Live-Blog Italien: Festival di Sanremo 2021 (Finale)

Foto: Instagram @irama.plume

Heute Abend ist das große Finale des über fünf Abende und Nächte gehenden Mammutwettbewerbs „Festival della Canzone Italiana di Sanremo“ oder kurz „Sanremo-Festival“. Die 26 am Festival teilnehmenden „großen Künstler“ präsentieren zum dritten Mal ihren Wettbewerbsbeitrag. Heute Abend dürfen zum ersten Mal die Zuschauer zu Hause abstimmen.

Je nach Sieger wissen wir heute Nacht vielleicht auch schon, wer Italien beim ESC 2021 in Rotterdam vertreten wird. Die Teilnehmer mussten der RAI im Voraus schriftlich ihre Bereitschaft am ESC teilzunehmen mitteilen. Im Falle des Siegs eines Acts, der nach Rotterdam fahren möchte, sollten wir heute Nacht erfahren, wer Italien vertreten wird. Falls ein Künstler gewinnt, der nicht am ESC teilnehmen möchte, behält sich die RAI vor, den italienischen Teilnehmer nach eigenen Kriterien auszuwählen.

Das sind die 26 Wettbewerbsbeiträge:

  1. Ghemon – Momento perfetto
  2. Gaia – Cuore amaro
  3. Irama – La genesi del tuo colore
  4. Gio Evan – Arnica
  5. Ermal Meta – Un milione di cose da dirti
  6. Fulminacci – Santa Marinella
  7. Francesco Renga – Quando trovo te
  8. Extraliscio feat. Davide Toffolo – Bianca luce nera
  9. Colapesce e Dimartino – Musica leggerissima
  10. Malika Ayane – Ti piaci così
  11. Francesca Michielin e Fedez – Chiamami per nome
  12. Willie Peyote – Mai dire mai (la locura)
  13. Orietta Berti – Quando ti sei innamorato
  14. Arisa – Potevi fare di più
  15. Bugo – E invece sì
  16. Måneskin – Zitti e buoni
  17. Madame – Voce
  18. La Rappresentante di Lista – Amare
  19. Annalisa – Dieci
  20. Coma_Cose – Fiamme negli occhi
  21. Lo Stato Sociale – Combat pop
  22. Random – Torno a te
  23. Max Gazzè e la Trifluoperazina Monstery Band – Il farmacista
  24. Noemi – Glicine
  25. Fasma – Parlami
  26. Aiello – Ora

Weil zwei Personen aus seinem Team positiv auf Covid-19 getestet wurden, musste sich Irama (Aufmacherbild) in Quarantäne begeben und kann nicht mehr auftreten. Eigentlich hätte das den Regeln nach eine Disqualifikation zur Folge gehabt. Der Moderator und musikalische Leiter Amadeus hat allerdings vorgeschlagen, die Aufzeichnung der Generalprobe zu zeigen. Nachdem alle anderen teilnehmenden Künstler dieser Lösung zugestimmt haben, darf Irama mit den Probenvideos weiterhin am Wettbewerb teilnehmen und zählt sogar zum Favoritenkreis auf den Sieg.

Am heutigen Abend werden die Zuschauer abstimmen, deren Voting zu 25% in die Gesamtwertung eingeht. Die ersten drei der Gesamtwertung gelangen in ein Superfinale, in dem demoskopische Jury, Pressejury und Zuschauer noch einmal werten.

So läuft das Voting im Detail ab: Am Ersten und Zweiten Abend haben die „Big“ ihren Wettbewerbsbeitrag zum ersten Mal präsentiert und wurden von der demoskopischen Jury bewertet. Am Dritten Abend haben die Teilnehmer Coverversionen bekannter italienischer „Canzone d’autore“-Lieder vorgetragen, abgestimmt hat das Orchester. Am vierten Abend wurden alle 26 Wettbewerbsbeiträge noch einmal vorgetragen und von der Pressejury beurteilt. Votingberechtigt am Finalabend, an dem noch einmal alle Wettbewerbsbeiträge zu sehen sind, sind die Zuschauer zu Hause. Zu jeweils 25% gehen die Stimmen aus ersten + zweiten Abend, dritten Abend, vierten Abend und fünften Abend in ein Gesamtklassement ein. Die ersten drei des Gesamtklassements erreichen ein Superfinale, in dem durch die demoskopische Jury (33%), Pressejury (33%) und Televoting (34%) bestimmt wird, wer das 71. Festival della Canzone Italiana gewinnen wird.

