
Tolle Live-Acts, eine spannende Abstimmung, Feiern mit alten und neuen Bekannten und all das auf einer Insel, die zum Urlauben einlädt – das war das Eurovision Weekend 2025 auf Malta. Der Hauptbestandteil war dabei natürlich der FANVision Contest, bei dem vier Acts aus drei deutschsprachigen Ländern antraten (Aufmacherfoto). Doch auch das Rahmenprogramm war höchst unterhaltsam und mit einem hochsommerlichen Malta als Austragungsort gab es sowieso mehr zu erleben, als es ein Wochenende erlauben würde. Hier unser mein durchaus subjektiver Bericht.
Der ESC hat den großen Vorteil, dass man als Fan, der vor Ort dabei sein möchte, immer mal wieder neue Länder und Orte bereisen muss bzw. darf. So ging es auch dem Autor, der das Eurovision Weekend 2025 mit dem FANVision Contest zum Anlass nahm, endlich einmal nach Malta reisen. Das Eurovision Weekend selbst ist dabei schon einmal eine sichere Bank. Denn für Fans ist es die erste große Möglichkeit nach dem ESC im Mai, sich mit Fans aus ganz Europa zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen.
Die Informationen zur diesjährigen Veranstaltung kamen vom maltesischen Fanclub ausreichend umfangreich und ausreichend vorab. Da war bereits klar, dass das Rahmenprogramm bei weitem nicht so umfangreich sein würde wie im letzten Jahr, als das Event in Hamburg stattfand. Das tat dem Erlebnis aber keinen Abbruch, sondern ließ Freiräume für Erkundungen der Insel und Zeitvertreib mit anderen ESC-Fans.
Viele Besucher*innen aus den deutschsprachigen Ländern hatten das Wochenende nach vorne oder hinten um ein paar Tage Urlaub verlängert, um noch mehr von der Reise zu haben. Obwohl oder gerade weil Malta als Insel nicht sehr groß ist, war die Frage nach der Unterkunftsort wesentlich. Der Autor folgte dem Rat von ChatGPT und wohnte in einem AirBnB in Sliema, einer Art Vorort-Stadtteil der Hauptstadt Valletta. Dort fanden auch die zwei Hauptveranstaltungen des Eurovision Weekends statt.



Die besondere Lage der Hauptstadtregion mit vielen tief einschneidenden Buchten hat einen faszinierenden Reiz. Allerdings macht sie lokale Busreisen um diese manchmal recht lang. So konnte man mit der Fähre von Sliema nach Valetta in weniger als zehn Minuten übersetzen; der Bus brauchte für die Strecke knapp 30 Minuten. Dennoch waren die Wege auch in andere Teile der Insel gut mit Bussen machbar.


Das Wetter war an allen Tagen hochsommerlich sonnig und warm – wie man sich das bei einem Mittelmeerurlaub vorstellt. Das Meer ist extrem klar, allerdings gibt es im Stadtgebiet kaum Strände (dafür gibt’s von ihnen umso schönere an anderen Stellen der Insel). Das heißt nicht, dass man von den Felsen in der Stadt nicht baden kann. Überall führen Treppen ins Wasser. Außerdem gibt’s auch richtige Freibäder mit Meerwasser, für die dann freilich zu zahlen ist.



Um das leibliche Wohl musste man sich zumindest in Sliema und dem Partyviertel Paceville keine Sorgen machen. Restaurants in allen Preislagen, große Supermärkte und 24/7-Kioske waren überall zu finden und boten Preise auf deutschem Niveau. Die Rahmenbedingungen waren also bestens.

Der offizielle Teil des Wochenendes begann mit einem Get-together und Dinner-Buffet im Fünf-Sterne AX The Palace Hotel in Sliema. Für die Eurovision-Weekend-Gäste stand ein eigener Bereich zur Verfügung und im Hintergrund lief durchgängig ESC-Musik. Gastgeber und Gäste waren übrigens bei allen Veranstaltungen überpünktlich und so gab es gleich von Beginn an viele laute und herzliche Hallos. Natürlich waren auch alle Künstler*innen vor Ort (siehe auch Aufmacherfoto), die am nächsten Tag beim FANVIsion Contest antreten sollten.




