ESC 2027 in Bulgarien: Warum Sofia Favorit ist – und Burgas trotzdem Chancen hat

Alexander-Nevski-Kathedrale in Sofia (links) und Bahnhof in Burgas (rechts) – Fotos: visitsofia.bg und Instagram @burgas_bg

Bulgarien hat den Eurovision Song Contest 2026 gewonnen und der nationale Fernsehsender BNT hat bereits angekündigt, den Wettbewerb 2027 unbedingt selbst ausrichten zu wollen. Bereits bei der Siegerkonferenz wurde Sofia als Gastgeber ausgerufen. Allerdings hat offenbar auch Burgas seinen Hut in den Ring geworfen. Welche Städte und welche Arenen kommen also dafür überhaupt infrage? Zwischen Hauptstadtbonus, moderner Infrastruktur und Schwarzmeer-Charme gibt es vor allem zwei ernsthafte Optionen.

Mit DARA und ihrem Song „Bangaranga“ hat erstmals Bulgarien den ESC gewonnen. Da es dort bisher noch keinen ESC gab, kann für die Ausrichtung auch nicht auf bestehende bzw. bekannte Lösungen zurückgegriffen werden. Damit beginnt nun die Suche nach einer geeigneten Gastgeberstadt und vor allem nach einer Arena, die den enormen Anforderungen des modernen Eurovision Song Contest gerecht werden kann.

Denn ein ESC braucht deutlich mehr als nur eine große Halle. Die EBU erwartet idealerweise eine Arena mit 10.000 Zuschauerplätzen oder mehr, ausreichend Deckenhöhe für die aufwendige Bühnentechnik sowie riesige Backstage- und Produktionsflächen. Dazu kommen mehrere tausend Hotelzimmer, internationale Flugverbindungen, ein Pressezentrum, Fanbereiche und eine leistungsfähige TV- und Internet-Infrastruktur.

Gleichzeitig ist der ESC längst auch ein touristisches Großprojekt geworden. Städte, aber auch das ausrichtende Land wollen sich international präsentieren. Bulgarien hat sich in den letzten Jahren zu einer beliebten Destination für (günstige) Sommerurlaube am Schwarzen Meer entwickelt. Andere Regionen des Landes und auch die Hauptstadt Sofia selbst fliegen aber meist unter dem touristischen Radar.

Vor diesem Hintergrund beleuchten wir die wahrscheinlichsten Optionen. Ausgehend von einer modernen Arena blicken wir auf Infrastruktur, Erreichbarkeit und die touristischen Ambitionen der jeweiligen Städte.

Der mit Abstand wahrscheinlichste Austragungsort ist wohl Sofia – genauer gesagt die Arena Sofia beziehungsweise Arena 8888 Sofia, die früher als Armeec Arena bekannt war. Mit einer Kapazität von etwa 12.000 bis 15.000 Zuschauer*innen je nach Konfiguration ist sie die größte moderne Indoor-Arena des Landes. Die Halle wurde bereits für große Konzerte, TV-Produktionen und internationale Sportevents genutzt und erfüllt viele zentrale ESC-Kriterien: ausreichende Deckenhöhe, moderne Infrastruktur und eine vergleichsweise gute Verkehrsanbindung. Auch der Junior ESC 2015 fand hier statt.

Arena 8888 in Sofia

Sofia ist mit rund 1,3 Millionen Einwohnerinnen die größte Stadt Bulgariens und zugleich politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes. Die Stadt liegt am Fuß des Witoscha-Gebirges und verbindet sozialistische Architektur, moderne Businessviertel und historische Bauwerke wie die Alexander-Newski-Kathedrale miteinander. Viele internationale Besucherinnen kennen Sofia bislang eher als günstiges Städtereiseziel oder Umsteigeflughafen auf dem Balkan.

Vor allem aber bringt Sofia etwas mit, das für die EBU oft noch wichtiger ist als die Arena selbst: Infrastruktur. Die Hauptstadt verfügt über die meisten ganzjährig verfügbaren Hotels, den größten Flughafen Bulgariens und somit die mit Abstand beste internationale Anbindung. Auch Produktionsfirmen, Medienstrukturen und staatliche Institutionen befinden sich dort. Sofia kann deshalb aktuell als klarer Favorit gesehen werden.

