
Bulgarien hat den Eurovision Song Contest 2026 gewonnen. DARA begeisterte mit ihrem „Bangaranga“ sowohl die Jurys als auch die Zuschauer*innen in ganz Europa und Australien. Dieser Konsens ist für einen ESC-Sieg nahezu zwingend notwendig. Viele andere Beiträge polarisierten dagegen in diesem Jahr stark und verpassten dadurch die Chance, ganz vorne mitzuspielen. Wieder andere Acts wie der deutsche oder britische Beitrag waren hingegen praktisch unsichtbar. In einer ersten Analyse des ESC-Finalergebnisses blicken wir auf Strukturen und Auffälligkeiten – und ziehen erste Schlussfolgerungen.
Bulgarien hat den Eurovision Song Contest 2026 nicht dank eines einzelnen Votingblocks gewonnen, sondern durch breite Zustimmung in ganz Europa – sowohl bei den Jurys als auch im Televoting. Aus jedem einzelnen Land kamen Zuschauerpunkte, und zwar fast durchgängig hohe Wertungen. Die vier Punkte aus der Ukraine und fünf Punkte aus Italien waren dabei bereits die Ausreißer nach unten. Insgesamt gab es im Televoting zehnmal die Höchstwertung. Bei den Jurys gingen die Wertungen zwar etwas weiter auseinander, aber nur vier Jurys – aus der Ukraine, Portugal, Finnland und Österreich – vergaben keinen einzigen Punkt an Bulgarien.
Selbstverständlich ist ein derart großer Zuspruch bei Jurys und Publikum keineswegs. Das zeigt schon ein Blick auf die Top 5. Israel kam in diesem Jahr erstaunlich gut bei den Jurys an und erhielt dort 123 Punkte, während das Publikum mit 220 Punkten fast doppelt so viele Zähler vergab. Im vergangenen Jahr hatte Israel das Televoting mit 297 Punkten sogar gewonnen. Möglicherweise hat die Beschränkung auf zehn statt zwanzig Votes pro Land und Endgerät hier tatsächlich Wirkung gezeigt. In sechs Ländern – darunter auch Deutschland – gab es dennoch die Höchstwertung im Televoting.
Rumänien konnte zwar auch bei den Jurys punkten (64), landete am Ende aber vor allem deshalb auf Platz drei, weil „Choke Me“ beim Publikum extrem gut funktionierte und dort 232 Punkte holte. Der einzige Televoting-12er kam dabei aus Moldau – ein erster Fingerzeig Richtung Nachbarschaftsvoting (siehe unten). Australien wiederum galt laut Wettbüros als großer Favorit auf den Sieg bei den Jurys. Tatsächlich musste sich Delta Goodrem mit „Eclipse“ aber DARA aus Bulgarien geschlagen geben. Im Televoting kam der Beitrag zwar gut, aber nicht überragend an. Italien erwies sich einmal mehr als beliebter Allrounder bei Jury (134 Punkte) und Publikum (147), die den Beitrag fast identisch bewerteten. Das Land scheint eine Art ESC-Formel gefunden zu haben: genug musikalischer Anspruch für die Jurys, gleichzeitig aber ausreichend Emotionalität und Zugänglichkeit für die Zuschauer*innen.
Ein Wort an dieser Stelle noch zu Finnland: Die großen Favoriten wurden am Ende „nur“ Sechste. Dabei erreichten Linda Lampenius und Pete Parkkonen ein fast perfekt ausgeglichenes Ergebnis bei Jury (141 Punkte) und Publikum (138) – nur war dieses insgesamt nicht stark genug, um ganz vorne mitzuspielen. Möglicherweise blieb die Aussage der Performance doch zu unklar.
Damit kommen wir zu den größten Diskrepanzen zwischen Jury- und Televoting. Frankreich etwa bekam starke 144 Jury-Punkte – aber gerade einmal 14 Punkte vom Publikum. Kaum ein Song wurde also von den Jurys so respektiert und von den Zuschauer*innen gleichzeitig so ignoriert. Ähnlich lief es für Polen – und das trotz eigentlich starker Diaspora –, Tschechien und Norwegen. Diese Beiträge hatten etwas gemeinsam: Sie waren technisch stark oder professionell produziert, konnten aber offenbar emotional kaum Verbindung zum Publikum aufbauen.
