Melodifestivalen 2024 in Schweden: Zwangsvollstreckung bei Mello-Diva Gunilla Persson

Bild: Janne Danielsson/SVT

In Schweden ist Gunilla Persson eine starke Hausnummer – generationsübergreifend. Sie ist als Boomer-Model, Soapstar, Reality-TV-Queen und neuerdings auch als „Sängerin“ bekannt. Man könnte sagen, sie ist die Kader Loth (advanced boomer version) Schwedens.

The Gunilla“ ist regelmäßigen ESC-kompak-Leserinnen und -Lesern keine Unbekannte. Bereits sechsmal hat ESC kompakt über die Mello-2024-Teilnehmerin berichtet. Douze Points war der Erste und hat ihre Ausstrahlung auf den Punkt gebracht:

„Mello goes wild! Fast spürt man bei der Bekanntmachung von Gunilla Persson deutsche Vorentscheid-2001-Vibes, als nicht nur Zlatko, sondern auch Rudolph Moshammer auf der Bühne standen. Trash? Vermutlich. Hohe Einschaltquoten? Ganz sicher! Man muss kein Schwedisch verstehen, um die Konfliktfreude einer Gunilla Persson zu verstehen. (…) Gunilla Persson aka The Gunilla. Gehasst oder geliebt.“

Alle Details zu Gunillas bewegtem Drama-Queen-Luxus-Trash-Leben inklusive der obligatorischen Affäre mit Prinz Albert von Monaco könnt Ihr hier noch einmal nachlesen.

Am vergangenen Wochenende hat Gunilla an der dritten Mello-Runde teilgenommen. In unserem Mello-Quickcheck hatte Douze Points nur zwei Punkte für Gunilla übrig, der Autor dieser Zeilen jedoch immerhin das Doppelte. Man muss sich auf Gunilla einlassen, die vor allem durch die Reality-Soap „Schwedische Hausfrauen in Hollywood“ (Svenska Hollywoodfruar) in Fankreisen dieses internationalen Franchise-Formats eine eingeschworenen Community hinter sich versammelt hat – und das in acht Staffeln seit 2010!

Die Direktqualifikation für das Mello-Finale in Stockholm war Gunilla nicht vergönnt, obwohl sie bei den unter 30-jährigen die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Gunilla muss erneut ins Rennen um die verbleibenden zwei Startplätze in der Friends Arena; ihre Finalchancen stehen also derzeit rechnerisch bei 20%. Das reicht für BILD, ihr eine Finalqualifikation anzudichten.

Denn BILD rückt heute Gunillas „Steuerskandal“ auf die Online-Homepage. ESC in Kombination mit Boulevard-Drama scheint immer zu funktionieren. BILD zitiert Aftonbladet und daraus ergibt sich, dass La Gunilla wohl an ihrem Wohnort in Kalifornien jahrelang unberechtigt Kindergeld bezogen hat (wiewohl sie diesbezüglich anderer Meinung ist). Über 50.000 Euro werden umgerechnet aufgerufen und daher haben die schwedischen Behörden einen „Hausbesuch“ in ihrem Hotel am Mello-Veranstaltungsort Växjö (wo Douze Points, Norman und der Autor dieser Zeilen einen Mega-Schlagerabend erlebt haben*) abgestattet und Luxusartikel konfisziert, darunter High Heels von Chanel, Schmuck und drei Prestige-Handtaschen. Sollte sich auch nur eine Kellybag darunter befinden (was in schwedischen Blogs spekuliert wird), dürften die Steuerschulden inklusive der Verzugszinsen beglichen sein.

Möglicherweise ist das Luxusleben, welches La Gunilla in diversen Trash-TV-Formaten und in ihren Social-Media-Welten zur Schau stellt, nicht kompatibel mit ihrer aktuellen Einkommenssituation. Wenn aber eine Hotelzimmer-Pfändung ausreicht, um die Begehren der schwedischen Sozialversicherung zu bedienen, müssen wir uns um Gunilla Persson keine ernsten Sorgen machen.

Fragt sich, ob ihr die menschelnden Skandal-Schlagzeilen helfen oder schaden? Was meint Ihr? Ihrem Weg ins Finale werden sich die Steuerbehörden sicher nicht in den Weg stellen. Denn um ihren Mello-Beitrag zu zitieren:

„La la la – La la Gunil-la
I won’t bend – No I won’t break
La la la – La la Gunil-la
Make a storm – But I won’t shake“

*Throwback 2018 in Gunillas Mello-Performance-Location Växjö: Douze Points, Norman and a friend of a friend (from Alcazar)


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22 Comments
nononon
nononon
2 Jahre zuvor

grundsätzlich denke ich, wenn der Song geil ist, ist vieles irrelevant.