Die Reden waren angemessen kurz. Der Staffelstab wurde ebenfalls zügig vom Vorjahresausrichter EC Germany an den OGAE Malta übergeben. Danach gab es viel Zeit für gemeinsame Fotos, Gespräche mit alten und neuen Bekannten sowie leckeres Essen und Trinken. Um Mitternacht endete die Veranstaltung. Eine überschaubare Anzahl für Feierwütigen zog noch weiter in den Gay-Club Michelangelo im Ausgehviertel Paceville, was um diese Uhrzeit brechend voll war. ESC-Musik wurde an dem Abend mit Michelangelo allerdings nicht gespielt, so dass sich die Nachtschwärmer nach und nach zurückzogen.



Der Samstag war ab dem Vormittag geprägt von den Proben der elf Acts des FANVision Contest. Diese fanden natürlich direkt im Teatru Salesjan in Sliema statt – ein altehrwürdiger Saal mit einer schönen Bühne und einer Bestuhlung für etwa 200 Personen. Natürlich wurden in diesem Umfeld auch diverse Interviews geführt.


Der Autor selbst verfolgte die Proben nur kurz und begab sich dann auf Erkundungstour in die kleine, aber sehr schöne alte Hauptstadt Mdina und das danebengelegen Rabat – dort fand ein Musikfest statt mit dem passenden Hashtag #KANT. Größte Erkenntnis des Ausflugs: Gebäck mit Datteln ist viel traditioneller auf Malta als mit Feigen, wobei erstere gar nicht auf der Insel angebaut werden. Feigen schon.




Tatsächlich reichte die Zeit danach auch noch für einen Bummel durch die alten Gassen von Valletta. Die Gebäude sind faszinierend und erst der Besuch des National War Museum im Fort St Elmos brachte dann die Erklärung für den (früheren) offenbar großen Reichtum der Insel: Malta hat eine extrem günstige, strategische Lage zwischen Italien und Afrika – und nicht zuletzt auf dem Schifffahrtsweg von Großbritannien über den Suezkanal nach Indien.

Der FANVision Contest begann (fast) pünktlich kurz nach halb 9 im Teatru Salesjan, das gut gefüllt, aber nicht ausgebucht war. Durch die Veranstaltung führten die beiden früheren FANVision Siegerinnen Grecia Bezzina und Martina Fenech. Nach der Flaggenparade und einer kurzen, sehr geskripteten Begrüßung ging es Schlag auf Schlag in die Beiträge. Die Acts hatten selbst liebevolle bis hochprofessionelle Postkarten-Videos erstellt, die jeweils vor den Auftritten zu sehen waren. Auch für den Backdrop während ihres Auftritts waren sie selbst zuständig.

Ganz wie beim großen ESC waren der erste und letzte Song des Wettbewerbs jeweils Uptempo-Nummern: Das polnische Trio Baby Danka machte mit tollen Kostümen und einer umfangreichen Choreographie den Anfang. Als letzter ging der Slowake Blažej “Bad’o” Fabian an den Start, der mit „Miss Kiss Kiss Bang“ viel Energie versprühte. Dazwischen war Platz für ganz unterschiedliche Songs, überraschend viele von ihnen auf Französisch vorgetragen – so auch der spätere Siegersong „Tout l’univers“, den David Schuler für den OGAE Germany interpretierte. Francisco Ribeiro aus der Schweiz stand dem Deutschen mit seiner Interpretation von „Roi“ in nichts nach.