Auf der anderen Seite standen Songs wie die aus Rumänien oder Moldau. Rumänien holte massive 232 Punkte im Televoting, aber nur 64 bei den Jurys. Moldau kam sogar auf 183 Publikumspunkte bei lediglich 43 Jury-Punkten. Genau solche Beiträge zeigen, wie stark Zuschauer*innen auf auffällige Performances, klare Identitäten und erinnerbare Momente reagieren. Den Jurys mag das zu plump erscheinen oder qualitativ nicht hochwertig genug in Komposition und Interpretation.
Während die bisher genannten Beiträge entweder bei den Jurys oder beim Publikum besonders gut ankamen, gab es natürlich auch Songs, die nirgends richtig punkten konnten – so wie Deutschland mit zwölf Jury-Punkten und null Punkten im Televoting. Noch weniger zimperlich gingen Jurys und Publikum mit dem Vereinigten Königreich um, das insgesamt nur einen einzigen Punkt von den Jurys erhielt. Auch Österreich entging der Null-Punkte-Blamage im Televoting nur knapp: Cosmó bekam im Televoting ausschließlich fünf Punkte aus Deutschland.
Tatsächlich könnte man übrigens Lion Ceccah aus Litauen auch als Null-Punkte-Kandidaten sehen. Schon seine 10 Punkte bei den Jurys waren nicht viel. Das einzige Land, aus dem er Televoting-Zähler erhielt, war vom Nachbarn Lettland. Da kam dann aber auch gleich die Höchstwertung mit 12 Punkten. Bei allen anderen Votings ging er leer aus.
Interessant ist dabei auch der Fall Belgien. Auch ESSYLA erhielt im Televoting keinen einzigen Punkt. Allerdings hatten die Jurys dem Beitrag zuvor immerhin 36 Punkte gegeben. Dort verfing die kühle und subtile Arthouse-Inszenierung zumindest teilweise. Vom Publikum wurde sie offenbar genau deshalb nicht gewählt.
Nicht nur Österreich wurde durch Nachbarschaftsvoting vor der Null bewahrt. Auch andere Länder profitierten sichtbar davon – und das nicht nur im Televoting. Tatsächlich stellt sich die Frage, welchen Zweck die Jurys noch erfüllen sollen, wenn sie ihre Höchstwertungen teilweise genauso erwartbar an Nachbarländer vergeben wie das Publikum. Beispiele dafür lieferten erneut Zypern und Griechenland, aber auch die gegenseitigen Wertungen im ehemaligen jugoslawischen Raum (Serbien-Kroatien-Montenegro) oder zwischen Norwegen und Dänemark.
Gleichzeitig zeigten sich an manchen Stellen in diesem Jahr auch deutliche Risse – vor allem in Skandinavien. Besonders auffällig war dabei Schweden. Nur 35 Jury- und 16 Publikumspunkte sind für ESC-Verhältnisse beinahe ein Absturz. Selbst aus dem nordischen Raum kam vergleichsweise wenig Unterstützung. Das dürfte Diskussionen auslösen – auch mit Blick auf den schwedischen Vorentscheid Melodifestivalen und die Frage, ob Europa inzwischen kritischer auf den lange dominierenden „schwedischen ESC-Sound“ reagiert.
Ein weiterer auffälliger Votingraum bestand zwischen Rumänien, Moldau und der Ukraine – womöglich mit Bulgarien als zusätzlichem Faktor. Gemeinsame Sprache, Migrationserfahrungen und die Auswirkungen des Krieges sorgen hier offenbar weiterhin für gegenseitige Sympathien. Gleichzeitig befanden sich in diesem Raum auch mehrere ESC-Rückkehrer, die am Ende weit vorne landeten. Möglicherweise hat die EBU auch den starken Beiträgen aus diesen Ländern zu verdanken, dass nun nicht die Diskussion geführt werden muss, ob der ESC im kommenden Jahr in Israel stattfindet.
Auch wenn diese erste Analyse noch nicht jeden Aspekt bis ins Detail beleuchten kann, bestätigt sie doch Entwicklungen der vergangenen Jahre, die sich gerade auch Deutschland zu Herzen nehmen sollte: Mittelmaß wird beim ESC härter bestraft als Polarisierung. Viele der erfolgreichsten Songs waren auffällig, emotional, identitätsstark oder maximal erinnerbar. Beiträge dagegen, die weder musikalisch noch performativ klare Akzente setzen konnten, verschwanden oft komplett aus dem Bewusstsein von Jurys und Publikum.
Welche Voting-Ergebnisse haben Dich am meisten überrascht? Hast Du das Gefühl, dass Jury und Publikum beim ESC inzwischen immer weiter auseinanderdriften? Und welche Songs wurden zu Unrecht übersehen? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.
