Ukraine: ESC-Siegerin Jamala wird musikalische Produzentin der nationalen Vorentscheidung Vidbir 2026

Jamala – Foto: Suspilne Media

Die Siegerin des Eurovision Song Contest 2016, Jamala (Aufmacherbild), übernimmt die musikalische Leitung für die ukrainische Vorentscheidung Vidbir 2026. Die Sängerin war in der Vergangenheit bereits sieben Mal Mitglied der professionellen Vidbir-Jury. Mit ihrer direkten und deutlichen Kommunikation hat sich dabei auch als Expertin für den ESC einen Namen gemacht. Für die ESC-Vorentscheidung im nächsten Jahr sucht Jamala nun Künstler*innen, „die bereit sind, sofort auf die Bühne zu treten und um den Sieg zu kämpfen.“

Die 42-jährige Jamala gewann 2016 den ESC in Stockholm mit dem Song „1944“, der das Schicksal der Krimtataren thematisiert. Seitdem hat die Sängerin ihre Position in der ukrainischen Kulturszene ständig gefestigt. Sie war bereits siebenmal Jurorin bei der nationalen ESC-Vorentscheidung Vidbir und wurde 2024 mit dem Schewtschenko-Nationalpreis geehert, der höchsten kulturellen Auszeichnung der Ukraine. Außerdem ist sie Mitglied der Recording Academy, die die GRAMMY Awards ausrichtet.

Damit ist Jamala sowohl national als auch international in der Kulturszene bestens vernetzt. Sie kennt Trends, Musikschaffende und Talente. Nicht zuletzt aufgrund ihres Erfolges beim ESC und ihrer langjährigen Mitarbeit in der Vorentscheid-Jury besitzt sie große Expertise und Vertrauen. Das gilt offenbar nicht nur in der Musikszene selbst, sondern auch beim Fernsehsender Suspilne, der in der Ukraine für den ESC zuständig ist und Jamala nun die Aufgabe der musikalischen Produzentin des Vorentscheids übertragen hat.

Damit hat die Sängerin nicht mehr nur ein Mitspracherecht, wer Vidbir gewinnt und die Ukraine beim ESC vertreten darf. Vielmehr ist sie aktiv und entscheidend an der Auswahl der Acts für die Vorentscheidung beteiligt. Zusammen mit einem Team wird sie sich jede eingereichte Bewerbung anhören und entscheiden, welche Beiträge für den Vorentscheid zugelassen werden. Dies sagt Jamal so auch im Presse-Statement, das zu ihrer Berufung veröffentlicht wurde:

„Für mich ist die Rolle des Musikproduzenten für die nationale Vorentscheidung sowohl eine neue Herausforderung als auch eine große Ehre. In der Jury zu sitzen ist eine Sache: Man wählt unter den Künstlern aus, die einem vorgestellt werden. Aber als Produzentin muss ich mir jede Einsendung anhören und gemeinsam mit dem Team die Teilnehmer auswählen, die dann vor Publikum im Fernsehen auftreten werden.

Seit meinem Sieg beim Eurovision Song Contest habe ich eine wichtige Lektion gelernt: Es gibt keine zufälligen Gewinner. Der Sieg hängt immer von der Bereitschaft, der Belastbarkeit und der Professionalität ab. Genau das möchte ich bei den zukünftigen Teilnehmern sehen. Dieser Wettbewerb ist eine intensive körperliche und emotionale Prüfung. Er bedeutet Dutzende von Proben, ständige Auftritte und das ständige Bewusstsein, dass man in jedem Moment sein Land repräsentiert.

Von der kommenden Saison erwarte ich Aufrichtigkeit und Stärke. Ich möchte Künstler sehen, die bereit sind, sofort auf die Bühne zu gehen und um den Sieg zu kämpfen. Die Bewerbungsfrist beginnt sehr bald – daher fordere ich alle auf, sich gründlich vorzubereiten und ihre Songs einzureichen.“

Die Ukraine ist seit Jahren eine der erfolgreichsten Nationen beim ESC. Die Siege 2004, 2016 und 2022 und zahlreiche Top-5-Platzierungen haben das Land zu einem musikalischen Schwergewicht im Wettbewerb gemacht. Mit Jamala als Produzentin könnte sich diese Erfolgsgeschichte fortsetzen. Ihr Gespür für starke Songs, ihre internationale Erfahrung und ihre klare Haltung lassen auf eine spannende Auswahl für Vidbir 2026 hoffen.

Auch im letzten Jahr lief es gut für die Ukraine beim ESC. Die Gruppe Ziferblat holte sich mit dem Beitrag „Bird of Pray“ im Halbfinale den ersten Platz. Im großen Finale reichte es dann mit 218 Punkten für den neunten Platz. Für den ukrainischen Vorentscheid 2025 hatte es 374 Einreichungen geben. Neben neun gesetzten Finalist*innen gab es mit FIЇNKA auch eine Wildcard. In der professionellen Jury saßen neben Jamala auch Serhiy Tanchynets und Kateryna Pavlenko.