Eure Favoriten sind Irama und Annalisa, gefolgt von Francesca Michielin & Fedez, Fasma und Ermal Meta.

Welche Beiträge des Ersten Abends des Festival di Sanremo 2021 gefallen Euch am besten? (Bis zu drei Antworten möglich)

  • Annalisa – Dieci (21%, 139 Votes)
  • Francesca Michielin & Fedez – Chiamami per nome (17%, 113 Votes)
  • Fasma – Parlami (13%, 85 Votes)
  • Måneskin – Zitti e buoni (9%, 58 Votes)
  • Colapesce e Dimartino – Musica leggerissima (8%, 50 Votes)
  • Madame – Voce (7%, 47 Votes)
  • Noemi – Glicine (7%, 43 Votes)
  • Arisa – Potevi fare di più (6%, 41 Votes)
  • Max Gazzè e La Trifluoperazina Monstery Band – Il farmacista (4%, 28 Votes)
  • Coma_Cose – Fiamme negli occhi (3%, 18 Votes)
  • Francesco Renga – Quando trovo te (2%, 16 Votes)
  • Ghemon – Momento perfetto (1%, 6 Votes)
  • Aiello – Ora (1%, 6 Votes)

Total Voters: 333

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Welche Beiträge des Zweiten Abends des Festival di Sanremo 2021 gefallen Euch am besten? (Bis zu drei Antworten möglich)

  • Irama - La genesi del tuo colore (31%, 147 Votes)
  • Ermal Meta - Un milione di cose da dirti (19%, 91 Votes)
  • La Rappresentante di Lista - Amare (9%, 41 Votes)
  • Malika Ayane - Ti piaci così (8%, 38 Votes)
  • Lo Stato Sociale - Combat Pop (7%, 34 Votes)
  • Willie Peyote - Mai dire mai (La locura) (7%, 31 Votes)
  • Gaia - Cuore amaro (6%, 26 Votes)
  • Orietta Berti - Quando ti sei innamorato (4%, 21 Votes)
  • Extraliscio feat. Davide Toffolo - Bianca luce nera (3%, 14 Votes)
  • Fulminacci - Santa Marinella (2%, 11 Votes)
  • Gio Evan - Arnica (2%, 8 Votes)
  • Random - Torno a te (1%, 5 Votes)
  • Bugo - E invece sì (1%, 4 Votes)

Total Voters: 251

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Alle verfügbaren Beiträge des Sanremo-Festivals findet ihr auch in unserer Spotify-Playlist.

Wie im letzten Jahr wird Entertainer Fiorello dem Moderator und musikalischen Leiter Amadeus zur Seite stehen. Außerdem wird wie an allen anderen Abenden auch Achille Lauro (Sanremo 2019 & 2020) auftreten und der Fußballspieler Zlatan Ibrahimović, der aktuell für den AC Mailand spielt, dabei sein.

Als Gäste auftreten werden heute Abend Francesco Gabbani zusammen mit Ornella Vanoni, Dardust und Urban Theory, Riccardo Fogli, Michele Zarrillo, Paolo Vallesi, Tecla Insolia und die Banda musicale della Marina militare. Weitere Gäste sind der Skifahrer Alberto Tomba, die Schwimmerin Federica Pellegrini sowie die Journalistin Giovanna Botteri.

Die Sendung wird vom italienischen Sender RAI 1 laut Programm auf der RAI-Homepage von 20:45 bis 2:00 Uhr übertragen. Meist gibt es jedoch noch etwas Vorprogramm, an den vorigen Abenden ging es ca. 10 Minuten später wirklich los. Einen Live-Stream findet Ihr hier

Wir freuen uns, wenn Ihr vor, während und nach der Sendung die Geschehnisse unter diesem Beitrag kommentiert. Buon divertimento! Viel Spaß beim Anschauen!

