
Deutschlands Beitrag „Fire“ von Sarah Engels hat beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien einen 23. Platz belegt. Das ist erst einmal der Ist-Zustand in der deutschen ESC-Welt. Was den Soll-Zustand angeht, gab es seit dem ESC-Finale eher wenig offizielle Kommunikation seitens des zuständigen Senders SWR. In einem Pressestatement hieß es lediglich: „Trotzdem sind wir natürlich enttäuscht über die Platzierung, auch wenn für uns diese eine Zahl nicht im Fokus stand. Viel wichtiger: Sarah ist eine großartige Botschafterin für Deutschland und die Werte des ESC … .“
Enttäuscht über die Platzierung? Ein anderes Abschneiden beim ESC soll also sicherlich das Ziel für den ESC 2027 sein. Mut, Kampfeswillen und Zukunftsideen sind nun auch bitter nötig, denn die Presse hierzulande stürzte sich einmal mehr auf das „deutsche Eurovision-Elend.“
Auf der Plattform LinkedIn blickt die deutsche Delegationsleiterin Tina Sikorski nun auf den ESC 2026 zurück und äußert sich auch zum kommenden Jahr – dem Eurovision Song Contest 2027. Zunächst zeigt sich die HoD wohlwollend:
„Eurovision Song Contest 2026 – was für eine Reise das gewesen ist! Danke, Sarah Engels, für deine fantastische Performance und deinen unermüdlichen Einsatz auf der Bühne, hinter der Bühne und abseits davon. Und danke an das unglaubliche SWR-Team, unsere Kolleginnen und Kollegen im gesamten ARD-Netzwerk sowie unsere Produktionspartner für ihren leidenschaftlichen Einsatz während dieses gesamten Projekts.
Auch wenn wir uns für Sarah ein besseres ESC-Ergebnis erhofft hatten, gibt es viele positive Entwicklungen hervorzuheben. Allen voran ihre konstant starken Auftritte auf der Bühne, die Anerkennung, die sie vom deutschen Publikum für ihre Leistungen erhalten hat, die überwältigende Begeisterung der Fans in Wien – und außerdem einen Platz in den Top 10 der meistgestreamten ESC-Songs 2026 auf Spotify.
Auch bei TV-Quoten und der Reichweite bei jüngeren Zielgruppen konnten wir große Erfolge erzielen. Der Marktanteil insgesamt lag bei knapp 47 Prozent, bei den 14- bis 29-Jährigen sogar bei über 78 Prozent. Die Livestreams in der Mediathek stiegen um 20 Prozent. Selbst das deutsche ESC-Finale Ende Februar erreichte die höchsten Einschaltquoten seit 24 Jahren.
Insgesamt können SWR und ARD den ESC 2026 als großen Erfolg betrachten. Gleichzeitig bedeutet das aber nicht, dass wir uns nicht weiter verbessern wollen.“
Ein großer Erfolg also? Na gut, verbessern möchte man sich ja. Aber was genau ist geplant? Dazu schreibt Tina Sikorski weiter:
„Für 2027 wollen wir unsere Formate und Prozesse weiter optimieren. Wir möchten herausragende Inhalte liefern, die noch mehr Menschen erreichen. Und natürlich streben wir ein besseres Ergebnis für den deutschen Act im ESC-Finale an.
Um das zu erreichen, werden wir unseren Weg der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Musikindustrie fortsetzen und gleichzeitig verlässliche sowie nachhaltige Möglichkeiten und Plattformen für Künstlerinnen und Künstler anbieten. Unsere Ziele für die Auswahl des ESC-Acts und Songs 2027 sind es, noch mehr hochkarätige Acts für den deutschen Vorentscheid zu gewinnen, größere stilistische Vielfalt jenseits des Mainstream-Pops zu fördern und mehr Songs einzubeziehen, die ‚irgendwie anders‘ sind und wirklich herausstechen.“

Jenseits des Mainstream-Pops nach Acts zu suchen, ist eine Idee, die eigentlich nicht neu ist, aber trotzdem eine gute Erkenntnis aus dem Abschneiden in Wien. Eine Erkenntnis, die wir auf diesem Blog ebenfalls bereits mehrfach angesprochen haben.
