
Lange Zeit war es eine Regel, an der nicht zu rütteln war: Beim Eurovision Song Contest können bzw. dürfen Instrumente nicht live gespielt werden. Die Veranstalter haben immer wieder beteuert, es sei in den meisten Fällen zu aufwendig und zeitintensiv, Instrumente zu verkabeln und einzustellen – vor allem unter Anbetracht dessen, dass der ESC eine Live-Show sei. Doch in Wien gibt es nun plötzlich eine Ausnahme: Finnland spielt live. Aber wieso erlaubt die EBU das?
Für viele Fans war es eine lang ersehnte Nachricht: Linda Lampenius darf beim ESC 2026 live auf ihrer Geige spielen. Acts, die in der Vergangenheit eigene Instrumente auf der Bühne hatten, durften diese zwar tatsächlich spielen, doch sie waren nicht angeschlossen – die hörbare Musik kam somit zu 100% vom Band. Finnland ist nun jedoch ein wahrer Durchbruch gelungen – zur Freude vieler Fans.
So viel Euphorie diese Ausnahme für Finnland auch mit sich bringt, so inkonsequent wirkt sie auch auf viele. Warum sind Live-Instrumente generell nicht erlaubt, aber für den großen Favoriten-Beitrag aus Finnland wird nun eine Ausnahme gemacht? Die Antwort liegt in der Art des Instrumentes, sagt jetzt jedenfalls die EBU in einem offiziellen Statement:
„In engem Austausch mit dem ORF haben wir der vor einigen Monaten von YLE [Anm.: der finnische TV-Sender] gestellten Anfrage zugestimmt, Teile der Violinsoli des finnischen Beitrags als Live-Audioaufnahme direkt in ein Mikrofon einzuspielen. Diese Entscheidung steht im Einklang mit dem Regelwerk des Eurovision Song Contest 2026, das besagt, dass die Live-Audioaufnahme von Instrumenten ausnahmsweise zugelassen werden kann, sofern dies künstlerisch begründet ist.
Wir sind stets gerne bereit, Anfragen der Delegationen zu prüfen. Eine endgültige Entscheidung über diese Anfrage wurde nach der zweiten Künstlerprobe getroffen, da sich die Produktion davon überzeugen musste, dass die Darbietung sowohl für das Publikum als auch für die Künstler gleichermaßen funktioniert.“
Die Erlaubnis einer Ausnahme hängt laut EBU also von mehreren Faktoren ab. Nicht nur muss zunächst bei den Proben vor Ort getestet werden, ob eine Live-Darbietung funktioniert, sondern sie muss auch „künstlerisch begründet“ sein. Der wohl wichtigste Faktor steckt jedoch im Detail des EBU-Statements: eine Live-Audioaufnahme muss „direkt in ein Mikrofon einzuspielen“ sein.
Genau von dieser Klausel machte schon Lucio Corsi im letzten Jahr Gebrauch, als er beim ESC live Mundharmonika spielte – direkt in sein Mikrofon hinein. Ist ein Instrument also alleine durch ein Mikrofon hörbar, stellt dies grundsätzlich kein Problem für die EBU dar und kann beim ESC live gespielt werden. Das passt auch zu Veronica Fusaros Äußerung, die dem ESC-Influencer Adam McCallig verriet, ebenfalls wegen eines möglichen Live-Spielens ihrer Gitarre nachgefragt zu haben (siehe unten).
@allthingsadam.ie What do you think? #eurovision #eurovision2026 #veronicafusaro #switzerland #lindalampenius @Veronica Fusaro
♬ Monkeys Spinning Monkeys – Kevin MacLeod & Kevin The Monkey
Laut der Schweizer ESC-Kandidatin ist auch hier die Instrumenten-Art das Problem: Ihre Gitarre müsste verkabelt bzw. angeschlossen werden, was zu zeitaufwendig für eine so große Live-Produktion wäre. Dies teilte die EBU zumindest der Schweizer Delegation auf Nachfrage mit. Im Interview stellt sich Veronica jedoch auch die Frage, ob dann nicht auch andere Instrumente – wie beispielsweise ein Schlagzeug – dieselbe Ausnahmeregelung bekommen müssten.
Es bleiben also einige Fragen offen: Wie sieht es mit den restlichen Musiker*innen des 2026-Jahrgangs aus, die ein Instrument spielen? Dürfen die Geigen von Eva Marija und der Violinistin aus Portugal beispielsweise live gespielt werden? Sollten diese Acts den Wunsch äußern, müsste es die EBU ja eigentlich ebenfalls erlauben. Und noch spannender wird es mit einem Blick auf künftige ESC-Ausgaben: Welche Instrumente könnten außer der Geige noch live gespielt werden?
Was sagst Du zum Statement der EBU? Freust Du Dich, dass Linda Lampenius ihre Geige beim ESC 2026 live spielen darf oder wirkt es auf Dich unfair? Lass uns gerne Deine Meinung da.
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



Danke für die Info!