Über das Ergebnis des Finales des Eurovision Song Contest 2026 sprechen wir heute ausführlich um 14:00 Uhr in unserem ESC kompakt LIVE.
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Herzlichen Dank für die Infos.
Du klingst inzwischen manchmal wie jajalive in deutscher Sprache … 😉
Sein Autovervollständigen liefert bei eintippen von „Her …“ gleich den kompletten Satz!
Geh mal an die frische Luft
Im Zentrum des Artikels steht eine Analyse, keine Info.
Bulgarien hatte einfach die Beste Show und den besten Song. So ein verdienter Sieg. Ich freue mich dermaßen für Bulgarien. 🔥🇧🇬
Meine Top nach der Show
01.Bulgarien🇧🇬
02.Rumänien🇷🇴
03.Finnland🇫🇮
04.Australien🇦🇺
05.Dänemark🇩🇰
06.Albanien🇦🇱
07.Kroatien🇭🇷
Leider hat Liekinheitin nicht überzeugt, wäre auch ein Rückschritt für den ESC.
Endewegs wurden wir Fans eines besseren belehrt, da alle Favoriten abgestraft wurden sind. (Finnland, Frankreich, Dänemark und Griechenland)
Bulgarien hat einfach verdient gewonnen. 😁
deutschland wurde nicht übersehen,hatte aber auch pech,weil es im genre eine bulgarische explosion gab und zwar fast ohne vorwarnung in den letzten 12 stunden vor’m finale – das kann man dann auch pech nennen,weil das sicher ein paar punkte gekostet hat aber so ganz viel mehr mehr wären es dann m.e. auch nicht geworden.
im zentrum der kritik stand immer der song und genau da liegt der hase im pfeffer begraben.
Ja, der Song. Aber nicht nur.
Wenn ich da die beiden Performances/Choreos vergleiche…. da liegen Welten an Kreativität und Indivudalität zwischen Deutschland und Bulgarien.
Hab ja schon ein paal mal erwähnt, wie genial ich diese Theater-Stuhlkreis-Session fand.
Vorhin hat ja jemand die deutschen Televotingergebnisse aus den teilnehmenden Ländern gepostet. Da war Schland fast überall jenseits von Platz 20. Ich denke, dass das auch ohne Bulgarien nix geworden wäre.
Das war ich mein lieber Toggie. 😉
Aber ich kann sie gerne nochmal hier reinkopieren.
Platz 25: Estland, Lettland, Montenegro, Rest der Welt
Platz 24: Australien, Tschechien, Finnland, Litauen, San Marino,Schweden
Platz 23: Dänemark, Polen, Ukraine
Platz 22: Aserbaidschan, Belgien, Frankreich, Norwegen, Portugal, UK
Platz 21: Zypern, Malta, Moldau, Rumänien
…
Platz 19: Armenien, Bulgarien, Kroatien, Serbien
Platz 18: Griechenland
Platz 17: Albanien
…
Platz 15: Israel, Italien
…
Platz 13: Österreich, Schweiz
…
Platz 11: Luxemburg
Fett gedruckt bedeutet letzter Platz.
Ich finde das mit Finnland sehr schade . Die Kameraführung war nicht optimal . man hätte wohl diesen Beichtstuhl weglassen sollen .
Hätten Pete und Linda mehr miteinander agiert , wäre eine bessere Platzierung rausgekommen .
Schade vor allem das Finnland nur um 2 Punkte an der Top 5 gescheitert ist .
Italien hat meiner Meinung nach die Top 5 Nicht so verdient wie sie .
Es war ja nicht nur der Beichtstuhl, es gab auch Feuer und Blut an Petes Händen. Das Staging war quasi die katholische Variante von Bambie Thug.
Dabei ist Finnland protestantisch
Finnlands 2:30 Moment war der leere Beichtstuhl, der da vor sich hin brennt,
SWR: Polarisieren, gute Stimme, nur dann darf ein Song in den Vorentscheid, völlig egal, wer sich mit welchem Konzept bewirbt.
Und schnell sind wir in den tiefsten Abgründen zurück, die es während der NDR-Herrschaft auch schon lange Zeit gab. Sozusagen vom Regen in die Traufe.
Kurz und knapp:
Fast jedem deutschen ESC-Fan war es beim ersten Hören der deutschen VE-Beiträge schon klar: Das wird nix.
Und so ist es auch gekommen.
Word!
