Prunkvoll erstrahlt die Fassade der Auberge de Castille in Valletta. Das prächtige Gebäude aus Kalkstein wurde 1573 nach Entwürfen des maltesischen Architekten Girolamo Cassar errichtet und ist heute Sitz des Premierministers von Malta. Aufgenommen wurde die buntbestrahlte Fassung im vergangenen Jahr, als Malta erstmals den Europride ausgerichtet hat.
Und dieser Europride war „eurovisionsgetränkt“ – wie so viele Pride-Veranstaltungen in Europa ohne eurovisionäre Headliner nicht mehr vorstellbar sind, worüber wir auf ESC kompakt regelmäßig berichten. Nemo ist beispielsweise jüngst auf dem CSD in Zürich aufgetreten.
Die ESC-kompakt-Leser und -Sparringspartner Daniel und Lars haben den Europride in Malta besucht. Und passend zu unserer Partnerschaft mit „Visit Malta„, über die wir hier berichtet haben, und im Ausklang des Pride-Monats Juni haben wir die beiden gebeten, uns ihre Erfahrungen beim Besuch in Valletta zu berichten.
Hier ist die Malta-Story von Daniel und Lars im Originalton:
Malta ist die sonnenreichste Insel im Mittelmeer. Wir waren schon häufig dort zu Besuch und nach mehr als einem Jahrzehnt war es mal wieder Zeit, das schöne Malta zu besuchen. Da bot sich der EuroPride 2023 an, zumal wir zuvor noch nie einen EuroPride besucht haben.
Was der kleine Staat diesbezüglich auf die Beine gestellt hat, übertraf all unsere Vorstellungen. Zählte Malta noch Anfang der 2000-er Jahre zu den konservativsten Länder Europas, ist das Land heute eines der LGBT-freundlichsten der Welt. Welch eine Wandlung innerhalb von nur 15 Jahren.
Die Hauptstadt Valletta hatte sich thematisch herausgeputzt. Viele Gebäude erstrahlten in den Farben des Regenbogens, Plätze, Straßen und Geschäfte waren entsprechend geschmückt.
Neben diversen Diskussions-Veranstaltungen, Ausstellungen und einem riesigen bunten Programm mit LGBT-Bezug bot die Hauptstadt Valletta ein großes musikalisches Feuerwerk am großen Platz beim Tritonen-Brunnen auf, dem Eingang zur Stadt.
So war der Mittwochabend für die derzeitige Nr. 1, Aidan, reserviert. Mit einigen Cover-Songs, u.a. „Gimme! Gimme! Gimme!“ von ABBA, und seinen eigenen Insel-Hits brachte er die Zuschauer ordentlich in Stimmung.
Auf Malta nicht ganz unüblich: manchmal trifft man die heimischen Künstler auch mal auf der Straße, so erleben wir es auch in diesem Jahr. Am Morgen nach seinem Konzert war Aidan beim gleichen Bäcker, bei dem wir täglich frühstückten, anzutreffen. Selbstverständlich kamen wir sofort ins Gespräch. Dabei erzählte er uns, dass er ggf. in 2025 wieder an einer maltesischen Vorentscheidung teilnehmen möchte und lud uns noch auf sein Konzert ein, welches vier Tage später stattfinden sollte. Leider konnten wir diese Einladung nicht annehmen, da es für uns am Sonntag wieder zurück nach Hamburg gehen sollte.
Am Donnerstag hatten Glen Vella (ESC 2011) und Amber (ESC 2015) die Bühne und die Zuschauer für sich. Deren Shows konnten wir leider nicht miterleben, da für uns das musikalische Highlight der Pride-Woche anstand: im Manoel-Theater, einem der ältesten Theater Europas, wurde ein zweistündiges Klassik-Konzert vom Maltesischen Philharmonie-Orchester aufgeführt. Dabei wurden nur Kompositionen queerer Komponisten gespielt. Ein Ohrenschmaus in einer ganz besonderen Stimmung. Das Theater war komplett ausgebucht. Das Konzert endete mit dem Song „I Am What I Am“, gesungen vom Tenor Cliff Zammit Stevens. Das Publikum war so begeistert, dass er den Song ein zweites Mal singen musste. Welch ein grandioser Abend. Anschließend saßen wir mit den Musikern draußen bei Bier und Wein – in Valletta waren die Straßen von Tischen und Stühlen gefüllt.
