Die deutschen Radiosender haben sich nicht vom Angebot bei der ESC-Vorentscheidung Das deutsche Finale 2026 überzeugen lassen. Keiner der dort präsentierten Songs ist (bisher) in Deutschland zu einem Radiohit geworden. Am besten läuft es noch für Siegerin Sarah Engels und ihren Track „Fire“. Dieser steht einen guten Monat nach dem Vorentscheid auf Platz 128 der deutschen Airplay-Charts. Getragen wird dieser Erfolg vor allem von den öffentlichen-rechtlichen Programmen, wobei die Radiomacher des nun für den ESC-zuständigen SWR sich offenbar nicht wirklich in der Pflicht sehen, hier Unterstützung zu leisten. NDR 2 ist da deutlich engagierter.
Der diesjährige deutsche Vorentscheidjahrgang hat bisher kaum popkulturelle Relevanz gezeigt. Die Single-Charts-Erfolge waren überschaubar und kurzlebig. Und auch die Radiosender, die in den letzten Jahren zumindest den Siegersong (sehr) regelmäßig spielten, zeigen sich auffällig zurückhaltend. Das galt bereits vor dem Vorentscheid, das hat sich danach aber nicht wesentlich geändert.
Tatsächlich zog Sarah Engels „Fire“ nur für eine Woche in die Top 100 der deutschen Radio-Airplay-Charts ein: In der KW 10, also direkt nach ihrem Vorentscheidsieg, schaffte sie es mit 140 Einsätzen über viele Radiosender hinweg auf Platz 75 der Hitliste. Eine Woche später verpasste sie eine Platzierung unter den besten 100 Radiosongs knapp. In der gerade zu Ende gegangenen Auswertungswoche 14 stand sie auf Rang 128 der Airplay-Charts.
Bis Gründonnerstagabend waren für „Fire“ insgesamt 454 Radioeinsätze aufgelaufen. Damit liegt sie meilenweit vor ihren beiden Superfinal-Kolleg*innen: wavvyboi hat bis dahin mit „black glitter“ insgesamt 34 Einsätze generiert, Molly Sue mit ihrem „Optimist (Ha Ha Ha)“ 28. wavvyboi kann sich für die Airplays in den letzten drei Wochen bei Bremen Eins und dem nicht-kommerziellen Frankfurter Stadtsender Radio X bedanken. Molly Sue wurde zuletzt noch bei MDR Sputnik gespielt.
Die deutsche ESC-Vertreterin Sarah Engels wir in diesem Jahr stärker von den öffentlich-rechtlichen Radiosendern gespielt als von den privaten. Allerdings heißt es nicht, dass sich die ARD-Programme über die Maßen engagieren würden. Die meisten Airplays kamen beim Sender rbb 88.8 zusammen, der als Kernzielgruppe Berliner*innen ab 40 Jahren hat. Hier ist „Fire“ aktuell sechsmal pro Woche zu hören, also fast einmal am Tag. Insgesamt wurde der Titel dort bisher 25 Mal gespielt.
Die zweitmeisten Einsätze wurden bei NDR 2 erfasst, also der Popwelle des ARD-Senders, der bis zum letzten Jahr für den ESC zuständig war. Hier scheint weiter eine größere ESC-Begeisterung zu herrschen als beim nunmehr verantwortlichen SWR. Dessen Popwelle SWR 3 spielte „Fire“ bisher nur halb so häufig, also 11 Mal. Allerdings haben sich beide Sender zuletzt nicht mehr besonders für den Titel engagiert: In den Wochen 13 und 14 kam es bei beiden Sendern nur noch zu je einem Einsatz pro Woche. Stärker bei der Sache sind da noch RBB Antenne Brandenburg und MDR JUMP. Auf beiden Programmen war Fire in der KW 14 noch dreimal zu hören.
Auf privater Seite sieht es für „Fire“ noch etwas schlechter aus – wobei es eine Hoffnung im Westen und Süden gibt: Denn Radio Salü im Saarland und die Sender von Radio Charivari (in der Übersicht ist nur der Münchner Ableger aufgeführt) haben zuletzt die Rotation deutlich hochgefahren. Bei Radio Salü lief der Song der Kölnerin Sarah Engels in der KW 14 gleich 18 Mal – also etwa so oft wie bei WDR 2 seit dem Vorentscheid insgesamt. Auch die 12 Airplays bei Charivari sind absolut positiv zu betrachten. Erfreulich ist es dabei, dass auch die bayerischen Lokalradio-Kolleg*innen von Radio Gong kontinuierlich auf „Fire“ setzen und den Titel im Schnitt einmal pro Tag spielen.
Positiv erwähnt werden kann noch das hessische Hit Radio FFH, das zumindest in den drei Wochen nach dem Vorentscheid ein gewisses Engagement für den deutschen ESC-Beitrag zeigte. Abgesehen von den sächsischen Lokalradiosender haben die meisten anderen privaten Radiostationen in den Wochen nach dem Vorentscheid kein weiteres „Fire“ für den Titel gespürt – und diesen entsprechend nicht gespielt.
Wie bewertest Du die Airplay-Entwicklung der deutschen Vorentscheidbeiträge? Bist Du überrascht, dass „Fire“ bei den Radiomachern schlechter ankommt als etwa „Always On The Run“ von ISAAK oder „Rockstars“ von Malik Harris, die zu richtigen Radiohits wurden? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
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