Braucht der Eurovision Song Contest noch nationale Vorentscheidungen?

Erste Probe Netherlands Duncan Laurence Arcade ESC 2019 4
Foto: Thomas Hanses

Dieser Beitrag stammt von ESC-kompakt-Gastblogger Steffen.

,,Uuden Musiikin Kilpailu“, ,,Unser Lied für…“, ,,Melodifestivalen“, ,,Eesti Laul“, ,,Supernova“, etc. – alle diese Namen haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind die Titel bekannter und mittlerweile mehr oder weniger traditioneller nationaler Vorentscheide, die zu jeder neuen Ausgabe des Eurovision Song Contest dazugehören. Fans, die den Song Contest schon länger verfolgen, werden sich sicherlich auch noch an klassische Titel wie “Nationaal Songfestival“ oder “Eurosong“ erinnern. Aber warum treten diese Shows heute nicht mehr in Erscheinung?

Das ,,Nationaal Songfestival“ war beispielsweise bis 2012 die traditionelle ESC-Vorentscheidung in den Niederlande. Lediglich in wenigen Jahren wählte das niederländische Fernsehen bis dahin seine Beiträge intern aus. Seit 2013 wurde allerdings kein niederländischer Beitrag mehr über eine öffentliche Vorentscheidung bestimmt, sondern immer intern durch den Fernsehsender AVROTROS.

Für diese Entwicklung gibt es über die letzten zehn Jahren unzählige Beispiele. So gab es im Jahre 2010 noch 33 Länder, die über eine nationale Vorentscheidung zumindest entweder das Lied oder den Interpreten auswählten. Lediglich sechs Länder bestimmten ihren Beitrag in diesem Jahr intern. Schauen wir auf das Jahr 2019, in dem zwar 41 statt wie 2010 39 Länder teilnahmen, es aber nur noch 28 Vorentscheidungen gab. Interne Auswahlen hingegen erfolgten in 13 Ländern. Dabei ist allerdings noch anzumerken, dass von den 28 Vorentscheidungen nur 25 sowohl Lied als auch Interpret auswählten. In Israel und Malta wurde nur der Interpreten ausgewählt, dafür durften die Finnen lediglich über den Song entscheiden.

Ein noch extremeres Beispiel kommt aus dem Jahre 2016. Dort gab es mit nur 25 öffentlichen Auswahlverfahren die niedrigste Anzahl an nationalen Vorentscheidungen in den 2010er Jahren. So kommt in diesem Jahr auch die höchste Anzahl von internen Auswahlen zustande: Insgesamt 17 Länder wählten ihre Beiträge hinter verschlossenen Türen.

Wenn wir für 2019 noch einen Blick auf die Ergebnisse werfen, fällt auf, dass insgesamt fünf der Top-10-Länder ihre Beiträge intern auswählten. Drei von diesen Ländern landeten am Ende sogar auf Platz 1 (Niederlande), Platz 3 (Russland) und Platz 4 (Schweiz). Für die Niederlande (Aufmacherfoto: Sieger Duncan Laurence) war es der erste Sieg seit 1975, für die Schweiz (Foto unten: Luca Hänni) das beste Ergebnis seit 1994. Da stellt sich doch die Frage, ob der Eurovision Song Contest überhaupt noch nationale Vorentscheidungen braucht. Oder hätten wir am Ende bessere und qualitativ hochwertigere Beiträge, wenn alle Länder auf die kostspieligen Vorentscheidungen verzichten würden?

Zweite Probe Schweiz Luca Hänni She Got Me ESC 2019
Foto: Thomas Hanses

Um ehrlich zu sein: Nein, dann hätten wir keine besseren Beiträge. Denn der ESC braucht definitiv nationale Vorentscheidungen in den Teilnehmerländern, wozu die EBU auch jedem teilnehmenden Land rät. Zwar können mit einer internen Auswahl viel Aufwand, teilweise Drama (deutsche Vorentscheidung 2015 oder spanische Vorentscheidung 2017) und viele Kosten gespart werden, allerdings kann eine interne Auswahl nicht den gleichen Hype generieren wie eine nationale Vorentscheidung. Klar, der Künstler kann ein Superstar im eigenem Land sein, aber wenn das Lied nicht gut ist bzw. schlecht abschneidet, schadet es den Künstlern meistens nur und der Hype verfliegt. Bei einer internen Auswahl stehen Interpret und Beitrag ja schließlich schon fest, aber eine nationale Vorentscheidung kann über den Beitrag einen wahren ,,Kampf“ im eigenen Land entfachen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die skandinavischen und baltischen Länder, die jedes Jahr ihre Beiträge über große Vorentscheidungen auswählen. Dort gibt es jedes Jahr eine hohe mediale Aufmerksamkeit, die Vorentscheidung erzeugt Interesse im Land, Menschen werden damit auch auf den ESC aufmerksam und auf das Ergebnis der Vorentscheidungen können sogar Wetten platziert werden. Erinnern wir uns beispielsweise an das Jahr 2014, als Ace Wilder und Sanna Nielsen um den Sieg im schwedischen Melodifestivalen kämpften und im Vorfeld als die beiden großen Favoritinnen gehandelt wurden. Am Ende gewann Sanna Nielsen mit zwei Punkten Vorsprung, Ace Wilder landete auf Platz 2. Ace Wilders Lied ,,Busy Doin‘ Nothin“‘ wurde aber ein Hit in Schweden, ist bis heute eines von vielen Vorentscheidungs-Lieblingsliedern bei den ESC-Fans.

