Benidorm Fest: 886 Lieder für spanischen Vorentscheid eingereicht

Quelle: RTVE/Eurovision

Vor wenigen Wochen endete die Bewerbungsfrist für Benidorm Fest 2022, den neuen ESC-Vorentscheid Spaniens. Am Montag gaben die Organisatoren stolz in einer Pressekonferenz bei RTVE bekannt, dass sie 886 Lieder erreicht haben. Davon stammen 692 von Kandidaten, die sich beworben haben, und 194 von eingeladenen Künstlern.

Die Chefin der spanischen Delegation, Eva Mora, teilte zudem mit, dass es für sie und ihr Team eine Herausforderung sei, ein diverses und ausgewogenes Teilnehmerfeld zu erstellen, da man möglichst viele Stile und Künstlerformen würdigen wolle. Ihren Favorit habe sie jedoch bereits gefunden und zitierte dazu den Satz des verstorbenen spanischen ESC-Kommentatoren José María Iñigo: „Wenn man das (eine) Lied hört, weiß man es“.

Trifft man den spanischen Musikgeschmack?

Zu den Organisatoren des Festes gehören auch Musikproduzenten wie Tony Sanchez Ohlsson, der hinter den spanischen ESC-Beiträgen von 2007, 2012 und 2015 steckt. Er sagte, dass die eingereichten Lieder qualitativ hochwertig seien und das neue Festival in ihrem besten Licht zeigen werden. Man wolle zudem versuchen, die teilnehmenden Lieder über die verschiedenen Radiosender laufen zu lassen, und arbeite deswegen an Kooperationen.

Bemerkenswert war zudem, dass einer der Produzenten angab, etwas zum ESC senden zu wollen, was auch „Leute auf der Straße“ hören. Spanien hat dies nur in den seltensten Fällen geschafft. Musikstile wie Flamenco-Pop, Latin-Pop, Trap oder gar Reggeaton, die die spanischen Hitlisten dominieren, fanden bei der spanischen ESC-Teilnahme fast nie statt. Das Kunststück wird es sein, ein Lied zu finden, dass tatsächlich den spanischen Musikgeschmack trifft. Laut Eva Mora habe man diese Musikrichtungen aber bei den Bewerbungen dabei, ebenso wie eine gute Mischung aus Newcomern und bekannten Künstlern. Noch vor Weihnachten soll das Teilnehmerfeld bekannt werden.

Keine Punktevergabe?

Die Organisatoren sind sich noch immer nicht sicher, ob es eine traditionelle Verkündung von Punkten oder einfach eine Bekanntgabe des Siegers geben wird. Diese Idee wurde bei der vergangenen Pressekonferenz von einem der Produzenten geäußert; so wolle man bekannte Künstler anlocken, die sich nicht die Blöße geben wollen falls sie schlecht abschneiden. Dieser Vorschlag stieß auf viel Kontroverse bei spanischen ESC-Fans, allerdings scheint es fast so, als würden es sich bekanntere Namen so wünschen, sonst würden die Organisatoren nicht noch immer öffentlich mit der Idee spielen.

Erfreulich sei für die Delegation gewesen, dass neben Liedern auf Spanisch auch Lieder in den Regionalsprachen wie Katalanisch oder Baskisch eingereicht wurden. Zudem ist man so überwältigt von der Anzahl der Bewerbungen, dass man sich überlegt, die Teilnehmerzahl in kommenden Jahren auszuweiten. Zudem soll Benidorm nicht zwangsweise immer der Austragungsort bleiben. Künftig könnten sich auch andere Städte und Regionalregierungen, wie in diesem Fall die von Valencia, um die Organisation bewerben. In der Woche des Benidorm Fests, soll es in der Stadt viele Rahmenveranstaltungen geben, ein genaues Datum ist aber weiterhin nicht bekannt.

Viel Wirbel um Ana Mena

In den vergangen Tagen waren spanische Fans in Aufruhr: Eine der erfolgreichsten Künstlerinnen des Moments, Ana Mena, hatte ihre Beiträge auf Social Media gelöscht und stattdessen kryptische Nachrichten und ein Bild der ESC-Gewinnerin Massiel gepostet. Spanische Fans waren sich sicher, dass dies ihre Teilnehmer bei Benidorm Fest bedeuten müsse. Schon seit Wochen spekuliert man über ihre Teilnahme, da sie immer wieder Dinge in diese Richtung von sich gab.

Nun stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei der Aktion um ein Werbe-Stunt handelte für ihre neue Single, die am Donnerstag erscheinen soll. Die Frustration der Fans ist nun perfekt: Viele haben die Künstlerin entweder blockiert oder greifen sie in ihren Social-Media-Kanälen an. In Spanien spielen Künstler hin und wieder mit Gerüchten über eine mögliche ESC-Teilnahme, um etwa mediales Interesse oder die Aufmerksamkeit von bekanntermaßen sehr leidenschaftlichen ESC-Fans auf sich zu ziehen.


11 Kommentare

  1. Das kann ja eigentlich nur besser werden. Letztmals hat es ein spanischer ESC-Beitrag 2005 in meine Playlist geschafft. Buena suerte!

    • Nicht mal Pastora Soler? Quedate Conmigo ist doch die ideale Drama-Ballade! Sicher magst Du es nur deswegen nicht, weil es ein Schwede geschrieben hat… 😉

      • Einer meiner ET-Kumpels hat vor vielen Jahren den schönen Begriff „quality screaming“ geprägt. Mehr will ich dazu nicht sagen … 😀

  2. Und laut eurovision-spain.com sind auch andere Namen hoch gehandelt, u.a. auch die in Fankreisen gehypten

    Tanxugueiras, die einen Song ähnlich wie Figa auf galizisch eingereicht haben:

    https://youtu.be/Hcd6CicBCUI

    https://eurovision-spain.com/tanxugueiras-recoge-el-guante-y-envia-cancion-para-eurovision-sigue-la-linea-de-figa-o-midas/

    Weitere Acts, die bestätigt haben, einen Song eingereicht zu haben sind: Rayden (Titel: Calle de la llorería) und Marta Sago. Desweiteren sind laut J Cruz, einem Jurymitglied, viele Künstler dabei, die eher aus youtube bekannt sind, statt im Fernsehen. Deutet schon mal auf eine junge und frische Auswahl hin, die den spanischen Markt eher widerspiegelt, als sagen wir mal OT?

    Also für Miss Caffeina bin ich ja schon lange 🙂

    https://youtu.be/HterWfmxe4E

    • Klingt beides wirklich gut. Tancuguereiras mag ich noch ein kleines bißchen mehr. So eine Musik könnte ich mir sehr gut für Spanien beim ESC vorstellen.🙂

      • Sehe ich genauso. 😉

        Die Vermischung aus Folklore und Trap (oder so?) ist schon ne feine Sache 🙂

  3. Na, unter den vielen Bewerbern werden sich doch sicher wettbewerbsfähige Titel finden. Spanien hat sich echt in den letzten Jahren unter Wert verkauft. Seit 2000 waren nur 2001, 2004, 2012 und 2015 ganz gut (mMn). 2019 fand ich anfangs gut, ging mir aber dann doch zunehmend auf den Keks. Also: Es kann nur besser werden.
    Ich denke, die spanische Musikszene hat wesentlich mehr zu bieten.😉

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