Corona und kein Ende: Wie kann der ESC 2021 trotzdem stattfinden? – Zwei Szenarien

ESC 2021 Eurovision Song Contest Rotterdam Logo

Der Eurovision Song Contest 2021 kommt mit großen Schritten näher, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – und noch lange ist kein Ende der Corona-Krise in Sicht. Wie kann eine Großveranstaltung wie der ESC in dieser Zeit trotzdem stattfinden? Dazu erarbeiten die niederländischen Gastgeber zusammen mit der EBU aktuell unterschiedliche Konzepte, wie die Veranstaltung unter verschiedenen Bedingungen stattfinden könnte.

Über den aktuellen Stand der Planungen hat die Event Supervisorin Nadja Burkhardt mit dem Schweizer Sender RTS gesprochen. Im Prinzip werden zwei unterschiedliche Extrem-Szenarien durchgespielt:

  1. Der Eurovision Song Contest 2021 kann ganz normal wie jeder andere ESC und ohne Corona-Einschränkungen stattfinden.
  2. Der Eurovision Song Contest 2021 muss unter kompletten Quarantäne-Bedingungen stattfinden.

Wie so oft im Leben gibt es aber nicht nur Schwarz und Weiß – im Gegenteil ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass die Wahrheit letztendlich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegen wird. Deshalb gibt es auch diverse Unterszenarien, die durchgedacht werden. Außerdem werden Überlegungen angestellt, wie und bis zu welchem Zeitpunkt es möglich ist, auch kurzfristig zwischen den einzelnen Szenarien zu wechseln.

Die gute Nachricht ist: In keinem aktuell vorstellbaren Szenario soll der ESC ausschließlich als Online-Contest stattfinden. Es soll also auf jeden Fall Live-Shows vor Ort in Rotterdam geben.

Eine Herausforderung ist laut Nadja Burkhardt dabei besonders, dass eben nicht nur die (dann im nächsten Jahr) aktuelle Gesetzeslage in den Niederlanden berücksichtigt werden muss, sondern auch die der teilnehmenden Ländern. (Sie spricht dabei von 43 Ländern – weiß sie etwas, das wir noch nicht wissen?) Was wäre zum Beispiel, wenn einzelne Delegationen nicht anreisen können?

Alle diese Überlegungen stellen die Verantwortlichen der niederländischen Rundfunkanstalten NPO, NOS und AVROTOS sowie der EBU natürlich nicht nur im luftleeren Raum an, sondern lassen Erfahrungswerte von anderen Events miteinfließen:

„Wir arbeiten mit anderen Verbänden, insbesondere mit Sportverbänden, und mit unseren Mitgliedern, wie beispielsweise der BBC, zusammen, um herauszufinden, wie sie ihre Veranstaltungen planen und welche Elemente wir noch nicht berücksichtigt haben.“

Die erste Bewährungsprobe für die Überlegungen der EBU steht bereits in etwas über drei Monaten an, denn dann findet der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau statt.


27 Kommentare

  1. Ich begreife nicht, warum man nicht schon dieses Jahr zu folgendem Szenario gegriffen hat; Moderation in Rotterdam ohne Zuschauer, Live Einspiel von jedem Land mit einheitlicher Showbühne, anschliessend Abstimmung und Verkündung der Punkte.
    Wäre doch ein leichtes gewesen und die Lieder waren alle fertig, nun müssen sie in der Schublade verschwinden.

    • Ich muss Dir recht geben. Die Songs verschwinden jetzt im Niemandsland. Das ist wirklich sehr schade.
      Als Erklärung, warum sie nicht schon dieses Jahr zu dem Szenario gegriffen haben, könnte ich mir nur vorstellen, dass die Verantwortlichen selbst von der Situation überrascht waren, vor allem von der Dynamik der Pandemie. Deshalb blieb ihnen wohl nicht genug Zeit für die Durchführung.
      Positiv ist zumindest, dass sich die EBU ernsthaft Gedanken um die Veranstaltung macht, und deshalb bin ich guter Dinge, dass es nächstes Jahr einen ESC geben wird, wie auch immer er aussehen wird.🙂

      • Deine Gedanken stimmen.

