Airplay-Check international 2021: Radioerfolge vor allem in Heimatländern – von Måneskin keine Spur

Bild: EBU / Thomas Hanses

Für die diesjährigen ESC-Sieger Måneskin aus Italien läuft es gerade richtig gut – nur nicht im Radio. Selbst in Deutschland haben sie es gerade an die Spitze der Verkaufs- und Streaming-Charts geschafft, wenn auch nicht mit ihrem Siegersong. In den Airplay-Charts glänzen die Italiener aber mit Abwesenheit. Ohnehin können sich hier in diesem Jahr nur wenige ESC-Songs behaupten. Kleinere Überraschungen bilden eine Handvoll Vorentscheidungstitel.

Bei unserem Bummel durch die europäischen Radiocharts vor zwei Jahren entpuppte sich Maruv mit „Siren Song“ als größter ESC-Radiohit des Jahres, obwohl sie es gar nicht zum ESC geschafft hatte. In diesem Jahr lässt sich kein klarer Sieger bestimmen, da sich wirklich nur noch wenige Titel des Jahrgangs in den Radio-Rotationen befinden.

Wir beginnen unsere Tour mit dem Radio Monitor in Deutschland, wo auf den ersten 50 Plätzen kein ESC-(Vor-)Entscheidungssong zu finden ist. Lena mit „Strip“ und Michael Schultes „Stay“ lassen kurz aufhorchen, haben aber mit dem ESC 2021 nicht wirklich etwas zu tun. Im Siegerland Italien finden sich auf den ersten 40 Plätzen (die Anzahl der ausgewiesenen Titel schwankt zwischen den Ländern deutlich) diverse Sanremo-Größen; ich konnte aber weder „Zitti e buoni“ finden noch einen der anderen italienischen Vorentscheidungstitel.

Auch für die ESC-Plätze 2 bis 4 sieht es mit einer Ausnahme nicht rosig aus. In Frankreich (nur Top 10 ausgewiesen) gibt es keine Spur von Barbara Pravi und in der Schweiz keine von Gjon’s Tears (und auch nicht von anderen ESC-Songs). Für die Viertplatzierten Daði og Gagnamagnið (Aufmacherbild) mit „10 Years“ sieht es etwas besser aus. In ihrer Heimat Island liegen sie weiter auf Platz 2 bei den Radiosendern.

Nicht ganz überraschend lassen auch die anderen skandinavischen Länder einzelne ESC- bzw. Vorentscheidungshits im Radio weiterleben. So dürfen sich die Finnen von Blind Channel über einen dritten Platz für „Dark Side“ in ihrer Heimat freuen. Und während in Schweden Tusse nicht mehr in der Top 10 vertreten ist, freut sich die Mello-Debütantin Clara Klingenström mit „Behöver Inte Dig Idag“ über den dritten Platz (übrigens gleich hinter der Single „Nån Annan Nu“ von Blog-Liebling Molly Sandén).

Erstaunlich langfristig ist auch der Radio-Erfolg von KEiiNOs „Monument“ in Norwegen. Der Titel ist immer noch der am siebhäufigsten gespielte Track bei den dortigen Radiosendern. In Dänemark hingegen herrscht im Radio aktuell ESC-Ebbe. Das gilt auch für die weiteren Länder, die wir geprüft haben (meistens Top 10): Belarus, Belgien, Bulgarien, Estland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Lettland, Malta, Niederlande, Nordmazedonien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, Slowenien, Spanien und Tschechien.

Damit hat der ESC 2021 aus Radio-Perspektive ein eher schwaches Erbe hinterlassen. Seht Ihr das anders oder wisst Ihr, welche ESC-(Vorentscheidungs-)Songs oft im Radio gespielt werden? Dann postet das gern unter diesem Artikel.


48 Kommentare

  1. Na ja, von Deutschland ist man ja die Ignoranz den ESC-Songs betreffend schon gewohnt. Aber dass Italien und Frankreich ihre erfolgreichen Beiträge weitestgehend ignoriert, erstaunt mich dann doch etwas.

    Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass Clara Klingenström ein besseres Ergebnis für Schweden erreicht hätte als Tusse. Einfach weil der Song kantiger ist, will sagen, nicht so glattpoliert. Wobei „Voices“ nicht wirklich schlecht war, nur, so etwas kam ja schon öfters aus Schweden, keine wirkliche Überraschung mehr.😉

  2. Gestern Abend lief bei N-Joy Daði mit 10 Years , war aber auch ganz überrascht . Man hört auch dort selten ein aktuellen ESC Titel obwohl dieser zum NDR gehört .
    Zu Clara das scheint in Schweden ein großer Hit zu sein , es läuft ja überall für Sie ganz gut in den Schwedischen Charts .

      • Wow. Wo sind die denn alle? Ich kenne keinen einzigen Menschen, der Radio hört. (Ausnahme ab und zu Klassikradio.)

      • Der Fernseher ist für mich auch nur für die Tagesschau, Sport und den ESC da.