Allerdings finde ich gerade Steuerhinterziehung sehr unsympathisch. Das sagt für mich immer aus: ich möchte nicht meinen Beitrag zu einer funktionieren Gesellschaft leisten, der ich meinen Wohlstand aber mit zu verdanken habe.

Und wenn bei den Ärmsten auf jeden Cent geschielt wird, kann ich das auch bei Besserverdienern erwarten.

Andreas
Andreas
2 Jahre zuvor
Reply to  nononon

Ich sag’s ja: #TaxTheRich.

Konstantin
Konstantin
2 Jahre zuvor

Berichte über Gaby Tupper würden mich mehr interessieren – aber man kann nicht alles haben …

Andreas
Andreas
2 Jahre zuvor

Sofort fällt mir ein, daß Annifried Lyngstadt 1975 in einem an der Küste gemachten Interview des ZDF (sah ich aber erst 2002) sagte “ We have to pay a lot of taxes (bestes Schulenglisch)“. Ihre Frisur war damals allerdings ein andere als ’74 in Brighton.

Trevoristos
Trevoristos
2 Jahre zuvor
Reply to  Andreas

das war einmal. Der Spitzensteuersatz für zu versteuerndes Einkommen liegt in Schweden bei 52,85%. Auch in Schweden gibt es vielfältige Möglichkeiten sein zu versteuerndes Einkommen möglichst runterzuschrauben.
Das ist 7,85 Prozentpunkte bzw 10%Punkte höher, als in Deutschland und greift bei 52.000€ (Single). Ist übrigens ein Steuersatz, der in Deutschland in den 90er Jahren auch galt. Nur ca 7% in SE (in DE 6%) der Steuerpflichtigen zahlen den Höchststeuersatz.

Das obere Zehntel verdient 37% des Einkommens aller und zahlt 34% aller eingehenden Steuern (davon gibt es viele Arten) und Sozialabgaben.

Das obere Zehntel steigerte das Nettoeinkommen seit 1990 um 40%, was u.a. auch an sinkender Einkommenssteuerlast lag. Gejammert wird aber noch mehr als damals. 70% aller Steuerpflichtigen konnten 20% netto-einkommen zulegen. Die untersten 20% haben kaum einen Cent netto inflationsbereinigt mehr (+2%), müssen aber oft mittlerweile viel höhere Mieten zahlen (Mietpreis stieg bei allen inflationsbereinigt seit 1990 um 50%).

elkracho
Mitglied
elkracho
2 Jahre zuvor

Hier kann man noch was lernen.
Jetzt weiß ich,was ne Kellybag ist.

Lola
Lola
2 Jahre zuvor
Reply to  elkracho

Für eine Birkin hats wohl (noch? 🤡) nicht gereicht.

Anmey
Anmey
2 Jahre zuvor

Gunilla ist für mich als Gesamtkunstwerk jetzt schon absolutes Highlight der Saison. Die Performance vom Samstag hat Potential zum Klassiker.

funtasticc
Mitglied
funtasticc
2 Jahre zuvor

Ich kenne die Frau nicht, aber Betrug und Steuerhinterziehung ist schon ein starkes Stück. Aber anscheinend kommt so etwas bei den Leuten heutzutage gut an, die Amerikaner wählen so etwas sogar zum Präsidenten.

Nils
Nils
2 Jahre zuvor
Reply to  funtasticc

Na na, da hast du aber noch einiges vergessen: Vergewaltigung, Wahlfälschung, Putschversuch, Nepotismus, Korruption, Rufmord …

Kein Anspruch auf Vollständigkeit. Aber wir wollen Trumps „Lebensleistung“ ja schließlich nicht kleiner machen, als sie ist.

Tobiz
Mitglied
Tobiz
2 Jahre zuvor

„ESC-Hoffnung“ ist auch so ein Unwort. Igitt.

AlexESC
AlexESC
2 Jahre zuvor

Ich bin immer wieder fasziniert davon dass solche Formate wie „Svenska Hollywoodfruar“ so beliebt sind. Das amerikanische Original nennt sich „The Real Housewives of…“ und hier gibt aktuell 9 Version -ja ihr lest richtig- welche in verschiedenen Städten produziert werden z.B. The Real Housewives of Beverly Hills, The Real Housewives of Miami, The Real Housewives of New York City etc. In den letzten Staffeln der amerikanischen Version von „Masked Singer“ sowie „Dancing with the Stars“ (Let’s Dance) war immer mindestens eine Teilnehmerin von „The Real Housewives of…“ dabei.

