Das ganze Leben ist Begegnung: Katja Ebstein veröffentlicht ein Buch über ihr Leben

Ob es Katja Ebstein überhaupt gefällt, dass wir hier auf dem Blog über ihr neues Buch „Das ganze Leben ist Begegnung“ schreiben, ist nicht ganz sicher, haben wir uns vor etwas weniger als zwei Jahren doch für den kompakten (haha) Namen „ESC kompakt“ entschieden. Dass unser liebster Musikwettbewerb nun nicht mehr „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ heißt, will der dreimaligen ESC-Teilnehmerin nicht wirklich gefallen:

„Es ging um den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson, der heute ziemlich prosaisch Eurovision Song Contest oder schlimmer noch abgekürzt ESC genannt wird“,

heißt es in „Das ganze Leben ist Begegnung“. Sorry, Katja!

Dieses Zitat gibt schon einen ersten Eindruck davon, wie meinungsstark Katja Ebstein in ihrem Buch schreibt – in ihrem Buch, das keinesfalls eine Autobiographie sein soll, wie sie gleich zu Beginn klarstellt:

„Meiner Meinung nach ist die Zahl von Biographien heutzutage schon fast inflationär – manche schreiben lustigerweise schon mit Mitte Dreißig ihr Leben auf. Diesem merkwürdigen Umstand wollte ich nicht noch mehr Unwichtiges hinzufügen.“

Entschieden hat sie sich stattdessen dazu, mit Unterstützung ihres Freundes Uwe Baumann von prägenden Begegnungen in ihrem Leben zu erzählen. Die Begegnungen sind zwar nicht immer chronologisch angeordnet, aber insgesamt bekommt man doch einen ganz guten Eindruck davon, wie Katja Ebsteins Leben verlaufen ist, was sie geprägt hat und was ihr wichtig ist. Im Großen und Ganzen also doch eine Autobiographie, die einen Bogen von der Flucht aus Schlesien als Kind über die unterschiedlichsten Stationen ihrer Karriere und ihres Lebens bis zu der Frage spannt, was das Älterwerden mit Menschen im Allgemeinen und mit Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, im Speziellen macht.

Katja Ebstein ist ein politischer Mensch und so spielen auch politische und gesamtgesellschaftliche Themen eine wichtige Rolle in „Das ganze Leben ist Begegnung“. Da geht es um Willy Brandt, die 68er-Bewegung, die DDR – und sogar um Angela Merkel. „Wir schaffen das!“ heißt das Kapitel, in dem Katja Ebstein davon berichtet, wie sie im Frisörsalon von Udo Walz mit der Bundeskanzlerin über die Flüchtlingspolitik der Großen Koalition spricht. Hier äußert sich die Künstlerin ohne Blatt vor dem Mund zum aktuellen Zeitgeschehen und der gesellschaftlichen Stimmung in den letzten Jahren – und bezieht klar Stellung.

Natürlich geht es in dem Buch auch um Kunst, um Katja Ebsteins Musik(alische Anfänge) und um den (na gut) Grand Prix. Für ESC-Fans dürfte das Kapitel „Wunder gibt es immer wieder“ (wie auch sonst?) ein ganz besonderes sein. Katja Ebstein erzählt davon, wie ihr erster ESC-Beitrag mehr oder weniger über Nacht entstand, weil man kurzfristig einen Titel für die deutsche Vorentscheidung brauchte, um das erste Album zu promoten. Auch „Theater(, Theater)“ wird natürlich gewürdigt – und Johnny Logans Entschuldigung für seinen Sieg: „I am so sorry, but I need the money.“ Auch hier verknüpft die Sängerin ihre persönlichen Erlebnisse mit der bundesdeutschen Geschichte und berichtet davon, wie unterschiedlich sie als Deutsche 1970 bzw. 1980 beim internationalen Wettbewerb aufgenommen wurde. Ihr zweiter ESC-Auftritt mit „Diese Welt“ im Jahr 1971 gerät da fast etwas zur Randnotiz.

Katja Ebstein ist mit „Das ganze Leben ist Begegnung“ ein spannender Mix aus persönlichen Anekdoten, Geschichte, Politik sowie natürlich Kunst und Kultur gelungen, der ein kurzweiliges Lesevergnügen bietet. Als Leser bekommt man einen guten Eindruck davon, was der Künstlerin im Leben wichtig ist und wie eng ihr eigenes Leben auch mit den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft war und ist. Wie heißt es im Klappentext so schön: „Eine Künstlerin mit Herz und Haltung.“

„Das ganze Leben ist Begegnung“ von Katja Ebstein ist im Verlag FISCHER Krüger erschienen und jetzt als gebundenes Buch und von der Künstlerin selbst gelesen als Hörbuch im Handel erhältlich.


