Das Ende der Vorentscheidung Vidbir? Ukrainische Sender beenden Kooperation

Quelle: Eurovision.ua

Es ist das Ende einer Ära: Am Montag wurde bekannt, dass der ukrainische öfffentlich-rechtliche Rundfunk „Suspilne“ und der Privatsender STB ihre Kooperation in Sachen ESC beendet haben. Das bedeutet, dass der 2016 geborene und mittlerweile kultige ukrainische Vorentscheid „Vidbir“ – zumindest in der bisherigen Form – nun Geschichte ist. Das Budget von „Suspilne“ wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, in diesem Jahr konnte der Sender die ukrainische Teilnahme beim ESC finanziell im Alleingang stemmen. Hier muss man jedoch auch beachten, dass es keinen Vorentscheid gab, da ja die Gewinner-Band des vergangenen Jahres Go_A direktnominiert wurden.

Die Rundfunkanstalt ist nun nicht mehr auf die Hilfe vom Privatsender angewiesen. Was aus der Vorentscheidung wird ist noch unklar. Man wolle jedoch Kontakt zu Produktionsfirmen aufnehmen und ein neues Format ins Leben rufen. STB bedankte sich seinerseits für die „gute Zusammenarbeit“ und die „vielen Erfolge“, die man gemeinsam erzielen konnte.

Seit 2016 organisierte STB den Vorentscheid vollständig, das öffentlich-rechtliche Fernsehen kümmerte sich dann um die Promo und den Auftritt beim ESC. Nach fünf Ausgaben von „Vidbir“ ist die Bilanz positiv: Drei Finalteilnahmen und ein Sieg. Zweimal nahm der Gewinner nicht am ESC teil: Im Jahre 2019 nach der Kontroverse um Maruv und der Nicht-Teilnahme der Ukraine, und im darauffolgenden Jahr fand der Contest bekanntermaßen nicht statt.

Viele ESC-Fans haben die ukrainische Vorentscheidung ins Herz geschlossen. Die Song-Auswahl war stets bunt und stach im internationalen Vergleich heraus. Zudem war die Jury gespickt mit ESC-Legenden wie der ESC-Siegerin Jamala (Stockholm 2016), Andriy Danylko der hinter der Figur der „Verka Serduchka“ steckt (Helsinki 2007) und Tina Karol (Athen 2006).

Doch nicht nur musikalisch stach der Vorentscheid heraus: Legendär sind die häufig brutalen Kritiken der Jury oder etwa der Moment, als Jamala Maruv dazu aufforderte, im Krim-Konflikt Stellung zu beziehen.

Ein unangenehmer Moment der bekanntermaßen nicht ohne Folgen blieb. Die Show an sich litt natürlich nicht darunter – im Gegenteil. Die Vorentscheidung war ein echter Quotenbringer, der sich über die Jahre sogar verbessern und etablieren konnte. Doch nun ist Vidbir Geschichte und aus diesem Grund seid ihr nun wieder an der Reihe:

Werdet ihr das Format vermissen? Was waren eure liebsten Beiträge der VE? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!


35 Kommentare

    • Bitte nicht! Der Vidbir soll Bleiben. Ich habe mich riesig auf den Vidbir nächstes Jahr gefreut und vermute schon, wer Teilnimmt. UA:PBC kann doch Versuchen allein den Vidbir zu Finanzieren))

  1. Ich hoffe, dass die großartige musikalische Qualität von Vidbir in das neue Format herübergerettet werden kann.

      • Das wäre schön. Und die Jamala-Inquisition („difficult question“) brauchen wir auch nicht mehr.

    • Ich finde das nicht! Wenn beim ESC keine politischen Songs erlaubt sind, dann sollte sich auch die Vorentscheidung und die Jury ebenfalls daran halten und sich mit politischen Fragen und Statements zurück halten!

      • Die Annektierung ist natürlich NICHT in Ordnung (vorsichtig ausgedrückt). Ich finde es aber nicht gut, dass man diesen Konflikt in einen friedlichen Liederwettbewerb hineinbringt, so verständlich die Wut auch ist. Das wirkt mMn dem Geist des ESC entgegen.

      • Ich finde das überhaupt nicht bizarr, weil Du die Fakten verdrehst. Jamala hat mit ihrem Siegertitel ein sehr deutliches Statement zu dem Thema europa- und weltweit platziert. Dagegen wirkte ihr Inquisitionsansatz gegenüber Maruv einfach nur kleingeistig und unnötig. Und das hat überhaupt nichts damit zu tun, wie man zur Annexion der Krim steht. Ich denke, dass wir uns diesbezüglich sehr einig sind.

      • das ist schon noch ein wenig komplizierter.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Krim
        scrollt mal zum absatz „abspaltung von der sowjetunion“.
        stichwort „autonome republik krim“ als bestandteil innerhalb der ukraine.
        die krimbewohner wollten eigentlich nach dem zerfall der UDSSR ein eigenes unabhängiges land,eben die krim sein – es kam dann aber anders mit folgen bis heute.
        ist aber kein politikblog hier,daher werde ich dazu nichts mehr schreiben aber ein jeder kann sich ja mal in die ganze thematik ggf. mit weiterführenden wikiartikeln reinlesen.

      • Danke für den Link, @lasse braun.

        ich werde mich mit der Thematik noch genauer befassen. Und Du hast recht: Hier ist kein Politforum. Ich denke, alles sehr komplex und gehört hier auch nicht wirklich her.

