
In der aktuellen Folge des Podcasts ESC Nerds spricht Laura Nahr über ihre Teilnahme am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2026. In dem Interview kommen einige Hintergrundinformationen bezüglich der Planung rund um Lauras Inszenierung zu ihrem Song „Wonderland“ ans Licht. Die Sängerin erzählt, warum sie plötzlich ganz alleine auf der Bühne stand, wie die Kommunikation mit dem SWR verlief und wie sie sich ihr Stage-Design eigentlich vorgestellt hatte.
Laura Nahr war eine von neun Kandidat*innen bei Das Deutsche Finale 2026. In der Show wurden drei der neun Kandidat*innen von einer Jury in ein Superfinale gewählt. Das Publikum konnte dann aus den drei ausgewählten Beiträgen den deutschen Act für den kommenden ESC in Wien wählen. Mit ihrem Lied „Wonderland“ hatte es Laura nicht unter die drei Acts geschafft, die ins Superfinale gekommen sind.
Besonders auffällig an Lauras Auftritt war, dass sie ganz alleine auf der Bühne stand. Weder Tänzer*innen, noch Requisiten, noch eine ausgeklügelte Licht-Show wurden Laura für ihren Auftritt bereitgestellt. Darüber, dass das eigentlich ganz anders geplant war, spricht Laura in der kürzlich auf Spotify erschienenen Podcast-Folge „Backstage mit Laura Nahr“ des Podcast ESC Nerds. In dem Gespräch mit den Podcastern Chris und Papa Basti geht die 25-Jährige darauf ein, wie es für sie rückblickend war, am deutschen Vorentscheid teilzunehmen und welche Probleme es bei der Zusammenarbeit mit dem SWR gab.
Zunächst sprechen die beiden Podcaster mit Laura über ihre Biografie. Sie quatschen darüber, dass die Sängerin in Magdeburg aufgewachsen ist und künstlerisch durch mehrere Jahre in London geprägt wurde. Sie reden auch darüber, dass Laura in London nach dem Vorentscheid einen spontanen Urlaub gemacht hat. Schließlich kommen die drei zum Hauptthema der Podcast-Folge und Laura berichtet von ihrem Erlebnis als Teilnehmerin des deutschen ESC-Vorentscheids:
„Es war eine richtig tolle Erfahrung, das alles mitzunehmen, also auch hinter die Kulissen zu gucken. Und ich glaube, wäre ich jetzt mehr zufrieden mit meinem eigenen Auftritt oder wären jetzt alle Leute so gewesen ‚Oh mein Gott Laura, du warst so toll, und wir verstehen überhaupt gar nicht, wieso du nicht genommen wurdest‘, dann würde ich wahrscheinlich sagen ‚Let`s Go, wir machen das nächstes Jahr noch einmal.‘ Aber weil jetzt eher das Gegenteil der Fall war, würde ich mich in der nächsten Zeit nicht nochmal bewerben, vielleicht in zehn Jahren nochmal oder so.“
Kurz darauf geht es schon um die Show, die bei Das Deutsche Finale 2026 geboten wurde. Papa Basti und Chris erfragen, wie das mit dem Budget für das Staging der neun Kandidat*innen aussah. Dazu sagt Laura:
„Also, man hat zum Beispiel alles, was man so drumherum gemacht hat, also Outfit oder hätte ich eine Stylistin oder jemanden für Make Up oder für die Haare engagiert, das hätte ich, beziehungsweise mein Label übernehmen müssen. Das hat bei mir das Label dann auch übernommen. Und beim Staging gab es theoretisch einen Topf vorgegeben, aber es gab jetzt keine bestimmte Summe oder so. Aber ich bin mir da auch nicht so sicher. Also ich kann mir vorstellen, dass bei größeren Inszenierungen, wie bei Sarah mit dem Feuer, dass ihr Label das vielleicht selber übernehmen musste.“
Darauf folgend fängt Laura an, zu berichten, wie die Planung des Stagings in ihrem konkreten Fall ausgesehen hat:
„Wir hatten schon bei dem Medientag im Dezember ein erstes Gespräch, wo wir dann darüber geredet haben, was wir uns auf der Bühne vorstellen könnten und was nicht. Und ich habe eigentlich gesagt, dass ich immer mit meiner Gitarre oder meinem Klavier auf der Bühne stehe, und ich würde es gerne dieses Mal nicht machen. Aber ich weiß auch, ich bin nicht so confident mit nur einem Mikrofon auf der Bühne, weil ich mich normalerweise sonst nicht auf der Bühne bewege und ich hätte gerne Leute auf der Bühne und hätte gerne super viele Props auf der Bühne und will eigentlich, dass was passiert, damit ich nicht so ganz lost einfach alleine nur da stehe. Und dann hat auch das ganze Staging Team auch agreed und gesagt, dass sich für den Song so eine Storyline mega anbietet.“
Sie fährt sie fort:
„Und dann, eineinhalb Monate später, hatten wir dann nochmal einen Call. Und leider ist diese Props- und Tänzersache nicht so richtig angekommen, glaube ich. Dann haben wir noch mehrmals versucht, das ein bisschen weiterzuentwickeln. Im Enteffekt wollte ich eigentlich so einen Vintage-Zirkus-Vibe auf der Bühne haben. Im Endeffekt haben wir, glaube ich, alle ein bisschen aneinander vorbei geredet. Und ich habe, glaube ich, auch den Fehler gemacht, dass ich gesagt habe, die anderen sind die Profis, idealerweise können die mir sagen was mit Licht, Nebel und Kamera-Angle alles geht.
