
Genauso finster wie die Performances von Raiven und Bambie Thug beim Eurovision Song Contest in Malmö waren, sieht auch die ESC-Zukunft der Länder aus, für die die beiden Acts angetreten sind. Slowenien und Irland werden beim kommenden Wettbewerb in Wien vermutlich fehlen, denn die angekündigten Regeländerungen reichen für die Rundfunkanstalten der beiden Nationen nicht aus, um Israels (wahrscheinliche) Teilnahme 2026 zu akzeptieren.
Mit der Überarbeitung der ESC-Regeln, die von der EBU vergangene Woche offiziell verkündet wurde, erhoffte man sich vor allem, die Länder bzw. Rundfunkanstalten zu überzeugen, die androhten, in Wien zu fehlen, sollte Israel dabei sein. Die Neutralität und Fairness des ESC ist nach dem (für Israel sehr positiven) Ergebnis aus Basel von mehreren Nationen hinterfragt worden. Forderungen nach neuen Voting-Regeln und strengere Kontrollen wurden laut und schließlich erhört.
Ab 2026 treten also zahlreiche neue Regeln in Kraft. Dies scheint manchen TV-Sendern in Europa aber nicht auszureichen. Ganz besonders unwahrscheinlich ist inzwischen die ESC-Teilnahme von Slowenien. Kurz nach der Verkündung der überarbeiteten Regeln berichteten slowenische Medien, dass lediglich ein Israel-Verbot zur Teilnahme des Landes führen könne.
Natalija Gorščak, Vorstand des slowenischen Fernsehens RTVSLO, hat sich unbeeindruckt zu den neuen ESC-Regularien geäußert: „Es wäre vernünftiger, wenn die EBU Israel dieses Jahr ausschließen würde.“ So könne man die politische Spannung aus dem Wettbewerb nehmen, so Gorščak. Inzwischen deutet der Entwurf des RTVSLO-Programmplans 2026 sogar darauf hin, dass eine Übertragung des ESC aus Wien nicht vorgesehen ist! Widersprüchlich könnte dabei gesehen werden, dass in besagtem Programmplan die Übertragung der Olympischen Winterspiele vorgesehen ist – an denen auch israelische Athleten teilnehmen sollen.
Wenig Zuversicht gibt es zudem in Irland. Auch den Sender RTÉ scheint lediglich ein ESC-Teilnahmeverbot für den israelischen Rundfunk KAN überzeugen zu können, um selbst in Wien dabei zu sein. Dies bestätigte der Sender schon im September und auch die Verkündung der neuen Regeln scheint nicht allzu viel bewirkt zu haben. Auf diese angesprochen, heißt es von einem RTÉ-Pressesprecher nur: „Die Ereignisse im Nahen Osten entwickeln sich offensichtlich von Tag zu Tag.“ Man wolle die finale Israel-Entscheidung der EBU abwarten.
Etwas zuversichtlicher sieht es da schon beim Sender RÚV aus Island aus. Laut dem dortigen Generaldirektor Stefán Eiríksson seien die Bemühungen der EBU in Form der neuen Regeln ein „Schritt in die richtige Richtung“. Man werde sich weiter mit anderen Sendern aus Nordeuropa besprechen und noch vor (!) der EBU-Generalversammlung eine Entscheidung über die ESC-Teilnahme in Wien treffen wollen, heißt es.
Auch andere TV-Sender zeigen sich mit den neuen ESC-Regeln zufrieden. Sowohl die beiden Rundfunkanstalten aus Belgien, VRT und RTBF, als auch AVROTROS aus den Niederlanden wollen die EBU-Generalversammlung im Dezember abwarten und begrüßen die angestrebten Änderungen der EBU. Der niederländische Sender ließ im September noch verkünden, nur in Wien am Start zu sein, sollte Israel ausgeschlossen werden. Nun besteht möglicherweise doch wieder etwas Hoffnung bei AVROTROS.
Besonders entscheidend wird dieser Donnerstag für Spanien sein. Dann kommt der gemeinsame Ausschuss von Kongress und Senat zusammen, der für die Aufsicht über den spanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTVE zuständig ist. Die RTVE-Führung in Person von José Pablo López muss sich dabei Fragen verschiedener Politiker*innen stellen. Eine dieser Fragen wird sein, wie er zur potenziellen ESC-Teilnahme 2026 steht. Nach der Anhörung sollte offiziell klar sein, ob es in Wien zur spanischen Teilnahme kommt oder nicht.
Am 4. und 5. Dezember wird die EBU-Generalversammlung stattfinden, bei der über Israels Teilnahme am ESC 2026 „diskutiert“ wird. Die EBU bestätigte gegenüber dem schwedischen Fernsehen SVT inzwischen, dass es lediglich dann eine Abstimmung über Israel geben werde, sollten die EBU-Mitglieder mit den präsentierten Regeländerungen nicht einverstanden sein oder diese als „unzureichend“ einstufen. In Israel läuft unterdessen bereits die, für den ESC angedachte, Auswahlshow The Next Star 2026 (siehe oben).
Was sagst Du zur immer noch ungeklärten Situation rund um die Teilnehmerländer beim ESC 2026? Wird es viele Rückzüge geben und wie entscheidet sich die EBU? Lass uns gerne Deine Meinung da und achte dabei auf die Netiquette. Wir dulden keine beleidigenden, respektlosen oder hasserfüllten Nachrichten.
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