        Seit gestern ist noch eine Komplikation dazu gekommen. Ahoy entlasst 40% der Mitarbeiter (100 von 270), weil es seit Mitte März keine Einnahmen mehr gibt. Ohne Hilfspaket wird das Geld ausgehen und Ahoy schließen.

      • @Marko

        Ich hoffe, es geht Dir gut.

        Ja, das kann ich mir vorstellen. Es ist sehr tragisch für die Menschen dort. In Deutschland haben wir ein ähnliches Problem, im Moment können wir die Tragweite von Corona (auch die wirtschaftliche) noch gar nicht wirklich erfassen. Ich denke, das wird sich alles noch herausstellen.
        Im Moment erarbeitet man in Düsseldorf ein Konzept für ein Konzert u. a. mit Sarah Connor. Es sollen 13 000 Zuschauer zugelassen werden. Keine Ahnung, wie sie dies realisieren wollen.

      • Hi Leute,

        Uns geht es ziemlich gut. Nach und nach verschwinden die Einschränkungen oder Behinderungen. Sohn und seine Freunde machen wieder Musik, ich arbeite wieder – Im Konferenzraum haben meine Kollegen zwei Betten aufgestellt, damit ich und noch jemanden, der Covid-19 überstanden hat, zwischendurch mal eine Runde schlafen können.

        Corona und ESC: ganz offen gesagt, erwarte ich nichts mehr. Home Office ist der Grund – der ESC lebt von Kreativität und die leidet unter verbindlich daheim arbeiten.

      • @Marko

        Das ist aber lieb von Deinen Kollegen, findet man auch nicht alle Tage😊.
        Freut mich, dass es Euch besser geht.🙂

  2. Ich bin unfassbar gespannt darauf, was die sich in Genf ausdenken werden. Besonders der Punkt mit dem Einreisen der Delegationen könnte zu einem Knackpunkt werden.
    Eine ganz normale Austragung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir sind in der zweiten Welle angekommen und an einen Impfstoff bis Frühjahr 2021 glaube ich nicht.
    Hauptsache es kommt zu keinem zweiten 18. März 2020.

  3. Ich finde es gut das die Vorbereitungen für den ESC 2021 in vollem Gang sind. Es ist wohl klar das es kein ESC geben wird wie wir ihn kannten aber es ist gut zu wissen das über viele Alternativen nicht nur nachgedacht wird sondern schon dafür vorbereitet wird. Deshalb bin ich guter Dinge für 2021. Wie die Dame auf 43 Länder kommt ist ein Rätsel. Wahrscheinlich geht sie davon aus das alle 41 von 2020 wieder mitmachen und 2 Länder zurückkehren. Vllt sind im Hintergrund tatsächlich Dinge am Laufen von den wir nichts wissen. Vllt kommen ja Mobtenegro und Ungarn wieder schön wäre es

    • Stimmt. Wie kommt sie auf 43 Länder?Vielleicht werden sich Länder aufgrund Corona zurückziehen und es werden nur unter 40 Länder beim ESC 2021 teilnehmen. Also…alles reine Spekulation.

    • Ich glaube, es hieß mal 43 wäre die Maximalzahl mit der noch alles gut gestemmt werden kann. Wahrscheinlich rechnet man deshalb einfach damit. Wenn es dann doch nur 39 werden ist das besser als mit 39 zu rechnen und dann werden es 43.

  4. Heute in „nur“ 270 Tagen findet vorraussichtlich das erste ESC-Semifinale 2021 statt!

    Mal ganz ehrlich unter uns ESC-Fans und ESC-Interessierte, aber was die Frau Event Supervisorin Nadja Burkhardt beim Schweizer Sender RTS gesagt hat, über die beiden unterschiedlichen Extrem-Szenarien, dass hätte jeder von uns auch öffentlich sagen können. Ich finde, der Artikel soll irgendwie „beruhigen“ und zeigen „ja, der ESC 2021 findet statt“, egal wie. Aber trotzdem nichts konkretes. Schade!