    • ich nicht!
      jamala hat schon im jahr davor z.b. vilna live im fernsehen gegrillt,indem sie sagte,daß der song nicht ukrainisch genug ist und zudem vilna auch nicht ukrainisch genug ist.
      so habe ich das zumindest in erinnerung.
      andere acts wurden auch arg gedisst,wobei dann hier auch verka serduchka eine größere rolle gespielt hat.
      zu dem zeitpunkt wußte dann jeder,daß vilna nicht gewinnen wird (natürlich war melovin der juryliebling und topfavorit aber man konnte ja noch nicht wissen,wie das televoting ausgeht,also wurde vorgesorgt).
      mir kam die vidbir jury immer wie ein tribunal vor und das war wohl auch so gewollt.
      man hatte auch 2020 mitunter das gefühl,daß die bis dato noch völlig unbekannten go_a gar nicht als gewinner „vorgesehen“ waren – eher der am ende zweitplazierte aber man hatte am ende dann doch ein einsehen.

  2. Mein liebster Beitrag aus den ukrainischen VE – natürlich Krutb mit 99, mein SCC Patensong 2020, übrigens mit einem fantastischen12. Platz🙂
    Hoffe auf weitere tolle VE aus der Ukraine, eines meiner Lieblings-ESC-Länder

    • ich habe mich mal durch den SCC 2020 gewuselt(habe da ja nicht mitgemacht) – die kunst (u.a. katya chilly) hatte es schon letztes jahr schwer und wurde von den mainstreamjecken geräuschlos beseitigt. 😀
      der weiße engel am ende nur auf platz 12 wäre für mich dann schon etwas unbefriedigend gewesen aber was willste machen – es gab jedenfalls den richtigen sieger mit dotter und der albanische song(eben das erste mal gehört) auf platz 3 ist auch klasse.
      ich vermisse aber laura mit break me – hat da wirklich keiner pate sein wollen oder bin ich da eher bei 2019?
      die studiofassung ist doch wirklich ein schmucker countrypopsong.
      verdammte hacke auch,hätte ich das nur gewußt.

      • @Lasse Ich hatte Break me auf Platz 3 meiner Wunschliste 2020!, sauguter Song, absoluter Ohrwurm, hör ich heute noch, ich hatte aber 2020 unverschämtes Glück und bekam meinen Platz 1 der Liste, nämlich Krutb.
        Habe dann die Nachnominierer angebettelt Break me zu nehmen. Nix zu machen. Schön das der Songn doch noch jemandem gefällt. Schade, dass du nicht dabei warst.🙂

      • @karin unerhört sowas! – das ist ja fast schon peinlich für dieses brett – ein enorm hoher anteil von mainstreamjecken,welche die besondere gehobene country popkunst ignorieren – das veronadebakel scheint immer noch tief zu sitzen. 😀
        funfact:hätte ich mitgespielt,dann wäre ich schon letztes jahr höchstwahrscheinlich der laurapatenehrenmann geworden denn auf meiner imaginären liste hätte ich ebenfalls den weißen engel an 1 – dann dotter und dann schon laura gehabt. (es sei denn icke hätte mit maximalen losglück kruth oder dotter geschossen.)
        letztes jahr gab es situationsbedingt mehr songs im angebot,was aber nicht heißt heißt,daß der sauregurkenfaktor geringer war.
        ich glaube,2019 + 2018 muß ich mir auch noch mal genauer begucken – ist doch recht aufschlußreich und in den kommentaren auch erheiternd.
        anbei die perle des gepflegten countrypops,dabei stehe ich überhaupt nicht auf countrymucke aber das banjo ist ’ne wucht!

      • Lasse, ich glaube, Karin, du und ich sind hier der feste „Break Me“ Fanclub 😀
        Ich liebe alles an diesem Song ^^

      • @Lasse und ESCFAN2009
        .
        Ich erinner mich auch an irgendwelches Geläster, irgendwie war Laura anscheind schon vor meiner Zeit hier in Ungnade gefallen, sie hatte glaub ich schon öfter an VEs teilgenommen. Kenne weitere Hintergründe aber nicht.

      • Ach ja, es war das Veronadebakel, ich kann jedenfalls noch verzeihen😎. Nee ehrlich gesagt, war mir das schon immer schnurz🙃

  3. Die ukrainische VE hatte schon wirklich tolle Songs im Angebot. Beim ESC konnte mich die Ukraine allerdings selten begeistern, auch nicht die beiden Siegertitel. Am besten finde ich Verka Serduchka und die beiden Titel von GO_A.

    • Auch wenn ich mich unbeliebt mache, aber ich fand Verka Serduchka einfach nur schrecklich. Die beiden Siegertitel fand ich gut.

    • Ich mag viele ukrainische ESC-Beiträge. Ausnahmen sind ‚Wild Dances‘, die Beiträge 2011 bis 2013 und ihr Debüt 2003. Das ist mMn eines der schlechtesten Lieder in über 60 Jahren ESC.

      • 2011 ging noch so einigermaßen, das Lied war zwar auch keine Offenbarung, aber die Sängerin kam sehr sympathisch rüber und singen konnte sie auch. War noch ganz okay.🙂

      • 2011 bis 2013 sowie 2003 unterschreibe ich sofort. Wild Dances finde ich hingegen ganz okay.

  4. Es gibt weitere Neuigkeiten vom Junior Songfestival 2021! Heute wurden nämlich die Jurymitglieder (Kinder- und Erwachsenenjury) offiziell vorgestellt und bei der Erwachsenenjury ist der diesjährige ESC-Teilnehmer Jeangu Macrooy und bei der Kinderjury die JESC-Vorjahresteilnehmer Unity dabei:

    https://eurovoix.com/2021/08/31/netherlands-junior-songfestival-2021-juries-revealed/

    Der JESC-Vorentscheid findet dort statt, wo in diesem Jahr der ESC ausgetragen wurde: die Ahoy-Arena in Rotterdam, der häßlichsten Stadt Europas.

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