Das ist dann auch der nächste Vorteil von nationalen Vorentscheidungen: Für uns Fans gibt es dort jedes Jahr Unmengen an neuen Künstlern und neuen Liedern, die wir ansonsten vermutlich nie gefunden hätten. Das ist nicht nur für uns Fan ein Vorteil, sondern auch für die Künstler selbst, die so neue Fans generieren und damit auch Spotify-Plays, YouTube-Klicks usw..

Auch wäre der ESC nicht so divers, wenn es die Vorentscheidungen nicht geben würde. Schauen wir uns doch Australien an, das von 2015 bis 2018 seine Beiträge stets intern auswählte. In diesem Zeitraum schickte Australien immer einen gut und professionell produzierten Song von einem bekannten Künstler. Es war allerdings meistens ein typisches Pop-Lied, das so auch im Radio laufen könnte. Ob das nun als positiv oder negativ angesehen werden kann, muss jeder für sich selbst entscheiden, doch wirklich divers waren die australischen Beiträge bis dahin nicht wirklich.

2019 gab es dann in Australien die erste eigene Vorentscheidung mit dem Titel ,,Eurovision 2019: Australia Decides“. Und dort gab es nun wirklich viele diverse Beiträge, wie wir das vorher von Australien nicht kannten. Am Ende schickte Australien ein Popera-Lied mit elektronischen Einflüssen und einer wahrlich ikonischen Performance. Das wäre in einer internen Auswahl sicherlich nicht zu Stande gekommen, da die zuständigen Fernsehanstalten meistens einen qualitativ hochwertigen, aber massentauglichen Beitrag auswählen.

Zweite Probe Australien Kate Miller-Heidke Zero Gravity ESC 2019 3
Foto: Andres Putting

,,Arcade“, ,,She Got Me“, ,,Proud“ und ,,Truth“ sind alles sehr gute, intern ausgewählte Pop-Songs, die definitiv in den Radios gespielt werden können und die auch verdient die Top 10 erreichten. Aber Lieder wie ,,Spirit in the Sky“, den Elektropopsong der Band KEiiNO mit einem joikenden Norweger gesungen auf Englisch und Nordsamisch, ,,Soldi“, auf Italienisch gesungen mit sehr modernen und zeitgemäßen Trap-Einflüssen oder ,,Sebi“, ein sehr reduziertes, aber modernes Lied auf Slowenisch von einem eher verhaltenen Paar dargeboten, wurden alle durch nationale Vorentscheidungen ausgewählt und wären wahrscheinlich intern nie zum Zuge gekommen.

Ein weiteres Beispiel aus 2019 sind wohl Hatari aus Island. Ich denke nicht, dass diese Band durch eine interne Auswahl je zum ESC gefahren wäre. Durch Islands Vorentscheidung ,,Söngvakeppnin“ konnte die Rundfunkanstalt in Island aber testen, ob das isländische Publikum diesen Beitrag gut findet oder nicht, ob der Beitrag funktioniert oder doch zu gewagt wäre für den modernen ESC der 2010er Jahre. Am Ende stand Platz 10 und Hatari holten Islands bestes Ergebnis der letzten zehn Jahren.

Zweite Probe Island Hatari Hatrid mun sigra ESC 2019
Foto: Thomas Hanses

Um es zusammenzufassen: Die nationalen Vorentscheidungen gehören einfach immer noch zum ESC dazu. Die zahlreichen Vorentscheidungssendungen bieten oft selbst ihre ganz eigenen Highlights: Die ,,uncomfortable question“ von Jamala an Maruv beim Vidbir 2019, Ilincas Kommentare und ihr Verhalten als Jurorin in der Selecția Națională 2018, Danny Saucedo und Gina Dirawi die ,,Euphoria“ auf Schwedisch sangen beim Melodifestivalen 2013, Laing bei ,,Unser Song für Österreich“ 2015 etc. – alle diese ,,Memes“ und Momente wären ohne die nationalen Vorentscheidungen nicht entstanden.

Außerdem: Wie langweilig wäre die Zeit ohne die albanische Vorentscheidung um Weihnachten herum (in ESC-Kreisen als ,,FiKmas“ bezeichnet) und die vollgestopfen Samstage im Februar mit unzähligen ESC-Vorentscheidungen – wir hätten mit intern Ausgewählen sonst nur den März, in dem jedes Land sein Lied mit Musikvideo präsentieren würde. Wir hätten wahrscheinlich sehr viele englischsprachige Pop-Songs, die gut im Radio laufen und super auf Spotify funktionieren, aber die Diversität wäre definitiv verloren.

Das einzige Lied, das meiner Meinung nach für eine interne Auswahl gewagt war, war doch das israelische ,,Toy“ aus 2018. Ich meine, ein Lied auf Englisch und Hebräisch über ein gesellschaftliches Problem mit Hühner-Sounds – das ist von der israelischen Rundfunkanstalt KAN dann doch sehr gewagt gewesen. Und jetzt gehört es zum ESC dazu – genauso wie das ukrainische Hamsterrad 2014, die backenden Großmütter aus Russland 2012, die fliegende Australierin im Weltall 2019, der rumänische Tenor-Dracula 2013, die estnische Oper mit Projektionskleid 2018 etc.. Und alle diese Beiträge wurden über eine nationale Vorentscheidung ausgewählt.