Wie findest Du die Entscheidung des ukrainischen Fernsehens, Jamala zur musikalischen Produzentin von Vidbir 2026 zu machen? Welche Erwartungen hast Du an die Auswahl der Acts im Vergleich zu früheren Jahren? Und glaubst Du, dass die Ukraine auch in Wien an ihre ESC-Erfolge anschließen kann? Lass es uns in den Kommentaren wissen. 



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28 Comments
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Timo1986
Timo1986
7 Monate zuvor

Jamala entwickelt sich immer mehr zum weiblichen Christer Björkman aus der Ukraine

Matty
Matty
7 Monate zuvor

Herzlichen Glückwunsch

Last edited 7 Monate zuvor by Matty
Festivalknüller
Festivalknüller
7 Monate zuvor

Unvergesslich ihre Gretchenfrage als Juror an Maruv, ob die Krim zur Ukraine gehört.🫢

ESC Jul
ESC Jul
7 Monate zuvor

Hab tatsächlich letztens erst zum allerersten Mal den Song von Maruv gehört und finde es extrem schade, dass er es nie auf ESC-Bühne geschafft hat

Franny
Franny
7 Monate zuvor

Von mir aus. So lange sie nicht selbst auf der Bühne steht. Ich fand ihren Beitrag damals furchtbar. Unabhängig vom ernsten Thema konnte ich mit Song, Stimme und Performance absolut nix anfangen. War für mich sogar einer der schlimmsten ESC-Winner aller Zeiten. Dabei hat die Ukraine meist Acts nach meinem Geschmack.

Malge1985
Malge1985
7 Monate zuvor
Reply to  Franny

Ich konnte auch erst 2022 als sie beim deutschen Vorentscheid auftrat was anfangen. Vorher konnte ich wenig mit dem Lied was anfangen.

Alex John
Alex John
7 Monate zuvor
Reply to  Malge1985

Kommt davon, wenn man sich das Finale so ungern anschaut wie du.🫣

Malge1985
Malge1985
7 Monate zuvor
Reply to  Alex John

🤣 🤣 🤣 Treffer versenkt. Aber das habe ich damals geseheb. 😎

ESC1994
ESC1994
7 Monate zuvor
Reply to  Franny

Bin auch immer noch kein Fan des Beitrags. Abgesehen davon dass sie teilweise klingt als ob sie auf der Bühne in den Wehen liegt hat es dem ESC 2016 so eine aufgeheizte Note gegeben die es echt nicht gebraucht hätte.

Alex John
Alex John
7 Monate zuvor
Reply to  Franny

Ich war 2016 so enttäuscht, dass Sergej nicht gewonnen hat, aber gegen die Gewinner von 2017, 2021, 2024 und 2025 ist ‚1944‘ ein würdiger Siegersong.

ESC Jul
ESC Jul
7 Monate zuvor
Reply to  Alex John

Wenn ich mir alle Songs von 2016 anschaue, ist Sergej für mich der einzige Song, der nach Sieger klingt.

In meinem persönlichen Ranking ist er immerhin Platz 5.

Nils
Nils
7 Monate zuvor
Reply to  Franny

Finde ich überhaupt nicht. Klar hat der Song vor allem aufgrund des Themas und des Timings gewonnen. Aber der Trip-Hop-Beat war extrem cool und ist beim ESC leider bis heute einzigartig und die Schlüsselszene mit ihrem Klageschrei und dem in die Höhe wachsenden Baum war und ist ebenso herzergreifend wie ikonisch.

Außerdem stelle man sich mal vor, Sergey Lazarov hätte das mit diesem wirklich furchtbaren Song, der Mitte der Nuller schon brutal altmodisch gewesen wäre, gewonnen – und das so kurz nach der Annexion der Krim.

Das war schon alles gut, so wie es kam.

Last edited 7 Monate zuvor by Nils
ESC1994
ESC1994
7 Monate zuvor
Reply to  Nils

Na ja, ich fand es eher ohrenzermürbend.

Und nein, ich finde Sergey und seinen viel zu dramatischen Plastiksong auch furchtbar.

Nils
Nils
7 Monate zuvor
Reply to  ESC1994

Der einzige Kritikpunkt, den ich an dem Song habe, ist, wie lächerlich der englische Text klingt. „When strangers are coming / they come to your house / they kill you all / and say / ‚We’re not guilty‘ / ‚Not guilty’“. Das hätte man vielleicht doch besser an einen Native Speaker abgegeben.

4porcelli - Help the🦦 save his people United24
4porcelli - Help the🦦 save his people United24
7 Monate zuvor
Reply to  Nils

„Thunder and lightening it‘s getting exciting“ ist besser?

Böörti01
Böörti01
7 Monate zuvor

Wie offen Jamala bezüglich der musikstilistischen Ausrichtung des VE-Angebots ist?

