
Wie schon in den vergangenen Jahren wurde Israels ESC-Künstler wieder durch eine Castingshow gefunden. Sieger von HaKokhav HaBa – The Next Star 2026 wurde der mittlerweile 28-jährige Noam Bettan – und das nach ganzen 32 Shows. Am 20. Januar wurde er durch seinen Finalsieg Israels ESC-Act. Sein Song „Michelle“ wurde am 5. März – dem Tag seines Geburtstags – veröffentlicht und aus 200 Einreichungen für ihn ausgewählt. Israels für den ESC verantwortlicher Sender KAN arbeitete für die Show mit dem Privatsender Keshet zusammen.
Geschrieben wurde „Michelle“ von Nadav Aharoni, Tzlil Klifi und Yuval Raphael, die vergangenes Jahr als Sängerin beim ESC den zweiten Platz erreichte. Yuval ist ohne Zweifel bei diesem Trio die in ESC-Kreisen bekannteste, doch auch die anderen beiden haben schon Songs für israelische ESC-Acts oder ESC-Vorentscheide geschrieben. „Michelle“ ist – wie auch der Vorjahressong „New Day Will Rise“ dreisprachig und enthält Textteile in Hebräisch, Englisch und Französisch.
Noam Bettan selbst hat französische Eltern, wurde in Israel geboren, verbrachte aber auch einen Teil seiner Jugend in Frankreich. Nahezu alle seine Songs enthalten auch französische Textzeilen. Auch in HaKokhav HaBa sang er oft zweisprachig. Seine Musikkarriere begann bereits Ende 2017 bei einer Castingshow. Auch mehrere Singles sowie ein Debütalbum hat er schon veröffentlicht.
Das Lied
Der Song „Michelle“ handelt von einer Liebe zu einer Frau und der gescheiterten Beziehung zu ihr. Der Popsong beschreibt also ein universelles Thema und hebt sich damit von den beiden vorherigen israelischen Beiträgen ab. Sowohl „Hurricane“ als auch „New Day Will Rise“ waren Balladen, die mehr oder weniger klar auch den Hamas-Angriff auf Israel behandelt haben und damit sehr erfolgreich waren. „Michelle“ geht nun einen anderen Weg, den Journalist Jan Borree bei Deutschlandfunk Kultur so analysiert hat:
„Vordergründig ist ‚Michelle‘ ein Lied über persönliche Gefühle: Liebe, Verlust und Alltag. Gleichzeitig zeichnet der Beitrag aber auch ein bestimmtes Bild des Landes: modern, urban und kulturell mit Europa verbunden. Ein Land, das trotz der aktuellen politischen Lage wieder Normalität zeigen möchte.“
Zu diesem Fazit kommt er gleich wegen mehrerer Aspekte des Songs. Einerseits helfe die französische Sprache dabei, europäisch und anschlussfähig zu wirken. Hebräisch wiederum betone die eigene Herkunft. Die Botschaft davon könne also sein, „geographisch liegt Israel im Nahen Osten, kulturell versteht man sich aber als Teil derselben europäischen Popkultur.“ Auch die Wahl des Namens „Michelle“ passe dazu, denn Michelle ist die französische weibliche Form von Michael – einem Namen, der ursprünglich aus dem Hebräischen kommt.
Tatsächlich singt Noam Bettan zu Beginn der zweiten Strophe auch sehr konkret über ein Stadtviertel in Tel Aviv. „Walking down Florentin“ bezieht sich auf das Stadtviertel Florentin im Süden Tel Avivs, das den Ruf hat, jung und urban zu sein. Florentin bietet viele Cafés, Bars und ist dadurch auch bekannt für sein Nachtleben. Bei Deutschlandfunk Kultur schließt man daraus: „So wie Florentin und Tel Aviv, so könnte KAN auch Israel darstellen wollen: modern, urban und kulturell offen.“
Noam Bettan tritt mit „Michelle“ für Israel im ersten ESC-Halbfinale am 12. Mai in der zweiten Hälfte an.
Der Check
Song: 4/5 Punkten
Stimme: 4/5 Punkten
Darbietung: 3/5 Punkten
Instant Appeal: 3/5 Punkten
Laureen: Ich muss sagen, dass ich diesen Beitrag so nicht erwartet habe. Das klingt schon sehr französisch und erinnert mich an die Radiomusik bei meinem Frankreich-Schulaustausch 2014. Also: Französischer Radio-Pop, der nicht wehtut, mich jetzt aber auch nicht aus den Latschen wirft. 5 Punkte
Manu: Im letzten Jahr versuchte Claude aus den Niederlanden mit einem ähnlichen Popsong zu überzeugen. „Michelle“ klingt für mich zu konstruiert, springt emotionslos von einer Sektion zur nächsten und wirkt wie ein verkrampfter Versuch, keinen Anlass für Diskussionen rund um den politischen Elefanten im Raum entstehen zu lassen. Der Versuch mag sicher löblich sein, überzeugt mich aber leider musikalisch wenig. 4 Punkte
Marcel: Einen solchen Song hätte ich Israel nicht zugetraut. Nach zwei schönen, aber alles andere als politisch-neutralen Balladen, ist „Michelle“ einfach nur ein Song. Dazu ein guter, der mir als Liebhaber französischer Popmusik das gibt, was Frankreich und Luxemburg mir nicht bieten. Noam Bettan selbst erinnert mich mit seiner Stimme auch eher an Slimane als an Claude. 8 Punkte
Max: Ein sehr zeitgemäßer, internationaler Song, der die verschiedenen Einflüsse des Landes als Schmelztiegel auch gut widerspiegelt. Vielleicht nicht die epische Hymne, wie sie Israel in den vergangenen Jahren präsentiert hat – dafür gefällt es mir umso besser. 10 Punkte
Peter: Noam hat eine Mega-Stimme und das wird durch die landessprachlichen Anteile noch verstärkt. Der Wechsel ins Französische ist elegant und sympathisch. Allerdings finde ich den Song nach der ersten Hälfte etwas beliebig und nicht wahrhaftig eingängig. Nice but not maximum nice. 7 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Bennett: 4 Punkte
- Benny: 7 Punkte
- Berenike: 3 Punkte
- Douze Points: 7 Punkte
- Giulia: 4 Punkte
- Rick: 10 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 69/132 Punkte.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Michelle“ auf Platz 24.
Bisher erschienene Songchecks:
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
- Portugal: „Rosa“ von Bandidos do Cante
- Schweden: „My System“ von FELICIA
- Belgien: „Dancing on the Ice“ von ESSYLA
- Estland: „Too Epic To Be True“ von Vanilla Ninja
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