Debatte über Sexualität, Gewalt und Verantwortung im Pop – rumänischer ESC-Beitrag „Choke Me“ sorgt für Kritik

Alexandra Căpitănescu – Bild: eurovision.tv

Anfang März hat Rumänien seinen Act für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien ausgewählt: Die gleichnamige Band rund um Sängerin Alexandra Căpitănescu wird das Land mit der rockigen Nummer „Choke Me“ vertreten. So weit, so gut. Doch inzwischen sorgt der Song für Kritik. Der Vorwurf: Titel und Text könnten nach Ansicht vieler als Verharmlosung oder sogar Glorifizierung sexueller Strangulation verstanden werden und so eine gefährliche Praxis normalisieren. Namhafte Medien wie The Guardian und Der Spiegel berichten darüber.

Tatsächlich ist der Beitrag nicht nur musikalisch eine härtere Nummer, sondern auch lyrisch. Im Refrain kommen Formulierungen wie „I want you to choke me“, „make my lungs explode“ und mehrfach „it’s hard to breathe in“ vor.

Gegenüber The Guardian äußerte sich dazu Clare McGlynn, Professorin für Recht an der Durham University und Autorin des Buches Exposed: The Rise of Extreme Porn and How We Fight Back. Die Expertin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen erklärte, die wiederholte sexualisierte Botschaft „choke me“ zeige „eine alarmierende Missachtung der Gesundheit und des Wohlbefindens junger Frauen.“

Der Guardian verweist in diesem Zusammenhang auch auf einen Präzedenzfall aus dem vergangenen Jahr: 2025 führte eine Beschwerde der BBC bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) dazu, dass Titel und Text des maltesischen Beitrags geändert werden mussten. Darin war ein Wortspiel enthalten, bei dem „kant“ (maltesisch für „singen“) klanglich an das englische Schimpfwort „cunt“ erinnerte.

Auch Der Spiegel berichtet in Deutschland über die Debatte um den rumänischen Beitrag und verweist dabei in erster Linie auf den Guardian

Doch was sagen die Künstlerin und der rumänische Sender TVR selbst dazu? In der Beschreibung unter dem offiziellen YouTube-Video des Songs heißt es, „Choke Me“ spreche über den emotionalen Druck, Zweifel und inneren Konflikte, die viele junge Künstlerinnen und Künstler erleben, wenn sie versuchen, ihre eigene Stimme und ihren Platz in der Welt zu finden. Durch eine intensive und persönliche Interpretation verwandle Alexandra Căpitănescu diese Erfahrung in einen kraftvollen musikalischen Moment. Die Atmosphäre des Liedes solle die Spannung zwischen Zerbrechlichkeit und der Kraft weiterzugehen einfangen und das Publikum zu einer ehrlichen emotionalen Erfahrung einladen.

Ist der Text also eher metaphorisch gemeint?

Trotz der Kritik wird der Song derzeit weiter promotet. Unter anderem ist ein Auftritt bei der London Eurovision Party 2026 angekündigt sowie auch in Amsterdam bei Eurovision in Concert. Ob die EBU in der Sache tätig wird, ist bislang unklar.

Kontroversen über „sexuelle“ ESC-Beiträge sind allerdings nichts Neues. 2025 sorgte nicht nur Miriana Conte für Diskussionen. Auch die finnische Vertreterin Erika Vikman musste auf Aufforderung der EBU Kostüme und Staging von „ICH KOMME“ ändern, weil die Performance als „zu sexualisiert“ für das ESC-Regelwerk galt.

Haben wir da eine Schieflage? Bei weiblichen Künstlerinnen wird bei Themen wie Körperlichkeit oder sexueller Andeutung besonders genau hingeschaut und häufiger eingegriffen, während männliche Acts oft mit deutlich mehr Spielraum agieren können (Stichwort: „Milkshake Man“). Tatsächlich musste aber auch die lettische Band Citi Zēni  2022 das Wort „Pussy“ aus ihrem Text streichen und die Tänzer von Nebulossa mussten sich 2024 etwas mehr bedecken als geplant. Das dürfte Dita Von Teese nicht beeindrucken, die zum ESC-Finale 2009 ihre Nippel überkleben musste.

Nun bleibt abzuwarten, wie die EBU reagieren wird und ob möglicherweise Änderungen am Text verlangt werden. Wir halten euch rund um alle Dramen beim Eurovision Song Contest 2026 auf dem Laufenden.

Was meinst Du? Findest Du die Textzeilen im rumänischen ESC-Beitrag problematisch? Welche Debatten dieser Art gab es noch in den vergangenen Jahren? Schreib uns Deine Meinung und Erinnerungen in die Kommentare!