Was meint Ihr: Vorentscheidungen ja oder nein? Würde dem ESC etwas fehlen, wenn mehr und mehr Ländern ihre Beiträge intern auswählen würden?


69 Kommentare

  1. Apropos – es läuft wohl tatsächlich auf eine Direktnominerung bei uns hinaus… Do. 20.02. und Do. 27.02. laufen laut ARD Programmvorschauen Krimis… Auch sonst kein Sendeplatz für eine VE bis zum 29.02. ersichtlich. Die KW 10 ab 29.02. ist noch nicht veröffentlicht, aber es gibt da eigentlich auch keine Anzeichen, das da noch was kommt… Und der Vorlauf jetzt wäre eigentlich auch etwas kurz… Schätze eher, dass was direkt nominiert wird und evtl ja am 14.3. in der Silbereisen-Show präsentiert wird… Vielleicht macht er es ja selber mit Thomas Anders im Duett? 🙂

    • Es kann trotzdem bis dahin noch Programmänderungen geben und ich bin optimistisch, daß es einen Vorentscheid gibt. Es bleibt auch noch die erste Woche im März.

      • Ja der 5 oder 6.März wäre sicher noch denkbar.Hoffen das wir jetzt kommende Woche mal was erfahren.

    • Der Titel Sie hat es wieder getan wäre garnicht mal so übel..Glaub aber nicht das Florian und Thomas es machen…Der Act könnte durchaus am 14.3.dabei sein…Premiere des Songs wird sicherlich früher sein.Das es noch eine VE gibt, kann ich mir auch kaum noch vorstellen…

    • Für mich erscheint eine Teilnahme bzw. eine Mitgestaltung am diesjährigen ESC Song mit Nico Santos weiterhin sehr wahrscheinlich!

  2. Könnte es Mandy Capristo werden? Die taucht demnächst einfach so für eine kurze Gastrolle in einer ARD-Serie auf und könnte somit auch vielen Zuschauern bekannter gemacht werden.

    • Vielleicht ist es ja Ingo Zamperoni, schließlich ist der dauernd in den Tagesthemen. Und dann bekämen wir bestimmt 12 Punkte aus Italien.

      • Ingo Zamperoni singt aber nur privat in einer Cover-Band und hat auch keinen Vertrag mit einer Plattenfirma oder CD-Veröffentlichung! Also fällt der schon mal weg…

      • Ja, auf jeden Fall! In Anlehnung an den letztjährigen Beinahe-Sieger wird er auf italienisch rappen. Unter seinem Künstlernamen Ingo-Z. Mit dem Titel ‚Poldi‘. Würde uns auch die 12 Punkte aus Polen garantieren.

      • ROFL 12 points! Und Poldi ist gerade ohne Verteag, könnte also Background Dancsr sein!

  3. Vielen Dank für den guten, reflektierten Artikel. Ich denke, es haben beide Varianten ihre Berechtigung. Natürlich freue ich mich über jeden Vorentscheid, da es jedes Jahr immer wieder musikalische Juwelen zu entdecken gibt. Es ist doch auch toll, sich speziell bei ESCkompakt über diese Musik auszutauschen. Andererseits kann natürlich auch eine Direktnominierung zum Erfolg führen. Hat man ja in den letzten Jahren schon mehrmals erlebt, wie sehr richtig geschrieben wurde. Deshalb wäre ich gar nicht sooo böse drum, wenn es der NDR dieses Jahr mal mit einer Direktnominierung probieren würde. Vorausgesetzt, es wird nicht zur Dauereinrichtung. Am liebsten wäre mir natürlich eine mehrteilige VE, wie in anderen Ländern, aber das wird wohl leider die nächsten Jahre ein Traum bleiben.
    Aber wenn Direknominierung, dann sollte der Act bzw. der Song sorgfältig ausgewählt werden, das heisst beides sollte zumindest zueinander passen. Und natürlich müsste der Song vor allem in Deutschland ordentlich promotet werden, weil, wenn der Beitrag schon nicht im eigenen Land zündet, wird er international erst recht floppen, meiner Meinung nach.

  4. Der Weg ist doch klar und hier sollte sich keiner Illusionen machen. National ist bis auf Skandinavien und ein paar andere Ausnahmen die Vorentscheidung eine aussterbende Spezie. Warum? Machen wir uns nix vor. Eine Vorentscheidung findet in vielen Ländern nicht die Resonanz die nötig ist das entsprechende Geld zu investieren. Während das Finale, durch die tolle Show und seine Einzigartigkeit, Zuspruch gewinnt, ist es national ein Krampf. Zudem sind alle Formate und Abstimmungsverfahren schon durchgenudelt, mit teilweise fragwürdigen und einfach schwachen Ergebnissen. Der gewählte beste „gemeinsame Nenner“ ist eben oft zu konform, durchschnittlich und ohne Ecken und Kanten. Und für mich ist es auch eine klare Absprache der Big Four in 2020 sich hier aus den VE zurückzuziehen. Das ist sicher kein Zufall. Italien ist hier bewußt draußen. San Remo ist wie der ESC ein absoluter Klassiker und zieht national den höchstmöglichen Zuspruch. Die Ergebnisse geben ja hier auch recht.

