Gregor Hägele: Wir haben’s gut, wir haben ihn – Bericht vom Tourabschluss 2026 in Hamburg

Gregor Hägele backstage nach dem Abschlusskonzert der Tour 2026 in Hamburg (Foto: Peter für ESC kompakt)

Max Giesinger findet die richtigen Worte: „Gregor ist einer der geilsten Menschen in der ganzen Musikbranche, das größte Herz, diese ganze Energie.“ Das passt! Und diese sehr wahrhaftig formulierten Worte kamen von Max, als dieser beim Abschlusskonzert der aktuellen Tour von Gregor Hägele in der Großen Freiheit in Hamburg am vergangenen Sonntagabend mit ihm auf der Bühne stand.

Durch elf Städte führte die „Tour, was Du nicht lassen kannst“ von Gregor Hägele. Beim Abschlusskonzert am 31. Mai 2026 in der Großen Freiheit in Hamburg St. Pauli war ESC kompakt dabei – und überwältigt. Weit über zwei Stunden, näher an drei Stunden standen Gregor und seine Band in dem Kultclub auf dem Hamburger Kiez auf der Bühne und wurden frenetisch gefeiert. Die Crowd – darunter etwa 80% Mädels unter 30 – feierte seine sympathische und offene Ausstrahlung und konnte quasi jeden Song auswendig mitsingen. Das gilt sogar schon für die Titel von seinem zweiten Album „Testphase Liebe“, was erst kurz vor dem Hamburger Konzert erschienen war.

Es ist eindrucksvoll, welche Erfolgskarriere Gregor Hägele seit seiner Teilnahme beim deutschen Vorentscheid Unser Lied für Israel hingelegt hat. 2019 landete er mit seinem englischsprachigen Titel und seiner allerersten Single „Let Me Go“ auf dem vorletzten Platz. Gewonnen hatten 2019 bekanntlich S!sters, die es nicht mehr gibt und von denen so gut wie niemand mehr spricht. Gregor hingegen hat seitdem von Jahr zu Jahr mehr Fans gewonnen, hat in sechs Jahren eine „Ochsentour“ hingelegt und verkauft inzwischen größere Venues aus, so wie die „Große Freiheit“ in Hamburg oder die „Live Music Hall“ in Köln.

„Let Me Go“ ist heute nicht mehr Teil von Gregors Showprogramm, er konzentriert sich auf ein deutschsprachiges Portfolio und die zahlreichen Hits von seinen ersten beiden Studioalben „Prototyp Liebe“ (2024) und „Testfall Liebe“ (2026).

„Liebe“ ist in der Tat der rote Faden, der die Clubkonzert-Atmo prägt. Es ist die Liebe zur Musik, die man in jeder Sekunde spürt, die Liebe zu seinen Fans und auch – sehr spürbar – die Liebe zu seinem Team. „Wir fühlen uns so pudelwohl mit diesem Chef“, sagt sein Drummer Fabian entwaffnend ehrlich an einer Stelle. „Ist Musik nicht das Geilste auf der ganzen Welt?“, fragt Gregor zwischendurch mal sein begeistertes Publikum und das ist genauso wahr wie klug.

Sein Set ist eine intelligent gemixte Compilation seiner Single-Hits von „Paracetamol“ über „Phantomschmerz“ und „Blau“ bis „Sophie“ mit Konzentration auf die jüngeren Jahre ab 2024. Immer wieder gibt es beschwingt-witzige Popklassiker-Zitate zwischendurch von Britneys „Hit me baby one more time“ über Reinhards Meys „Über den Wolken“ bis hin zu „Ohne Dich“ von Deutschlands ESC-Vertretern 1993, der Münchener Freiheit. In Hamburg sang Gregor zwischendurch auch noch den Refrain von Lotto King Karls (ESC Bezug!) „Hamburg meine Perle“, das dürfte auf der Tour einmalig gewesen sein.

Der Redeanteil von Gregor ist gefühlt übrigens annähernd so groß wie der Gesangsanteil, immer wieder gibt es verbale Umarmungen der Fans und wenn er sagt „Ihr lasst mich meinen Traum leben“, dann ist sein Publikum geradezu ekstatisch. Regelmäßig gibt es „Gregor, Gregor“-Sprechchöre.

