultur. Gerade deshalb ist es von größter Bedeutung, dass Israel auch weiterhin am Eurovision Song Contest teilnimmt. Der ESC ist eines der bedeutendsten europäischen Kulturevents. Er ist ein Zeugnis europäischer Vielfalt und des kulturellen Austauschs – genau die Werte, die wir gemeinsam schützen wollen.“
Interessanterweise hat sich Herr Weimer im vergangenen Mai, als der ESC in Basel stattfand, zu dem ihm so wichtigen bedeutenden europäischen Kulturevent nicht öffentlich geäußert. Dass das Thema schon jetzt in den höchsten Ebenen der Politik gespielt wird, lässt erahnen, wie die Reaktionen wären, sollte Israel in dieser Woche tatsächlich vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Der politische und mediale Druck auf die ARD, sich ebenfalls vom Wettbewerb zurückzuziehen, würde weiter stark steigen. Und im Umgang mit Krisensituationen ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt nicht immer gut.
Doch nicht nur extern steigt der Druck. Auch intern gibt es die ersten Absatzbewegungen. Das zeigt sich bereits daran, dass es aus der ARD – auch auf Nachfrage – schon seit Monaten kein öffentliches Bekenntnis mehr zum ESC gibt. Alle Aktivitäten rund um den deutschen Vorentscheid wurden auf Eis gelegt oder stehen unter Vorbehalt. Die Entscheider*innen bei NDR und BR – also den beiden Anstalten der ARD, die für die Unterhaltungskoordination bzw. die internationale Zusammenarbeit verantwortlich sind – äußern sich zur Causa überhaupt nicht, sondern schicken den SWR vor, der aber in Sachen ESC-Teilnahme gar nicht mitentscheiden darf, sondern lediglich ausführendes Organ ist.
Spricht man in diesen Tagen mit ARD-Mitarbeiter*innen, egal ob Intendant*in oder Redakteur*in, stößt man auf Ratlosigkeit. Niemand möchte eine Prognose abgeben oder mögliche Szenarien skizzieren. Ein Beobachter formuliert es so: „Die ARD schaut auf die EBU-Entscheidung wie das Kaninchen auf die Schlange.“ Und offenbar nicht nur auf die EBU-Entscheidung, sondern auch auf die politischen und medialen Reaktionen, die im Nachgang der Generalversammlung zu erwarten sind.
Alles deutet darauf hin, dass sich am Donnerstag und Freitag nicht nur die ESC-Zukunft Israels, sondern auch die ESC-Perspektiven 2026 Deutschlands entscheiden. Ausgang offen.
Was glaubst Du? Wird Israel vom ESC 2026 ausgeschlossen? Wie sollte und wie würde sich Deutschland in diesem Fall verhalten? Schreib uns Deine Meinung gerne in die Kommentare.
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Wenn ich ehrlich bin, bin ich froh, dieses Thema vom Tisch ist.
Hoffentlich hat das unwürdige Schauspiel dann ein Ende.
Schade, dass sich hier manche nicht im Griff haben. Wir machen hier zu. So macht ESC leider keinen Spaß.
War leider erwartbar. 🙁