  5. Der ESC braucht weder das eine noch das andere – nur leider klammert dies dieser Gastbeitrag unverständlicherweise aus: Ob ein Lied aus einem Vorentscheid oder einer Direktnominierung entstanden ist, ist letztendlich egal. Sofern die Verantwortlichen ein Gespür für einen Beitrag haben, der europäisch tragfähig ist, ist das Verfahren m.M.n. egal. Insodern kann man auch die Mutmaßungen, ob das eine oder das andere besser ist, in das Reich des Zufalls abschieben.

    An einer Stelle muss ich dem Gastbeträger allerdings Recht geben:
    Die mehrheitlich interessanteren Beiträge der letzten Jahre stammen aus Vorentscheiden, da man dem TV-Publikum andernorts Außergewöhnliches zutrauen mag. Die Beispiele wurde hier größtenteils genannt, aber genauso gut hätte man die interessanteren Direktnominierungen der letzten Jahre nennen können, z.B. Belgien oder Österreich.

    Dass man allerdings dem trantütigen deutschen TV-Publikum eine solche Wahl erst gar nicht (mehr) gibt, liegt allerdings am NDR – und dem Hang und Drang zur bedingunglosen Massenkompatibilität. Allein schon die Einlassungen, dass so jemand wie Herr Silbereisen oder Herr Anders sowie die Frau Fischer ernsthaft hier diskutiert werden, zeugt mehrheitlich von einer feindlichen Übernahme des Schlageresken, und hat weniger mit interessanten musikalischen Beiträgen zu tun. Leider.

    So bleiben für Deutschland nur der Wunsch und die Hoffnung nach einem guten Lied – egal ob Vorentscheid oder nicht. Haben doch gerade die letzten Jahre mal wieder gezeigt, dass die unheilvolle Allianz aus NDR und deutschem TV-Publikum zielsicher die langweiligsten und uninteressantesten Beiträge hervorbringt, zumal die Auswahl der letzten Jahre bis auf große Ausnahmen (z.B. Laing, Ryk) eher diese Vermutungen nur untersützen mag.

    Insofern, egal wer für Deutschland 2020 singen wird, größer als jetzt kann die Distanz zwischen Fans und dem TV-Sender gar nicht werden. Also, auf ein Neues!

    • „Feindliche Übernahme des Schlageresken“ – sehr amüsant. Bevor der NDR übernahm, gab es deutlich mehr Schlagereskes zu hören in den deutschen Vorentscheidungen, man sprach ja schließlich auch vom „Schlager-Grand-Prix“. Allerdings gebe ich zu, dass mir die Schlager von heute meist auch nicht so gefallen. Schlager von der Art wie sie in Vorentscheidungen und Finals einst von Marianne Rosenberg, Joy Fleming, Katja Ebstein, Mary Roos, Ingrid Peters, Paola, Ireen Sheer, Udo Jürgens (für Österreich natürlich, aber dennoch Schlager), Hannes Schöner, Tony Marshall etc. zu hören waren, hätte ich jedoch gern wieder mehr.

      Ab und zu empfand auch ich die Wahl des deutschen Beitrags als unheilvolle Allianz zwischen deutschem TV-Publikum und NDR, allerdings wirst Du mir bei meinen Beispielen1998 und 2000 (bei denen auch die BILD-Leserschaft eine große Rolle spielte) sicher nicht zustimmen.

      • Wobei damals ja quasi alles, was deutsch war als „Schlager“ (oder höchstens noch „Liedermacher“) bezeichnet wurde.“Merci chérie“ würde auf Französisch klar als Chanson durchgehen, genauso wie Joy Fleming oder Ireen Sheer auf Englisch Soul bzw. Pop genannt werden würden.

      • Deswegen habe ich hier ja auch schon vom „chansonhaften Schlager“ geschrieben, den ich mir zurückwünsche (wobei „chansonesk“ viel besser klingt, da bin ich jetzt erst durch das „schlageresk“ von Cars10 draufgekommen). Und überhaupt wünsche ich mir mehr Chansons, wie es sich für einen „Grand Prix/Concours Eurovision de la Chanson“ gehört, aber wenn ich an Frankreichs diesjährigen Teilnehmer denke, ist eher weniger zu erwarten.

        Du hast recht, der Begriff „Schlager“ war früher sicher weiter gefasst als heute, aber so ganz allumfassend kann dieser Begriff vielleicht doch nicht gewesen sein, denn wozu hätte es sonst die weit verbreitete Wortschöpfung „Schlager-Grand-Prix“ gebraucht, wenn nicht als Abgrenzung von anderem?

      • Vor NDW wurde fast allesdeutschsprachige Schlager genannt – sagt mein Daddy @usain. Und es ist chanonesque bitte ;-.).

      • Ja dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als Dir zuzustimmen! Die Idee, dass Ton Steine Scherben, Udo Lindenberg und Kraftwerk Schlager gesungen haben, hat durchaus Charme. Hauptsache, der ESC wird wieder mehr chansonesque und, was in unserer neu erarbeiteten Definition vielleicht sogar Cars10 unterstützen könnte, schlageresque 😉

        Dass ich wahrscheinlich in einer ähnlichen Altersklasse wie Dein Daddy bin, zeigt sich daran, dass ich das Kryptische „mein Daddy @Usain“ nicht verstehen kann, diese jungen Leute von heute mir ihrer merkwürdigen Sprache aber auch! (Andererseits fällt mir gerade zum Glück wieder ein, dass Du mal berichtet hast, was zu Zeiten von „Diva“ in den USA in den Clubs lief, also ist Dein Daddy vielleicht doch schon älter als ich – ich selbst bin ja zu Zeiten von NDW auf Popmusik aufmerksam geworden, daher bin ich ein klein bisschen zu jung für die Zeit, in der Schlager „alles“ war).