      • Ist es nicht erschreckend, wie man immer öfter zu WDR4 switcht? Bei 1Live ist es mir zu nervig, rauszufinden, was für Genres in welcher Stunde laufen, und WDR2 ist einfach unerträgliche Kaufhausmusik geworden.

      • 1LIVE war mir immer zu nervig und WDR2 wird immer mehr zum schlechten SWR3, während WDR4 vom Schlagersender zu einem SWR1 Klon

      • 1Live ist on gewissen Timeslots gut, aber in anderen unerträglich; leider ändern die Slots sich gefühlt 1 mal im Monat. WDR2 hab ich nie nachvollziehen können; hatte – als ich noch ’n Radio hatte – den Sender aber wg. Fußball und Nachrichten fast immer drauf eingestellt. WDR4 war wie Du sagst immer der Schlager/Berg Sender, hat sich erstaunlich gewandelt. Ansonsten haben wir in NRW ja gefühlt leider nur 1 Privatsender und – zunindest in Köln – nen katholischen Sender. Ein Armutszeignis für so ein bevölkerungsreiches und diverses Bundesland. Da freut man sich echt über Webradio. Aber die Geräusche beim Sebderwechsel auf ’nem „echten“ Radio fehlem mir irgendwie.

      • Der eine Privatsender (Lokalradio GMBH) gehört auch noch zu 25% dem WDR. Im Aachener Raum gibt es noch das aus Belgien sendende 100,5 Hitradio, aber ja Radio in NRW ist peinlich

      • Ist wirklich bizarr – bei meiner Mütter im ländlichen SH bekommt man zT über 10 Sender rein.

      • Ich habe jetzt mal nachgeschaut. WDR 4 war mir immer als reiner Schlagersender bekannt (war aber schon mindestens 30 Jahre her, wo ich den Sender das letzte Mal gehört habe😆).
        Ihr jetziges Programm klingt gar nicht mal so schlecht, fast wie bei meinem Lieblingssender.

      • @ Gaby.

        Leider hat WDR4 vor Jahren sein Programm umgestellt. Du hast recht, der Sender war immer sehr schlagerfreundlich. Und genau dann, als Schlager hierzulande wieder IN und erfolgreich war, wurde diese wunderschöne Sparte Musik aus dem Programm genommen. Selbst eine Helene Fischer kommt nicht mehr im Programm vor. Wir im Westen sind mit Einslive, WDR 2 und WDR 4 arg gestraft. Erst vor paar Tagen wurde Maneskin auf WDR 2 gespielt. Der Moderator war sehr arrogant. Zwar lobte er Maneskin. Aber gleichzeitig sagte er überheblich, dass der ESC wohl mal was Gutes hervorgebracht hat. WDR 4 spielt nun überwiegend Oldies aus den 1970er und 1980er Jahren. Durchaus schöne Lieder. Aber wenn man täglich ABBA hört wird es schon langweilig.
        Als Schlagerfreund sage ich es sehr gerne, mein Lieblingssender ist SWR 4. Die User im Südwesten haben es gut.

      • @Andi

        Ich gebe zu: Ich mag die Musik aus den 70er und 80er Jahren. Deshalb ist SWR1 mein bevorzugter Sender. Aber es stimmt, es ist für mich auch noch nicht so 100%ig das Gelbe vom Ei. Wenn man genau hinhört, wiederholt sich das Programm auch. Sind aber immerhin etwas abwechslungsreicher wie die meisten anderen. Und die Infos sind ganz gut.

        Ja, ich mag Schlager eigentlich auch ganz gerne, aber ehrlich gesagt, eher die älteren. Mit den aktuellen Schlagern kann ich eher weniger anfangen.

    • Auf SWR 2 und DLF gibt’s zumindest gute informative Sendungen, interessante Vorträge, Features etc. und wenn mir nach klassischer Musik ist, wird da auch Einiges geboten.

    • Wir hören in der Arbeit den ganzen Tag Radio und beim Autofahren läuft bei mir auch der Radio. Aber zu Hause greif ich dann doch lieber auf Spotify zurück

    • Radio Bob! beim Autofahren. Die Moderation geht mir da zuweilen auf den Keks. Dafür ist die Musik anständig.

      • Das ist doch der Rock-Sender, oder? Da müßte Maneskin ja perfekt reinpassen.

      • Da habe ich bisher Maneskin allerdings nur einmal kurz vor dem ESC kurz anspielen gehört.

      • Radio Bob ist zwar gut, ignoriert aber sowas wie den ESC komplett, da sie sich eher drüber lustig machen. Rock Antenne hingegen hat den Song öfter gespielt.

    • Ich hör eigentlich nur auf dem Weg zur Arbeit Deutschlandfunk. Dudelsender vertrage ich gar nicht. Wenn ich meine Eltern besuche, gibt’s da oft die volle Dosis NDR Kultur, also Klassik.