Herausragende Momente der Show gibt es viele. Gregor holt nochmal seinen sympathischen Support Act Luca Noel auf die Bühne, der zu Beginn des Abends vom Publikum sehr wohlwollend und jubelnd empfangen wurde. Und im letzten Drittel war – wie einleitend schon aufgeschrieben – auch sein Mentor Max Giesinger auf der Bühne. Gregor beschrieb zuvor die starke Unterstützung, die er von mehreren Branchenkolleg*innen erhalten hat, die ihn zum Support Act auserkoren und damit unterstützt hatten (darunter z.B. auch Michael Schulte und Madeline Juno). Namentlich hob er Johannes Oerding und Max Giesinger hevor, die beide beim Hamburger Abend auch dabei waren.

Und Max kam dann auch als Überraschungsgast auf die Bühne und begeisterte die Crowd gemeinsam mit Gregor mit seinem größten Hit „80 Millionen“ – sehr passend zur bevorstehenden WM mit dem ultracoolen Florian Wirtz mit der sehr passenden Rückennummer 17 und der dank seit seinem TikTok-Klassiker „normale Kartoffeln auf die Eins“ auch fußballfernen Menschen wie mir ein Begriff ist.

An „80 Millionen“ schloss sich das – aus Sicht des Autors – schönste Highlight des Abends an. Gregor benannte den Song „Leerer Raum“ von Max Giesinger (von dessen Album „Die Reise“ aus 2018) als persönlich prägend und die beiden sangen die Trennungshymne gemeinsam mit aufwühlender Intensität. Das war mega. Ich kannte den Titel bis dahin nicht und habe ihn seitdem viele Male gehört, es ist ein großartiger Song, wo Stimme, Text und Musik zu einer überzeugenden Einheit verschmelzen. „Ich habe den Song etwa zehn Jahre nicht mehr live gesungen“, sagt Max. Dank Gregor hat sich diese Lücke geschlossen.

Ein weiteres Highlight des Abends war die vierfache Neuinterpretation von „Paracetamol“. Gregor blickt zunächst zurück auf seine Hamburger Konzertstationen – von der Hebebühne über Grünspan und Fabrik bis hin zur Großen Freiheit. Die Venues hätten sich verändert, aber der Song nicht – und daran anknüpfend ließ Gregor über neue Songadaptionen abstimmen und sang „Paracetamol“ als Punkversion, als Michael-Jackson-Variante (mit schönem „Beat It“-Zitat der Band) und als Oper. Und am Schluss gab es auch noch die Bayerische-Volksmusik-Umwidmung. Dafür hatte das Hamburger Publikum zwar nicht gestimmt, aber das musste wohl sein.

„Ich liebe Musik zum Tanzen und ich liebe Musik, die Therapie ist“ sagt Gregor und er liefert beides gleichzeitig und gleichzeitig mitreissend. Mit den Songs „Kamera“, „Ping Pong“ und „Ein bisschen mehr“ begibt er sich von der Bühne in die Mitte der Konzert-Crowd, die Interaktion mit seinen Fans ist wahrhaftig und nahbar zugleich.  „Ihr seid die Liebe meines Lebens.“ Immer wieder erleben wir Gefühle bis zum Anschlag.

Was kein Thema war, aber nicht fehlen sollte: Gregor hat sich mit seinem zweiten Album weg vom Sicherheitsnetz eines Majors in die Selbstständigkeit begeben – und dabei heftig Lehrgelder zahlen müssen, was er hier beschreibt:

@gregorhaegele

Dachte, ich muss euch das erzählen. aaaaaber : JETZT ERST RECHT!🤍💿

♬ Originalton – GREGOR

Der Mut, seine Kreativität und seine ungebremste Freude am Musikmachen so zu gestalten, dass er vollständig autonom ist, verdient großen Respekt und viel Applaus. Und es ist fantastisch zu erleben, wie er sich trotz der finanziellen Rückschläge nicht beirren lässt. Hier lebt ein Künstler seine persönlichen, künstlerischen Visionen. Lakonisch sagt Gregor an einer Stelle: „Wenn es nach meinem Papa gehen würde, wäre ich jetzt Immobilienmakler.“ Sagen wir es so: Gregor wäre ein guter Immobilienmakler geworden, denn den unbedingten Unternehmerwillen, den es braucht, den zeigt er auch bei seinen kreativen Plänen, sein neues Album völlig selbstbestimmt zu produzieren.