Buona Serata a tutti! Stilecht gestärkt mit einer großen Portion Pasta freue ich mich auf das Finale des Sanremo-Festivals und begrüße alle Leser:innen, die heute Abend mit dabei sind. Noch läuft Werbung, aber bald sollten die Klänge der Eurovisions-Melodie erklingen.

Es geht los! Amadeus begrüßt uns im altehrwürdigen Ariston-Theater. Leider kommt der Applaus nur von Band, auch in Italien sind keine Zuschauer zugelassen.

Den Abend eröffnet das Blasorchester der Marine mit der italienischen Nationalhymne.

Nachdem Amadeus das Televoting erklärt hat, geht es auch schon mit dem ersten Beitrag los.

Ghemon – Momento perfetto

Hier haben die Verantwortlichen keinen Beitrag, der gleich ein Ausrufezeichen setzt, den Abend eröffnen lassen. „Momento perfetto“ schafft es nicht meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Es kann sein, dass der Song spannender ist, wenn man den Text versteht, da mein Italienisch dazu nicht ausreicht, läuft eher an mir dabei. Die Bläser sind ganz hübsch, reichen aber nicht das Lied ausreichend aufzupeppen. 2 von 10 Punkten.

Gaia – Cuore amaro

Gaia präsentiert eine Latino-Stück mit orientalischen Einschlag. Wie Ghemons Beitrag läuft es aber auch eher an mir vorbei. Es würde gut an einem lauen Sommerabend am Pool passen, um beim Festival vorne mitzuspielen, ist es aber zu wenig einzigartig. 3 von 10 Punkten.

Irama – La genesi del tuo colore

Zum Glück darf Irama trotz Quarantäne mit dem Generalprobenvideo teilnehmen. Das Festival hätte sonst einen der stärksten Titel verloren. Der Song ist sehr energetisch und nach vorne gehend. Und einer der wenigen bedingungslosen Popstücke. „La genesi del tuo colore“ geht sofort ins Ohr. Herausragend dabei: es gibt mehrere sehr eingängige Zeilen, nicht nur eine Hookline. Die Verzerrungen funktionieren live nicht ganz so gut, aber das Problem gibt es meist bei einem Liveeinsatz des Vocoders. 9 von 10 Punkten.

Gio Evan – Arnica

„Arnica“ ist eine Sprechballade, die bei Sanremo nicht fehlen darf. Auch ohne direkt zu verstehen, was Gio Evan erzählt, hat man das Gefühl, es ist etwas Bedeutendes. Gio zeigt eine sehr ausdrucksstarke Mimik und Gestik, was diesen Effekt noch verstärkt und das Zuhören auch ohne Verstehen angenehm macht. 5 von 10 Punkten.

Endlich eine Pause, Werbung läuft. Vier Beiträge Schlag auf Schlag direkt hintereinander, das kennt man von Sanremo sonst gar nicht.

Wow, eine richtig coole Choreographie um den Auftritt von Fiorello anzukündigen. Die Tänzer sehen aus wie die indische Göttin Kali. Das darf gerne auch mal ein ESC-Beitrag „klauen“.

Fiorello in pinker Franzenlederjacke präsentiert uns ein Medley bekannter Italienischer Lieder. Jetzt quatschen Fiorello und Amadeus miteinander und machen Witzchen. Endlich ist alles wieder wie immer.

Am meisten über Fiorellos Witze lacht eindeutig Amadeus.

Ermal Meta – Un milione di cose da dirti

Der Song beginnt mit einem wunderschönen Klavierintro. Ermal singt fast noch gefühlvoller als die letzten Abenden. Das erreicht mich auf emotionaler Ebene intensivst. Trotzdem ist die Komposition meiner Ansicht nach nicht die stärkste. Durch Ermals Interpretation gewinnt das Stück aber so viel, dass ich 9 von 10 Punkten gebe.

Fulminacci – Santa Marinella

Für handgemachte Musik mit Gitarre bin ich immer zu haben. Fulminacci ist ein knuffiges Kerlchen, schaut aber etwas benebelt aus der Wäsche. „Santa Marinella“ hat eine schöne warme Grundstimmung, plätschert insgesamt aber doch ziemlich dahin. 5 von 10 Punkten.