Ich denke, dass der Sieg Bulgariens und die enttäuschenden Ergebnisse der Tante-Gertrud-Nummern aus Australien und Finnland dem ESC guttun werden. Willkommen im 21. Jahrhundert! Nun besteht die Chance, über den Siegertitel ein junges Publikum, das bislang ESC-fern war, zu erreichen. Diese Chance hätte es bei einem australischen oder finnischen Sieg nicht gegeben.
Mögliches Szenario für 2027: Fast alle senden laute, auffällige und schnell geschnittene Nummern … und dann kommt ein neuer Sobral um die Ecke und gewinnt das Ding. Das Schöne am ESC ist ja seine Unberechenbarkeit. ☺️
Das Nachbarschaftsvoting vieler Jurys war hochnotpeinlich und zum Fremdschämen. Wenn die EBU das nicht in den Griff bekommt, bin ich dafür, die Jurys komplett abzuschaffen. In die Jurys gehören entweder Menschen, die die Musik bewerten und einen musikalischen Horizont haben, der über die eigene Popkultur und jene der Nachbarländer herausgeht … oder es gehört eben gar niemand in die Jurys.
Danke, Toggie! Sehr schön. 🙂
Und mit den Verantwortlichen bei RAI muss dringend mal jemand vor die Tür gehen. 😎💪 Es ist Jahr für Jahr das selbe Spiel: Die 12 Punkte gehen an einen vollkommen chancenlosen Beitrag. Das riecht doch verdächtig nach Strategie.
Wobei Platz 4 jetzt an sich kein schlechtes Ergebnis ist, genauso wie Finnland. Aber ich weiß worauf du hinaus willst.
„Ich denke, dass der Sieg Bulgariens und die enttäuschenden Ergebnisse der Tante-Gertrud-Nummern aus Australien und Finnland dem ESC guttun werden.“
👍
–
der ESC hat noch mal die kurve gekriegt.
wenn die jurys aber ihren job anständig und fair gemacht hätten dann wäre das ein kopf an kopf rennen zwischen bulgarien und rumänien geworden.
die bingojurys haben insgesamt also inkl. semis viel mist gebaut.
lettland war nun wirklich keine trittbrettfahrernummer und wurde eiskalt versenkt – die trittbrettfahrerjuryanschmiegnummern wurden dagegen üppigst mit punkten belohnt.
beim finaltelevoting gab es dann die quittung.
Na ja, Lettland ist aber auch beim Publikum durchgefallen.
anders als semi 1 war semi 2 knüppelhart – die jurys hätten ähnliche punkte wie für litauen in semi 1 geben können aber das haben sie leider nicht getan.
ich sträube mich bei dem gedanken,daß alika ohne jurys das finale geschafft hat und atvara hatte rein gar keine chance selbst mit jurys – das ist für mich bizarr.
die jurys mochten bei den sanften songs weder ukraine noch lettland und beim härteren rock = serbien und rumänien haben die sich auch einen schlanken fuß gemacht.
die jurys wollten lieber bling-bling (ja,auch und gerade bulgarien) und leistungssingen.
das klare scheitern von lettland macht es in zukunft schon schwierig trittbrettfahrerfreie balladen zum wettbewerb zu schicken.
bei z.b. blanca paloma haben die jurys immerhin noch die irre hohe qualität des songs erkannt,auch wenn das werk dann im finale beim publikum durchfiel aber diese jury von damals hätte möglicherweise atvara mehr schützenhilfe gegeben – dito die alika jurys.
Stimme dir da in allen Punkten zu.
Du weißt aber, daß es im Finale ohne die Juries ziemlich langweilg gewesen wäre
.
Lieber langweilig als nicht fair …
also „ohne schweden fahren wir zum finale“ hätte ich jetzt überhaupt nicht langweilig gefunden. 😺
Ich mag zwar Delta Goodrem und ihren Titel „Eclipse“ sehr. Aber Deinen „Tante-Getrud-Vergleich“ feiere ich und hätte mich vor Lachen fast an einem Stück Streuselkuchen verschluckt. Tatsächlich gebe ich Dir Recht, dass durch Daras Titel die Chance besteht, ein junges Publikum, das bislang ESC-fern war, zu erreichen. Und ich stimme Dir auch zu, dass die die Zusammensetzung der Fachjuries dringend überdacht werden muss. Eigentlich sollten sie als Gegenpol zum Publikumsvoting dafür sorgen, Nachbarschafts- und Diasporaeffekte auszugleichen sowie Fanmobilisierung und Social-Media-Kampagnen entgegenzuwirken. Allerdings bleibt unklar, warum genau bestimmte Personen ausgewählt wurden und welche konkreten Kriterien (z. B. Erfahrung, Genrekompetenz) für deren Berufung wirklich ausschlaggebend sind.