Weil mein Label ist ja auch ein kleines Indie-Label, von uns hat das noch nie jemand gemacht. Und das war der Fehler, dass wir gesagt haben: ‚Ihr seid die Profis.‘ Ich habe zwar diese Vintage-Zirkus Ideen von Pinterest rübergesendet, aber irgendwie haben wir, glaube ich, ein bisschen aneinander vorbeigeredet.“
Mit einem ironischen Lachen fügt sie hinzu: „Und dann hatte ich am Ende einfach gar nichts.“ Die beiden Podcaster äußern ihr Unverständnis über die Inszenierung von Laura und merken an, dass sie sich bei der Inszenierung sogar gefragt haben, ob Laura mit einer zuständigen Person vom SWR vielleicht Streit gehabt hätte.
„Also, ich habe mich eigentlich mit allen gut verstanden“, entgegnet darauf Laura lachend, „also, ich glaube, daran lag es auf jeden Fall nicht.“
Chris hakt nach und erkundigt sich, ob Laura erst nach der Show mit ihrer Inszenierung unzufrieden war oder schon während den Proben gemerkt hat, dass sie sich mit ihrem Staging nicht wohl fühlt. Daraufhin führt Laura aus:
„Ich glaube, bei allen war das so, dass das Bühnenbild in der Woche davor noch nicht ganz feststand. Und ich habe die ganze Zeit ein bisschen darauf gewartet und mich gefragt, wie es jetzt wird. Ich habe ja auch darauf gewartet, wie ich dann mein Outfit darauf abstimme. Bis wir dann in der Woche davor noch einmal einen Update-Call hatten, stand auch die ganze Zeit immer noch dieser Vintage-Zirkus-Vibe zur Debatte. Und dann wurde das in diesem Call leider über den Haufen geworfen und mir wurde gesagt, dass wir das nicht machen können, weil das alles zu viel durcheinander ist. Ich habe dann bestimmt noch vier oder fünf Mal versucht, meinen Vintage-Zirkus auf die Bühne zu bringen, deshalb hatte ich am Ende auch das Podest mit der Spirale.
Dann bin ich zu der Probe gesteppt und hatte das Podest und den coolen LED-Hintergrund. Da dachte ich, dass es ein bisschen sad ist, dass ich jetzt alleine auf der Bühne stehe, aber dachte im Fernsehen wird das safe cool aussehen, weil dann noch der Plan war, dass noch Wind dazu kommen soll und ein bisschen Nebel und dass wir mit coolen Kamera-Perspektiven drehen. Aber bei der Kamera-Probe ist das dann irgendwie auch nicht passiert und dann war ich ein bisschen enttäuscht, weil ich gehofft habe, dass das am Ende sick aussieht.“
Weiter fügt sie hinzu: „Aber abgesehen davon bin ich auch einfach mit meinem Gesang nicht zufrieden.“
Als die Show vorbei war und Laura die ersten Kommentare unter dem Video zu ihrer Performance bekommen hat, hat es sie vor allem traurig gestimmt, dass auch die Leute wahrgenommen haben, dass ihr Auftritt als einzige Performance keine großartige Inszenierung bekommen hat: „Dann war ich schon sehr sad darüber, weil ich dann gemerkt habe, dass es anscheinend die einzige Performance ist, die komplett rausgefallen ist“, erinnert sich die Sängerin.
Papa Basti hakt noch einmal nach und fragt, ob Laura sich wirklich nicht vorstellen kann, noch einmal am Vorentscheid teilzunehmen und merkt an, dass die Sängerin jetzt schließlich noch eine Rechnung mit dem ESC offen hätte. „Ja wir gucken mal“, antwortet die 25-Jährige. „Ich bin ja immer noch großer ESC-Fan und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ist halt blöd, dass die erste Learning-Erfahrung so groß war, aber jetzt weiß ich, wie ich mich besser drauf vorbereite.“
Was sagst Du zu dem, was Laura von den Abläufen hinter den Kulissen berichtet? Kannst Du Dir erklären, warum Laura am Ende so gut wie kein Staging bekommen hat? Schreib uns Deine Gedanken zu der Thematik gerne in die Kommentare.
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