Niederlande vor nächster ESC-Absage? Omroep Max würde übernehmen – aber nur mit Geld der NPO

Bild: Claude – Instagram @eurovision

Während mit Nordmazedonien und möglicherweise auch Ungarn die ersten Länder ihre Rückkehr zum ESC 2027 ankündigen oder zumindest offen darüber nachdenken, kommen aus den Niederlanden weiterhin widersprüchliche Signale. Nachdem AVROTROS seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2026 wegen der anhaltenden Debatten rund um Israels Teilnahme ausgesetzt hatte, steht nun die Frage im Raum, ob das Land auch in Bulgarien fehlen wird. Gleichzeitig hat sich mit Omroep Max nun ein Sender grundsätzlich bereit erklärt, die niederländische ESC-Teilnahme 2027 zu übernehmen – allerdings nur, wenn die Finanzierung aus dem gemeinsamen Budget des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erfolgt.

Wie songfestivalweblog.nl unter Berufung auf die niederländische Zeitung AD berichtet, ist Omroep Max derzeit der einzige Rundfunkanbieter des Landes, der grundsätzlich Interesse an einer Übernahme der ESC-Verantwortung hätte. Senderchef Jan Slagter machte allerdings deutlich, dass dies nur mit zusätzlicher Unterstützung der Dachorganisation NPO möglich wäre: „Wir werden das nicht aus eigener Tasche bezahlen. Dann müsste die NPO ordentlich Geld aus dem Event-Budget beisteuern.“

Gleichzeitig positionierte sich Slagter klar gegen einen vollständigen ESC-Boykott: „Der Eurovision Song Contest ist wichtig für die Niederlande und ich finde eigentlich, dass wir einfach mit einem Künstler teilnehmen sollten.“ Zwar kritisiere man die Politik der israelischen Regierung ebenfalls, daraus müsse aber nicht zwangsläufig ein Boykott des Wettbewerbs folgen.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkstruktur in den Niederlanden unterscheidet sich deutlich von der vieler anderer Länder. Unter dem Dach der NPO (Nederlandse Publieke Omroep – Niederländischer öffentlich-rechtlicher Rundfunk) existieren mehrere eigenständige Rundfunkorganisationen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen, kulturellen oder weltanschaulichen Hintergründen. Anders als bei der ARD handelt es sich dabei allerdings nicht um regionale Sender, sondern um eigenständige Medienorganisationen wie AVROTROS, BNNVARA, EO, KRO-NCRV oder eben Omroep Max. Grundsätzlich können diese Sender auch die Verantwortung für große Unterhaltungsevents wie den Eurovision Song Contest übernehmen.

Abgesehen von Omroep Max zeigt laut AD allerdings kein anderer Sender Interesse an einer Übernahme des ESC von AVROTROS. Sowohl BNNVARA als auch EO und KRO-NCRV lehnten entsprechende Überlegungen ab. Peter Kuipers von KRO-NCRV erklärte dazu deutlich: „Das passt nicht zu unserem Sender – unabhängig davon, wie man zu Israel steht.“

AVROTROS selbst will sich erst Mitte Juni offiziell äußern. Der Sender hatte bereits angekündigt, zunächst die Evaluation der EBU zur ESC-Saison 2026 abzuwarten und sich außerdem mit anderen europäischen Rundfunkanstalten auszutauschen.

Neben den Niederlanden hatten auch Spanien, Slowenien, Irland und Island den ESC 2026 in Wien boykottiert. Allerdings wurde der Wettbewerb sowohl in den Niederlanden als auch in Island weiterhin im Fernsehen übertragen. In den Niederlanden war dies durch eine Kooperation von NOS (Nederlandse Omroep Stichting – zuständig unter anderem für Nachrichten und Sport) und NTR (Nederlandse Onderwijs Televisie – Schwerpunkt Bildung und Kultur) möglich. AVROTROS selbst konnte dadurch an seinem Boykott festhalten.

Damit bleibt eine niederländische ESC-Teilnahme 2027 weiterhin offen – aktuell allerdings mit einer gewissen Tendenz zu einem fortgesetzten Boykott. Denn Omroep Max wäre offenbar nur dann bereit einzuspringen, wenn die Finanzierung gemeinschaftlich aus dem NPO-Budget getragen wird. Dafür müssten vermutlich alle oder zumindest die meisten Rundfunkorganisationen unter dem Dach der NPO zustimmen – also auch AVROTROS. Das könnte unter Umständen bedeuten, dass ausgerechnet der Sender, der den ESC boykottieren möchte, am Ende womöglich trotzdem einer Finanzierung zustimmen müsste.