Ein Sieg, mit dem niemand wirklich gerechnet hatte, weil monatelang Finnland bei den Wettbüros ganz oben stand. Bulgarien hat verdient gewonnen, moderner Song, top auf die Bühne gebracht und endlich wieder ein Land, was den ESC noch nie gewonnen hat.
Die Null Punkte für das UK waren eigentlich mit Ansage, Deutschland nachher genauso. Wir wurden überhaupt nicht übersehen, beim Schnelldurchlauf hat man erst richtig wahrgenommen, wie schlecht unser Song eigentlich war. Immer wenn Deutschland im Schnelldurchlauf kam dachte ich, oh man, alle anderen sind einfach besser und zeitlich eher auf der Höhe. Es ist einfach so mühsam, weil der SWR genau die gleichen Fehler macht wie der NDR und eine Besserung ist nach dem Statement auch nicht in Sicht.
Deutschland kann ESC einfach nicht, zumindest solange solche Amateure dafür verantwortlich sind.
Bin da voll bei dir. Diese konservative ESC-Denke hierzulande kriegt man aber wohl selbst jetzt nicht weg. Das sitzt tief.
Das Zitat passt ja in so ziemlich alle Bereiche Deutschlands. Mit „zeitlich auf der Höhe“ hat es ein großer Teil unserer Gesellschaft halt nicht so. Lieber an Altbewährtem festhalten, auch wenn es absolut keinen Grund mehr zum Festhalten gibt und man damit erfolglos ins Nirvana rudert.
Herzlichen Glückwunsch, Bulgarien, absolut verdient gewonnen!
Hallo Gaby. ☺️
Hallo, lieber togravus ceterum. Ich hoffe, es geht Dir gut.
Wo warst du denn die letzten Tage und Wochen?? Nicht nur ich habe dich sehr vermisst. 🙂
Hatte einiges zu tun, außerdem ging es mir mental und körperlich nicht ganz so gut. Versuche jetzt wieder regelmässiger zu posten.
Schön, dass es Dir jetzt wieder besser geht. Du wurdest wirklich vermisst.
Für Schweden hat sich gezeigt, dass die unter ein gewisses Level gar nicht fallen können, wenn da so extrem aus dem „scandinavian-friendly“ Nachbarschaftsraum gevotet wird.
Litauen hat einfach eine viel bessere Votingbasis als z.B. D/UK. Die haben über Jahre immer Diaspora und „Freundschaftsvotings“ eingesackt. Sein Abschneiden steht den 0 Punkten wirklich in nichts nach.
UK war angesichts des Auftritts schon der klarste Kandidat auf die rote Laterne. Eigentlich der sicherste Gewinn – hätte ich vorher wetten wollen!
Nicht ganz unwichtig: UK fehlten aber dieses Jahr die irischen Stimmen, Deutschland die niederländischen & spanischen Votes! Nicht dass diese hoch oder sicher gewesen wären, aber wären halt potenziell eher Kandidaten auf Punkte gewesen.
Das regionale Voting (auch bei Juries) war dieses Jahr wirklich extrem auffällig.
Na ja, Irland hat aber auch nicht immer Punkte an UK gegeben, ich sage nur 2021.
Nicht immer – deshalb auch der oft miese Platz für UK. Aber oft genug kam aus Irland Support.
Dieses Jahr hat Deutschland auch nichts aus der Schweiz bekommen – obwohl die zu den zuverlässigsten Punktelieferanten für Deutschland zählen (was eigentlich in so einer Votinganalyse genauer kritisch betrachtet werden sollte, warum das so eintreffen konnte). Der SWR residiert ja nun gleich nebenan. Und der NDR hatte zu Dänemark doch auch ein gutes Arbeitsverhältnis beim ESC.
Die 12 Televotingpunkte für Litauen kamen alle aus Lettland … 🤣
Eben, echt schräg. Wenn er dort Verwandtschaft und seinen Freundeskreis hat, kann das locker reichen. 🙂
Vielleicht gibt es ja auch eine lettische SciFi-TV-Serie mit so einem Silberkopf-Charakter. Man weiß es nicht.
atikin hätte sicher ein paar mehr punkte bekommen. 😭
hatte anfangs beim silbermann sogar die „hoffnung“ das litauen als mein letzter platz tipspieltip realität werden könnte aber dann kam die große nachbarwertung und aus die maus.
die indiekapelle (vize in litauen) hätte auch mehr punkte geholt,dessen bin ich mir sicher – die litauer waren komplett auf dem falschen dampfer unterwegs – selber schuld!