Der wahre Sieger des Abends wird vom Orchester gespielt: Zlatan Ibrahimovićs Einlaufmelodie.

Francesco Renga – Quando trovo te

Der Beginn von „Quando trovo te“ ist gar nicht so schlecht, ich fühle mich musikalisch in ein Aquarium versetzt. Mit dem ersten „Sempre“ und den gefühlt folgenden 10 Millionen weiteren Mal „Sempre“ nervt mich der Beitrag aber nur noch. Das Wörtchen wird einfach viel zu oft wiederholt. 2 von 10 Punkten.

Extraliscio feat. Davide Toffolo – Bianca luce nera

Typischer Sanremo-Humor. Der heute im Gegensatz zu den ersten beiden Abenden auf einmal bei mir ankommt, ich fühle mich gut unterhalten. Die Musiker, egal ob sie echte oder Luftinstrumente spielen, versprühen eine erfrischende Spielfreude. 5 von 10 Punkten.

Serena Rossi singt eine Ballade. Ich hätte nichts dagegen sie auch einmal als Teilnehmerin bei Sanremo zu sehen, sie hat eine schöne Stimme.

Colapesce e Dimartino – Musica leggerissima

Gestern war es mir noch ein ziemliches Rätsel, wieso der Song das Voting der Pressejury gewonnen hat. Je öfter ich „Musica leggerissima“ höre, desto besser gefällt mir der Titel aber. Der Song hat eine faszinierende fluffige Leichtigkeit und Beschwingtheit und erinnert mich leicht an „We are the people“ von Empire of the Sun. Mein Fuß wippt unwillkürlich mit beim Zuschauen. Mittlerweile 7 von 10 Punkten. Trotzdem ist der Song meiner Ansicht nach gestern von der Pressejury überbewertet worden.

Malika Ayane – Ti piaci così

Malika hat eine wunderschöne sanfte und warme Stimme, die mich jedes Mal aufs neue fasziniert. Die Strophen von „Ti piaci cosÌ“ sind eher mittelmäßig, der Refrain geht dann aber doch nach ein paar Mal Hören ins Ohr und vermittelt ein schwebendes Gefühl. Mir gefällt auch, dass Malika sich sehr befreit bewegt, als würde keiner zuschauen, und nicht einfach nur steif dasteht. 7 von 10 Punkten.

Fiorella scheint gute Witze zu machen, mittlerweile zereiert sich nicht nur Amadeus, sondern auch die Violinespielerin.

Francesca Michielin e Fedez – Chiamami per nome

Seltsame Kleiderwahl der beiden, die passt überhaupt nicht zum Song, der eher dunkel ist. Francesca im süßen Prinzessinnenkleid, Fedez im knallbunten Sakko. „Chiamami per nome“ hat gute Ansätze, kommt letztendlich aber nie so richtig aus dem Quark. Fedez tut sich mit den vielen Gesangsteilen keinen Gefallen, das ist nicht seine Stärke, er hätte vielleicht nur rappen sollen. Francesca „unterdrückt“ ihn stimmlich ganz klar. Durch Francescas Ausstrahlung und klaren Stimme gewinnt der Beitrag aber auch einiges. 6 von 10 Punkten.

Ornella Vanoni präsentiert ein Medley ihrer größten Erfolge. Man merkt Ornellas Stimme und Mimik ihr Alter leider an. Die Diva-Ausstrahlung und Bühnenpräzens ist Ornella aber nicht verloren gegangen.

Begleitet von keinem Geringeren als Francesco Gabbani trägt Ornella jetzt ihre neueste Single “Un sorriso dentro al pianto” vor. Ein starker Auftritt. Denkt man sich Ornellas verwaschene Aussprache weg, könnte das als Wettbewerbsbeitrag ohne weiteres im oberen Viertel mitspielen.