    • Um den ersten Abschnitt von Deinem Posting nochmal zu bestätigen: Ja, es ist schnurzpiepegal !

      Gerade wir in der tiefsten ESC-Provinz haben es nicht anderen Ländern vorzuschreiben, die sich allemal professioneller anstellen als Deutschland. Die letzte VE hierzulande habe ich mir 2016 angesehen, danach hat es mich nicht mehr interessiert (man könnte es auch „Fremschämen“ nennen)

      Möglicherweise liegt die Wahrheit irgendwo „in der Mitte“ und finde hier manche Kommentare ziemlich überheblich.

  6. Ich möchte gar nicht mal den NDR selbst kritisieren, der häufig sehr gute Acts für den Vorentscheid gewinnen konnte. Dabei erinnere ich gerne nochmal an Blitzkidz Movement, Ben Ivory, Avantasia, Gregorian, MarieMarie und Co. Aber nein… Deutschland hat sich anders entschieden. Und ich glaube diese Abwärtsspirale schreckt nun, so empfinde ich es, ähnlich gute Künstler ab. Von daher bin ich zuversichtlich, dass die möglicherweise intern stattfindende Auswahl dieses Jahr etwas gescheites hergibt.

  7. Also für mich ist klar: Die Vorentscheid muss der Regelfall bleiben. Der maßgebliche Zauber des ESC liegt für mich in der Einbeziehung des eurovisionären Volkes der Nationen, also zu einem guten Teil in einer Art Demokratie der Musikgeschmäcker. Da ist es mir auch egal, dass interne Auswahlen mitunter erfolgreichere oder qualitativ höherwertigere Beiträge hervorbringen können. Für mich gilt (auch und gerade in Deutschland): Lieber bei einem VE bleiben und dann schlechter abschneiden, als darauf zu verzichten. Wenigstens irgendeine Form der Auswahl (zumindest Song bzw. Interpret sollte drin sein. Sollten interne Auswahlen zum Regelfall werden, würde mein ESC-Fansein maßgeblich darunter leiden. War schon immer auch ein Riesen-VE- und nicht nur ESC-Fan.

  8. Definitiv ja. Es wird Zeit das die EBU vorschreibt, das der Zuschauer mindestens über den Song, der zum ESC geschickt wird mitentscheiden darf. Und wenn es nur ein Online-Vorentscheid ist.

  9. Einem Vorentscheid geht sowieso immer eine interne Auswahl voraus, nämlich die der antretenden Songs und Interpreten, die der Sender aus irgendwelchen Gründen zusammenstellt. Das Mitbestimmungsrecht des Volkes ist dann sowieso nur ein Kleines.

  10. Ich finde ja die ve-saison fast spannender als den eigentlichen esc. Die ebu sollte die teilnehmer verpflichten, einen öffentlichen vorentscheid auszutragen. In welcher form auch immer.

    • Man kann dazu niemanden verpflichten, daß MUSS jedes Land für sich entscheiden. Viele gute Künstler hätten in einer Vorentscheidung nicht teilgenommen und oft hat es sich ausgezahlt.

  11. Gank klar pro Vorentscheid.
    Dass es so etwas in so unterschiedlichen Ländern wie Schweden, Portugal oder Italien seit langem jährlich gibt, liegt ganz sicher nicht daran, dass die jeweilige Bevölkerung musikbegeisterter ist, sondern eher daran, dass diese Events eigenständige Musikveranstaltungen mit Tradition sind, bei denen die Möglichkeit, auch noch zum ESC fahren zu dürfen, nicht so im Vordergrund steht, wie das z.B. in Deutschland der Fall ist.

    Woran scheitert man in Deutschland? Immerhin ist zu loben, dass der NDR mit Übernahme 1996 den Vorentscheid überhaupt wieder einführte, doch trotz gelegentlich aufflammender landesweiter ESC Begeisterung hat man es nicht verstanden, diesen Vorentscheid als traditionelle Musik-Veranstaltung zu etablieren. Ein wesentliches Problem ist m.E. der wachsende Einfluss von Casting-Shows, gegen den sich der NDR nicht so recht zu erwehren weiss. Man erinnere sich nur, wie Raab und Mutzke 2004 einen an sich duchaus vielseitigen Vorentscheid zu einer Formalität machten oder wie im Folge Jahr ausschließlich Casting-Gewächse, die heute kein Schwein mehr kennt, ins Superfinale einzogen. Die Idee, den Vorentscheid auf drei Teilnehmer einzudampfen ist sicher diskutabel, zeitigte aber mit Texas Lightning und Roger Cicero vergleichsweise okaye/gute Beiträge. 2008 wurde man dann erneut vom Casting-Virus befallen, um dann nach dem Intern-Fiasko ASOS für drei Jahre komplett einzuknicken (Raab, übernehmen sie!).
    Ab ’13 dann mehr oder weniger das klassische VE-Konzept, dass neben dem unglücklichen Club-Konzert-Experiment von einer erneuten Casting-Offensive (diesmal The Voice) ausgehöhlt wurde und nun also aller Wahrscheinlichket nach wieder intern. Na Prost!

