Wir gratulieren: ESC-Ikone Paola Felix wird 75 Jahre alt

Erst vor wenigen Tagen hat sie mit Ralph Siegel seinen 80. Geburtstag gefeiert, jetzt feiert sie selbst magische 75 Jahre: Paola Felix, die dreimal auf der ESC-Bühne gesungen hat. 1969 wurde sie mit „Bonjour, Bonjour“ (das Aufmacherbild zeigt die Originalsingle) für die Schweiz Fünfte in Madrid. 1980 erreichte sie mit „Cinéma“ (in französischer Sprache) sogar den 5. Platz, erneut für ihr Heimatland Schweiz. Und in diesem Jahr war sie im Finale beim „Switzerland Eurovision Legacy“ Medley dabei und wurde frenetisch gefeiert.

Die Berührungen von Paola mit den Eurovision Song Contest sind jedoch vielfältiger und weitreichender. 1968 wurde sie mit dem Titel „Für alle Zeiten“ Zweite in der Schweizer Vorentscheidung. Den gleichen Platz im nationalen Schweizer ESC-Finale belegte sie 1977 mit „Le Livre Blanc“ hinter „Swiss Lady“ von der auch in Deutschland populären Pepe Lienhard Band, die einen soliden sechsten Platz in London erreichten.

Auch in Deutschland hat sich Paola zweimal für das ESC-Finalticket beworben. Sie hat sich nicht durchgesetzt, hat aber zwei Popschlager-Klassiker geschaffen. 1979 schaffte „Vogel der Nacht“ den dritten Platz im deutschen Finale, 1982 landete „Peter Pan“ sogar auf dem zweiten Platz. Mit den Ralph-Siegel-Klassikern „Dschinghis Khan“ (4. Platz in Jerusalem 1979) und „Ein bißchen Frieden“ (Deutschlands erster ESC-Sieg in Harrogate 1982) hatte sie halt in beiden Fällen starke Wettbewerber.

Über eine andere ESC-Collab von Paola wird eher selten berichtet, hier gehört es aber hin. Paola verbindet eine enge Freundschaft mit Michael von der Heide, der für die Schweiz im Lena-Jahr 2010 mit den Lied „Il pleut de l’0r“ antrat, allerdings nicht erfolgreich (nur 2 Punkte im Halbfinale). 1999 hatte Michael es übrigens schon im deutschen Finale versucht und erreichte mit dem Kultsong „Bye Bye Bar“ (wird von DJ Douze Points und DJ Ohrmeister immer mal wieder noch gespielt) Platz 6.

Michael von der Heide bezeichnete Paola als seine größte Inspiration und widmete ihr 2016 sein Album „Paola“, auf dem er ihre Hits neu interpretierte. Das war anlässlich seines 25-jährigen Bühnenjubiläums und Paola war so gerührt und begeistert, dass eine tiefe Freundschaft entstand („Ich verneige mich vor Michaels Talent.“). Die beiden standen auch schon gemeinsam auf der Bühne.

Außerhalb der Bubble ist Paola vor allem durch die Moderation der deutschen Candid-Camera-Adaption namens „Verstehen Sie Spaß?“ bekannt, die sie mit ihrem Ehemann Kurt Felix von 1983 bis 1990 moderierte. Die Show war sieben Jahre lang ein Primetime-Quotenhit und ist es bis heute (moderiert von – Achtung ESC-Bezug – Barbara Schöneberger). Ihr größter Chartserfolg ist „Blue Bayou“, der gleichnamigen deutschen Fassung von Roy „Pretty Woman“ Orbisons gleichnamigen Hit. „Blue Bayou“ wurde gleichzeitig zum „signature song“ von Linda Ronstadt (bis heute). Ähnliches passierte für Paola in DACH.

Erkennbar: Poala ist auch ein ESC-Bubble-Selfie-Favorite. Das erste Bild hat der Autor dieser Huldigung beim Bambi 2018 aufgenommen, bei dem Michael Schulte in der Folge seines ESC-Erfolgs in Lissabon mit dem Nachwuchsmusiker-Bambi geehrt wurde. Das zweite Bild ist erst wenige Tage alt und Reinhard Ehret hat es in München beim 80. Geburtstag von Ralph Siegel aufgenommen, bei dem Paola ausgelassen mitfeierte wie die beiden folgenden Bilder zeigen. (Danke dafür, Wolfgang.)

Paola an der Seite von Thomas Gottschalk beim Geburtstagsfest für Ralph Siegel (Fotos: Wolfgang G für ESC kompakt)

Es gibt soooo viele ikonische Momente in der Laufbahn von Paola, hier eine kleine Auswahl:

„Die Welt ist wunderbar, sie kann nicht schöner sein, und sie gehört nur den Verliebten allein.“ Beim ESC 1969 in Madrid war die Welt scheinbar in Ordnung. Und Paola del Medico (sie hat italienische Wurzeln) gewinnt im Mini mit roten Punkten den (soeben erfundenen) Zeitgeist-Fashion-Sonderpreis. 13 Punkte reichten für den fünften Platz, die meisten davon (3) aus Irland (je 2 aus Deutschland, Finnland, UK und Jugoslawien).

Elf Jahre später singt Paola beim ESC statt in deutsch in perfektem Französisch. Und fashionbezogen wieder State-of-the-art im schwarzen Glitzerhosenanzug mit einem transparenten Hauch von Oberteil. (Der ESC ist eben auch eine Popkultur-Zeitreise.) In Den Haag machten wie berichtet Johnny Logan und Katja Ebstein die Spitzenplatzierungen unter sich aus, für Paola wurde es Platz Vier mit der Höchstpunktzahl (12) aus Irland und Finnland, die schon 1969 die meisten Punkte an Paola gaben (Jury-Kontinuität sozusagen). Aus Deutschland gab’s immerhin 10 Punkte, genauso wie aus Norwegen und den Niederlanden.

2025 durfte Paola ihren ikonischen ESC-Hit bekanntlich als Intervall-Act präsentieren, alle Details dazu stehen hier. Für Paola war der Auftritt „das schönste Geburtstagsgeschenk“, wie sie der Deutschen Presseagentur verraten hat.

Paola, „Blue Bayou“ und die aufgeblasene Banane. Dieser Auftritt aus 2001 zum 60. Geburtstag des Stammtisch-Komikers Karl Dall fehlt in keiner Pannenshow und in keinem Paola-Rückblick, deshalb auch hier nicht.

Manchmal entwickelt sich ein Reportoire-Hit eines Künstlers (ein Song zuweilen aus der zweiten Reihe) erst Jahrzehnte später zu einem herausragenden Partyhit. Das war bei Vicky Leandros und ihrem „Ich liebe das Leben“ so und bei Paola ist ein solcher Song „Der Teufel und der junge Mann“. Heute ist das ein Standard auf dem alljährlich in Hamburg stattfindenden Schlagermove und die Kids der Eltern und Großeltern, die dafür in der ZDF Hitparade abgestimmt haben, sind nicht zu halten. Einige Impressionen findet Ihr hier (eine meiner All-Time-Lieblingsreportagen).

Wir gratulieren noch einmal herzlich zum Geburtstag aber auch zur einzigartigen Künstler-Karriere mit vielen ESC-Höhepunkten.

Was sagt Ihr? Habt Ihr persönliche Erinnerungen an Paola und ihren musikalischen Lebensweg? Habt Ihr einen Lieblingssong von Paola? Gefällt es der „next ESC generation“ unter Euch, via ESC kompakt auch ESC-Ikonen der Vergangenheit zu entdecken? Sagt es uns in den Kommentaren.



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