Sollten die Niederlande 2027 am ESC teilnehmen statt ihn zu boykottieren? Denkst Du, dass der Wechsel von AVROTROS zu Max die Vorbehalte gegenüber dem Wettbewerb reduzieren kann? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.

Am Dienstag, den 26. Mai werfen wir einen Blick zurück auf den ESC in Wien – und einen voraus auf den kommenden Wettbewerb in Bulgarien.



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18 Comments
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Zwelfbungt - Lucas
Zwelfbungt - Lucas
1 Stunde zuvor

Ausgerechnet dieser Rentnersender will nun also den ESC für die Niederlande übernehmen. Ja das kann was werden!

Alki Bernd
Alki Bernd
1 Stunde zuvor

Umruf Max?

Zwelfbungt - Lucas
Zwelfbungt - Lucas
36 Minuten zuvor
Reply to  Alki Bernd

Ja, wie schon von Douze Points geschrieben bedienen die Sender in der NPO unterschiedliche Themenfelder und Demografien. Und Max ist der Rentnersender in den Niederlanden.

Marko +++
Marko +++
12 Minuten zuvor

Stimmt. Zielgruppe von Max sind die Generationen 50+ aufwärts.

kon
kon
1 Stunde zuvor

Natürlich sollten die Niederlande genauso wie alle anderen wieder teilnehmen.

SanomiKedvesem
SanomiKedvesem
1 Stunde zuvor

Erst kürzlich dachte ich noch an BNNVARA, dessen Zielgruppe (zum Teil) jünger ist als die der AVROTROS. Jetzt haben wir also das genaue Gegenteil: Omroep MAX hat nämlich eine eher ältere Zielgruppe, älter noch als die der AVROTROS. Ob dieser Plan aber Erfolg haben wird? Mal sehen…

Nils
Nils
1 Stunde zuvor

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk klingt wirklich wie ’ne Wissenschaft für sich. Und ich hielt die Struktur in Deutschland schon für unnötig kompliziert und unübersichtlich.

Anja die Zweite
Anja die Zweite
1 Stunde zuvor

Ich wäre sehr glücklich, wenn die Niederlande zurückkehren würde, in welcher Form auch immer. Vielleicht bewegt diese Konkurrenz AVROTROS ja doch dazu wieder am ESC teilzunehmen, wenn die Alternative wäre den ESC langfristig an einen anderen Sender zu verlieren, schließlich ist der ESC immer noch eine Prestige-Veranstaltung und Quoten-Garant.

elkracho
Mitglied
elkracho
57 Minuten zuvor

Sollten die Niederlande 2027 am ESC teilnehmen statt ihn zu boykottieren?

Das ist doch nur eine Frage der Zeit, bis die Niederlande zurückkommt.
Wissen die aber bestimmt auch selber.

Geri
Geri
40 Minuten zuvor

Wenn nicht mir sind sie heuer nicht abgegangen.
Slowenien meine zweite Heimat schon.
Und die spanische Nietensammlung auch nicht!

💪 Jakub 🇮🇱 dances אנה פרנק 🌪️ 🌅 👑 🏆
💪 Jakub 🇮🇱 dances אנה פרנק 🌪️ 🌅 👑 🏆
39 Minuten zuvor

In der Rückschau ist es doch so, daß man sich bei ausnahmslos jeder Nichtteilnahme in der ESC-Geschichte fragt: Weshalb waren die damals so beschränkt, nicht mitzumachen?! Das wird bei den fünf Boykotteuren dieses Jahres nicht anders sein. Kein einziges Land ist beim ESC unverzichtbar (der hat auch zwei Jahrzehnte ohne Italien problemlos überstanden), und die Strukturen können immer auch an geringere Teilnehmerzahlen angepasst werden. Insofern läuft das für mich wie schon im vergangenen Jahr unter „Viel Lärm um nichts!“, und ich verfolge das völlig entspannt. Daß keiner dieser Boykotte vom jeweiligen nationalen Publikum mehrheitlich unterstützt wird, ist mir ohnehin klar – das muss die dubiosen Entscheidungen nur ausbaden (soviel zum Demokratieverständnis).