Insgesamt war das Niveau der Beiträge ausgesprochen hoch. Dabei muss perfekter Gesang aber nicht immer berühren. Das gelang etwa dem Norweger Claus Michael Fasting mit „Amar Pelos Dois“ besser als Jessica Lipari mit der italienischen Version von „Tattoo“ oder Krista Šujak aus Malta mit „It’s My Time“. Ein besonderes Highlight war auf jeden Fall „Sugar“ von Jonathan Perez, der für EC Germany ins Rennen gegangen war. Ohne Tänzer bot er eine mit Kreativität und viel Liebe fürs Detail entwickelte, abwechslungsreiche und sehr unterhaltsame Nummer.
Danach ging es an die Abstimmung. Wie in früheren Jahren waren die Head of Delegations jeweils die einköpfige Jury des entsprechenden Fanclubs. Zusammen standen diese elf Personen für 50% der Stimmen des Votings. Die anderen Zuschauer*innen konnten den elf Beiträgen in ESC-Manier Punkte von 1 bis 12 Punkten geben, wobei einer der elf Acts ohne Punkte verblieb. Lustigerweise konnte man über den Abstimmungslink auch die bereits eingegangenen Wertungen aggregiert einsehen (allerdings noch nicht in Punkte umgerechnet). Da wurde schon deutlich, dass viele Malteser offenbar ihrem heimischen Act 12 Punkte gegeben hatten.
Dennoch war die Abstimmung spannend. Nach der Jury-Wertung lag zwar bereits OGAE Germany vorn, aber auch die Schweiz und die Slowakei waren noch in Sichtweite. Erst ganz am Schluss konnte sich David Schuler über seinen Sieg freuen – und mit ihm natürlich auch alle anwesenden Fans aus Deutschland.


Nach diversen Fotos ging es anschließend weiter zur Aftershow-Party in den Michelangelo-Club, wo an dem Abend ein ESC-DJ auflegte und Dancefloor-Kracher der letzten 20 Jahre sowie die ein oder andere maltesische Vorentscheid-Perle spielte – getreu dem Motto „FESTA (No Time For Siesta)„. Gegen 4 Uhr sollen die letzten Fans den Club verlassen haben…
Für den Sonntag hatten die Veranstalter noch zu einem Abschiedslunch in Valetta geladen – und erstaunlich viele Leute waren vor Ort. Bei maltesischen Leckereien wurde intensiv über die Erlebnisse des Wochenendes und das ESC-Leben im Allgemeinen geplaudert. Natürlich kam dort auch noch einmal der FANVision-Sieger zu Wort. Als dann gegen 15 Uhr die meisten im Aufbruch begriffen waren, stimmten die Mitglieder von OGAE Malta mehrere ESC-Songs des diesjährigen Jahrgangs an – und alle stimmten (soweit man textsicher war) mit ein: United by Music. Besser kann so ein Wochenende nicht enden!





Für den Autor ging es zum Ausklang noch in den Süden nach Marsaxlokk. Dabei musste natürlich dem St Peter’s Pool ein Besuch abgestattet werden, wo sich gefühlt die gesamte Jugend Maltas zum Springen ins kühle Nass verabredet hatte. Anschließend gab’s noch einmal Seafood und den lokalen Wein „Caravaggio“, der dann wieder den Kreis zum maltesischen ESC-Kulturgut schloss.


Warst Du schon einmal beim Eurovision Weekend? Wie hat es Dir gefallen? Und hast Du auch schon mal Malta einen Besuch abgestattet? Wie waren Deine Erfahrungen dort? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



Malta sehen und erleben! Dazu ein verdienter Sieg für Deutschland beim Fanvision Song Contest, was will man mehr?
Bei Malta denke ich an Hüpfbälle (Serving
Kant). 😱Was für tolle Bilder und was für ein schöner Bericht. Lieben Dank Douze Points.
Hoffentlich kommt eines Tages die Zeit, in der Malta den ESC austragen darf.
Toller Bericht und wunderschöne Bilder, vielen Dank dafür.😊
Sliema. Da habe ich mal gewohnt. 😍😎
Und in den 1990ern war man in Peter’s Pool noch ganz alleine. Das Foto, auf dem es dort so voll ist, bricht mir das Herz … War übrigens auch der Lieblingsort des legendären Premierministers Dom Mintoff.
Off-Topic:
Kurioses Off-Season-Material aus Irland… xD
Dustin the Turkey threatens shock Eurovision comeback after 17 years
(Dustin the Turkey droht nach 17 Jahren mit Eurovisions-Schock-Comeback)
—
Da es sich um die Kategorie „Spaßbeiträge beim ESC“ handelt:
https://esc-kompakt.de/ballade-partykracher-oder-spassbeitrag-was-moechte-europa-hoeren-bye-bye-basel-17/
Danke fürs verlinken. 👍
Ich hoffe, dazu kommt es nicht.
Wir alle. 😂
Danke für den Bericht! War bestimmt eine schöne Zeit.
Schöne Fotos! Vielleicht sollte Malta wirklich mal den ESC gewinnen.