Willie Peyote – Mai dire mai (la locura)

Auch wenn Willie als Rapper zählt, ist „Mai dire mai“ meilenweit weg von „typischen“ Rap. Das ist von der Instrumentierung und dem Text her intelligent und kreativ, es hat absolut nichts Prolliges. Der Refrain ist megaeingängig. Das Lied hat bei mir als einziges den Drang ausgelöst mir den Text durchzulesen um ihn zu verstehen, weil ich das Gefühl hatte, er singt etwas mit Aussage kreativ formuliert. Im Text kritisiert Willie aktuelle Trends und Hypes in den sozialen Medien, der Musik sowie in der Gesellschaft und holt auch auch gegen Prioritätssetzungen in der Pandemie aus („wir öffnen die Stadien, aber weder Theater noch Livekonzerte“). Der Beitrag gefällt mir ausgesprochen gut. 10 von 10 Punkten.

Zlatan hält eine Ansprache. Ich freue mich ja immer etwas, wenn er redet, er spricht so ein wunderbar langsames und klares Italienisch im Vergleich zu den Muttersprachlern.

Tecla Insolia, die im Nachwuchswettbewerb 2020 den zweiten Platz belegte, stellt den Film „La bambina che non voleva cantare“, der in jeder Reklamepause beworben wird, vor.

Orietta Berti – Quando ti sei innamorato

Ein Beitrag, der auch schon beim 1. Festival di Sanremo hätte teilnehmen können. „Quando ti sei innamorato“ hat eine eindrucksvolle bedeutungsschwangere, getragene Grundstimmung und gewinnt natürlich sehr viel durch das Orchester. Oriettas Stimme ist makellos. 7 von 10 Punkten.

Arisa – Potevi fare di più

Arisa präsentiert eine ganz klassische Sanremo-Ballade. Sie singt voller Inbrunst, ich finde aber keinen emotionalen Zugang. Was vielleicht auch an ihren aufgespritzten Lippen und den künstlichen Fingernägeln liegt, die einen starken Eindruck von Künstlichkeit hinterlassen, der sich auch auf den Beitrag überträgt. Nichts zu kritisieren gibt es aber an Arisas Stimme. 4 von 10 Punkten.

Nächster Gast ist Giovanna Botteri.

Bugo – E invece sì

Bugo erinnert mich jedes Mal an ein verschrecktes, betrunkenes Reh. Seinen Song finde ich gar nicht schlecht, er hat eine schöne geradlinig-eingängige Melodie und Instrumentierung. Wenn Bugo doch nur einen Ton treffen würde… 4,5 von 10 Punkten.

Fiorello erhält den Preis der Stadt Sanremo und guckt stolz wie Oskar.

Måneskin – Zitti e buoni

Klasse! Das hat Wumms und Energie. Insgesamt ist es natürlich eher ein Song für Livekonzerte. Was muss es toll sein das „Siamo fuori di testa ma diverso da loro“ aus vollem Halse in der Menge zu singen. Der Frontman hat eine tolle einzigartige Stimmfarbe und alle Bandmitglieder sind einfach Rampensäue. 9,5 von 10 Punkten.

Ein Balletttänzer leitet den Auftritt von Achille Lauro ein, der heute im rosa Samtanzug im Vergleich zu den vergangenen Abend megaunauffällig bekleidet ist.

Ich ziehe meinen letzten Satz zurück. Als Achille den Anzug öffnet, kommt eine mit Rosen (fake-)durchstochene Bauchdecke zum Vorschein.

Madame – Voce

Huch, Madame tritt heute im „Brautanzug“ auf. Ihr Beitrag „Voce“ ist stark elektronisch angehaucht. Mittlerweile habe ich mir das Stück auch schöngehört, am Anfang fand ich es noch recht eindimensional und repetitiv, jetzt hat es etwas Hypnotisch-Faszinierendes für mich. 5 von 10 Punkten.

Sportliche Gäste: Ex-Skifahrer Alberto Tomba und Schwimmerin Federica Pellegrini. Wie erfahren, dass die Italiener das Logo der olympischen Winderspiele in Mailand/Cortina wählen dürfen.

