Interview mit Lake Malawi: „Der zweite Platz wäre der beste“

Die drei Jungs von Lake Malawi haben sich für die Interviews auf eine Bank an einer Wand im Presseraum bei Eurovision in Concert gesetzt. Sänger Albert Černý (links im Bild) ist der Wortführer, der mit seinem perfekten Englisch mit britischem Einschlag die meisten Fragen beantwortet. Während sich auch Jeroným Šubrt aktiv am Gespräch beteiligt (Mitte), hält sich Antonín Hrabal vollständig zurück.

ESC kompakt: Wie läuft es aktuell für Euch in Tschechien? Gebt Ihr dort auch Interviews wie hier? Tretet Ihr auf?

Albert: Wir sind ziemlich beschäftigt. Gerade bevor ich hier nach Amsterdam geflogen bin, kam ich mit dem Zug von einer Prime-Time-TV-Show. Wir machen also so etwas und zwischendrin spielen wir Gigs und dann haben wir noch Proben für das Staging für den Auftritt in Tel Aviv. Es passiert also einiges und wir versuchen nicht müde zu werden – und auch nicht müde auszusehen. 

Ich kann Euch beruhigen: Zumindest heute seht Ihr nicht müde aus. Wie hat sich denn die Bekanntheit von Lake Malawi mit der Entscheidung für Euch als Vertreter Tschechiens beim ESC in Eurer Heimat verändert? Seid Ihr jetzt allen bekannt?

Albert: Unsere Popularität hat sich ehrlich gesagt nicht sehr verändert. Die Leute kannten unsere Band schon vorher. Wir sind aber keine super bekannte Band, weil wir auf Englisch singen. Das ist der Hauptgrund. Um in Tschechien eine richtig große Band zu sein, musst Du auf Tschechisch singen. Der ESC hilft uns jetzt, in anderen Ländern Fuß zu fassen wie in Spanien. Wir haben die meisten Spotify-Hörer in Madrid. Es gibt auch Hörer in Chile und China. 

Jeroným: Weißt Du, der ESC ist in Tschechien nicht so populär. In anderen Ländern würde die ESC-Teilnahme der Popularität einen größeren Schub geben. 

Ich hätte gedacht, das hätte sich in den letzten Jahren geändert. Zumindest aber nach dem guten Abschneiden von Mikolas Josef im letzten Jahr?!

Jeroným: Ja, das sehr geholfen. Aber der ESC ist immer noch keine große Sache. 

Das erste Video von Lake Malawi zu „Friend of a Friend“

Ihr sagtet gerade, dass Ihr am Bühnenauftritt arbeitet. Ihr hattet ja ein erstes Video, dann ein zweites. Wie wird denn nun Eurer Auftritt aussehen? 

Jeroným: Ich denke, wir können sagen, dass das erste Video eine Art Fehler war. 

Albert: Das würde ich nicht sagen. Das erste Video wurde in demselben Haus gedreht wie die Videos all der anderen Teilnehmer am tschechischen Vorentscheid. Es sollte also fair und gleich für alle sein. Dafür gab es kein großes Budget. Der Typ, der die Videos gemacht hat, hat sicher keinen Fehler gemacht, sondern sein Bestes gegeben. Er musste alle Teilnehmer an einem Tag abdrehen. 

Jeroným: Ich wollte niemanden beleidigen. Der Fehler war, dass die Leute dachten, dass das ein offizielles Video wäre für unseren Song. 

Und jetzt habt Ihr das neue Video, das sehr professionell aussieht. Können wir aus dem Video irgendwelche Schlussfolgerungen bezüglich Eures Auftritts ziehen?

Albert: Vielleicht. 

Jeroným: Es wird eine Überraschung. 

Das professionelle Video von Lake Malawi

Ihr habt also Pullover in unterschiedlichen Farben an. 

Albert (lacht): Ihr werdet es sehen. 

Seid Ihr schon in Israel gewesen?

Albert: Wie waren dort, um die Postkarte für die Sendung zu drehen. Dafür waren wir drei oder vier Tage vor Ort. Wir haben das Essen sehr genossen. 

Worauf freut Ihr Euch jetzt, wo der ESC näher rückt? Was sind Eure Erwartungen?

Albert: Ich glaube, um eine etwas ernstere Antwort zu geben, es ist nett, festere Beziehungen zu knüpfen und nicht jedem einzelnen vorgestellt zu werden. Es gibt so viele Länder und so viele Leute. Heute haben wir Katerine aus Griechenland kennengelernt. Wir hatten ein gutes Gespräch über ihre Kindheit in Montreal, über Bands, die sie mag und solche Sachen. Ich hoffe, dass wir aus dem ESC auch längerfristige Freundschaften ziehen können, aber nicht unbedingt hunderttausende Freunde. Und wenn es um Fans geht: Für mich ist es wichtiger, wirklich loyale Menschen zu finden, die neugierig darauf sind, unsere Musik zu erkunden. Eben nicht nur „A Friend of a Friend“ – was mitunter aber auch nett sein kann. 

