
Das Fanclubtreffen des OGAE Germany im Januar in München ist eine schöne Tradition. Das diesjährige Event, das am Samstag im Waldheim am Rande der Stadt stattfand, ist dabei keine Ausnahme. Durch das vielfältige und unterhaltsame Programm wurde straff geführt, ohne dass es gehetzt wirkte. Gleichzeitig gab es so am Ende ausreichend Zeit für eine herrliche ESC-Disco, bei der zu späterer Stunde auch Nischenwünsche ihren Platz fanden. Außerdem wurde mit Florian der Vertreter des Vereins beim FanVision Song Contest im Juli gewählt und aus Wien war zu hören, dass der EuroClub doch nicht im Wiener Rathaus untergebracht sein wird.
Einige Tage vor dem Treffen hatte OGAE Germany mitteilen können, dass die Veranstaltung ausverkauft sei. Die allermeisten der Besucher*innen waren bereits deutlich vor dem ankündigten Starttermin um 15 Uhr im Waldheim und nutzten die Zeit, um mit alten und neun Bekannten die plaudern, in Erinnerungen zu schwelgen und Pläne für die weitere ESC-Saison zu machen.
Auch wenn das Fanclubtreffen bereits zum vierten Mal im Waldheim stattfand, war in diesem Jahr doch einiges anders. Das war direkt von Anfang an zu spüren, als Jochen Voß als Moderator auf die Bühne trat. Vor einem Jahr gab es einen größeren Personalwechsel im Vorsitz des OGAE Germany. Jochen ist seitdem Pressesprecher des Vereins. Und da er im wirklichen Leben Journalist beim SWR ist, liegt ihm natürlich die Moderation und das Führen von Gesprächen mit Gästen auf der Bühne.
Nach einer kurzen Begrüßung ging es in einem Panel um die Suche nach dem deutschen ESC-Beitrag im letzten und in diesem Jahr. Auf rosafarbenen Serving-Kant-Gymnastikbällen sitzend diskutierten Sina vom Podcast ESC Ecktisch, Clubpräsident Michi Behr und der Autor dieses Textes kurz, aber nicht weniger intensiv. Das Ergebnis: Große Hoffnungen auf eine Top-10-Ergebnis beim ESC in Wien sollten sich die deutschen Fans nicht machen.
Erfolgreicher als beim ESC war Deutschland im letzten Jahr beim FanVision Song Contest auf Malta. Diesen gewann David Schuler für den OGAE Gemany, weshalb das Event in diesem Jahr vom 17. bis 19. Juli in München stattfinden wird. Er präsentierte seine Siegerperformance zu „Tout l’univers“ und war später auch noch einmal auf der Bühne zu erleben, als er den ESC-Beitrag „City Lights“ vortrug. Bei diesem harmonierte seine Stimme sogar noch besser zur Musik.

Der Auftritt von David war dann auch direkt der Einstieg in die Auswahl des Vereins, um den oder die Vertreter*in für den FanVision Song Contest 2026 zu finden. Eigentlich hatten sich acht Beiträge angemeldet, einer war aber kurzfristig zurückgezogen worden. Von unterhaltsam bis hin zu anspruchsvoll war alles dabei. In jedem Fall merkte man, mit wieviel Zeit und Kreativität die einzelnen Acts in die Vorbereitung ihrer Beiträge gesteckt hatten.





Wie es sich für einen ESC-Fanclub gehört, wurden die Vorträge bewertet und zu einem (deutlich) späteren Zeitpunkt auch das Ergebnis verkündet. Dafür wurde die von Ex-Prinz-ESC-Blogger OLiver entwickelte lebende Punktewand reaktiviert. Die Interpret*innen hielten jeweils ein Punkteschild, rechneten ihren Punktestand jeweils live auf und veränderten natürlich auch ihre Position im menschlichen Ranking, wenn sie etwa eine hohe Punktzahl erhalten hatten. In einem spannenden Zweikampf zwischen Florian („Coming Home“, Island 2011) und Felix („Hallo Hallo“, Dänemark 1990) setzte sich am Ende der Erstgenannte durch. Den dritten Platz holten sich die FanVision-erfahrenen Elisabeth und Jonathan in einer täuschend echten Interpretation von „Bandido“ von Azúcar Moreno.
Doch zwischen den Gesangsvorträgen und der Wertung passierte noch eine ganze Menge anderes. Zunächst war die ehemalige deutsche Head of Delegation Alexandra Wolfslast im Gespräch mit Moderator Jochen Voß. Die neue HoD Tina Sikorski hatte wegen Zeitmangels absagen müssen. Alex Wolfslast, die sich mittlerweile auch als ESC-Hardcore-Fan bezeichnet, berichtete herzlich und authentisch von ihrer Arbeit und den Herausforderungen der letzten sechs Jahre mit der Aufgabe. Natürlich vermisst sie diese jetzt, ist aber auch froh, den Entwicklungen um den deutschen ESC-Beitrag ohne eigene Verantwortung folgen zu können.

