
Aserbaidschan schickt in diesem Jahr JIVA mit dem Titel „Just Go“ zum Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Die Auswahl erfolgte wie für das Land typisch wieder intern durch den Sender İctimai Television. Dabei setzt sich ein Trend der letzten Jahre fort: anstatt skandinavische Ware einzukaufen, entschied man sich für einen Song aus der Feder eines heimischen Komponisten.
Dem Auswahlverfahren ging ein umfangreicher Bewerbungsprozess voraus. Insgesamt 186 Songs wurden eingereicht – 107 davon von lokalen Komponist*innen und Interpret*innen, 79 von internationalen Songwriter*innen. In einer ersten Bewertungsrunde sichtete eine Fachjury sämtliche Einsendungen und lud 18 Kandidat*innen zu einem Vorsingen ein. Dabei wurden neben den stimmlichen Fähigkeiten auch Bühnenpräsenz und internationales Potenzial beurteilt. Am Ende blieben drei Acts auf der Shortlist, aus denen eine eigens gebildete Fokusgruppe schließlich JIVA auswählte.
Sängerin JIVA, bürgerlich Jamila Hashimova, ist in ihrer Heimat keine Unbekannte. Ihre Karriere begann bereits 2003 mit einem zweiten Platz beim Wettbewerb Baku Autumn. 2007 war sie Teil des Projekts Show Time, später arbeitete sie unter anderem mit dem renommierten RAST-Ensemble unter der Leitung von Rashad Hashimov zusammen und stand sogar beim Montreux Jazz Festival auf der Bühne. Als Leadsängerin der Hazz Band kombinierte sie Jazz-Elemente mit zeitgenössischem Pop.
Seit 2017 ist JIVA als Solokünstlerin aktiv und bewegt sich stilistisch zwischen Pop, Dance und R’n’B. Sie singt auf Aserbaidschanisch, Russisch und Englisch – also beste Voraussetzungen für einen internationalen Wettbewerb wie den ESC. Einen weiteren Karriereschub erlebte sie 2025 mit dem Sieg bei The Voice of Azerbaijan im Team von Roya Aykhan.
Eurovision-Erfahrung bringt JIVA mit viel gutem Willen auch mit: Bereits 2011 erreichte sie die Top 3 im aserbaidschanischen Vorentscheid. Nun erhält sie 15 Jahre später die große Chance, ihr Land tatsächlich beim ESC zu vertreten.
Das Lied
„Just Go“ ist eine Ballade über Liebe, Herzschmerz und innere Stärke. Das Lied spiegelt die Idee wider, sich selbst wiederzuentdecken und nach einer Enttäuschung in einer Beziehung ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen.
Der Song beginnt ruhig mit Klavier und Streichern. Auch die traditionelle Flöte Balaban ist zu hören. Ab dem ersten Refrain nimmt der Track durch den Einsatz des Schlagzeugs etwas Fahrt auf. Im Finale, in dem JIVA auf Aserbaidschanisch singt, werden die Streicher dominanter und es kommen noch einige Bläser hinzu. Den ganzen Song hinweg steht JIVAs einzigartige Stimme im Vordergrund.
Geschrieben wurde „Just Go“ vom aserbaidschanisch-amerikanischen Komponisten Fuad Javadov, aus dessen Feder sowohl die Melodie als auch der Text stammen.
JIVA tritt mit „Just Go“ für Aserbaidschan im zweiten ESC-Halbfinale am 14. Mai von Startnummer 2 an.
Der Check
Song: 1/5 Punkten
Stimme: 4,5/5 Punkten
Darbietung: 2/5 Punkten
Instant Appeal: 1/5 Punkten
Bennet: Ich musste mich leider schon dabei ertappen, wie ich das Lied geskippt habe – passend zum Songtitel. Das Lied langweilt mich und strengt mich mit seinen langen Tönen zu sehr an, als dass es entspannt im Hintergrund laufen könnte. 2 Punkte.
Benny: Für mich der schlechteste und leider auch überflüssigste Song des aktuellen ESC-Jahrgangs. Eine abgestandene 08/15-Ballade mit kitschigem Text. Da kann auch JIVAs Stimme nichts mehr retten. Eigentlich finde ich, dass fast alles auch beim ESC seine Berechtigung hat, aber das hier empfinde ich fast als Beleidigung der Zuschauer*innen. 2 Punkte.
Berenike: Aserbaidschan schickt eine sehr nichtssagende, generische und für mich langweilige Ballade ins Rennen. Da bleibt bei mir beim Hören nichts hängen und auch emotional berührt mich da nichts. Aber zumindest tut das Anhören nicht weh und durch Balaban und etwas Landessprache dann noch 3 Punkte.
Peter: Neulich habe ich in einer Lieblingskneipe in der Musikbox „Being Boring“ gedrückt und der Pet-Shop-Boys-Klassiker ist bis heute magisch. Was auf „Just Go“ leider nicht zutrifft, hier heißt es eher „boring boring boring“. Die Stimme von JIVA ist eindringlich und eindrucksvoll, sie hätte aber einen besseren Song verdient als dieses unauffällige Dahingeplätscher. 2 Punkte.
Rick: Einzig und allein JIVAs Stimmfarbe, die mir gefällt, ist positiv hervorzuheben. Diese Nummer ist musikalisch altbacken, inspirationslos, abgedroschen, kitschig und eine Schande für den ESC. Grauenhaft langweilig! Da helfen sogar die Zeilen auf Aserbaidschanisch nicht mehr. Ich kann mir diese Auswahl noch weniger erklären als das Line-Up des deutschen Vorentscheids dieses Jahr. 1 Punkt.
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Douze Points: 3 Punkte
- Giulia: 2 Punkte
- Laureen: 1 Punkt
- Manu: 3 Punkte
- Marcel: 3 Punkte
- Max: 1 Punkt
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 23/132 Punkten
Beim ESC-kompakt-Index landet „Just Go“ auf Platz 35.
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
- Portugal: „Rosa“ von Bandidos do Cante
- Schweden: „My System“ von FELICIA
- Belgien: „Dancing on the Ice“ von ESSYLA
- Estland: „Too Epic To Be True“ von Vanilla Ninja
- Israel: „Michelle“ von Noam Bettan
- Litauen: „Sólo quiero más“ von Lion Ceccah
- Montenegro: „Nova zora“ von Tamara Živković
- Polen: „Pray“ von Alicja
- San Marino: Superstar von Senhit feat. Boy George
- Serbien: „Kraj Mene“ von LAVINA
Bereits gesetzt für das Finale
Zweites Halbfinale
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