🪷🕯️🪷🪷 🧘🏻‍♂️ 🪷🪷🕯️🪷

Marc Störinger
Marc Störinger
39 Minuten zuvor

Ich finde es sollte jedes Land teilnehmen, wenn ein Land jedoch Krieg führt nicht. Russland ist weg, nicht aufgrund des Krieges, aber Israel sollte verschwinden, zum Wohle des Staates selbst, sie kriegen nur mehr Hater dadurch!
Also ja, die Niederlande sollen unbedingt zurückkehren, wie eben alle!
Mal darüber nachgedacht, das fast ganz Nordafrika teilnehmen möchte oder würde, aber wegen Israel nicht? Dieses Land verhindert eigentlich beabsichtigt die Chance für den ESC zu mehr Größenheit!
Und dieser Kommentar ist nicht böse gemeint, und nicht antisemitisch, für welche die das so aufnehmen…
Ich finde es nur Schade, der ESC verdient mehr und ein kleines buzi Land, verhindert das. Traurig

ESC1994
ESC1994
35 Minuten zuvor

Genau, Marokko und Tunesien wo Homosexualität unter Strafe steht sind natüüürlich nur wegen Israel nicht dabei und nicht weil man da mit LGBTQ nix anfangen kann. 🙄

Ach ja, den Ausdruck „buzi Land“ hättest du dir auch sparen können.

Last edited 25 Minuten zuvor by ESC1994
Lorenz
Lorenz
7 Minuten zuvor

Auf die Länder in Nordafrika kann ich gut verzichten. Da würde nachher nur noch mehr die Frage fallen wie bei Israel und Australien warum denn die beim EUROVISION Song Contest dabei sind. Auf die Fragereien kann ich gut verzichten und auf die Länder dort auch.

Gaby L
Gaby L
21 Minuten zuvor

Bin im Moment sehr, sehr zwiegespalten. Natürlich freue ich mich über jedes Land, welches am ESC teilnimmt. Wenn ein anderer Sender für die Niederlande übernehmen möchte… gerne. Aber wenn sie auf Gelder angewiesen sind, wo AVROTROS zustimmen müsste, wird’s knifflig. Schließlich würde AVROTROS ein Stück weit als Inkonsequent gelten, würden sie der Finanzierung zustimmen. Käme einem Gesichtsverlust gleich.

Wie gesagt, hätte gerne jedes Land beim ESC, aber … hm… muss (mittlerweile) ganz ehrlich sagen, dass, wenn ich beim israelischen Sender etwas zu sagen hätte, von mir aus erst einmal eine Pause vorgeschlagen hätte, bis wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Schreibe es nicht gern, aber ist nunmal so: Ich war heilfroh, dass Israel nicht gewonnen hat, vor allem auch deshalb, weil es wahrscheinlich noch viel mehr Absagen gegeben hätte. Klar, in dem Fall hätte ein anderes Land für die Ausrichtung einspringen müssen, aufgrund der Sicherheitslage. Aber die Protestwelle wäre wohl dann nicht mehr zu stoppen gewesen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube, dass auch nächstes Jahr die Niederlande leider wieder dem ESC fernbleiben werden. Schade…

Last edited 21 Minuten zuvor by Gaby L
Delta
Mitglied
Delta
6 Minuten zuvor

Wenn die Nachrichtenlage so anhält wie sie aktuell ist, könnte ich mir vorstellen, dass wir in absehbar Zeit 3 der 5 Länder wieder beim ESC sehen werden.

Das muss nicht nächstes Jahr sein, aber angenommen über den Gaza-Konflikt wird weiterhin berichtet wie aktuell, so wird der öffentliche Druck auch wieder sinken. In der Thematik ist Israel glaube ich eigentlich auch ganz froh nicht gewonnen zu haben…

Gwendolyn
Gwendolyn
1 Minute zuvor

Wie schon in anderen Artikeln geschrieben, jedes Land ,das den ESC respektiert, liebt und feiert ,ist herzlich willkommen, auch zurück nach Pause ,egal aus welchem Grund, aber Erpressung nach dem Motto „wir kommen freundlicherweise zurück, aber nur wenn ihr das bezahlt “ , der hat nichts verstanden und darf gerne seinen falsch verstandenen Moralistenstatus weiter fortsetzen und den vielen einheimischen Fans erneut zeigen, wie sinnlos so ein Boykott ist

Andi
Andi
16 Sekunden zuvor

Wow, Blogger Douze Points ist mit Abstand derzeit der fleißigste Blogger. Seine Artikel dominieren ESC- Kompakt. Vielleicht fallen viele deshalb gar nicht ins PED. Weil es ständig News zu 2027 gibt.
Ich glaube Holland weiß selbst noch nicht, wohin die Reise geht. Also es ist gut möglich, dass sie 2027 wieder mitsingen.