Am Freitag Abend stand dann die Eurovision-Night auf dem Programm. Zwei äußerst sympathische Moderatoren priesen einen Eurovision-Liebling nach dem anderen an: Fabrizio Faniello, seine Schwester Claudia Faniello, Chiara, The Busker, Katrina, The Roop (dieser Auftritt dauerte eine gute Stunde), Conchita und als besonderen Überraschungsgast Claudette Pace. Das Jubeln auf dem überfüllten Platz nahm kein Ende. Laut den Moderatoren darf ihr ESC-Song „Desire“ seit vielen Jahren auf keiner maltesischen Geburtstagsfeier mehr fehlen.
Wieder was gelernt: „Desire“ von Claudette Pace (ein respektabler 8. Platz in Stockholm 2000) darf bei keiner Vermählung auf der Sonneninsel fehlen.
Am Samstag kamen dann Tausende Menschen aus aller Welt zum Pride-Walk zusammen. Es ging stundenlang mit einer unschätzbaren Anzahl von mit Liebe geschmückten Wagen und lauter Musik durch Vallettas Straßen und Gassen, die aus allen Nähten zu platzten schienen. Und in all dem Gewusel stand auf einmal Claudette Pace wieder vor uns, diesmal als Fahnenträgerin.
Der Abend endete mit einem Konzert von Ira Losco und Christina Aguilera.
Am Sonntag ging es dann wieder heim nach Hamburg. Und es wird nicht mehr wieder so lange dauern, bis wir wieder auf dieser schönen Insel sind.
Mehr über Malta findet Ihr in unserem Bericht hier oder einfach auf den Visit-Malta-Banner in dieser Reportage klicken.
Kein Pride-Event auf Malta mehr, auf dem sie fehlen sollte: ungeachtet des überschaubaren Abschneidens in Malmö hat sich „Loop“ von der sportlichen-gelenkigen Sarah Bonnici zu einem fan favorite in der Bubble entwickelt und zu einem heute schon legendären ESC-Floorfiller. Die extrovertierte Choreo dürfte dabei geholfen haben…
talking about guilty pleasures: Die Europride-Interpretin Claudia Faniello hat für den Autor dieser Zeilen schon beim maltesischen VE 2008 ESC-Geschichte geschrieben: mit ihrer Hommage an Michelangelo Merisi da Caravaggio, den Begründer des italienischen Frühbarock, der sein Exil auch in Malta verlebte und sogar zum Ritter Malteserordens avancierte. Daraus muss man erstmal einen Schlager mit Fönwelle erschaffen. Caravaggio wäre begeistert gewesen.
Last but not least noch einmal ein großes Dankeschön an Daniel und Lars für das Teilen der Malta- und Valetta-Erinnerungen und für die vielen schönen Fotos.
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Schöner Bericht von einem meiner Lieblingsorte auf der Welt. Danke dafür. So, jetzt geht es im Nieselregen (hat endlich mal abgekühlt …) weiter nach Montenegro. Bei dem Wetter werden die Berge tatsächlich schwarz aussehen.
Aidan 😍🥰🤩😍💖 (übrigens in der Mitte mit einem „a“, nicht mit einem „e“ 😉)
Nach dem Motto, „die Hoffnung stirbt zuletzt“, werde ich die nächsten Monate an diesem Artikel nähren und zehren: „Dabei erzählte er uns, dass er ggf. in 2025 wieder an einer maltesischen Vorentscheidung teilnehmen möchte…“ 🙏🙏
Aidan hätte es so verdient, nach der Auszeit in 2024 wieder zurückzukehren. Außerdem hätte es Malta endlich verdient, von ihrem Nummer 1 Künstler des Landes vertreten zu werden.
Ich liebe Malta, irgendwie verrückt, ziemlich zugebaut, manchmal etwas laut (#Sprachschüler), freundliche Menschen und viel zu entdecken auf kleinem Raum ❤️
Wie witzig, dass dieser Beitrag gerade erscheint, wenn wir auch auf Malta sind… Wirklich eine tolle Insel, da hat die Werbung bei euch auf dem Blog jedenfalls schon gefruchtet:)
Viele Grüße aus Mellieha, Malta