  5. Die Veranstalter müssen natürlich einige Szenarien durchdenken. Für uns ist es etwas müßig, da wir wirklich nicht wissen, wie es nächstes Frühjahr aussehen wird. Im positivsten Fall kann Anfang 2021 mit den Impfungen begonnen werden, dann könnte sich ein reibungsloser Ablauf knapp ausgehen. Es wäre schön, wenn der ESC die erste völkerverbindende Großveranstaltung nach Corona wäre.

  6. Ich glaube, dass es schwierig ist, überhaupt so einen riesen-event in zwei wochen an einem ort zu machen. Ich würde die 2 halbfinals outsourcen und in kleinerem rahmen in(vorzugsweise)nicht so corona betroffenen ländern/regionen machen. Das grosse problem ist halt, dass sich die situationen fast täglich ändern.

    • Wobei wir ja gerade im Fussball sehen, dass die Konzentration auf einen Ort (Lissabon) wunderbar funktioniert. In der EL klappte das auch alles bei Verteilung auf 4 nahe beieinander liegende Orte in NRW – beim ESC ist das Problem natürlich, dass die Delegationen aus sehr vielen verschiedenen Ländern kömmen (beim Fussball waren’s ja grösstenteils Teams aus D, E, ENG, F, I).

  7. Liebe Leute, ich habe DIE Lösung:

    Der ESC 2021 sollte in der chinesischen Stadt Wuhan veranstaltet werden. Dort fand Corona den Anfang und jetzt ist die Stadt coronafrei, sodass die Bewohner wieder ganz normal feiern und das reguläre Leben wieder nachgehen können.

    Als Entschädigung könnte der ESC 2022 in Rotterdam stattfinden.

    +++ ACHTUNG +++das ist ein nicht ernst zunehmender Post 😉 +++

  8. Ich bin zuversichtlich, dass Ende 2020 der Impfstoff kommen wird. Die aktuelle Berichterstattung über diesen ist ja in letzter Zeit sehr positiv. Im Vergleich zu vielen anderen Viren ist SARS-CoV-2 ein „leichtes“ Virus mit einer Sterberate von nur 0,38 bis 4,00 % und daher dürfte die Impfstofffindung und -zulassung nicht schwer sein, während bei einer unbehandelten HIV-Infektion die Sterberate bei 100 % liegt.

    Es müssten mehr als 65 % aller Menschen geimpft sein, um die Pandemie zu beenden. Bis Mai 2021 wird das schwer – vor allem deshalb, weil von den 43 Ländern einige überhaupt noch keinen Impfstoff abbekommen haben werden. Deswegen könnte man ja den ESC auf den Herbst 2021 verschieben. Oder es tritt das Szenario ein, dass weltweit nur die Risikogruppen geimpft werden und alle anderen dich „durchinfizieren“ lassen können – so auch beim ESC selbst.

    Auf jeden Fall wird alles von der Pandemiesituation in jener Zukunft abhängen und es wäre denkbar, dass ein herkömmlicher ESC ohne Publikum stattfindet (so wie das deutsche Finale 2020) mit Abstandsregeln bei Künstlern und Delegationen. Viel schwieriger wird es mit den Vorentscheiden – ob es was mit dem Vorentscheid Albaniens was wird?

    • Wobei sich die Wissenschaftler noch nicht einig sind, ob die Strategie mit dem „durchinfizieren“ trägt, z. B. ob dauerhaft Antikörper gebildet werden oder nur für kurze Zeit.

      • Außerdem könnte eine Infizierung, wie sich leider gerade herausstellt, durchaus unschöne langfristige Folgen für den Körper haben, selbst wenn die zwei Wochen danach symptomfrei verlaufen.

    • Das wird man doch wohl bewerkstelligen können, dass die Delegationsmitglieder rechtzeitig geimpft werden, sofern es dann schon Impfstoffe geben sollte.