    Dies würde ich gerne als Chance betrachten, dass man mit einem wirklich substantiellen Künstler UND Beitrag zumindest ein bisschen Boden gutmacht, doch irgendwie kann ich mir nur weitere casting-affine Pappnasen wie Nico Santos, Paddy Kelly, Max Giesinger, Lotte oder Lea vorstellen. Die machen zwar nicht zwingend erfolglos Musik, aber einen Song, bei dem Europa aufhorcht, traue ich ihnen einfach nicht zu. Und vielleicht wäre das auch ganz gut so, denn eine erfolgreiche interne Nominieung könnte schließlich auch den endgültigen VE-Tod zur Folge haben …

    • Danke für die schöne Übersicht über die VEs der letzten Jahre unter besonderer Betrachtung des unschönen Einflusses von Casting-Shows! Es ist ein Jammer, dass sich diese schreckliche Format Anfang der 2000er etablieren konnte und sich heute für viele junge Leute als die einzige Möglichkeit darzustellen scheint, eine Gesangskarriere zu starten. Eine Zeit lang hatte ich Hoffnung geschöpft, als die Quoten für DSDS immer schlechter wurden, aber inzwischen gibt es ja längst wieder Ersatz (immerhin scheint man da wohl teilweise ein klein bisschen menschlicher mit den TeilnehmerInnen umzugehen als bei DSDS, wie ich gehört habe).

      Das VE-Konzept von 2013 hätte man m.E. einfach so belassen sollen (und das sage ich nicht nur, weil in diesem Jahr mit dem Song von Betty Dittrich einer meiner absoluten VE-Lieblingen dabei war).

  12. Danke für diesen spannenden Beitrag, Steffen. Der Wegfall der Vorentscheide wäre ein dramatischer Verlust, dafür hast Du sehr gute Argumente gebracht. Klar gewinnt dabei auch öfters mal ein Titel, der einem nicht so gefällt, aber dafür verbessert sich dadurch die Qualität des von porsteinn bereits erwähnten, absolut unverzichtbaren Second-Chance-Contests noch weiter 😉

    Dein Beispiel Australien hat mir sehr gut gefallen: Bis 2018 fand ich die Beiträge aus dem fünften Kontinent recht einfallslos (wenn auch meist nicht ganz schlimm), von Kates originellem „Zero Gravity“ war ich dagegen begeistert. Ich weiß, dass andere den Titel ganz schlimm fanden, aber gepflegte Langeweile kann man weder Titel noch Auftritt vorwerfen, genausowenig wie Deinem anderen Beispiel Hatari, die wiederum ich ziemlich schlimm fand.

  13. Der isländische Vorentscheid Söngvakeppnin hat sich ein neues Logo spendiert und gleichzeitig wurden auch die Wettbewerbsbeiträge veröffentlicht:

    https://eurovoix.com/2020/01/18/iceland-songvakeppnin-2020-entries-leak-on-spotify/

    Es sind sehr bekannte Namen dabei, und zwar Daði Freyr, der vor drei Jahren mit “Hvað með það?/Is This Love?” den zweiten Platz belegt hatte. Nach vier Jahren gibt es ein Wiedersehen mit Elísabet Ormslev, die vor vier Jahren mit dem Song „Á ný“ im Finale den fünften Platz belegte. Dritter Rückkehrer ist Matti Matt, der vor neuen Jahren mit dem Titel „Eldgos“ als Matthías Matthíasson mit Duettpartnerin Erla Björg Káradóttir antrat. Zudem war er beim Söngvakeppnin 2011 auch Bestandteil von Sjonni’s Friends, die beim ESC in Düsseldorf den 20. Platz mit dem Titel „Coming Home“ belegten.

  14. Eine VE halte ich in Deutschland und unter den gegebenen Umständen, für verzichtbar. Interessiert außer einigen Hardcore-Fans doch eh keinen.
    Hier müsste ein ganz neues, größer aufgezogenes Konzept her. Dieses hätte es allerdings, sowohl im starren, gleichförmigen Programmkonzept der ARD als auch, ich nenne es mal “speziellen” Musikgeschmack der Deutschen”, unglaublich schwer, sich durchzusetzen.
    Wo so viel gemeckert und kritisiert wird, lässt man doch lieber alles beim alten oder macht es, gleich undercover 🙂

  15. Oh ja PRO Vorentscheid. Aber derm NDR fehlt der Mut eine große Show auf die Beine zu stellen.. schon allein der Sendeplatz am Donnerstag spricht für die Mutlosigkeit.. Vllt ist die Idee eines Online Vorentscheides genau das richtige, im Internet kann man mit Sicherheit mehr Leute finden die Voten als Donnerstags um 20 Uhr 15 in der ARD. Auch fand ich es Schade das man den Bundesvision Song Contest nicht als Vorentscheid in Betracht gezogen hat der hatte das Zeug eine Traditionsshow zu werden. Jedenfalls braucht es in Deutschland eine Veränderung. (Michael Schulte war eine Ausnahme vom Quark der letzten Jahre) Ich bin sehr gespannt was der NDR dieses Jahr präsentiert

    • Am BSC war der NDR meine ich sogar mal dran, aber einerseits wollte Raab die Rechte nicht rausrücken und andererseits ist er letztendlich eingestellt worden, weil das Verhältnis Kosten/Quote nicht mehr stimmte; und wenn die Show bei Pro7 schon kaum noch jemand schaut, würde sie doch in der ARD erst recht nicht laufen. Außerdem müssen dann ja alle Landefunkhäuser irgendwie eingebunden werden, und die gönnen sich ja gegenseitig bekanntlich nicht mal die Butter auf dem Brot.