Reinhard Ehret mag zwar seit letztem Jahr nicht mehr im Vorstand von OGAE Germany sein. Er organisiert aber weiterhin den Member Song Contest des Vereins. Bei diesem können Mitglieder je einen Song einreichen. Diese werden dann über einen längeren Zeitraum bewertet, bis eine Top 10 feststeht. Diese wurde dann auch in einem Einspieler präsentiert. Den Sieg holte sich in diesem Jahr Christian Manschitz, der Céline Dions Auftritt mit „Hymne à l’amour“ bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Paris nominiert hatte.

Weiter ging es im Gesprächereigen mit einem Blick auf den kommenden ESC in Wien. Hierfür stand der Vorsitzende von OGAE Austria, Marcos Tritremmel, Rede und Antwort. Er berichtete begeistert von den Vorbereitungen auf das Event, bei dem EBU, ORF und OGAE Austria hervorragend zusammenarbeiten würden. Während er nicht verraten wollte oder durfte, wer denn die ESC-Shows in Wien moderieren wird, berichtete er, dass der EuroClub entgegen früheren Meldungen nicht im Wiener Rathaus untergebracht sein wird. Man habe eine andere Location, in die um die 3.000 Personen passen und wo es die Möglichkeit für „drei oder vier“ Dancefloors gäbe.

Wie beim ECG ist es nunmehr auch einen Tradition bei OGAE, den verstorbenen ESC-Größen und Clubmitglieder der letzten zwölf Monate zu gedenken. Dies ist immer ein starker Moment des Innehaltens und des Dankes an die Verstorbenen, die sich – auf welche Art und Weise auch immer – für den Wettbewerb stark gemacht haben.
OGAE Mitglied Andreas, der bereits am Freitagabend eine Führung durch die Bayerische Staatsbibliothek organisiert hatte (hierzu folgt ein eigener Bericht), war anschließend der Host eines ESC-Quiz. Die zwölf Fragen, die ohne Antwortvorgaben zu beantworten waren, hatten es durchaus in sich und trennten die Fan-Spreu vom Weizen. Zu den einfacheren Fragen gehörte die nach einer ESC-Stadt-Land-Fluss-Abfrage mit dem Buchstaben I. Die Lösung gelang hier den meisten: Istanbul, Italien/Irland, Isar. Nach einer Schätzfragerunde ging es ins Duell der beiden Besten. Sie mussten ESC-Songs aus sieben Jahrzehnten möglichst schnell und korrekten Daten erraten. Als Sieger ging Martin Beischl hervor.
Noch vor der Pause für das Abendessen wurde Überraschungsgast Thorsten Schorn auf die Bühne geholt. Im Gespräch mit Reinhard Ehret berichtete er von der Arbeit hinter den ESC-Kulissen, wie er seine Funktion als Kommentator sieht und wie gut sein Vorhersagevermögen im Hinblick auf das Abschneiden von Beiträgen im Finale ist. Er zeigte auch Briefing-Briefe, die die Kommentatoren von den nationalen Delegationen erhalten, um korrekt über deren Beiträge sprechen zu können. Da gäbe es dann auch schon mal süße Bestechungsversuche, etwa mit einer Packung Kvikk Lunsj, dem beliebtesten Schokoladenriegel Norwegens.



Der Club-Teil des Treffens begann pünktlich um 20 Uhr. Vier Acts hatten sich angekündigt, die jeweils ein etwa halbständiges Set geplant hatten. Den Anfang machten die deutschen Vorentscheidteilnehmer Galant. Sängerin Mona und Multimusiker Paul zogen die Gäste mit ihren Songs schnell in den Bann. Immer mehr kamen in den Bereich vor der Bühne und tanzten zu den Titeln der Band. Den Höhepunkt bildete natürlich der Vorentscheidbeitrag „Katze“.


Genau wie Galant zeigte sich im Anschluss die Österreicherin Zoë Straub ausgesprochen sympathisch und zugewandt. Musikalisch setzte sich stark aufs Französische und eröffnete ihr Set geschickt mit „Poupée de cire, poupée de son“. Sie erzählte viel, etwa wie umglaublich es für sie war, als gerade einmal 19-Jährige Österreich beim ESC in Stockholm vertreten zu können. Genauso überwältigt war sie von der Begeisterung für ihren ESC-Beitrag “ Loin d’ici“ im Waldheim, der gerade zu frenetisch gefeiert wurde. So entschloss sich Zoë das Lied ganz am Ende ihres Vortrags noch einmal zu singen. Die Fans vor Ort waren damit mehr als einverstanden.


Ela von Elaiza zeigte sich bestens gelaunt und aufgeschlossen. Sie berichtete mit viel Humor von dem Konfetti-Desaster beim Jury-Finale in Kopenhagen 2014. Auch sonst berichtete sie offenherzig über ihre aktuelle Arbeit als Komponistin und Produzentin. Natürlich stellte sie auch etliche eigene Songs vor – mit „Is It Rigth“ als Höhepunkt.


