Portugal: Alle Jury- und Televoting-Ergebnisse des Festival da Canção 2024 veröffentlicht

Bild @ Pedro Pina / RTP

Letzten Samstag bzw. Sonntagmorgen gegen halb 2 gewann die Sängerin und Songwriterin iolanda mit ihrem Lied „Grito“ das diesjährige Festival da Canção. Während die 29-jährige klar das Juryvoting für sich entscheiden konnte, gewann der Musiker João Borsch jedoch das Televoting. Nun hat der ausrichtende Sender RTP die Votingergebnisse des Festivals für die beiden Halbfinale und das Finale bekanntgegeben – mit durchaus einigen Überraschungen.

Finale

Die Juryergebnisse der sieben Bezirke Portugals wurden bereits allesamt im Finale offengelegt. Mit fünf Höchstwertungen und zwei zweiten Plätzen gewann iolanda hier klar mit 80 Punkten vor Leo Middea mit 57 Punkten. Buba Espinho erreichte mit 46 Punkten den dritten Platz. Er erhielt zudem eine Höchstwertung aus dem Bezirk Alentejo. Der Bezirk Lisboa E Vale Tejo gab die Höchstwertung an Silk Nobre, der so immerhin noch den vierten Platz mit insgesamt 43 Punkten erreichen konnte. Erst auf Platz fünf folgt João Borsch mit 33 Punkten, nur ein Punkt vor Rita Onofre und drei Punkte vor Rita Rocha.

Bisher war jedoch nicht klar, ob João Borsch das Televoting klar oder knapp für sich entscheiden konnte. Es wurden sogar vereinzelte Rufe laut, dass die Umrechnung in das seit Jahren genutzte ESC-Punktesystem João Borsch wohl zum Verhängnis wurde. Dem ist aber nicht so: ohne die Umrechnung wäre der Gewinn von iolanda sogar noch eindeutiger gewesen, denn die beiden trennten gerade einmal 0,71 Prozentpunkte im Televoting. João Borsch konnte 17% der Abstimmenden für sich begeistern, iolanda 16,29%. Mit 9,17 % schnappte sich Leo Middea den dritten Platz, 8,51% reichten Rita Rocha zum vierten und 7,81 % dem Sänger NOBLE zum fünften Rang. Hier ein genauer Überblick:

1. Halbfinale

Besonders interessant ist der Blick wohl auf das erste Halbfinale, in dem iolanda bereits auf den zweitplatzierten João Borsch traf. Auch hier erreichte die spätere Gewinnerin den ersten Platz bei der Jury und einen zweiten Platz mit 16,47 % ein nahezu identisches Ergebnis beim Televoting. Das Televoting sah im ersten Halbfinale allerdings nicht wie im Finale den auffälligen Sänger João Borsch vorne – dieser erreichte hier nur den fünften Platz. Das Televoting konnte vielmehr die sympatische Funk-Pop-Band Perpétua mit 17,08 % für sich entscheiden.

Auf dem dritten Platz folgte NOBLE mit starken 15,73 %, der durch ein relativ schlechtes Ergebnis bei der eingesetzten Jury erst noch durch die Hoffnungsrunde musste, in der er dann allerdings mit 47,45 % im entscheidenden Televoting klar das Finale erreichte. Der bekannte Musiker Bispo musste sich in dieser Runde schließlich mit 23,42 % klar geschlagen geben.

Anders als im Finale saßen in beiden Halbfinals neben der letztjährigen Vertreterin Mimicat, Gisela João (Sängerin), Benjamim (Komponist, als solcher auch 2018 beim Festival), Miguel Esteves Cardoso (Schreiber, Kritiker und Journalist), Pedro Oliveira (Sänger der Rockband Sétima Legião), Lura (Sängerin und Teilnehmerin am Festival 2001 und 2019 als Songwriterin) und Lia Pereira (Musikkritikerin und Journalistin). Hier ein genauer Überblick für das erste Halbfinale:

2. Halbfinale

Leo Middea überzeugte auch im zweiten Halbfinale die dort eingesetzte Jury und sicherte sich hier die Höchstwertung. Zusammen mit dem sechsten Platz im Televoting konnte er das Halbfinale für sich entscheiden. Hier lagen die Jurys und die Zuschauenden insgesamt weit auseinander, so dass schon die jeweils Drittplatzierten der beiden Votinginstanzen in die Hoffnungsrunde gelangten, in der nur das Televoting über den letzten Finalplatz entschied. Diesen erhielt Rita Onofre mit lediglich 23,72 % vor João Couto mit 21,7%, Maria João mit 21,68% und Huca mit 20,82%. Nur die Sängerin Filipa mit dem vielleicht musikalisch modernsten Beitrag fiel in allen Votinginstanzen durch. Hier der genaue Überblick über das zweite Halbfinale:

Als kleines Bonbon für alle iolanda-Fans wollen wir an dieser Stelle noch ein Video mit Euch teilen (vielen lieben Dank an Leser José für den Hinweis!), in dem iolanda mit ihrem Co-Komposer Luar durch viele musikalische Tonspuren des komplexen Liedes „Grito“ hört und die beiden so einige musikalische Impulse und Einflüsse zum Lied miteinander besprechen. Für alle, die des Portugiesischen nicht mächtig sind, noch der Hinweis, dass bei dem Videos Untertitel vorhanden sind, die in den Einstellungen auch automatisch auf Deutsch übersetzt werden können. Das klappt nicht immer ganz genau, aber so wird vieles nachvollziehbar.

Alle Beiträge des Festival da Canção 2024 findet Ihr auch in unserer Spotify-Playlist.

Was überrascht Dich besonders an den veröffentlichten Voting-Ergebnissen? Welchem Beitrag hättest Du mehr Jury- oder Televotingstimmen zugetraut oder gewünscht? Lass uns Deine Meinung gern in den Kommentaren da.



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13 Comments
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italojeck
italojeck
2 Jahre zuvor

Portugiesen sind alle Verschwörungstheoretiker… 🤔🤔🤔

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
2 Jahre zuvor
Reply to  italojeck

Nicht nur die Portugiesen… *hust* Ryk *hust*

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
2 Jahre zuvor

Ich bin noch immer ein wenig traurig, dass Huca es nicht ins Finale geschafft hat, und Filipa wirkte mMn in diesem Line Up wie ein Fremdkörper, wie jemand der nur eine Routine abspult, aber kein wirkliches Gefühl für Musik hat. In anderen VEs, in denen mehr Plastikware angeboten wird, wäre sie weniger negativ aufgefallen.

José
José
2 Jahre zuvor

Ich hätte sehr gern Maria João im Finale gehabt…

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
2 Jahre zuvor
Reply to  José

Ich auch.

ag9
ag9
2 Jahre zuvor

Ich auch, ich kenne sie seit Jahren…

José
José
2 Jahre zuvor

plastikware 🤣🤣😂

ESChris
ESChris
2 Jahre zuvor

Filipas Song hatte schon etwas Mystisches, leider war das auf der Bühne gar nicht sichtbar. War ihr Bühnenbild eigentlich auch von diesem Dittmann?

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
2 Jahre zuvor
Reply to  ESChris

Man hatte tatsächlich den Eindruck, dass die FdC-Produzenten nicht so richtig wussten, was sie mit Filipas Liedvorschlag anfangen sollten.

Nelis
Nelis
2 Jahre zuvor

Huca fand ich am schlimmsten von allen Beiträgen. Gut dass der nicht weiterkam.

ag9
ag9
2 Jahre zuvor

Leo Middea, das brasilianische Lockenköpfchen, ist für mich der absolute Favorit aller, wirklich aller Vorentscheidungsbeiträge 2024. Er hatte eine unglaubliche Spielfreude, war unverschämt charmant und der Song (und auch ein bisschen die Stimme) hat mich sehr an Caetano Veloso erinnert (mein absoluter Lieblingssänger), den er auch im Text erwähnt.

Verwirrenderweise kam er hier im Blog eher schlecht weg (hatte die Sendung erst zwei Tage später angesehen, sonst hätte ich mich darüber sehr verwundert bis entsetzt gezeigt).

Ich hoffe, beim SCC schnappt ihn mir niemand weg.

Trevoristos
Trevoristos
2 Jahre zuvor

Bild ist uneinheitlich. So ganz überzeugt sind die portugiesischen Voter vom Iolanda Song scheints nicht. Und die verstehen ja den Songtext auch. Ob das Nicht-verstehen des Songtextes zu nem besseren Televote führen wird? Tippe auf Exit im HF. Ohne Jury Hilfe wird das glaub ich nix werden.

José
José
1 Jahr zuvor
Reply to  Trevoristos

Und? Noch mehr Tipps?