Sollte die Arena allein nicht auch für das Pressezentrum und andere Räumlichkeiten ausreichen, könnte die Stadt zusätzlich auf eine Art Doppellösung setzen. Während die Liveshows in der Arena Sofia stattfinden würden, könnten Pressezentrum, Delegationen oder Fanbereiche beispielsweise im nahegelegenen Sofia Tech Park oder auf einem Messegelände untergebracht werden. Gerade weil moderne Eurovision-Produktionen enorme Zusatzflächen benötigen, wäre das durchaus eine realistische Gesamtlösung.

Als ernsthafter Wettbewerber mit Außenseiterchancen kann Burgas gesehen werden. Dort wurde erst 2023 die neue Arena Burgas eröffnet, die bei Konzerten offenbar auf bis zu 15.000 Zuschauer*innen erweitert werden kann. Sollte sich diese Kapazität in der Praxis tatsächlich bestätigen und auch die technische Infrastruktur der Halle ESC-tauglich sein, wäre Burgas möglicherweise interessanter als viele zunächst erwartet hatten.

Arena Burgas

Burgas liegt direkt am Schwarzen Meer und zählt rund 200.000 Einwohner. Die Stadt gilt als eines der wichtigsten wirtschaftlichen und touristischen Zentren an Bulgariens Küste und ist vor allem im Sommer ein beliebter Ausgangspunkt für Urlaubsorte wie Sonnenstrand oder Sozopol. Gleichzeitig wirkt Burgas moderner und ruhiger als viele klassische Party-Destinationen am Schwarzen Meer.

Für Burgas sprechen vor allem die Bilder, die ein ESC von dort generieren könnte. Die Schwarzmeerküste, Hafenbereiche, Strandpromenaden und mögliche Open-Air-Fanflächen würden dem Wettbewerb einen anderen Charakter verleihen als ein eher klassischer Hauptstadt-ESC in Sofia. So etwas können auch für die EBU interessant sein.

Allerdings hätte Burgas auch klare Nachteile. Der Flughafen ist deutlich kleiner als in Sofia und außerhalb der Tourismussaison wesentlich eingeschränkter erreichbar. Auch die Hotel- und Produktionsinfrastruktur müsste sich erst noch beweisen. Während Sofia praktisch automatisch über die nötigen Strukturen verfügt, müsste Burgas viele Prozesse vermutlich erst kurzfristig aufbauen.

Deutlich schwieriger erscheint dagegen eine Bewerbung der zweitgrößten Stadt Bulgariens, Plowdiw. Die Stadt gilt zwar als kulturell attraktiv und war 2019 Europäische Kulturhauptstadt, verfügt aber mit der Kolodruma Arena nur über eine Halle mit etwa 7.000 Plätzen. Das dürfte für einen modernen ESC kaum ausreichen. Hinzu kommen begrenztere Hotel- und TV-Produktionskapazitäten. Komplett ausgeschlossen scheint Plowdiw zwar nicht, realistisch wäre eine Austragung dort aktuell aber wohl nur mit massiven temporären Zusatzlösungen.

Kolodruma Arena in Plowdiw

Plowdiw mit seinen rund 340.000 Einwohner*innen gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten Europas und ist vor allem für seine historische Altstadt, römischen Ausgrabungen und die kreative Kulturszene bekannt. Die Stadt gilt innerhalb Bulgariens als besonders lebendig und kulturell geprägt. Gerade bei internationalen ESC-Fans könnte Plowdiw deshalb durchaus Sympathiepunkte sammeln.

Wo würdest Du den ESC 2027 in Bulgarien am liebsten sehen – in der Hauptstadt Sofia oder am Schwarzen Meer in Burgas? Welche Rolle sollte die Arena spielen und wie wichtig ist Dir generell die Gastgeberstadt für das ESC-Gefühl? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.



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