La Rappresentante di Lista – Amare

Huch zum Zweiten. Nach dem Brautanzug von Madame ein drei Meter breites Brautkleid der Frontsängerin Veronica. Ich weiß nicht, ob das eine gute Entscheidung war. Der Beitrag lebte ja von Veronicas Bühnenausstrahlung und dem Wissen sich auf der Bühne in Szene zu setzten, jetzt wirkt sie ziemlich „gefangen“. Was das Lied an sich angeht, bin ich immer noch unentschlossen. Es kommt ja bei vielen hier sehr gut an, mir ist die Melodie des Refrains aber irgendwie zu eindimensional und der Track wirkt etwas unstrukturiert auf mich. Auf der anderen Seite setzt es sich klar im Ohr fest und Veronica hat ohne Frage Ausstrahlung. 6 von 10 Punkten.

Nachrichten. Cool, Bilder vom Mars.

Der nächste Alt-Superstar wird geehrt: Umberto Tozzi. Erstaunlich, bei wie vielen Liedern des Medleys man sich denkt, „ach, das ist auch von Umberto Tozzi?“.

Um das auch mal zu sagen: Der Bühnendesigner hat eine tolle Arbeit geleistet. Es fällt fast gar nicht störend auf, dass die Zuschauer fehlen. Durch die weit nach vorne gehende Bühne und das locker sitzende Orchester wird die Absenz des Publikums wirklich gut kaschiert.

Ein weiteres Zlatan-Intermezzo, das sich sieht… Mit der Überreichung von AC-Mailand-Trikots an Amadeus und Fiorello geht es aber auch irgendwann zu Ende. Jetzt Werbung. Hoffentlich geht es danach mal wieder mit Beiträgen weiter.

Annalisa – Dieci

Auch Annalisa hat eine sehr klassische Sanremo-Ballade im Gepäck. Die mir insgesamt doch zu sehr Einheitsware ist. Annalisa trägt „Dieci“ aber stimmlich 1A vor und singt mit überzeugender Inbrunst. Ähnlich wie bei Ermal ist hier die Künstlerin und die Performance stärker als der Song. Ich kann nicht so gut ankoppeln wie bei Ermals Beitrag, verstehe aber, warum sie insgesamt sehr gut ankommt. 6 von 10 Punkten.

Irgendwie wäre es cool gewesen, wenn Annalisa mit „Dieci“ („Zehn“) auf Startposition 10 gestartet wäre…

Coma_Cose – Fiamme negli occhi

Eines meiner persönlichen Highlights. Der Song hat etwas wunderschön Warmes und Beruhigendes an sich und fliegt ganz sanft dahin. California und Fausto harmonisieren von ihren Stimmen her und als Personen wirklich schön. Meiner Ansicht nach bisher unterbewertet. 8 von 10 Punkten.

Achille Lauro darf nach Dankesworten die nächsten Teilnehmer ankündigen: Lo Stato Sociale. Ich bin gespannt, welche „Persönlichkeiten“ wir heute sehen werden.

Lo Stato Sociale – Combat pop

Es passiert sehr viel auf der Bühne. Man weiß gar nicht, wo man hingucken soll. Manchmal wirkt das etwas too much. Und gleichzeitig macht es einfach Spaß und ist einfach unterhaltsam zuzuschauen. Musikalisch geht es mir ähnlich. Teilweise ist mir die Melodie zu sehr auf „Hau-drauf-Art“-eingängig. Und doch ist es ein toller Ohrwurm. 8 von 10 Punkten.

Random – Torno a te

„Torno a te“ ist für mich ein sehr blasser Beitrag. Eine Stangenballade, die wie Albumfüllmaterial wirkt und die Random nicht sonderlich überzeugend vorträgt. Weil er einen tollen Anzug trägt noch 2,5 von 10 Punkten.

Max Gazzè – Il farmacista

Max hat ein überraschend braves Outfit gewählt und trägt heute Anzug und 50er-Jahre-Brille. So wirkt der Beitrag weitaus weniger durchgeknallt als an den Abenden davor. Wie bei Achille bringt die Entkleidung zumindest teilweise die Verrücktheit zurück: ein Supermananzug kommt zum Vorschein und Max beginnt sich auf den roten Aristonsesseln zu wälzen. Da passiert optisch trotzdem deutlich weniger als bisher und ich fühle mich weniger unterhalten. 5 von 10 Punkten.