Das Konzert endet als große Party mit großen Emotionen. Gregor bringt die Große Freiheit mit seinen Hits „Sophie“ (so ein lyrisch-schöner Text: „So-So-Sophie, sonntags bist du nie zu Haus, denn da liegst du neben mir im Bett, so, so, so viele Schmetterlinge in mei’m Bauch, doch sie fliegen nur bis Montag, dann bist du wieder weg“), „Mama hat immer Recht“ und seinem neuen Signature-Song „Ich hab’s gut, ich hab Dich“ (womit sich auch meine Headline erklärt.) zum Feiern.

Bereits vor dem IHGIHD/LML-Outro hatte er uns alle aufgefordert, diese „Ich hab’s gut, ich hab Dich“-Zeilen an gute Freund*innen zu verschicken – ohne weitere Erläuterung. Und er hat sich die Antworten einzelner Konzertbesucher*innen vorlesen lassen. Auch ich habe die Zeile an mehrere Menschen verschickt, auch an einen ESC kompakt Blogger. Der fragte erst „Was ist das für ein Song?“ und als ich den Background erläuterte, kam die Antwort „Das ist voll schön.“ (Und sogar der beste ESC-kompakt-Fotograf ever verschickte Herzen.)

In der Tat war es ein voll schöner Konzertabend mit einer wunderbaren Balance aus Ausgelassenheit, Freude am gemeinsamen Erleben von Musik und reflektierter positiver Nachdenklichheit. Bitte den folgenden Satz nicht als Eitelkeit (über)interpretieren: Ich hab‘ Gregor direkt nach dem deutschen Finale 2019 gesagt, dass er sich nicht um die Platzierung kümmern soll (Chef Benny und Gregors Mama sind meine Zeugen, siehe auch hier) und dass er einen starken und erfolgreichen musikalischen Weg vor sich hat, und es war so klasse, genau das in der Großen Freiheit überwältigend zu erleben.

Gregor und mit Benny und Peter von ESC kompakt in 2019 (Bild: Peter von ESC kompakt)

Wenn Euch jetzt auch nach einem solchen Konzerterlebnis ist, die Konzerttermine 2027 sind bereits veröffentlicht.

Gregor Hägele Tour-Termine 2027

  • 08.11.2027 – Münster, Jovel Music Hall
  • 09.11.2027 – Köln, Gloria
  • 10.11.2027 – Frankfurt, Batschkapp
  • 12.11.2027 – München, Technikum
  • 13.11.2027 – Leipzig, Täubchenthal
  • 14.11.2027 – Berlin, Columbia Theater
  • 16.11.2027 – Hamburg, Grünspan
  • 17.11.2027 – Bremen, Modernes

Tickets gibt’s unter anderem hier.

Weiter oben das erste und hier das letzte Selfie mit Gregor, beim Bambi im November 2025 in den Bavaria Filmstudios in München (guckt auch mal im Background, gleich drei Prominente zum Erraten)

…und die Vinyl-Version des neues Albums eignet sich nicht nur als musikalische Inspiration sondern auch als Wandschmuck; bei uns im Office hat „Testphase Liebe“ den Longplayer „Von Wind und Anonymität“ abgelöst. Hier gibt’s die Vinyl.



Entdecke mehr von ESC kompakt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

20 Comments
Matty
Matty
2 Stunden zuvor

Schönen Fotos von Gregor! Hoffentlich nimmt er bald mal wieder am Vorentscheid für den ESC teil!

Last edited 2 Stunden zuvor by Matty
Malge1985
Malge1985
2 Stunden zuvor

Vor einem Jahr beim Krämerbrückenfest hatte Gregor Hägele noch dunkle Haare.