„Geigen-Go“
eher ein geigen-gau.
desweiteren
„dass die Live-Audioaufnahme von Instrumenten ausnahmsweise zugelassen werden kann, sofern dies künstlerisch begründet ist.“
🍌
künstlerisch begründet?
das kann man im prinzip fast immer so sehen – die bei der EBU haben echt den schuß nicht gehört! 😼
Die Probleme der EBU bleiben die altbekannten: keine klaren Strukturen, keine Transparenz und unglückliche Kommunikation.
…und am Ende gewinnen die Nordics. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie auf eine Anfrage von Rumänien oder Azerbaijan reagiert werden würde
entmachtung jetzt! ☠️
„Diese Entscheidung steht im Einklang mit dem Regelwerk des Eurovision Song Contest 2026, das besagt, dass die Live-Audioaufnahme von Instrumenten ausnahmsweise zugelassen werden kann, sofern dies künstlerisch begründet ist.“
Löcherige Argumentation. Tipp an die EBU: Die Geige ist ein Instrument wie Schlagzeug, Gitarre oder irgendeine Ethnotröte. Also alles, was die EBU generell bis dato ablehnt. Solche Instrumente funktionieren auch auf jedem Dorffest, also kein Grund vorzuschieben, dass hier erst etwas hätte abgecheckt werden müssen.
Künstlerisch begründet heißt, dass Vocoder zugelassen werden sollten, weil das für den Musikstil notwendig ist. Und wieso bisher kein Live-DJing? Die Violine steht in diesem Song überhaupt nicht für eine künstlerisch herausragende Interpretation, die LIVE performt werden müsste. Sie ist ein Showaspekt. Also wieviele Bands hat man mit dem Argument bisher abgeschreckt, nicht am ESC teilzunehmen, da live-performance nicht erlaubt? Mir ist es egal, was Finnland daraus jetzt macht oder nicht (man kann ohnehin keine Gegenprobe machen), aber daraus einen kurzfristigen Sonderfall zu stricken, der angeblich durch die Regularien gedeckt sei – obwohl oft genug anders kommuniziert – bleibt für mich lächerlich.
Befreit die Flötenschlümpfe! Die müssen zukünftig auch live fiepen dürfen!
Wenn etwas originär für das entsprechende Musikstück steht, dann ja wohl Ethnotröten. Die Schweiz kommt nächstes Jahr bestimmt mit Alphorn!
Hatten sie ja schon mal bei Swiss Lady …
Du bist fies, du weißt genau, dass ich das erstmal nachlesen muss!
Watch at your own risk …
💃 💃 💃
befreit das orchester – sofort!
(die EBU kann man wirklich nicht mehr ernst nehmen.)
Bei unserem Preview heute (gestern) Abend wurde bei Albanien einmal mehr klar, wie viel ein Orchester beitragen kann.
ein „pflichtorchester“ (ok,wird nicht passieren) würde auch die ESC musik massiv verändern – finnland – schweden – griechenland 2026 und einige andere würden damit m.e. nicht mehr wie gewünscht funktionieren.
das die EBU ohne not wie ein elefant durch den porzellanladen tappt,ärgert mich aber enorm.
viele künstler (auch in früheren jahren) müssen sich jetzt doch komplett veräppelt vorkommen.
Von meiner Seite besteht kein Interesse an Orchesterteppich.
Bei manchen Liedern würde es nicht passen, z. B. UK26 mit Orchester? 🤣 Andererseits würde es bei Albanien sehr gut passen.
Ich finde, dass man da nicht alles über einen Kamm scheren kann.
UK geht bestimmt, dss folgende Lied hat ja auch eine Orchesterversion. 😱
Du glaubst doch nicht im ernst, dass ich das anklicke … 🤣
🤣🤣🤣
Aber das ist genau der Punkt: Käme die EBU auf die skurrile Idee, hätte das auch wieder Einfluss auf die Art der eingereichten Songs. Es gibt Musikstile und Acts, bei denen das kaum funktioniert. Davon abgesehen, ist das wieder eine 1st World Problematik, mit denen sich dann finanzarme Länder und Acts rumschlagen müssten.
Ich habe ja schon immer gesagt, dass das finanzielle Argument dem Orchester im Wege steht. Man denke alleine an die Personalkosten. 😱Deshalb bin ich ja für einen Kompromiss: Orchester ist nicht drin, aber bitte erlaubt zukünftig, dass Instrumente auf der Bühne live gespielt werden dürfen. Wer will, kann sich dann ein Streichquartett oder eine fröhliche Truppe Flötenschlümpfe auf die Bühne holen.
Ob sich jemand 5 Streicher statt Tänzern holt, ist für mich hauptsächlich ein optisches Problem. 😉
Es gab mal diesen geilen Song im estnischen(?) VE mit Cello-Spieler und Rap (Name entfallen), da wäre das live gespielt nochmal perfekter gewesen.
Ralf Eilands & Valters Puce – Revelation 🤓
Ist noch immer in meiner Playlist.
Perfekt, genau. 👍
Revelation hatte ich im Kopf, aber mir waren die Künstler entfallen.