–
ob schweden jetzt mal die reissleine zieht?
schicken jemanden,der gesanglich überhaupt nicht wettbewerbsfähig ist,klatschen alles mit bum-bum sound zu und haben wohl gedacht,daß damit die top10 wieder sicher ist – tja…
Das komische ist: Frühere seiner ESC-Versuche konnten bei mir punkten. Dass er es ausgerechnet mit dieser Nummer zum ESC schafft, ist sehr tragisch.
Reissleine in Schweden? Vor dem ESC gab es doch weder bei Verantwortlichen noch bei Mello-Fans irgendeine Überlegung oder Kritik. Da war man sich doch sehr selbstsicher.
Dann noch dieser schräge Kriterienkatalog für eine Teilnahme – einzelne Songautoren haben doch null Chance an einer Teilnahme – will man das abschaffen? Und deren Votingsystem ist inzwischen auch schon so vermurkst, dass es kein Mensch mehr versteht.
der kühle typ im blauen stampelanzug hätte vielleicht doch noch ein paar mehr punkte abstauben können – der kann sogar singen.
Die Inszenierung war nicht zu toppen!
Das war ein mutiger, cooler und zeitgemäßer Beitrag, der allerdings
durch die Choreographie so dermaßen nach vorne geschossen kam,
und somit hochverdient gewonnen hat!
Dara hat allen gezeigt, dass auch Finnland und Australien eher angestaubt daherkamen.
Die Titelüberschrift könnte auch lauten:
Wie Deutschland verlor und Bulgarien übersehen wurde.😉
Wenn das Feuer schon vorher erloschen war – Deutschland beim ESC 2026
wär doch auch ganz nett gewesen.
Relatability ist der Schlüssel hier. Dara wurde als jung und hip eingestuft, Delta als „a bit Melania“ und „zu perfekt“. Beide haben ähnlichen Styling-Aufwand gehabt. Dito Noam, man sollte denken, dass er sich schnell die Lederjacke übergeworfen hat, um zum Kiosk zu gehen. Er hatte ein gebügeltes Hend mit Kragen, das geschickt kaschiert war, sonst wäre er als Start-Up Bro eingeordnet worden. Leute wollen chic aber gleichzeitig soll der Star erreichbar sein und „das würde ich auch so tragen.“
und wieder bestätigt sich: Die Jurys beurteilen nicht nur nach Stimme. Das ist einfach ein Trugschluss, der schon lange nicht mehr aktuell ist. Es geht um den Gesamteindruck, um Innovation. Die Jurys werden auch jünger und einfache Balladen oder Girlbop-Sounds aus den 2000ern ziehen da nicht mehr.
kleine Anekdote: Ich habe mit meinen Eltern (beide über 60 J) und meiner Oma (über 80 J) gestern ESC geschaut und alle drei haben nach Sarah’s Auftritt gesagt: „Das wird nichts“. Danach ist mir ein bisschen das Herz in die Hose gerutscht und ich ahnte Schlimmes für das Voting 😬 wenn der Song aus DE schon bei uns in verschiedensten Alterklassen so gar nicht ankommt, was erwarten wir dann vom Rest Europas 🥲😔
kaum zu glauben, dass wir mal das Land waren, das Acts wie Dschingis Khan oder Guildo Horn zum ESC geschickt hat – warum hatten wir vor Jahrzehnten mehr Mut als jetzt? 🥲
Bei uns ist Fire auch in allen Altersklassen durchgefallen.
Ist auch bei uns ( Altersspanne ab 20 bis Ü80 ) von niemandem positiv bewertet worden. Wobei alle anderen Beiträge durchaus kontrovers diskutiert wurden und Befürworter und Ablehnende fanden. Nur bei D waren sich wirklich alle einig. Das fand ich auch sehr auffällig.
Malta kam ja bei den Juries ganz gut weg
Im deutschen Vergleich (mit den letzten 10 Jahren) fand ich unser Paket aus Song, Künstlerin und Staging sehr gut. Es war professionell und es ist was auf der Bühne passiert.
Im europäischen Vergleich war das Hausmannskost, die seit 10 Jahren bekannt ist. Die Zeiten sind vorbei. Dieses Paket kam zu spät.
Vielen Dank DP für diese sehr gute Analyse.
Ich stimme da in vielem zu.
Es ist ja tatsächlich so, dass sich weder Deutschland, auch Österreich, UK und Belgien mit ihren Beiträgen verstecken müssen. Aber es braucht halt diesen Wow-Effekt.