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267 Comments
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Der Thoddy
Der Thoddy
1 Monat zuvor

Mir persönlich macht der Text nichts aus – so genau achte ich eh nicht darauf (eher, ob das Lied melodisch ist und im Kopf bleibt und dieses macht es). Ich schlage alternativ „Hold Me“ oder „Hug Me“ vor und schon ist der Drops gelutscht.

Rumänien ist mit oder ohne diese Änderung ganz klar in meiner TOP 3 !!!

herrtobsucht
Mitglied
herrtobsucht
1 Monat zuvor

Heieiei, alles was über Love Love, Peace Peace hinausgeht wird direkt abgeWÜRGT, haha.
Ist das nicht alles alles alles alles von der Kunstfreiheit gedeckt?

Christian W
Christian W
1 Monat zuvor
Reply to  herrtobsucht

Darum geht’s geht’s geht’s geht’s aber gar nicht.

Matty
Matty
1 Monat zuvor

Alexandra Căpitănescu ist die nächste Teilnehmerin an Eurovision in Concert:

https://www.instagram.com/p/DV3gSPuDJpe/?igsh=ajhuanhiaGtydGZj

Aka Nichts
Aka Nichts
1 Monat zuvor

Ich denke das Lied wird viele Leute abholen, weil es eben so düster ist. Es wird vielen Leuten zeigen, dass sie mit solchen dunklen Gedanken nicht allein sind und deshalb nicht gleich krank sind, sondern menschlich. Das jetzt zu ändern könnte auch mehr schaden als nutzen.
Man kann aber auch den Kommentatoren hier die Anweisung geben den Song vernünftig einzuordnen, um klar zu machen, dass es hier eben nicht um stumpfsinnige Gewaltverherrlichung geht.

Nils
Nils
1 Monat zuvor

Finde die Aufregung ziemlich bigott, um ehrlich zu sein. Da wird jetzt mal wieder mit der guten, alten „Familienshow“ argumentiert. Dass aber mindestens seit den 90ern jeder zweite Pop-Hit im Radio teils extrem sexualisierte, nicht kindgerechte Texte hat, scheint egal zu sein.

Ebenfalls egal, wenn Jonas Lovv so animalisch ist, dass er gar nicht anders kann, als dir direkt erstmal über die Klamotten zu wichsen:
„Baby I’m an animal, I got no self control /
Left it right all over you and your pretty clothes“ (wo sind da eigentlich die Leute, die sich über den Text der Piqued Jacks noch so aufgeregt haben?).

Ebenfalls egal, dass Käärijä darüber sang, sich beim Saufen alle Lichter auszuschießen. Oder Erika Vikman letztes Jahr.

Aber das Würgen bei Rumänien soll jetzt verwerflich sein?

Weiß ich nicht, Digga.

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
1 Monat zuvor
Reply to  Nils

Jonas bekommt also schon mal keinen Tanzschein. Er kommt da nicht rein!

floppy1992
Mitglied
floppy1992
1 Monat zuvor
Reply to  Nils

Sehe ich auch so.
Bei „Kant“, was, wenn man dieser Argumentation folgen will, ja eigentlich noch viel heftiger ist, sind wahrscheinlich dieselben Leute in hysterische Verzückung geraten, die „Choke Me“ jetzt ganz, ganz schlimm finden.

Christian W
Christian W
1 Monat zuvor
Reply to  floppy1992

Äh…nein. Und weder das eine Problem, noch das andere wurde von deutschen Fankreisen je vollumfänglich erfasst. Wie man ja hier wieder sehen muss…

Christian W
Christian W
1 Monat zuvor
Reply to  Nils

Was du behauptest stimmt ja größtenteils nicht. Und du vergleichst Äpfel mit Birnen. Digga.

Nils
Nils
1 Monat zuvor
Reply to  Christian W

Dann erklär mir mal, welche Teile nicht stimmen und inwiefern ich Äpfel mit Birnen vergleiche.

Christian W
Christian W
1 Monat zuvor
Reply to  Nils

Dass jeder zweite Pophit im Radio „teils extremst sexualisierte, nicht kindgerechte Texte hat“ ist sachlich falsch. Stimmt also nicht.

Dass Jonas Lovv damit eine sexuelle Handlung meint findet ja hauptsähclich in deinem Kopf statt. Das mag schlechter, von Nicht-Muttersprachlern verfasster Murks sein, aber er ist nicht sexuell. Zumindest nicht so, wie du das gerne hättest. Stimmt also auch nicht.

Es dürfte schon klar sein, dass weder Käärijä, noch Erika Vikman klar verständliches Englisch gesungen haben? Das sind die Äpfel und Birnen.