P.S.: Die KI konnte mir den Beitrag auf Nachfrage nicht so schnell liefern wie du! 🙂
Ha! Ich bin besser als die KI. Noch …
die sind bestimmt nur zweiter geworden oder wie war das?
genau mein ding!
Leider nur Platz 4. Superfinale knapp verpasst.
Interessanterweise war vor dem Superfinale Dons auf Platz 1 im Superfinale nur Platz 2. 10 Jahre später durfte er dann aber zum ESC.
im jahr zuvor gab es ja noch was erheblich wilderes aber genau deswegen lieben wir doch das baltikum – die trauen sich was z.b. so um 2016 der lässige typ mit der mundorgel und den 3 feschen mädels auf der bühne (estland) und viele mehr.
Platz 4.
sanremo orchester auch abschaffen? 🐰
Da gehört es dazu. Exakt dort gibt es auch Songs, die mir als Studioversion gefallen, vom Orchester aber zerschossen wurden.
Ja, das gibt es, aber es gibt eben auch Lieder, die erst mit dem Orchester, v. a. auch mit der Interaktion zwischen Sänger und musizierenden Menschen, richtig aufblühen. Das hängt mMn immer vom Einzelfall ab.
Ein super Beispiel aus der ESC-Geschichte ist ESP95. In der Studioversion ist das nicht viel mehr als eine Schnarchballade, aber mit dem lebhaften Orchester, das dem Track Leben eingehaucht hat, war es ein Ereignis. Anabel selbst war natürlich auch nicht schlecht …
.. dann haben wir vom Orchester gut interpretierte Lieder, die den Mangel übertönen. Aus meiner Perspektive nur bedingt ein Gewinn. Zumal man dem Orchester da viel Interpretationsspielraum zukommen läßt.
Wenn Du die Dimension Live-Darbietung durchstreichst, kannst Du gleich einen Video- oder TikTok-Contest draus machen. Mit den Live-Instrumenten verhält es sich ja nicht anders als mit der gesanglichen Live-Darbietung. Auch die gesangliche Leistung kann ein Lied zerstören oder in ungeahnte Höhen erheben. Insofern verstehe ich die Logik nicht.
Es ist doch OK, wenn wir hier nicht auf einen Nenner kommen. Orchestersongs können sehr imposant sein – klar. Nur, für den Gesang ist Sänger/in selbst verantwortlich, bei Choreo und TV-Schnitt hat man Mitspracherecht, selbst eingespielte Instrumentalanteile (innerhalb der 6-Personenregel) hast du selbst unter Kontrolle. Das verhält sich beim Orchester anders. Plus: Auch bei Sanremo/FiK hat man oft das Gefühl, als Sänger kommst du gegen die Wand nicht an.
beschte! (immer noch.) 🎸
Eben.
Sehr schön wie die EBU rechtzeitig vor dem Contest die irritierte Öffentlichkeit darüber aufklärt, wie das Regelwerk für den Live-Einsatz von Instrumenten funktioniert.👍
Man liest die Erklärung und ist hinterher genauso schlau wie vorher. Wer immer sich bei der EBU diese Rechtfertigung ausdenken musste, dürfte mit Sicherheit ordentlich ins Schwitzen gekommen sein. Aber naja, das Ergebnis zählt. Ich freue mich über jedes live gespielte Instrument.
„Man liest die Erklärung und ist hinterher genauso schlau wie vorher.“
volltreffer!
Off-Topic:
Habe interessehalber eben mal ins Programm von TVMONACO für nächsten Samstag geschaut. Traurigerweise keine Spur vom ESC, anders als letztes Jahr. Ich denke mal, das mit dem damals angekündigten Comeback hat sich dann wohl.
Lenny Kuhr hat beim EiC mit einer Live-Band gespielt. Es hat fünf Minuten gedauert, bis alle Instrumente korrekt verkabelt waren. Das ist beim ESC ohne stationäres Orchester schlichtweg logistisch nicht machbar.
Somit aus Produzentensicht verständlich, dass Instrumente, die bloß ein Mikrofon benötigen, erlaubt sind, Instrumente, die Kabel benötigen (Schweiz), aber nicht.
Die EBU täte gut daran, für nächstes Jahr Klarheit zu schaffen, das Regelwerk zu aktualisieren und eventuell sogar prinzipiell Live-Instrumente zuzulassen, wenn sie nicht verkabelt werden müssen.
Auf den kollektiven Crashout der Bubble habe ich nächstes Jahr nämlich keine Lust mehr 😂
Hallo EBU: Suuperkommunikation, suuuuperfrüh und suuuuuper argumentiert!
Am schlimmsten finde ich, dass Linda nur Teile des Songs live spielen wird, aber dann alle glauben, sie würde den gesamten Geigenpart live spielen (werden die meisten Kommentatoren vorher genauso berichten, da setze ich Wetten drauf):
„F*ck the EBU!“
Ich schreibe diesen Satz gerne der EBU noch öfter hinter die Löffel (siehe Backings vom Band).
Much ado about nothing … 🤷🏻♂️