
Der womöglich größte lebende schwedische Star feiert Geburtstag: Die dreifache ESC-Teilnehmerin Carola Häggkvist wird 60 Jahre alt. Ihr Weg führte vom Kinderstar über den ESC-Sieg und manche unüberlegte oder umstrittene Äußerung bis hin zur Ikone. Die Feierlichkeiten zu ihrem runden Geburtstag wurden bereits im Sommer eingeläutet. Ende August kam die Filmdokumentation „Carola!“ ins Kino. Pünktlich zum Geburtstag schenkte sie sich eine 500-seitige Autobiografie mit dem Titel „Jag är Carola“ („Ich bin Carola“) sowie im Winter eine Tour unter demselben Namen. Aufgrund der hohen Ticketnachfrage wurden bereits etliche Zusatztermine angesetzt. Grattis på födelsedagen, Carola!
Schon mit elf Jahren feierte Carola ihren ersten Erfolg: Sie gewann eine Talentshow in Stockholm und durfte anschließend im schwedischen Fernsehen auftreten. So wurde auch Bert Karlsson – so etwas wie der Ralph Siegel Schwedens – auf sie aufmerksam. Er brachte sie schließlich 1983 zum Melodifestivalen. Dort gewann sie mit „Främling“ und löste in ihrer Heimat eine regelrechte Carola-Hysterie aus. Das gleichnamige Album schaffte es auf Platz 1 der schwedischen und Platz 2 der norwegischen Charts. Der dritte Platz beim Eurovision Song Contest in München unterstrich ihr Starpotenzial.
Es folgten Hits, TV-Auftritte und Konzerte. Eine wichtige Rolle spielte für Carola dabei immer ihr Glaube, den sie auch öffentlich lebte. Ihre Nähe zur christlichen Bewegung Livets Ord („Wort des Lebens“) wurde durchaus kontrovers diskutiert. 1990 heiratete sie den ehemaligen Prediger Runar Søgaard, mit dem sie Sohn Amadeus bekam. Später adoptierte sie in Südafrika ihre Tochter Zoe. All das wurde stets ausführlich von den Medien begleitet; heute gewährt Carola selbst über ihre Social-Media-Kanäle freimütig Einblicke in ihr Leben.
Der starke Glaube der Künstlerin zeigt sich auch in ihrer schier unendlichen Sammlung von Weihnachtsliedern und -alben. Das erste erschien bereits 1983, also im Jahr ihres großen Durchbruchs. Die Alben „Jul i Betlehem“ (1999) und „Christmas in Bethlehem“ (2009) waren nicht nur in Schweden Bestseller.
Musikalisch hat sich Carola über die Jahrzehnte zwischen Schlager, Pop, Gospel und Musical bewegt. Dabei spielten das Melodifestivalen und der Eurovision Song Contest immer wieder eine wichtige Rolle. 1990 belegte sie beim schwedischen Vorentscheid mit „Mitt i ett äventyr“ den zweiten Platz. Ein Jahr später holte sie sich dort mit „Fångad av en stormvind“ den Sieg und gewann anschließend auch den ESC in Rom.
2006 wollte sie es noch einmal wissen. Mit dem Power-Pop-Schlager „Evighet“ setzte sie sich erneut beim Mello durch und erreichte beim ESC in Athen einen sehr respektablen fünften Platz. Als sie zwei Jahre später gemeinsam mit Andreas Johnson und dem Titel „One Love“ erneut beim Melodifestivalen antrat, blieb das Duo allerdings in der Trostrunde Andra Chansen hängen.
Doch ein solcher Rückschlag hält eine Carola nicht auf. Sie schaut nach vorn, gestaltet und genießt das Leben – und macht weiter Musik. Mittlerweile ist sie so lange im Geschäft, dass längst die nächste Generation von (Welt-)Stars ihre alten Hits covert, gerne auch gemeinsam mit ihr. So etwa Zara Larsson mit „Säg mig var du står“, der schwedischen Version des ursprünglich von Anita Meyer gesungenen Songs.
Carola weiß dabei durchaus auch, wie sie ihren Ruhm vermarkten kann. Seit Jahren ist sie Testimonial der Schmuckkette Guldfynd, für die sie auch eine eigene Kollektion entworfen hat. Der Autor dieses Textes kam vor zwei Jahren zufällig an einer Guldfynd-Filiale in der Stockholmer Shopping-Mall Gallerian vorbei, in der Carola gerade ein Fotoshooting absolvierte. Als sie kurz nach draußen kam, ging sie in ihrer unprätentiösen Art – barfuß – auf die Menschen zu, die sich dort versammelt hatten, und stand bereitwillig für Selfies zur Verfügung.

Ähnlich herzlich scheint die Sängerin auch vielen ihrer Wegbegleiter*innen zugewandt zu sein. Das zeigte sich beim gestrigen Geburtstagsevent in Stockholm, bei dem mehrere prominente Wegbegleiter*innen mit ihr den Titel „Sanna vänner“ (Wahre Freunde) sangen: Charlotte Perrelli, Pernilla Wahlgren, Mariette, Viktor Norén und Lasse Holm (u.a. Komponist von „Främling“). Denn auch wenn Carola polarisiert und bisweilen naiv oder auch mal nervig wirken kann: So richtig böse kann man ihr irgendwie nie sein.
Ihre Fans sehen das offenbar ganz ähnlich. Die Tickets für ihre Schweden-Tour „Jag är Carola – En musikalisk unik livsberättelse“ („Ich bin Carola – eine musikalisch einzigartige Lebensgeschichte“), die am 9. Oktober startet und sie durch den Norden Europas führt, waren zunächst in kürzester Zeit ausverkauft. Inzwischen wurden zahlreiche Zusatztermine angesetzt.
Fast fünf Jahrzehnte als Künstlerin erfolgreich, von allen gekannt und von (fast) allen geliebt – das schaffen normalerweise nur Göttinnen. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Carola!
Was verbindet Ihr persönlich mit Carola und welcher ihrer Songs ist Euer Favorit? Ist sie für Euch die größte schwedische ESC-Ikone überhaupt? Und sollte sie es noch einmal beim Melodifestivalen versuchen? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



Grattis på födelsedagen, kära Carola! Sie ist und bleibt eine der Königinnen des ESC und der schwedischen Musik! Eine Ikone ist eie ebenfalls und mir gefallen alle ihre Songs, mit denen sie beim ESC sntrat.
Was das Melodifestivalen betrifft, sollte sie lieber als Intervallact auftreten und nicht mehr als Teilnehmerin antreten (Gleiches gilt auch für Charlotte Perelli, Loreen und Nanne Grönvall).
Ich verbinde mit Carola vor allem eins: Windmaschine
Und dass 2 mal sogar. In München gab es noch keine 😂
Königin🥰❤
Happy Birthday, Carola 💐.
„Främling“ gefällt mir ganz gut, schöner Klassiker. 1991 war jetzt ganz nett, aber auch jetzt nichts Besonderes (mMn). Muss aber sagen, dass ich ihn immer noch besser fand, als die französische Konkurrenz. Normalerweise mag ich sehr gerne französische Musik, aber den Song finde ich nach wie vor nervig. Mein Favorit war damals ganz klar Israel.
2006 – na ja – konnte man sich anhören, aber besonders fand ich ihn jetzt auch nicht. Läuft eher so nebenbei, tut nicht weh, haut mich jetzt aber auch nicht vom Hocker.