Inför ESC: So kurzweilig war die Vorrunde für den „schwedischen“ ESC 2020

Das schwedische Fernsehen SVT enttäuscht selten, manchmal überrascht es aber zumindest … negativ. So wie bei der Dekoration der Vorrunde für den schwedischen ESC 2020 am Samstagabend. Da standen die beiden Moderatoren, David Sundin und Christer Björkman (rechts im Aufmacherfoto), doch tatsächlich in einer Deko, für die sich selbst ein weißrussischer Lokalfernsehsender schämen würde. 30 Meter Organza, eine Diskokugel und zwei Stehtische. Echt jetzt?

Kurz zur Einordnung: Im Gegensatz zum NDR, hatte das schwedische Fernsehen SVT für sich ziemlich schnell eine Lösung gefunden, als die Absage des ESC kam. Neben der Ausstrahlung der europäischen Ersatzsendung Europe Shine a Light am 16. Mai kündigten sie einen eigenen „schwedischen“ ESC an. In der Vorrunde wählen die Zuschauer über die Mello-App ihre 25 Favoriten. In einer zweiten Sendung, die am Donnerstag, den 14. Mai ausgestrahlt wird, entscheiden dann die Zuschauer und eine prominent besetzte Jury über den Sieger.

Aber der Reihe nach. Für die Vorrunde am Samstagabend hatte der Sender zwölf „Sofa-Kommentatoren“ eingeladen, die in Paaren die Lieder kommentierten. Das war ganz kurzweilig und erinnerte ein bisschen an die Videos der Songchecks auf eurovision.de (die aber deutlich aufwändiger geschnitten sind). Neben zwei – überraschend fitten und schlagfertigen – neunjährigen Jungen, Schauspielern, Komikern und Radiomachern waren auch zwei Mello-Acts dabei: Linda Bengtzing und Ace Wilder.

Die 41 Beiträge wurden zügig abgearbeitet. Aus jedem Song wurde ein Zusammenschnitt von 1:45 bis 2:10 Minuten Länge gezeigt. Im Bildvordergrund wurden währenddessen immer kurze Statements der Kommentatorenpaare eingespielt. Mit diesem gezielten Vorgehen konnte die Sendezeit von 90 Minuten exakt gehalten werden.

Inför Eurovision 2020 Deutschland Ben Dolic

Die Kommentare zu „Violent Thing“ klangen zum Teil bekannt und waren rein positiv: „Oj, ich dachte, das wäre ein Mädchen“, „Schöne Stimme“, „Ich finde, er ist interessant“, Ace: „Ist das Deutschlands Antwort auf Benjamin?“ (Ingrosso, vermutlich), „Hier ist die Club-Atmosphäre auch authentisch“, „Ich bin positiv überrascht von Deutschland“, Ace: „Ja, das ist ein gutes Pop-Lied“, Linda: „Der ganze Song klingt nach heute“ (ist zeitgemäß), „Also zu dem Lied hätte ich im Club getanzt“, „Und jetzt wird geknutscht – peinlich das mit der Familie zu sehen“ (ironisch gemeint, der Kommentator saß mit seinem Vater auf der Couch).

Trotz der durchweg positiven Kommentare reichte es am Ende aber doch nicht für eine Top-5-Platzierung für Deutschland bei den Kommentatoren. Diese favorisierten Island, Russland, Malta, Österreich und Frankreich (!). Christer Björkman verwies anschließend noch darauf, dass er die Schweiz unter den Top 5 vermissen würde.

Dass Ben Dolic bei den Kommentatoren nicht unter den besten Fünf war, ist aber de facto unwichtig. Denn deren Voting fließt nirgendwo ein. Vielmehr zählen in der Vorrunde nur die Stimmen, die über die Mello-App abgegeben werden. Dafür haben die Schweden jetzt bis Sonntagabend 22 Uhr Zeit.

Am Donnerstag heißt es dann um 21:00 Uhr „Sveriges 12:a“ (Schwedens 12 Punkte). In der Sendung treten die besten 25 Titel erneut gegeneinander an. Hier entscheiden dann eine Jury und die Zuschauer darüber, wer den Sieg davonträgt. In der Jury werden Dotter (Jury-Vorsitzende), Charlotte PerrelliEric SaadeFredrik Kempe und Lina Hedlund sitzen. Diese Sendung bloggen wir dann für Euch live.


13 Kommentare

  1. Interessantes Ergebnis, in der österreichischen Show ist Frankreich auch ganz gut angekommen. Dass Österreich so hoch eingeschätzt wurde ist überraschend, bestätigt aber auch den oft geäußerten Verdacht, dass Vincent Bueno bei den Jurys Potential gehabt hätte.

  2. Team Frankreich, man
    Nachdem die Community und der eurovision.e songcheck so gemein zu Tom waren, nur verdient, dass das in Österreich und hier gut ankam 🙂

  3. Da saßen wir also gestern und freuten uns auf den „Vorentscheid“… Zu sehen gab es zwei Moderatoren, bei denen man davon beeindruckt war, wie man mit absoluter Talentlosigkeit Geld verdienen kann und ein Technikdesaster mit ständigen Ausfällen und einem Ton, der einen an ein Kofferadio erinnerte. Wenn dieser Kindergeburtstag die Wertschätzung darstellt, welche die ARD dem ausgefallenen ESC entgegen bringt, dann wundert man sich über die Quoten der letzten Jahre nicht wirklich. Absolut peinlich!!! Musikalisch war es typisch ESC mit einigen wirklich überzeugenden Songs. Schade für die Künstler, die nach dem Ausfall auch noch in einem solch peinlichen Format verheizt werden. Zum Fremdschämen!

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