  16. Ja, denn ohne Vorentscheidungen wäre die Durststrecke viel länger. VE-Lieder und die Vorentscheidungen selbst verkürzen die Wartezeit auf neue, intern ausgewählte Lieder. Übrigens könnte der Negativrekord von 2016 dieses Jahr übertrumpft werden. Bestätigt sind bisher nur 21 Vorentscheidungen, also nur knapp die Hälfte.

    Aber schauen wir uns mal die letzten zehn Sieger an:
    2010: VE
    2011: Intern
    2012: VE
    2013: VE
    2014: Intern
    2015: VE
    2016: VE
    2017: VE
    2018: Beides (Künstler VE, Lied intern)
    2019: Intern
    Hier geht der Sieg klar an Vorentscheidungen. Intern ausgewählte Lieder sind meistens zu sehr für den ESC konstruiert, und das ist nicht wirklich der Schlüssel zum Erfolg.

    • Interessant finde ich das bei denen „Runner Ups“ ehr intern normiernierten bessee waren. XD

      Italien 2019 Vorentscheid
      Zypern 2018 Intern
      Bulgarien 2017 Intern
      Australien 2016 Intern
      Russland 2015 Intern
      Niederlande 2014 Intern
      Azerbaidschan 2013 Vorentscheid
      Russland 2012 Vorentscheid
      Italien 2011 Vorentscheid
      Türkei 2010 Intern

  17. Ich freue mich auch jedes Jahr über die europaweiten VEs… kann aber auch verstehen wenn Länder intern auswählen …..das gab es ja auch früher immer mal…..Diese Welt wurde – glaube ich – damals auch intern ausgewählt…

  18. Komische Frage irgendwie. Der ESC hat noch nie nationale Vorentscheidungen gebraucht, aber es gab sie wohl schon immer und wird es wohl auch immer geben. Diejenigen, die sich schon länger mit dem ESC beschäftigen, werden wohl auch schon geschnallt haben, dass das Endergebnis nicht davon abhängt, ob ein Song intern oder in einer Show gewählt wird. Beim NDR ist einfach der Wurm drin, da wird sich niemand mit Klasse bewerben, insofern wäre es keine schlechte Idee direkt zu nominieren und Vertrauen zur deutschen Musikszene aufzubauen. Vielleicht kann man dann in der Zukunft wieder gute Leute für den ESC begeistern.

  19. Zum NDR werde ich mich noch äußern, ich habe gerade keine Lust dazu….

    Die Vielfalt macht es aus, ich kann nicht verstehen, daß sich manche Fans über zu viele Direktnominierungen beschweren. Es gibt noch eine ganze Menge von Ländern, die eine Vorentscheidung veanstalten und für jeden ist etwas dabei….

  20. Zu Island: „Oculis Videre“ gefällt mir bislang von allen bekannten VE-Liedern am besten, es handelt sich wohl um ein Gebet an die alten Götter. Hymnisch und geheimnisvoll, gesungen mit Engelsstimme von der (blinden) Sängerin Iva. Das wär´s !

  21. @Mariposa
    Und ich verstehe nicht, was es da nicht zu verstehen gibt. Dass ein verantwortlicher Sender für einen Vorentscheid ausgefallenere, gewagtere oder sogar polarisierende Stücke eher zulassen wird als bei der internen Auswahl, erscheint mir relativ logisch. Natürlich kann da auch mal sowas wie „Arcade“ rauskommen, aber ob das nun besonders gewagt war, darüber liesse sich mMn auch streiten.

    Stell dir einfach vor, in Island hätte man einfach Nína mit „Echo“ intern gewählt und Du würdest Ivas Song womöglich nie kennenlernen.

    • Ich stimme Dir ja zu – aber leider bin ich auch zu sehr NDR-geschädigt (und da wohl nicht der Einzige hier). Die Mischung macht es eben. Es ist mal so, mal so. Nur anderen Ländern es vorzschreiben zu wollen, geht meiner Meinung nach gar nicht, Bei meinen spanischen Freunden hat man möglicherweise es diesmal richtig gemacht und auf „Destinación Derrota“ („Triunfo“ kann man es ja nicht mehr nennen) als VE verzichtet und einen absolut respektablen Kandidaten für Rotterdam gefunden, der wohl sonst nicht bereit gewesen wäre.

      • Ich war oft auf spanischsprachigen Seiten unterwegs, dort war das zu lesen. Meines Erachtens hat TVE diesmal alles richtig gemacht, Blas wird professionell aufgebaut und die Spannung, wie sich denn sein Song anhöen würde (definitiv auf Spanisch!), ist sehr hoch. Präsentation wohl nächsten Sonntag.

  22. @Thomas M.
    Ich fühle mich ja geschmeichelt, dass der Begriff „schlageresque“ so weite Kreise zieht. Richtigerweise sollte man es auch mit q schreiben 🙂

    Zurück zum Thema: Natürlich hatten wir in den 60ern und 70ern eine andere Art von Schlager. Der Begriff war damals recht breit gefasst. Woher ich das weiß: Ich war dabei 😉.