Noemi – Glicine

Die dritte klassische Sanremo-Ballade im Starterfeld. Und für mich die überzeugendste. Noemi scheint den Text, den sie singt, wirklich zu fühlen und kann natürlich mit ihrer markanten tiefen rauen Stimme punkten. Mir gefällt auch, wie die Melodie im Refrain nach oben „klettert“. 7 von 10 Punkten.

Die Werbung ist zu Ende, hoffentlich geht es gleich mit Beiträgen weiter. Nein… Der Präsident von TIM Music wird per Hologramm zugeschalten.

Fasma – Parlami

Fasma präsentiert einen für Sanremo-Verhältnisse modern klingenden Song, der trotzdem eine schöne Struktur und Melodieführung hat. Wie bei Irama funktioniert die Livestimmverzerrung nicht optimal. Insgesamt aber ein schöner Pop-Beitrag. 7 von 10 Punkten und bisher unterbewertet.

Aiello – Ora

„Ora“ ist als Song auch eher Einheitsware, bekommt aber durch Aiellos kratzige Stimme doch etwas Charakter. Aiello hat seinen zuckende Mimik und Gestik mittlerweile auch besser im Griff, am ersten Abend war er wohl wirklich zu aufgeregt. 4 von 10 Punkten.

Direkt nach dem letzten Beitrag ist das Televoting zu Ende. Benachteiligt das nicht die letzten Beiträge, insbesondere Aiello?

Der Gewinner der „Nuove Proposte“ darf seinen Siegerbeitrag vortragen. Als Song muss sich „Polvere da Sparo“ kein Stück vor vielen „großen Beiträgen“ verstecken. Gaudianos starrer Blick beim Singen verstört mich genauso wie gestern nur etwas.

Wieder die genialen Tänzer von vorhin.

Jetzt drücken sie aber auf die Tube. Es wird direkt die Gesamtwertung veröffentlicht.

1-3. Platz (exakte Reihenfolge nicht veröffentlicht)

Ermal Meta – Un milione di cose da dirti

Francesca Michielin & Fedez – Chiamami per nome

Måneskin – Zitti e buoni

***

4 Colapesce e Dimartino – Musica leggerissima

5 Irama – La genesi del tuo colore

6 Willie Peyote – Mai dire mai

7 Annalisa – Dieci

8 Madame – Voce

9 Orietta Berti – Quando ti sei innamorato

10 Arisa – Potevi fare di più

11 La Rappresentante di Lista – Amare

12 Extraliscio feat. Davide Toffolo – Bianca luce nera

13 Lo Stato Sociale – Combat Pop

14 Noemi – Glicine

15 Malika Ayane – Ti piaci così

16 Fulminacci – Santa Marinella

17 Max Gazzè – Il farmacista

18 Fasma – Parlami

19 Gaia – Cuore amaro

20 Coma_Cose – Fiamme negli occhi

21 Ghemon – Momento perfetto

22 Francesco Renga – Quando trovo te

23 Gio Evan – Arnica

24 Bugo – E invece sì

25 Aiello – Ora

26 Random – Torno a te

Im Superfinale also Ermal Meta, Francesca Michielin & Fedez und Måneskin.

Weil Francesca und Fedez bisher sehr weit hinten lagen, müssen sie extrem viele Zuschauervotes erhalten haben.

Ich hoffe jetzt auf einen Sieg von Måneskin und wäre auch mit Ermal als Gewinner sehr zufrieden (würde in dem Fall aber Måneskin lieber in Rotterdam sehen, dass er nicht noch einmal zum ESC will, ist ja im Rahmen des Möglichen)

Auftritt der nächsten Altstars: Riccardo Fogli, Michele Zarrillo und Paolo Vallesi.

Und auch ein „Neustar“ darf auftreten: Dardust (u.a. Co-Autore von „Soldi“).

Das Televoting ist beendet. Die drei Superfinalisten kommen auf die Bühne und es werden die ersten Preise verliehen.

