
Das Sanremo-Festival ist kein Zuckerschlecken: An fünf Abenden müssen sich die Künstlerinnen und Künstler beweisen. Das ist eine volle Arbeitswoche. Der siegreiche Act darf dann entscheiden, ob er Italien auch beim Eurovision Song Contest vertreten möchte. Sal Da Vinci hat „ja“ gesagt und wird deswegen von Italien nach Wien reisen und das Land beim ESC 2026 vertreten.
Aber nochmal zu Sanremo: 30 Acts („Campioni“) traten mit eigenen Songs an. Je nach Abend bewerteten Pressejury, Radiojury und Publikum (Televoting). Am fünften, finalen Abend entschied in einer Art Superfinale eine Mischung aus Televoting (34%), Presse-Jury (33%) und Radio-Jury (33%) über den Sieger. Sal Da Vinci siegte mit „Per sempre sì“ (22,2%), knapp vor Sayf („Tu mi piaci tanto“, 21,9%). Dritte wurde Ditonellapiaga mit „Che fastidio!“. Spannend: Bei Sanremo startete Sal eher schwach, löste dann aber innerhalb der Festivalwoche einen Hype um sich und seinen Beitrag aus.
Bella Napoli! Sal Da Vinci ist ein italienisch-amerikanischer Sänger, Songwriter und Schauspieler, der sich als einer der führenden Vertreter der neapolitanischen Musik etabliert hat. Geboren am 7. April 1969 in New York als Sohn des neapolitanischen Künstlers Mario Da Vinci, wuchs er in Neapel auf und begann bereits mit sechs Jahren seine Karriere.
Sal Da Vinci debütierte 1976 mit dem Duett „Miracolo ‚e Natale“ zusammen mit seinem Vater. In den 1970er- und 1980er-Jahren trat er in Filmen wie „Figlio mio sono innocente!“ (1978) und „Troppo forte“ (1986) mit Stars wie Carlo Verdone auf und veröffentlichte erste Alben wie „O guappo nnammurato“ (1981). 2009 nahm Sal übrigens schonmal am Sanremo-Festival teil und erreichte den dritten Platz.
Auch die Generation TikTok könnte den Künstler kennen, vielleicht aber ohne zu wissen, dass es sich um Sal Da Vinci handelt: 2024 glückte ein viraler Hit auf TikTok (das kommt bei ESC-Acts ja seit „Snap“ durchaus vor). Nutzer*innen der App drehten kurze Clips zu Refrain-Teilen wie „Rossetto e caffè“, oft mit humorvollen Szenen aus dem Morgenritual, Flirts oder Partys. Remix-Versionen landeten im Sommer 2024 sogar in den Clubs. Beispiele zeigen Paare beim Tanzen oder Influencer beim Kaffee-Trinken mit dramatischem Lippenstift-Auftragen. Ob Sal beim ESC 2026 mit seinem Beitrag „Per sempre sì“ wieder viral gehen wird?
Das Lied
Der Song „Per sempre sì“ entstand im August 2025 in Zusammenarbeit mit renommierten Autoren wie Francesco Da Vinci, Alessandro La Cava, Federica Abbate, Merk & Kremont und Eugenio Maimone und wurde von Merk & Kremont sowie Adriano Pennino produziert.
Inhaltlich erzählt das Lied von einem Hochzeitsgelübde als zeitloser Liebeserklärung. Von den ersten Begegnungen über gemeinsame Träume und Krisen bis hin zum feierlichen „Ja-Wort“. Der Refrain unterstreicht, dass ein Leben ohne den geliebten Menschen sinnlos erscheint.
Musikalisch handelt es sich um eine gefühlvolle Pop-Ballade mit neapolitanischem Flair, leichten 70er-Disco-Einflüssen und einer eingängigen Melodie. Insgesamt wirkt der Song bewusst nostalgisch und weniger wie eine moderne Popnummer, was seinen emotionalen und zeitlosen Charakter zusätzlich unterstreicht.
Sal Da Vinci ist mit „Per sempre sì“ für Italien bereits für das Finale gesetzt und tritt im ersten ESC-Halbfinale außer Konkurrenz zwischen Startnummer 6 und 7 auf.
Der Check
Song: 2/5 Punkten
Stimme: 3/5 Punkten
Darbietung: 2/5 Punkten
Instant Appeal: 3/5 Punkten
Bennet: Der Song ist altbacken und trotzdem so mitreißend, dass ich im Refrain immer gerne auf mich und von mir weg zeigen muss. Ein Uptempo-Song, der inhaltlich zudem schön romantisch ist; mir gefällt es. 7 Punkte
Benny: Ein mittelmäßiger Italo-Schlager, der zwar im nächsten Urlaub das Nostalgie-Gefühl richtig anheizen kann, aber doch auch reichlich angestaubt daher kommt. Okay, aber weit unter Italien-Standard. 6 Punkte
Berenike: Ich war ja etwas entsetzt, als „Per sempre sì“ als Gewinner des Sanremo-Festivals verkündet wurde. Aber was soll ich sagen… Mittlerweile hat sich der Track als Guilty Pleasure ziemlich weit nach oben hochgearbeitet. Mit Sals „schmieriger“ Art werde ich mich wohl nie anfreunden können, aber als Audio feiere ich „Per sempre sì“ auf Grund seiner Leichtigkeit und des Retro-Schmisses inzwischen schon irgendwie und tanze beschwingt mit, wenn es in der ESC-Playlist oder im italienischen Radio läuft. 8 Punkte
Laureen: Das Spaghetti-Eis unter den italienischen ESC-Beiträgen der letzten Jahre! Versteht mich nicht falsch. Der Beitrag macht echt gute Laune und ist putzig und niedlich, aber kein Künstler möchte über seinen Beitrag hören, dass der putzig und niedlich ist, oder? Das ist wie „nett“ oder das schmeckt „interessant“. Einfach kein Kompliment. 4 Punkte
Peter: Keine Ahnung, ob Sal da Vinci in direkter oder auch nur irgendwie in indirekter Folge ein Nachfahre von Leonardo da Vinci ist, aber sein Song ist so schön traditionell, dass man das glauben möchte. In Deutschland fällt so eine hervorragend vorgetragene Schmachtschnulze in die Kategorie Schlager, aber – hallo – dies ist der Sanremo-Sieger, da ist das selbstverständlich italienische Kunst. 7 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Douze Points: 7 Punkte
- Giulia: 7 Punkte
- Manu: 5 Punkte
- Marcel: 6 Punkte
- Max: 6 Punkte
- Rick: 7 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 70/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Per Sempre Sì“ auf Platz 14.
Bisher erschienene Songchecks:
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
- Portugal: „Rosa“ von Bandidos do Cante
- Schweden: „My System“ von FELICIA
- Belgien: „Dancing on the Ice“ von ESSYLA
- Estland: „Too Epic To Be True“ von Vanilla Ninja
- Israel: „Michelle“ von Noam Bettan
- Litauen: „Sólo quiero más“ von Lion Ceccah
- Montenegro: „Nova zora“ von Tamara Živković
- Polen: „Pray“ von Alicja
- San Marino: Superstar von Senhit feat. Boy George
- Serbien: „Kraj Mene“ von LAVINA
- Deutschland: „Fire“ von Sarah Engels
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