    Auch gab es damals solche und solche Schlager, manche gut, manche nicht so gut. Da hat jeder so seinen eigenen Geschmack.

    Jetzt spanne ich mal den Bogen zu heute: Was da an Eintönigkeit, Vorhersehbarkeit und Müll alles als Schlager bezeichnet wird, kann man nur als musikalischen Dreck bezeichnen (ich bin mal graphisch).

    Qualitätsmerkmale möchte ich hier gar nicht anbringen, aber die heutige deutsche Musikszene bedient sich entweder aus Schlager oder Gejammer, beides mitklatschfähig für die breite Masse. Leider bedient der NDR genau dieses Klientel – und das ist der Hauptgrund, warum der ESC-Beitrag in den letzten Jahren immer ein Rohrkrepierer gewesen ist (Ausnahme: Schulte aus den bekannten Gründen). Die Zukunft bleibt düster, warum auch etwas ändern, wenn man der Masse den gebührenfinanzierten Dreck weiter als Qualität andrehen kann.

    Mir graust es. Ich erwarte nichts vom NDR, es kann nur schlimm bleiben.

    • Wer nichts oder gar schlimmeres erwartet, kann wenigstens nicht enttäuscht werden, doch empfinde ich dich da etwas streng. Denn für mich ist Michael Schulte zwar genauso Gejammer, aber trotzdem ein gutes Beispiel, dass sich der NDR (und auch das deutsche Publikum) nicht wehren wird, wenn mal jemand mit … nun ja, sagen wir mal Konsensfähigkeit zum Vorentscheid möchte. Und für mich ist es auch nur ein gewisser Teil der dt. Musikszene, der in Befindlichkeits- oder schlimmer noch Ballermann-Schlager macht. Das blöde ist nur, dass genau dieser Teil noch am ehesten für den ESC zur Verfügung stehen.

      • Hui, da gab es heute Nacht ja noch eine höchst spannende Fortsetzung der Diskussion! Cars10, ich bin wie Du auch nicht so begeistert von dem, was an deutschsprachiger Musik heute meist Erfolg hat, ich liebe i.A. weder die Befindlichkeitssongs, noch den Ballermann-Schlager, noch den Mucho-Rap, der leider heute die deutsche Hitparade klar dominiert. Wobei es natürlich in allen dieser Sparten auch positive Ausnahmen gibt, und, wie Frédéric schon andeutete, gibt es auch deutschsprachige Musik, die sich in keine dieser drei Schubladen einordnen lässt. Und so waren m.E. in manchen VEs des vergangenen Jahrzehnts durchaus akzeptable Beiträge zu hören.

        Zu Michael Schulte: Dessen Song würde ich schon auch der Befindlichkeitssparte zuordnen, nur sang er halt auf Englisch und das Ganze klang dadurch mehr nach Ed Sheeran, was anscheinend akzeptabler ist (und „Singer-Song-Writer“ klingt für manche irgendwie cooler als Befindlichkeitssänger). Ich finde Michael Schulte sympathisch, konnte mich aber nie für seinen ESC-Beitrag erwärmen.

        Um nochmal zum VE-Thema zurückzukommen: Ich ärgere mich immer mehr darüber, dass ich mich vor 2017 nicht mit den diversen europäischen VEs befasst habe. Denn da sind doch immer wieder zahlreiche Perlen zu entdecken, von denen es längst nicht alle ins Finale schaffen. Daher wäre es so schade, wenn immer mehr VEs verschwinden würden. Ganz toll fand ich, dass 2018 und 2019 über Destination Eurovision endlich mal wieder zahlreiche Chansons mit dem ESC in Verbindung gebracht werden konnten, während man für 2020 nun wohl auch von Frankreich einen Singer-Songwriter-Beitrag erwarten darf, womöglich gar auf Englisch.

        Noch ganz kurz ein weiteres Argument, das auch schon in früheren Diskussionen genannt wurde, hier aber, wenn ich richtig aufgepasst habe, noch nicht: Ein Künstler, der über einen VE zum ESC kommt, hat schon mal ein Erfolgserlebnis zu verzeichnen, sodass er/sie sich durch eine hintere ESC-Platzierung (hoffentlich) nicht so leicht frustrieren lassen wird.

      • P.S. Ich bins hat weiter oben ja einige interessante Teilnehmer deutscher VEs genannt (wobei Avantasia nun gar nicht mein Fall sind).

        Vor 2017 war ich übrigens ESC-technisch hauptsächlich damit beschäftigt, die wunderbaren Grand Prixs von 1956 bis 1983 nachzu“arbeiten“, die alle vor meiner Zeit waren.

  23. Sorry, ich muß da streng sein. Wenn ein Land schon das Privileg „Big.5“ hat, erwarte ich auch „volles Engagement“ und ein akzeptabler Beitrag in sechs Jahren reicht halt nicht.

  24. Ist doch so… Nicht wenige kriechen Schreiber in den Allerwertesten, als ob alles eitel Sonnenschein wäre. Deutschland ist in Sachen ESC extrem „abgehängt“ und das ist absolut nicht würdig.

  25. Wenn wir gaaaaaaaanz viel Glück haben, könnte ein Beitrag in der Qualität von „Wir geben ne Party“ rauskommen, aber ich fürchte es wird so ne Katastrofe wie „Miss Kiss Kiss Bang“.

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