  • Kritikerpreis „Mia Martini“: Willie Peyote.
  • Pressepreis „Lucio Dalla“: Colapesce e Dimartino
  • Preis “Sergio Bardotti” für den besten Text: Madame
  • Preis “Giancarlo Bigazzi” für die beste Komposition: Ermal Meta

Der Bürgermeister von Sanremo darf auch noch ein paar Worte sagen. Und jetzt, der große Augenblick…

Dritter Platz… Ermal Meta.

Sieger… … … … Måneskin! JAAAAAAAAAAA! Wie geil ist das denn????

Krasse Sache. Ich bin absolut positiv überrascht, ich hatte auf den Endspurt gehofft, aber nicht unbedingt damit gerechnet.

Sie dürften als aufstrebende Band, die auch schon auf Europatour war, ja eigentlich auch zugesagt haben nach Rotterdam zu fahren.

Damit ist das Endergebnis:

  1. Måneskin – Zitti e buoni
  2. Francesca Michielin & Fedez – Chiamami per nome
  3. Ermal Meta – Un milione di cose da dirti

Danke an alle Kommentatoren. Und bleibt nicht brav und ruhig.


244 Kommentare

  1. Colapesce e Dimartino überbewertet? Neeeeein! Das Lied ist als Audio so schön fluffig und purer entspannt gut gelaunter Sommerurlaub! 😉

    • Ich mag es ja mittlerweile auch sehr 🙂 Ich fand nur Platz 1 im Pressevoting „zu hoch“. Aber wenn es heute auch bei den Zuschauern auch so gut ankommt, hatte die Jury vielleicht doch „recht“ 🙂

  2. So gerade auch bei Spotify reingeschaut. Musica leggerissima ist auf Platz 7 Tendenz steigend. Vergleich: Ermal Meta ist auf Platz 16 Tendenz sinkend

  3. Achille Lauro ist ja eine lebende Bild-Ton-Schere. Provokantes Auftreten gepaart mit musikalischer Uninspiriertheit.

  4. so, jetzt drücke ich alle meine verfügbaren Daumen für den Endspurt. La Rappressante di Lista meine Kerze brennt weiterhin für das Wunder. Vai e Amen!

  5. Einfach und bei weitem das beste Lied, das ich auf diesem Festival gehört habe. Wir erinnern uns, dass der Name nicht alles ist (Mahmood-Diodato-Gabbani waren absolut nicht so berühmt und sie haben gewonnen). In etwas erinnern sie mich an die glücklichsten Momente von Matia Bazar: Klasse in der Interpretation, Eleganz in Arrangements, mit einer gewissen Tendenz zum Experimentieren, aber niemals auf Kosten der Melodie. Herzlichen Glückwunsch und die Kerze leuchtet 🙂

  6. Ti amo! Wie romantisch. Hat eigentlich jemals einer dem internationalen Publikum den Text übersetzt? Primo Maggio, su coraggio! Vom Klopapierkrieger ganz zu schweigen. 😉

  7. eigentlich ist ja ziemlich erstaunlich,daß die in sanremo es schaffen aus 26 titeln eine wie auch immer geartete reihenfolge zu zaubern. 🙂
    ich könnte das jedenfalls so nicht.
    ich freue mich auf coma_cosa – kommen wohl als nächstes. 🙂

  8. lasse feiert seine ganz eigene party mit bruder hefeweizen,coma_cosa,rosamundagedächnisband und den metallern.
    das reicht mir voll und ganz,leute. 😀

    • Endlich durch: dieses Festival ist zum Dauer-Kaugummi degeneriert. Liegt wohl an der vielen, gut-bezahlten Werbung?

    • es durfte den ganzen Abend schon angerufen werden. Vor Beginn wurde die Liste mit den Nummern veröffentlicht und los ging es.

      • Genau, ist ja kein Turnwettbewerb. Es sollte keiner beim Singen vom Balken fallen. Also kann vorher abgestimmt werden.😉

  9. Das nimmt einfach kein Ende…man ist gefangen.
    Irgendwann morgen, wenn wir alle eingeschlafen sind und wieder aufwachen, singt immer noch irgendwer in San Remo live auf Rai1…vielleicht auch Montag morgen noch, wer weiß 🤷‍♂️😂😂

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