9 Kommentare

  1. Katja Ebstein… Ich mag sie, also als Mensch.🙂
    Außer „Diese Welt“ kann mich kein Song von ihr wirklich begeistern, auch nicht ihre beiden ESC-Erfolge „Wunder gibt es immer wieder“ und „Theater“.
    Aber warum ziehen sich viele ehemalige Künstler immer an dem Namen „Eurovision Song Contest“ bzw. „ESC“ hoch? Die Zeiten ändern sich nun einmal. Die französische Sprache spielt doch beim ESC schon lange eine eher untergeordnete Rolle, auch wenn manche Passagen immer noch auf französisch moderiert werden (aber viel weniger als früher, so scheint mir). Mag sein, dass „Grand Prix d‘ Eurovision de la Chanson“ eleganter klingt, aber die Zeit der Abendkleider ist nun wirklich vorbei.😉 Und das ist gut so, meiner Meinung nach. Es gibt ja einiges von den Neuerungen, die auch ich kritisiere, aber dass eine gewisse Lässigkeit Einzug gehalten hat, finde ich gut.
    Ansonsten ist es doch nur ein Name.😉

    • Letztendlich hat Deutschland keinen eigenen Namen für das Ding erfunden. Auf französisch war es der Grand Prix d‘Eurovison de la Chanson. In Großbritannien war es schon immer der Eurovision Song Contest. In Deutschland hätte man ihn Großer Liederpreis der Eurovision. Oder Liederwettbewerb der Eurovision. Ich glaube deshalb nicht das viele sich am Namen stören sondern eher am Musikstil der sich änderte.
      Katja Epstein ist für mich eine Ikone des deutschen Schlagers und des ESC, ich verehre sie für ihre tollen Lieder und finde sie ist mit ihren 75 Jahren immer noch eine bemerkenswerte Frau

      • Ich habe aber den Eindruck, dass für einige (ehemalige) ESC-Teilnehmer-/innen der „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ für das Traditionelle steht, also mit Orchester und feiner Garderobe etc. Natürlich, ich finde manche Neuerung auch nicht gerade glücklich, ich fände es auch schöner, wenn mehr in der Heimatsprache gesungen würde. Aber nun ja, ich kann die Länder auch irgendwie verstehen, die sich mit Englisch bessere Vermarktungschancen ausrechnen (einen Sieg kann man auch mit der Landessprache erringen, wurde schon mehrfach bewiesen). Ich will damit sagen, den alten Zeiten nachzutrauern ist sicher menschlich, macht aber auch nicht allzu viel Sinn.😉 Nur weil etwas anders ist, muss es ja nicht zwangsweise schlechter sein. Aber sorry, ich schweife ab.🙂

        Katja ist eine gute Sängerin, und ich mag sie auch. Sie kommt in Interviews immer sehr natürlich und sympathisch rüber. Aber so richtig erreicht hat mich von ihr nur „Diese Welt“.
        Das aber wirklich, gehört für mich zu den besten deutschen Beiträgen überhaupt.😊

      • Ich habe oft früher vom europäischen Schlagerwettbewerb oder Schlagerfestival bezüglich der deutschsprachigen Bezeichnung für den altehrwürdigen Namen Grand Prix d’Eurovision de la Chanson gelesen. Ob man es glauben mag oder nicht, aber auch heute noch lese ich in den deutschen Printmedien europäischer Schlagerwettbewerb. Da lässt sich deutlich erkennen wie schlecht heutzutage Journalisten recherchieren bzw. keine Ahnung haben, wenn sie über den ESC berichten bzw. schreiben.

  2. Katja Ebstein ist eine tolle Frau und wirklich eine Ausnahmekünstlerin. Ich habe sie schon auf vielfacher Weise auf der Bühne erleben dürfen.
    1970 beim Grand Prix-Vorentscheid (heute ESC) war sie völlig unbekannt und wurde zum Shootingstar.

    Der damalige Grand Prix Eurovision de la chanson hat mit dem heutigen Eurovision Song Contest inhaltlich und vom Anspruch her, nichts mehr zu tun. Da gebe ich ihr recht. Aber es hat alles seine Zeit.

    I love you, Katja ❤

  3. Katja ist die Ikone des deutschen Schlagers. Diese Welt, Und wenn ein neuer Tag erwacht höre ich heute noch ganze gerne. Eine bodenständige und tolle Frau

  4. Tolle Stimme, tolle Ausstrahlung. Nicht umsonst ist sie die erfolgreichste ESC-Teilnehmerin. Bei 3 Teilnahme immer auf dem Treppchen gelandet, das soll ihr einer mal nachmachen. Schade das sie mit Theater nicht gewonnen hat.

  5. Katja Ebstein gehört zu den besten deutschen Sängerinnen. Am Anfang ihrer Karriere wurde sie deshalb „Die Stimme“ genannt. Ich hätte ihr wenigstens einmal den Sieg gegönnt, aber nur schon immer unter den besten drei zu sein ist aussergewöhnlich erfolgreich.
    Ihre Alben sind auch heute noch hörenswert und spiegeln ihre Vielseitigkeit. Von Folksongs zu Chansons, Musicalmelodien bis zu poppigen Dieter-Bohlen-Produktionen sowie literarischen Liedern und natürlich Gassenhauer-Schlagern von damals hat sie alles gesungen. Mit ihrer Stimme konnte sie „Wein‘ nicht um mich, Argentinien“ genauso authentisch wie die Berliner Milieu-Lieder interpretieren.
    Ich liebe sie immer noch, „unsere“ Katja Ebstein!

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