Ich bin ja mit der Song-Qualität des Jahrgangs sehr kritisch umgegangen und es gab auch nicht DEN Song, den ich zu 100 % unterstützen konnte. Was die Bühen-Inszenierungen angeht war dieser Jahrgang aber extrem gut und so hatte ich doch noch einiges an WOWs an den drei Abenden erlebt.
Hier liegt dann wohl auch der Schlüssel. Wenn du einen massentauglichen Popsong wie dem von Delta im Koffer hast, brauchst du auch eine bombastische Inszenierung, damit es nicht, wie sonst häufig bei australischen Beiträgen nur reines Juryfutter ist. Genauso benötigte DARA diese tolle bahnbrechende Bühnenshow um auch beim betagteren Publikum (wie bei mir) punkten zu können.
Ein 08/15-Song mit einer zwar sehr sympathischen und engagierten Künstlerin reichen dann nicht aus, wenn man nur die Dancemoves der vergangenen 10 Jahre kopiert und ein bisschen Feuer in die Luft bläst.
Ich hoffe, dass der SWR kapiert, dass man man mit einer Songauswahl, die nur auf das Radiopublikum abzielt und mit Inszenierungen, die an Schulaufführungen erinnern (hier meine ich nicht Sarah!), niemals aus dem Tabellenkeller aufsteigen kann. Etwas mehr Mut bei der Beitragswahl, Angebote an gute charismatische Künstler und bitte mit der Planung für den nächsten Vorentscheid bitte JETZT beginnen. Macht San Marino übrigens auch, die überraschenderweise mit als erstes nun die Teilnahme 2027 zugesagt haben (neben Finnland, Dänemark und natürlich Bulgarien).
Die typischen Ländervotings wie Zypern und Griechenland, die nordischen Länder und Balkanländer haben mich nicht so überrascht. Teilweise konnte man schon vor dem Aussprechen des Landes der Sprecher oder der Sprecherin erahnen welches Land kommt. Bulgarien war definitv ein Land, mit dem die Mehrheit glaube ich nicht als Sieger gerechnet hat, am Ende aber beide Votings für sich holen konnten und das freut mich sehr.
Zu Deutschland kann man ein weiteres Kapitel der Misserfolge der ESC-Geschichte hinzufügen. Vom Vorentscheid angefangen bis hin zum Finale war das Ergebnis mehr oder weniger absehbar. Kein Mut, nichts mit dem man aus der Masse heraussticht. Schlichter 08/15 Radio-Pop der Jahre zuvor beim ESC vielleicht noch funktioniert hat, aber auch da gibt es in Deutschland keine Weiterentwicklung was sehr traurig und schade ist. Ob es 2027 besser/anders wird? Stand jetzt wüsste ich nicht warum
Denke dieses Ergebnis könnte beim „neuen“ SWR ein Anstoß zum Umdenken sein, dann müßte es aber auch jetzt innerhalb kurzer Zeit kommuniziert werden und sich mit den verschiedenen Gruppen zusammengesetzt werden um die Veränderungen zu besprechen / auszuloten.
Mich stören jetzt beim Nachhinein überlegen die langen Kamerafahrten beim deutschen Beitrag wieder einmal. Gerade Sarah hat doch eine schöne Ausstrahlung und auch eine gewisse Bühnenpräsenz, die allerdings nicht an Delta heran reicht.
Dennoch fallen mir Moldau und Australien ein plus Bulgarien die ihr Staging eher künstlernah abgefilmt haben und so eine gewisse Nähe zum Künstler aufgebaut haben , was halt in 3 Minuten möglich ist.
Auch der Dancebreak waren zu wenige Schnitte drin und auch etwas zu weit weg gefilmt meiner Meinung nach.
Diskrepanzen zwischen Publikum und Jurys sind völlig ok; dazu gibt es die Zweiteilung ja.
Wenn die Jurys nicht entlang den Kriterien, die sie von der EBU erhalten, bewerten, sondern doch nur nach Geschmack oder Politik/Freundschaft, braucht man sie in der Tat nicht. Oder man könnte dann auch zehn Leute aus der Bevölkerung auslosen für die Jury, die würden ihre Aufgabe teils vermutlich gewissenhafter erfüllen!
Deutschland wurde nicht übersehen, sondern ist erneut an eigener Mittelmäßigkeit und mangelnder Professionalität der Verantwortlichen gescheitert. Sarah trifft daran keine Schuld – sie ist eine gute Sängerin und Performerin.