  9. Meine Hoffnung ist, dass in der politischen Debatte über das Coronavirus Vernunft einkehrt. Gerade die Musik- und Eventbranche leidet in erheblichem Maße unter den von Angst getriebenen Maßnahmen. Da sind Existenzen gefährdet. Man sollte immer bedenken, die Geburt ist bereits das größte Risiko darstellt, denn es endet in jedem Fall am Ende eines hoffentlich langen, lebenswerten Lebens tödlich. Jeden Tag entscheidet jeder Mensch selbst über ein Risiko des Lebens, sei es die Wahl des Verkehrsmittel, über ein Zuviel an Alkohol oder Zigaretten, ein Zuviel an Fleisch oder das sich Impfen lassen von genmanipuliertem Impfstoffen oder das Tragen einer verdreckten Maske. Aber es sollte seine Entscheidung bleiben, nicht die von irgendwelchen verängstigten Entscheidungsträgern.

    Hier eine Rede von Prof. Streek im Dom zu Münster am 19.08.2020:

    https://youtu.be/T5owr0nO4Wg

    Ich habe Hoffnung, dass die Worte Beachtung finden.

    Eigentlich ist es für mich in einem ESC-Blog, in dem wir unserem Hobby frönen, nicht angesagt. Aber es scheint nötig. 😉
    Der ESC2021 in Rotterdam wird stattfinden, sonst wäre es sein Ende.

    • So etwas kann nicht jeder für sich entscheiden, selbst Experten haben höchst unterschiedliche Meinungen, wie kann man da als Laie richtig entscheiden. Man kann den Entscheidungsträgern vertrauen oder nicht, und man kann sich an die Gesetze und Verordnungen halten oder nicht, das ist die einzige Wahl, die man hat. Für die Veranstalter des ESC kommt pragmatisch gesehen nur in Frage, sich an die Gesetze und Verordnungen zu halten. Dass der ESC 2021 nicht stattfinden wird, ist praktisch ausgeschlossen. Und selbst wenn, wird der ESC nicht sterben. Kein Grund den Teufel an die Wand zu malen.

    • Es gibt aber sehr wohl einen Unterschied zwischen Corona und den von Dir aufgeführten Risiken:
      Wenn jemand zu viel Alkohol trinkt, schadet er sich in erster Linie selbst, es sei denn, er steigt anschliessend ins Auto.
      Wenn sich jemand ungesund ernährt, schadet er in der Regel auch nur sich selbst.

      Bei einer Corona-Infektion kann man Überträger sein, ohne, dass man es selber merkt. Und schadet dann vielleicht jemandem, der diese Krankheit nicht so einfach wegsteckt, ja, der (oder die) vielleicht sogar dran sterben kann. Erwiesenermaßen sind nun einmal Großveranstaltungen auf engem Raum diese „Hotspots“ der Pandemie. Deshalb ist es völlig korrekt, dass dem vorerst Einhalt geboten wird, meiner Meinung nach. Zumal ja lange Zeit nicht klar war, ob unser Gesundheitssystem dem standhalten kann. Dass dies sehr, sehr bitter für die Veranstalter und Künstler ist, steht außer Frage. Es werden ja auch außerhalb des ESC schon Szenarien geprobt, wie eine Veranstaltung unter Corona-Schutzmaßnahmen aussehen könnte. Hier muss man ganz einfach auf die Kreativität und das Verantwortungsbewußtsein der Organisatoren vertrauen, damit sich Infektionsschutz und Freude am Leben nicht ausschließen müssen. Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass der ESC 2021 stattfinden wird, aber wahrscheinlich nicht in der Form, wie wir ihn gewohnt sind. Das wäre noch zu früh, glaube ich.

      Aber ich stimme Dir auch zu, denn ich finde es nicht besonders zielführend, jeden Tag den Menschen die neuesten Infektionszahlen um die Ohren zu hauen. Das schürt noch zusätzlich Angst und Panik.

      Ja, ich gebe Dir Recht, in einem ESC-Blog sollte es vorrangig um Musik gehen. Aber irgendwie bestimmt ja dieses Virus unser aller Leben im Moment, deshalb finde ich es okay, dass man sich auch mal darüber austauscht. 🙂

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