    • Der Kommentar mag jetzt vielleicht impulsiver und persönlich eingefärbt sein, weil ich selbst begeistert Radio mache und es für mich ein absoluter Traum ist – aber deinen Kommentar find ich (obwohl er vergleichsweise harmlos erscheint) doch echt daneben. Klar, die Radiolandschaft ist in einigen Bundesländern nicht wirklich das gelbe vom Ei (wie einige hier schon angemerkt haben). Und auch wenn du persönlich kein Radio hörst, spricht die Statistik einfach Bände – für den Großteil der Bevölkerung ist es eine unfassbar wichtige Informationsquelle oder einfach Unterhaltung. Auf deinen Kommentar zu antworten reizt mich einfach unglaublich und ich fühle mich dabei schon etwas angegriffen, gerade weil es so beiläufig „von oben herab“ wirkt. Und das geht einfach gar nicht. Verbring deinen Tag gerne womit du möchtest, hol dir deine Infos sonstwo her, aber dann akzeptier bitte einfach auch, dass andere Menschen sich nicht so informieren wie du selbst. Nur weil das Radio bald 100 Jahre auf dem Buckel hat heißt das nicht, dass es an sich out, altmodisch oder uninnovativ ist. Das Tolle: gerade weil es so viele Radiosender gibt, gibt es für Jeden seine Nische. Ich bin mir sicher, dass es zahlreiche Sender gibt, die auch dir gefallen würden. Probiers doch einfach mal aus, Radio kann man auch übers Internet hören (wie verrückt, oder?).

      • Ich war doch nur überrascht, dass so viele Leute noch Radio hören, weil ich persönlich niemanden kenne, der das tut, und wollte niemandem zu nahe treten …

  3. In den italienischen Radios läuft im Moment Mille, Mille und wieder Mille (Fedez-Achille Lauro-Orietta Berti). Ein Tormentone im wahrsten Sinne des Wortes.
    Was ehemaligen ESc-teilnehmer angeht, habe ich anch die neuen Songs von Diodato ( L’uomo oltre il campione, ein Lied über Roberto Baggio) Francesca michielin (Cinema, zusammen mit Samuel) und Mahmood (Klan) schon mehrmals gehört.

  4. Also SWR3 hat gestern abend Zitti e buoni gespielt! Und auf dem örtlichen CSD liefen innerhalb von 10 Minuten I wanna be your slave UND Zitti e buoni… Måneskin brauchen das Radio anscheinend nicht.

    • Und Constantin Zöllner hat ihn auch brav in seiner Sendung mit Gottschalk gespielt, also mind. schon zwei Mal auf SWR3 gelaufen . Ich höre den Sender aber auch nur im Auto.

  5. Als Sektorkind höre ich natürlich immer noch täglich Einslive. Vielleicht muss man damit aufgewachsen sein, um Einslive immer noch gut zu finden.

    Finde es schade, dass trotz guter Beiträge der ESC dermaßen in der Nische verschwindet, dass er kaum bis gar nicht im Radio vertreten ist.

    Dafür wächst meine Spotify Playlist Dank des New Music Friday Italia jede Woche um ein paar italienische Songs. Die neuen Lieder von Annalisa, Irama und der Fedez-Berti-Combo finde ich überragend.

    • wusste anscheinend niemand, Ich wusste es auch nicht und guck eigentlich vorher immer wer so dabei ist, ob es sich lohnt rein zu gucken

      • Ich habe gesehen. Bei Dotter hat es sich um ein Huhn aus der Pfalz gehandelt. Nicht die schwedische Sängerin. Dafür war aber luca hänni dabei

      • Richtig, Dotter war ’nur‘ ein Huhn gleichen Namens. Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden verärgert. Ich fand Dotters Auftritt ob des Namens extrem witzig. 🙂

  6. Salz in meine Wunde…. ich dachte, wir hätten es langsam hinter uns… aber es taucht doch immer wieder auf… 😛

  7. Spätestens seit überschrittener Lebensmitte kann ich mit dem „aktuellen“ Musikgeschmack nichts mehr anfangen.
    Vor 15 Jahren konnte ich noch 1LIVE und 1LIVE diggi hören, jetzt komme ich mit keiner „jungen“ Welle der ARD mehr klar (zuviel Deutsch-Rap, RnB und die Moderation ist auch zu nervig).
    Privatradio war sowieso noch nie meins.
    Ich bin seitdem mehr und mehr auf Wort-Wellen ausgewichen: Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, WDR 5 (Nachrichten auch auf hr Info).
    Soll Musik im Hintergrund „dudeln“ kann es hr1, SWR1 oder DLF Nova sein.
    Ansonsten gibt es Webradios, die – je nach Stimmung – eher meinen Musikgeschmack treffen: 80er-Jahre-Streams oder auch Synthwave/Retrowave auf neoRadio.
    Selektiv höre ich auch WDR4 oder SuperFly Wien.

      • @4porcelli: Da hast Du in der Tat recht. Dass sie so sympathisch sind, macht es mir leichter, darüber hinwegzukommen, dass ein Rocktitel den ESC gewonnen hat. Unter normalen Umständen wäre das für mich eine Katastrophe und ein gewichtiger Grund, dem ESC in dramatischer Weise meinen Fanstatus aufzukündigen (bevor ich dann angesichts des ersten meinen Geschmack treffenden internationalen VE-Titels 2022 in einem Akt der Großmut und Vergebung wieder zurückkehre) 😉

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