Laurine
Laurine
7 Monate zuvor

Bin mega hyped auf Ukraine, ist eigentlich immer einer meiner Favoriten bzw in den Top 10
Können bestimmt wieder oben mitspielen, vielleicht sogar gewinnen.
Fand Zifferblatt auch toll und besonders, vor allem die Melodie am Anfang

Last edited 7 Monate zuvor by Laurine
Dennis_Duesseldorf
Dennis_Duesseldorf
7 Monate zuvor

Für mich klingt das vielversprechend! Ich erlebe Jamala als sehr ausdrucksstarke und vielfältige Künstlerin. Ihre aktuelle Nummer nebenan in den ESC-Family Charts finde ich sehr gut und sie scheint wirklich für den ESC zu brennen. Dazu trifft sie auf eine nach meinem Geschmack herausragend gute, junge, moderen und ebenfalls vielfältige Musikszene in der Ukraine – das hat schon Potenzial glaube ich! Ich find´s jedenfalls prima und wünsche Jamala ein gutes Händchen. 🍀💗

Momo
Momo
7 Monate zuvor

😍😍😍
Bitte lass das so gut werden, wie ich mir das gerade vorstelle!

RichardESC2013
RichardESC2013
7 Monate zuvor

„1944“ war 2016 sofort nach den ersten Hören, mein Favorit für den Sieg. So kraftvoll, düster und stilvoll zugleich.

Die Ukraine ist halt ein Powerhouse beim ESC, oft hochverdient vorne (2004, 2006, 2007, 2008, 2013, 2016, 2021 und 2024) und manchmal einfach übetschätzt.(2011, 2014, 2022, 2023, 2025)

Aber bitte nicht gewinnen, sonst wird es nervig.😆

Marko +++
Marko +++
7 Monate zuvor

Geständnis: Der Marko hatte, hat und wird eine Schwäche für starke Frauen haben.

Vielleicht inspiriert von Dune:

ag9
ag9
7 Monate zuvor
Reply to  Marko +++

Danke, das tolle Video (bis auf die unpassenden Privatvideosprengsel) und den tollen Song hab ich lange nicht gesehen und gehört.

Mein erster Kontakt mit Jamala war 2011, wo sie beim damaligen skandalumwitterten ukrainischen Vorentscheid Dritte wurde, auch wunderbar, aber noch in einem gaaanz anderen Style:

Marko +++
Marko +++
7 Monate zuvor
Reply to  ag9

Die ‚unpassende Privatvideosprengsel‘ gehören dazu.

Übersetzung:

Vom Arafat-Berg
Vom Berg,
Kommen die Pilger,
Kommen die Pilger.
In meinem Herzen enden die Schmerzen nicht,
Sorgen und Schmerzen,
Sorgen und Schmerzen.

Ich werde gehen, ich werde gehen,
Auf den Gipfel der Berge,
Auf den Gipfel der Berge.
Ich werde meinen Namen aufschreiben lassen, aufschreiben lassen,
Auf den Stein meines Grabes,
Auf den Stein meines Grabes.

Mehr von Jamala hier:
https://www.youtube.com/@jamalaofficial/playlists

Last edited 7 Monate zuvor by Marko +++
4porcelli - Help the🦦 save his people United24
4porcelli - Help the🦦 save his people United24
7 Monate zuvor

Also ich finde das gut. Unabhängig davon, dass die Ukraine allgemein keine Probleme mit der musikalischen Qualität hat, ist Jamala‘s Musik sehr kreativ und sie ist charakterstark. War 2016 zunächst nicht mein Favorit (das war Dami Im) aber sehr emotional packend.

Jorge
Jorge
7 Monate zuvor

Damit wird der Redeanteil der Jury in der Show noch weiter steigen!

Matty
Matty
7 Monate zuvor

Ab heute dürfen Wettbewerbstitel für den Vorentscheid Vidbir eingereicht werden:

https://eurovoix.com/2025/09/03/ukraine-submission-window-for-vidbir-2026-opens/

Die Bewerbungszeit endet am 27.10.2025. Anschließend wird eine Auswahlliste mit 15 Künstlern veröffentlicht und nach dem Vorsingen qualifizieren sich neun für den Vorentscheid. Die sechs Künstler, die es nicht geschafft haben, ermitteln in einer Abstimmung den zehnten Startplatz.

Last edited 7 Monate zuvor by Matty
Häsle
Häsle
7 Monate zuvor
Reply to  Matty

Darüber hinaus sind Personen, die nach dem 24. Februar 2022 in Belarus öffentlich aufgetreten sind und nach dem genannten Datum unter Verstoß gegen ukrainisches Recht nach Belarus reisen, gemäß den Vorschriften nicht mehr zulässig (mit Ausnahme der Evakuierung).

Matty
Matty
7 Monate zuvor

German Nenov wird der Kreativdirektor für den nationalen ESC-Vorentscheid Vidbir:

https://eurovoix.com/2025/09/09/ukraine-german-nenov-creative-director-for-vidbir-2026/

Viel Erfolg!