Schlippschlapp71
Schlippschlapp71
1 Monat zuvor
Reply to  Nils

Norwegen finde völlig unabhängig der Lyrics richtig stark.

Tjure
Tjure
1 Monat zuvor

Ja gut, ich hätte es gar nicht gemerkt, dass der Text „problematisch“ ist. Und so wird es wohl mehreren (den meisten) gehen. Da wird mal wieder Aufmerksamkeit geschaffen, wo es nicht notwendig ist.

Alki Bernd
Alki Bernd
1 Monat zuvor

Wenn wir die Thematik von Gewalt und Sex aus der Rockmusik streichen wollen, dann müssen wir ganz auf Rockmusik verzichten. Ein neuer Hayes-Code?

Alki Bernd
Alki Bernd
1 Monat zuvor

Außerdem ist es für Rumänien doch ein großer Fortschritt: Vom Beißen und Aussaugen zu bisserl Würgen. Man nähert sich doch schrittweise den EBU-Schäfchen-Standards an

Marko +++
Marko +++
1 Monat zuvor
Reply to  Alki Bernd

Nächstes Jahr gibt es jemanden in Wolfsfell für Rumänien 😉

Tombär
Tombär
1 Monat zuvor
Reply to  Marko +++

Nächstes Jahr kommt Dracula. Der will am Vorentscheid teilnehmen und wird jetzt schon haushoch favorisiert.

Franny
Franny
1 Monat zuvor
Reply to  Tombär

Diesen Dracula bitte… Er kann auch singen. Und zwar ziemlich gut. 🙂

Last edited 1 Monat zuvor by Franny
Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
1 Monat zuvor
Reply to  Tombär

Schon wieder? Der war doch 2013 schon beim ESC. Aber gut, die Filmhistorie lehrt uns ja schon, dass er nicht totzukriegen ist.

Matty
Matty
1 Monat zuvor
NL309
NL309
1 Monat zuvor

Ist schon wieder Sommerloch?

Solstice
Solstice
1 Monat zuvor

Leute, die damit ein Problem haben, sollten lieber sonntags in die Kirche als den ESC zu gucken. Was ein prüdes Völkchen, das nicht in der Lage ist einfachste Metaphern zu checken.

sam1
sam1
1 Monat zuvor

Die Sängerin Alexandra Căpitănescu hat dazu nun auch ein eigenes Statement veröffentlicht:

https://www.instagram.com/p/DV6hDf7iKFy/?igsh=MWR0bzBiMWF6OXY0bw==

Marko +++
Marko +++
1 Monat zuvor
Reply to  sam1

Damit es uns behalten bleibt:

I’ve read the conversations around ‚Choke Me‘ and I want to share with you what this song means to me.

I respect every opinion, but I also believe deeply in the freedom to express complex emotions through art.
I have a responsibility to the people who listen to my music, come to my concerts or follow me on Social Media.

‚Choke Me‘ is a metaphor for the pressure we sometimes place on ourselves. It speaks about inner fears, self-doubt, and the feeling of being emotionally suffocated by our own expectations. It was never intended to represent anything sexual.

As a songwriter, I often use symbolism to give shape to feelings that are difficult to explain directly. The song reflects the weight of certain emotional struggle and the journey of reclaiming your voice and autonomy.

Music is how I process complicated emotions and make sense of my inner world. When I stop putting pressure on myself, I reach my maximum potential.
The lyrics are about taking back control over anxiety and emotions that are choking you!

I’m grateful to everyone who listens and engages with my music in good faith.

Thank you for listening.
Alexandra Căpitănescu

*

Meine Gedanken: Danke, aber warum wirkt das ganze an bdsm angehaucht?

Schlippschlapp71
Schlippschlapp71
1 Monat zuvor
Reply to  Marko +++

Das Teil wird durch diesen „Skandal“ ähnlich gepusht wie letztes Jahr Malta. Auch „Serving“ ist anfangs hier durchgefallen, dann auf einmal fanden sich zahlreiche Fans.

Ich persönlich mag den rumänischen Beitrag nicht sonderlich, völlig unabhängig von den Lyrics. Schlechter Gesang und schlechtes Englisch, zudem ist es mir musikalisch für dieses Genre einfach zu 08/15.

Last edited 1 Monat zuvor by Schlippschlapp71
Matty
Matty
1 Monat zuvor

Alexandra Căpitănescu und Paula Selin, die Rumänien 2010 und 2014 beim ESC vertrat, sind als Teilnehmerinnen der Bukarester ESC-Preparty bekanntgegeben worden:

https://eurovoix.com/2026/03/28/alexandra-capitanescu-paula-seling-eurovision-pre-party-bucharest-2026/

Die Preparty findet am 18. April 2026 in der Arenele Romane statt.