Das eigentliche Problem lag zunächst im Song selbst: „Fire“ wirkte im internationalen Vergleich zu generisch und wenig wiedererkennbar. Im deutschen Vorentscheid konnte das noch teilweise durch starke Inszenierung und Sarahs Ausstrahlung kompensiert werden. Im Finale jedoch wirkte der Auftritt weniger rund, teils überladen und hektisch. Besonders auffällig war das schlechte Timing einzelner Choreografie- und Kameraentscheidungen. So war die Kamera nach dem Sturz vom Podest bereits auf Sarah gerichtet, während sie noch unsicher in den Armen der Tänzerinnen lag. Auch kurz vor dem Schlussteil des Songs sah man deutlich, wie sie hastig zurück auf das Podest lief. Solche Übergänge hätten sauberer inszeniert werden müssen – im Halbfinale gelang das noch deutlich besser. Insgesamt sind es aber genau solche Details, die den Gesamteindruck prägen: Der Beitrag wirkt dann „ganz gut“, aber nicht überzeugend genug, um im Wettbewerb wirklich herauszustechen. Hier wäre „weniger“ am Ende „mehr“ gewesen.
Hinzu kam, dass Sarah stimmlich nicht so souverän und locker wirkte als gewohnt.Man merkte ihr die Anspannung deutlich an. So fehlten z.B. auch die direkten Blicke in die Kamera, die im Vorentscheid noch Nähe, Sicherheit und Präsenz erzeugt hatten. Insgesamt entstand der Eindruck eines überinszenierten Auftritts: zu viele Effekte, zu viele Abläufe, zu wenig Klarheit. Dadurch ging die ursprüngliche Natürlichkeit verloren, und Sarah wirkte eher geführt als selbstbestimmt.
Einen weiteren strategischen Fehler sehe ich in der nachträglichen Aufladung des Songs mit einer überhöhten Botschaft („Female Empowerment“). „Fire“ ist im Kern jedoch ein energiegeladener Pop-Song – diese zusätzliche Bedeutung wirkte eher konstruiert als stimmig.
Man sollte zukünftig die Inszenierung Profis überlassen, die sich in Sachen ESC auskennen und sich nicht von teilweise überholten Klischees leiten lassen.
Danke für die Analyse. Ich denke ohne den politischen Konflikt hätte Israel nicht so viele Publikumspunkte bekommen. Da werden auch viel Sympathievotes dabei gewesen sein.
Das wird aber vermutlich in den nächsten Jahren abebben.
Das hab ich eigentlich schon für dieses Jahr gehofft. Ich hab nicht mehr das Gefühl, dass es abebbt, bis irgendwann ein mittelmäßiger israelischer Beitrag den ESC gewinnt.
Meinst du wirklich? Der Konflikt beruhigt sich ja eher als dass er präsenter wird. Bei der Ukraine gibt es auch nicht mehr so viele Sympathievotes wie vor ein, zwei Jahren.
Diese mediterrane/Adria-Connection funktioniert für Italien jedenfalls perfekt. Punkte aus Albanien sind ja aus logischen Gründen selbsterklärend, Malta und San Marino auch. Plus Televoting aus Schweiz hat man schon sicher 42 Punkte auf dem Konto, ohne irgendwie überzeugen zu müssen.
Aber was sollte die EBU machen?
Die Televotes fängt man nur ein, wenn es heißt „nur eine Stimme pro Lied“.
Es war schön zu sehen, daß sich sowohl mittlerweile die Ukraine abnutzt und als auch daß bei Israel die einseitige Stimmenvergabe etwas einhegt wurde. Das hatte vielleicht auch mit der starken Konkurrenz aus BUL, ROM und MOL zu tun.
Beim auffälligen Nachbarvoting helfen eigentlich nur Ermahnungen bzw. Strafen oder vielleicht nicht nur n=7 sondern n=20. Hochnotpeinlich waren manche 12 Punkte schon für uns Nichtbetroffene, das sehen aber z.B. die Zyprioten sicher ganz anders, da saß ja jeder schiefe Ton und das wollte aus GRE belohnt werden.
Tja, und was soll man zu Schweden sagen? Man wird sicher nicht das Verfahren wegen des Ausrutschers ändern, sondern eher an der Qualität der Lieder im VE arbeiten, undenkbar für D.
Wenn wir über Gründe bei D jenseits von Songauswahl, etc. reden, sollte man vielleicht auch den sehr suboptimal gewählten Ausschnitt im Recap erwähnen. Da war nichts drin, was irgendwen zum Telefon greifen lässt und man hatte den schiefen Ton ausgewählt. Eigentlich ein sehr billiger Fehler, weil leicht vermeidbar!