Gibt es vom tschechischen Fernsehen oder den Menschen bei Euch zu Hause Druck in Bezug auf den ESC, der auf Euch lastet? 

Jeroným: Das tschechische Fernsehen sagt immer zu uns: „Ihr dürft es nicht gewinnen!“ Denn wenn wir gewinnen würden, müssten wir die ganze Veranstaltung ausrichten. Und dazu sind wir nicht in der Lage. Der zweite Platz wäre deshalb der beste. 



15 Kommentare

  1. Na, dann müssen sie es den Juroren noch zeitig stecken, nicht gewinnen zu dürfen. Vielleicht bekam Mikolas deswegen ja so wenige Jurystimmen?

    Finde offene Worte immer gut. Nun dürfen wir Tschechien auf ewig abschreiben als ESC-Teilnehmer. Am besten erstellen wir vor jedem ESC erstmal eine Liste von Ländern, die überhaupt nur gewinnen wollen. ^^

    Coole Nummer/Band, die mit den 80er Einflüssen jenseits des ESC sicher gut laufen könnte. Ich persönlich mag jedenfalls ihre anderen Sachen auch gerne hören.

    • Bulgarien wollte gewinnen, sitzt jetzt aber in der Schmollecke, weil das bulgarische Mach … äh … Meisterwerk letztes Jahr von Jurys und Fernsehpublikum schlimm misshandelt wurde. 😉

      Wer bleibt also? Zypern, die Niederlande und Russland … wahrscheinlich auch Malta, aber die Insulaner müssen erst mal lernen, wie man konkurrenzfähige Beiträge findet. Wenn Italien gewinnt, wird es eher Zufall sein. Italien macht halt sein italienisches Ding, und das kam seit der Rückkehr 2011 meist gut an, aber leider immer nur entweder bei den Jurys oder den abstimmenden Zuschauern.

      • War zwar rein rhetorisch, aber OK: Die meisten sind die usual suspects, die unbedingt wollen. Niederlande ist neben Deutschland doch das finanziell potenteste Land der EU. Italien/RAI will nicht wirklich, die hatten 2015 doch schon Schweissperlen im Gesicht. Aber ich vermute noch Armenien, UK (wollen, können aber nicht) und eingeschränkt hat auch Belgien (über die letzten Jahre gesehen) genug Ehrgeiz gezeigt. Der Sitzungssaal des europäischen Parlaments dürfte genug Platz bieten und noch dazu sind Übersetzer-Kabinen ideal für Kommentatoren geeignet. 😉
        Nächstes Jahr tritt dann Katalonien unter Andorra-Lizenz an und die wollen garantiert den ESC nach Barcelona holen. Was dann umgekehrt bedeutet, Spanien will dann auch (wieder) unbedingt gewinnen. 😉

  2. Btw. hätte mich interessiert, wo die Jungs ihre musikalischen Vorbilder sehen. Und wieso der erdhistorisch alte Malawi-See zum Namensgeber wurde.

  3. Ich bin kein großer Fan des Songs, aber gönne den Tschechen doch den Finaleinzug.
    In einem Interview mit den polnischen Blogkollegen von dziennik-eurowizyjny ließ Albert verlauten, der Auftritt wird im 1980er Retro-Stil gehalten. Backings werden zusammen mit der Band auf der Bühne stehen. Als Einfluss nennt Albert die Band The 1975.

  4. Finde die Jungs sehr sympathisch und auch ihren Song. Es ist kein totaler Knüller, aber muss es ja auch nicht sein. Die Musik die sie machen hat Fans und sollte daher auch repräsentiert sein – und sie geben sich viel Mühe und machen ihre Sache gut.

    Wünsche mir sehr einen Finaleinzug für sie. Gewinnen werden sie wohl eher nicht, aber wenn der Sender das ohnehin nicht stemmen kann ist es ja nichtmal schlecht 😀
    Und wenn sie doch überraschend gewinnen ist Deutschland bestimmt bereit als Host zu übernehmen :‘)

      • Deggendorf nicht; denn der ESC muss hochwassersicher sein.

        Der Name der Band stammt aus einem Song, der mir allerdings gerade nicht parat ist. Hatte er in einem Intereview mal gesagt…

      • „Calgary“ von Bon Iver laut Interviews. „Lake“ kommt im Text vor, Malawi aber nicht…

      • Danke euch (Dominik, GEF, Candy). „Lake“ hatten sie im Songcheck erwähnt. Werden wohl Pfeile geworfen haben, welcher auf dem Malawi-See gelandet ist. 😉

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