ESC 2025: Voting-Daten aus Spanien erklären Israels Televoting-Erfolg – und werfen Fragen auf

Yuval Raphael aus Israel gewinnt das zweite Halbfinale – Bild: Alma Bengtsson / EBU

Beim Eurovision Song Contest 2025 in Basel holte die Israelin Yuval Raphael mit dem Titel „New Day Will Rise“ mit deutlichem Abstand den Sieg im Televoting. Aus zwölf Ländern sowie im Rest-of-World-Voting erhielt sie jeweils die Höchstwertung von 12 Punkten. Die New York Times hat nun detaillierte Zahlen zum spanischen Televoting veröffentlicht: Dort kam Raphael auf 33,3 Prozent aller Stimmen – und lag damit 26,6 Prozentpunkte vor der zweitplatzierten Ukraine. Für dieses klare Ergebnis hätten rechnerisch bereits rund 2.400 besonders aktive spanische Zuschauer gereicht.

Auffällig wird das spanische Ergebnis vor allem beim Blick auf die absoluten Zahlen. Insgesamt entfielen 47.570 Stimmen auf Israel, während die Ukraine als Zweitplatzierte auf 9.620 Stimmen kam. Da im vergangenen Jahr pro Person bis zu 20 Stimmen abgegeben werden konnten, relativiert sich die Größenordnung: Rein rechnerisch entspricht das israelische Ergebnis nur wenigen tausend besonders engagierten Zuschauern.

Entscheidend ist dabei weniger die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen als der Abstand zum zweitplatzierten Beitrag. Um die Höchstwertung aus Spanien zu erhalten, hätte es bereits gereicht, diesen Vorsprung zu erreichen. Bei vollständiger Ausschöpfung des Stimmkontingents wären dafür nur wenige hundert Personen notwendig gewesen.

Die Zahlen machen damit vor allem eines deutlich: Im 2025 gültigen System konnte bereits eine vergleichsweise kleine, aber sehr aktive Gruppe das Ergebnis im Televoting spürbar beeinflussen – insbesondere dann, wenn ein Großteil der Zuschauer gar nicht oder nur eingeschränkt abstimmt.

Televoting-Ergebnis ESC 2025 in Spanien – Quelle: New York Times

Es ist nicht offiziell bekannt, wie groß der Abstand Israels auf die jeweiligen Zweitplatzierten in allen Ländern war, in denen Yuval Raphael im Televoting den ersten Platz erreichte. Die Reaktionen der EBU deuten jedoch darauf hin, dass auch dort entsprechende Verzerrungen vorgekommen sein können.

Vor diesem Hintergrund wurde für den ESC 2026 die maximale Stimmenzahl pro Person bzw. Endgerät von 20 auf 10 reduziert. Zudem wird unter anderem in den ESC-Shows verstärkt dazu aufgerufen, die Stimmen auf mehrere Beiträge zu verteilen, statt sie ausschließlich einem Act zu geben.

Ob diese Maßnahmen die gewünschte Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die nun veröffentlichten Zahlen liefern erstmals eine konkrete Grundlage für die Frage, wie repräsentativ das Televoting im Eurovision Song Contest tatsächlich ist.

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