
Als Jacqline (Aufmacherbild) am Samstagabend erfuhr, dass sie über die Nachrückerrunde Finalkval noch eine Chance auf das Finale des Melodifestivalen 2026 hat, haben das nur noch Zuschauer*innen mitbekommen, die die Sendung über die Mediathek SVT Play verfolgt hatten. Im linearen Fernsehen lief da schon ein anderes Programm. Die Kritik der Zuschauer*innen ließ nicht lange auf sich warten – und ab nächsten Samstag wird die Bekanntgabe des Finalqualifikanten auch wieder im linearen Fernsehen gezeigt.
Die Schweden sind nicht nur ein innovatives Völkchen. Sie sind auch bereit, Fehler schnell zu erkennen und zu beheben (Hat jemand Streusalz gesagt?). Das gilt auch für den öffentlich-rechtlichen Sender SVT und das Melodifestivalen, den schwedischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. Immer wieder werden (technische) Innovationen beim Melodifestivalen ausprobiert und anschließend optimiert oder wieder verworfen – und manchmal auch beim ESC eingeführt.
Innovationen waren auch bei der Übertragung der ersten Vorrunde des diesjährigen Mello bei SVT Play zu erleben. Die ganze Anmutung wirkte moderner als im Vorjahr und es gab – ähnlich wie bei Youtube – eine Live-Kommentarfunktion für die Zuschauer*innen. Dieser Fokus auf SVT Play entspricht ganz der Strategie des Senders SVT: „Bis zum letzten Jahr war das lineare Fernsehen unsere Hauptplattform. Jetzt ändern wir das zu (SVT) Play, dort liegt die Zukunft.“ Das sagte Anders Wistbacka im Nachgang zur ersten Vorrunde der Boulevardzeitung Expressen.
War war passiert? Das schwedische Fernsehen hatte es mit seinem neuen Fokus auf SVT Play etwas übertrieben. Die Live-Show am Samstagabend war so konzipiert, dass nach 90 Minuten die beiden direkt für das Mello-Finale Qualifizierten Greczula und A*Teens bekanntgegeben worden waren. Dann sagte Moderator Hampus Nessvold:
„Hier kommt eine wichtige Information: Wenn ihr den Abspann seht, werdet nicht unruhig. Das ist deshalb, weil die Sendung jetzt auf SVT Play weitergeht. Wenn ihr den dramatischen Entwicklungen folgen wollt, macht ihr das dort.“
Offenbar wurden etliche Personen von dieser Änderung kalt und unvorbereitet erwischt. Viele versuchten offenbar vergebens, SVT Play zu starten und verpassten die Bekanntgabe von Jacqline als Nachrückerin für die Finalkval-Runde. Diese war auch schneller vorbei als man schauen konnte. Denn bereits nach sechs Minuten war die verlängerte Sendung bei SVT Play wieder Geschichte.
Der Aufschrei der Zuschauer*innen ließ nicht lange auf sich warten und am Sonntagnachmittag erfolgte auch schon der Rückzieher von SVT. In einer Stellungnahme des Senders erklärte Anders Wistbacka:
„Die Zuschauer haben den Wechsel von SVT1 zu SVT Play negativ aufgenommen, und wir haben dieses Feedback zur Kenntnis genommen. Ab der nächsten Vorrunde wird das gesamte Melodifestivalen auch auf SVT1 zu sehen sein.“
Weitere Informationen, wie das genau umgesetzt werden soll, wurden noch nicht genannt. Dabei gibt es mindestens zwei Möglichkeiten: Typischerweise sind die Vorrunden vom Melodifestivalen immer exakt 90 Minuten lang. Um die Bekanntgabe der Finalkval-ifikanten da zu integrieren, könnten ggf. die Gespräche im Greenroom gekürzt werden. Alternativ könnte der Sender die nachfolgenden Programme einfach fünf Minuten später beginnen lassen. Letzteres wäre sicher die deutsche Lösung. Mal schauen, was sich die perfektionistischen Schweden einfallen lassen.
Wie findest Du das schnelle Zurückrudern des schwedischen Fernsehens SVT bei der Bekanntgabe des Acts für die Nachrückerrunde Finalkval? Welche Lösung sollte der Sender wählen, damit auch wieder alle Ergebnisse im linearen Fernsehen zu verfolgen sind? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
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