Der einzige Stargast mit einem Set nur mit ESC-Songs war der Sieger des Wettbewerbs von 2011, Eldar aus Aserbaidschan. Zunächst beeindruckte er die Anwesenden mit seinen Deutschkenntnissen, die nicht auswendig gelernt waren, sondern flüssig und weitgehend fehlerfrei waren. Bei den Songs setzte er auf die Klassiker, die die Fans dankbar feierten: „Euphoria“, „Satellite“, „Fairytale“, „Arcade“, „Rise Like a Phoenix“ und „Hold me now“. Dabei zeigte Eldar seine sehr guten Gesangskünste. Natürlich durfte sein ESC-Siegertitel „Running Scared“ genauso wenig fehlen für der Klassiker der Klassiker: „Waterloo“ von ABBA.


Zum Abschluss der Gastauftritte holte Moderator Jochen noch einmal alle Beteiligten der Veranstaltung auf die Bühne. Zusammen mit den Gästen wurde „Für alle“ von Wind angestimmt (Aufmacherbild). Danach war Zeit für Fotos und Autogramme. Und natürlich wurde der Saal umgebaut. Denn jetzt übernahm DJ Ohrmeister die Beschallung und es konnte zu alten und neuen Hits aus dem ESC-Kosmos tanzt und gefeiert werden.
Von den ganz neuen Liedern der aktuellen ESC-Vorentscheidsaison konnte noch keiner eine herausragende Dancefloor-Stellung erkennen lassen – weder der moldawische Beitrag von Satoshi noch der UMK-Titel „Liekinheitin“. Oft sah man noch fragende Blicke, wenn die ersten Töne dieser Titel erklangen. So ging es aber zugegebenermaßen später auch dem Autor bei manchen der Vorentscheidbeiträge der jüngeren und älteren Vergangenheit, die DJ Ohrmeister auflegte.
Besonders gefreut hat sich der Autor über das Schweden-High-Energy-Triple „Show Me Heaven“, „Cara Mia“ und „I’m In Love“ – einer der Gründe, warum die Stimme am Tag danach etwas brüchig war. Wobei es bis zum Ende der Party um 3 Uhr noch diverse andere Anlässen zum Mitsingen gab.
Bereits am Freitag vor dem Treffen im Waldheim hatte OGAE Germany zum einen eine Führung durch die Bayerische Staatsbibliothek mit ESC-Bezug organisiert – hierzu folgt ein eigener Bericht. Außerdem gab es am Freitagabend ein Get-together im Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum SUB. Dieses war wie im Vorjahr wieder ausgesprochen gut besucht, was sicher eher an den anderen Gästen und den durchaus preisweiten Getränken lag als an der doch recht willkürlich kuratierten Playlist mit ESC-Liedern, die während des ganzen Abends abspielt wurde.
Warst Du beim Fanclubtreffen in München dabei? Wenn ja, was hat Dich besonders begeistert? Und planst Du, auf andere ESC-Fanveranstaltungen in diesem Jahr zu gehen? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
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Danke für den Bericht und die tollen Fotos.
Vielen lieben Dank für den schönen Bericht und die Bilder. War wie immer sehr unterhaltsam geschrieben.👍
Danjw für den perfekten Bericht. Es qar wirklich eine tolle Veranstaltung. Ich werde sie jetzt in meinen Jahreskalender eintragen😉. Altuell versuche ich, per Bahn nach Hause in den Norden zu kommen. Hinter Würzburg hab ich derzeit nur knapp 40 Min. Verspätung.
Gute Fahrt und vor allem gutes Durchkommen durch die Winterlandschaft! 😀
Danke…..bin immerhin schon in Göttingen 🙂
Cars10 hätte es ganz furchtbar gefunden – wenn er gegangen wäre
Oh das klingt nach einem richtig tollen Event. Danke an den ausführlichen Bericht!
Wird denn „der Autor dieses Textes“ dieses Jahr mal wieder in Hamburg ESC-Songs auflegen? Den Tag würde ich mir dann natürlich direkt im Kalender blocken 😀
Ich würde gern eine Aftershow-Party nach der Eurovision Tour in Hamburg machen. Und dann auf jeden Fall auch wieder zum CSD
Das wäre super! 🤩
Tolle Fotos , Zoe Straub war ganz sicher das „Highlight“
ja… einfach süüüß, aber Eldar hat mich auch positiv überrascht
Muss schön gewesen sein. Danke für die Eindrücke.
Vielen Dank für den ausführlichen Bericht🙂👍.
Schöne Fotos. Es war richtig nett, nach etlichen Jahren mal wieder zum Fanclubtreffen zu gehen. Ein bisschen wie Familie. Mein Highlight war – neben Zoe natürlich – Eldar, der bis ganz zum Schluss auf der Tanzfläche war – und sich offenbar sehr wohl gefühlt hat.