Trevoristos
Trevoristos
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

so beliebt war das doch in Schweden gar nicht. Kam doch gar nicht auf nem großen Sender. Nur die Boulvardpresse hat es als Aufhänger benutzt, was für die Teilnehmerinnen besonders nützlich war, insbesondere für Gunilla die am zweitlängsten da dabei war..

Lola
Lola
2 Jahre zuvor
Reply to  AlexESC

Die Damen aus Salt Lake City haben eins meiner liebsten 2023 Memes hervorgebracht 😀

https://www.youtube.com/shorts/kwdvuvkywmo

Jorge
Jorge
2 Jahre zuvor

Also muss sie doch gewinnen, weil jeder Cent jetzt automatisch dem schwedischen Gemeinwesen zufließt. Über die Steuersparmodelle anderer Teilnehmer wissen wir ja noch nichts, aber die Zahlen sind ja allgemein in Schweden jedermann frei zugänglich. Wäre also ein Job für ESCK-Investigativ, Songchecks anhand der Steuerdaten … 🙂

Trevoristos
Trevoristos
2 Jahre zuvor

die interessiert in Deutschland doch keinen.
Erstaunlich, dass die mit diesem ‚Schrott‘ Hollywoodfruar auf dem ‚Schrottsender‘ TV3 (Marktanteil in Schweden 4% = 0,5% in Deutschland) überhaupt Geld verdienen konnte. Sie nahm an ca 50 bis 60 Episoden teil. Das alleine kann keine Millionen gebracht haben, ne relative lokale Bekanntheit aber wohl schon.

Da sie nicht singen kann und auch keine Erfolge vorweisen kann, ist sie beim Melodifestivalen ganz offensichtlich Fehl am Platze.

Erstaunlich, dass ihr haarsträubend dürftiges Liedchen durchgelassen wurde. Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die dafür Verantwortlichen. Mehr als Kopfschütteln kann für sowas nicht übrigbleiben.
Sie ist eben halt auch gar nicht wegen dem Song dort hingelassen worden, sondern wegen der anscheinend wie irre benötigten Publicity…

Anmey
Anmey
2 Jahre zuvor
Reply to  Trevoristos

You must be fun at parties…

Rainer Knuth
Rainer Knuth
2 Jahre zuvor

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus wenn Behörden einen Betrag einfordern, das dieses auch rechtmäßig ist und nicht nur irgendeine Behauptung eines Beamten.

Und jede Schlagzeile sind für solche Promis Werbung, egal ob gute oder schlechte Schlagzeile.

Trevoristos
Trevoristos
2 Jahre zuvor

die interessiert in Deutschland doch keinen.
Erstaunlich, dass die mit diesem Hollywoodfruar auf dem ‚Kleinsender‘ TV3 (Marktanteil in Schweden 4% = 0,5% in Deutschland) überhaupt Geld verdienen konnte. Sie nahm an ca 50 bis 60 Episoden teil. Das alleine kann keine Millionen gebracht haben, ne relative lokale Bekanntheit aber wohl schon.
Da sie nicht singen kann und auch keine musikalischen Erfolge/Leistungen vorweisen kann, ist sie beim Melodifestivalen ganz offensichtlich Fehl am Platze.
Erstaunlich, dass ihr haarsträubend dürftiges Liedchen durchgelassen wurde. Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die dafür Verantwortlichen. Mehr als Kopfschütteln kann für sowas leider nicht übrigbleiben.
Sie ist eben halt auch gar nicht wegen dem Song dort hingelassen worden, sondern wegen der anscheinend wie irre benötigten Publicity…

Der Thoddy
Der Thoddy
2 Jahre zuvor

Mir völlig Banane, was diese Dame macht – solange die sich nicht im Playboy, Hustler etc. auszieht, ist doch alles okay.

Lola
Lola
2 Jahre zuvor

Random Trashy ~Skandalnudel~ News, lieben wir.
That being said: Steuerhinterziehung ist out. Byeee

Jan Wehner
Jan Wehner
2 Jahre zuvor

Ich fand es ja erstaunlich, dass sie aus jüngeren Zielgruppen 12 Punkte bekam. Aber dass sogar die Bildzeitung über sie berichtet, obwohl sie doch hier in Deutschland eher unbekannt sein dürfte, ist noch mal einer drüber.