Der Redeanteil von Gregor ist gefühlt übrigens annähernd so groß wie der Gesangsanteil

Das war vor einem Jahr gefühlt auch so 😂

P.S. Max Giesinger werde ich heute Abend vermutlich live sehen. 😀

Timo1986
Timo1986
2 Stunden zuvor

Gregor Hägele wäre ebenfalls ein Wunschkandidat von mir, den ich mir als deutschen ESC-Teilnehmer in Bulgarien nächstes Jahr wünschen würde. 😀

ESCFan2009
ESCFan2009
2 Stunden zuvor

Hinter Peter ist auf jeden Fall Rea Garvey 😉 (gibts dafür ein Katjes-Paket?)

Jorge
Jorge
2 Stunden zuvor

a) blond steht ihm

b) ich kann mir ungefähr die Szenerie ausmalen, wo ein gesetzter 1,90 Mann aus einer weiblichen U30 Menge herausragt.

c) Ich erkenne nur Joko & Rea Garvey Auf dem Selfie. Aber da es eine Filmparty in München war, muss auch Uschi Glas mit Sohn (falls nicht in Haft) irgendwo im Hintergrund stehen!

Malge1985
Malge1985
2 Stunden zuvor
Reply to  Jorge

Ich nehme Antwort d) 🫣🥳

Jorge
Jorge
2 Stunden zuvor
Reply to  Malge1985

Ich will von dir nur den dritten Promi wissen, damit ich das Katjesjahresabo gewinne …

Malge1985
Malge1985
1 Stunde zuvor
Reply to  Jorge

Barbara Schöneberger? Die ist doch bestimmt überall. 🙃🫣

Jorge
Jorge
1 Stunde zuvor
Reply to  Malge1985

Selbst sie schafft es nicht in das silberne Glitzerkleid!

Jorge
Jorge
1 Stunde zuvor
Reply to  Peter

Gin Tonic 👍

Ist da im Hintergrund rechts noch Gustav Peter Wöhler zu sehen? (Mein böser Hang zu Nebensächlichem)

Last edited 1 Stunde zuvor by Jorge
ESC1994
ESC1994
1 Stunde zuvor
Reply to  Jorge

Ich trinke momentan sehr gerne Whiskey mit Ginger Ale. 😋

Jorge
Jorge
1 Stunde zuvor
Reply to  ESC1994

Habe hier einen Whiskey seit Jahren unangebrochen stehen. Vielleicht zu meinem 30sten Geburtstag. WHO knows .. 😉

ESC1994
ESC1994
1 Stunde zuvor
Reply to  Jorge

Du bist noch nicht 30?? Hätte dich irgendwie älter eingeschätzt. 😅

Jorge
Jorge
1 Stunde zuvor
Reply to  ESC1994

Selbst mein Einwohnermeldeamt hat mich bei Ummeldung mal ein Jahr jünger gemacht.

Aber verständlich. Meine Attitüde & Wissen gehen über die eines Gen Z weit hinaus.

Last edited 1 Stunde zuvor by Jorge
ESC1994
ESC1994
1 Stunde zuvor
Reply to  Jorge

Dann bist du (glaube ich mit Jofan) einer der jüngsten hier auf der Seite. Ich werde in zwölf Tagen 32. 😅

Jorge
Jorge
1 Stunde zuvor
Reply to  ESC1994

Wir werden exakt mitzählen, auch die Kerzen auf der Torte!

Es gibt hier einige in meinem realen Alter, aber die haben einen leicht verpeilten Musikgeschmack… Daher nehme ich es mit dem Alter nicht so genau.

ESC1994
ESC1994
1 Stunde zuvor
Reply to  Jorge

Hast du denn spanische Wurzeln?? Oder woher kommt der Username??

Jorge
Jorge
1 Stunde zuvor
Reply to  ESC1994

Ich habe die Körpergröße eines durchschnittlichen Spaniers, das muss reichen. Ich brauchte einen kurzen(!) Namen mit Wiedererkennungswert, der irgendwo noch Bezug zu meinem echten Namen hat. Bei FB hatte ich mir auch damals eine wunderbare spanische Legende zugelegt.

Was ich damals nicht bedacht hatte: Dass der Name pausenlos in Vorentscheiden vorkommt …

Böörti01
Böörti01
3 Minuten zuvor

„S!sters, die es nicht mehr gibt und von denen so gut wie niemand mehr spricht.“

Hm, stimmt, wobei: würde ich so nicht sagen. Gerade hier zum gerne genutzten Synonym geworden…

„Einmal in der Bubble…“