Ein Satz macht dabei allerdings stutzig: „Um das zu erreichen, werden wir unseren Weg der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Musikindustrie fortsetzen.“
Wer ist hier gemeint? Wieder eine ins Leere führende Marktforschung? Jurys? Eine engere Zusammenarbeit mit großen Labels? Einladungen zum deutschen Vorentscheid, die ausschließlich über den GEMA-Verteiler rausgehen und damit nur Acts erreichen, die dort überhaupt erfasst sind? Was wir bereits wissen: Der deutsche Beitrag soll weiterhin per öffentlicher Vorentscheidung bestimmt werden. Das hatte Tina Sikorski im April gegenüber ESC Kompakt bereits verraten, obwohl sie persönlich auch eine interne Auswahl nicht grundsätzlich verkehrt findet.
Oder deutet die Formulierung der „engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Musikindustrie“ doch darauf hin, dass eine interne Auswahl nun wieder wahrscheinlicher wird? Bislang ist dieser LinkedIn-Post jedenfalls der einzige größere „SWR-Blick“ auf den ESC 2027. Wir bleiben also weiter gespannt.
Was wünschst Du Dir für die deutsche ESC-Auswahl 2027? Präferierst Du einen Vorentscheid oder eine interne Auswahl? Lass uns Deine Meinung gerne in den Kommentaren wissen!
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Zunächst macht die Aussage Hoffnung, aber auf den zweiten Blick klingt sie dann doch wieder sehr schwammig. Klar würde ich es begrüßen, wenn man die Fehler der letzten Jahre – also vor allem: Die Fehler dieses Jahres nicht wiederholt! Nur, wie man es besser machen möchte, da verliert sich noch vieles in den Nebeln von Norwegen…
Helene hat einen längeren Snippet von ihrer neuen Single hochgeladen. „Heute Nacht“ heißt der Song und auch „Blitz“ hätten meiner Meinung nach perfekt zum ESC gepasst. Ich hoffe, dass nächstes Jahr so etwas im Vorentscheid zu finden sein wird.
Seufz. Ich würde es ja schon begrüssen, wenn es nicht wieder einen Retorten-Kommentar geben würde. Wie wollen wir „irgendwie anders“ werden oder irgendwas Echtes und Frisches zum ESC schicken, wenn es die deutsche HoD noch nicht mal schafft, irgendetwas zum Besten zu geben, das nach mehr als bürokratischer Abwicklung klingt?
Ich verstehe durchaus, dass es formale Zwänge gibt, auch bei der öffentlichen Selbstreflexion. Aber ein bisschen Ehrlichkeit hätte auch nicht geschadet.
Ja, der Abschnitt mit der „Musikindustrie“ macht stutzig. Welche Musikindustrie? Die ARD-nahe? Radio-nahe? Schlager-nahe? Grosse Labels jenseits des mittleren bürgerlichen Mainstreams werden ja wohl kaum ihren besseren Artists im Stall empfehlen, sich in die Nähe des deutschen öffentlich-rechtlich verstaubten ESC zu begeben…und ansonsten bleiben die hoffnungsvollen Newcomer, die man wie üblich mit konkurrenz-unfähigen radiodurchgespülten Songs wieder gegen irgendeinen Quoten-B-C-D-Promi verheizt?
Wie mans dreht und sich wendet, das Ergebnis werden wir wahrscheinlich im kommenden Februar sehen und ich habe keine grossen Hoffnungen, dass sich da viel verändert.
„Irgendwie anders“ – besser kann man nicht formulieren, dass man zwar ein bisschen ins Fan,- und Medienecho reingeschmeckt hat, aber eben keinen Plan hat, wie das eigentlich aussehen könnte – oder sollte. „Irgendwie anders“ hört beim ÖRR bei „Ragazzki“ auf, ein endlos milder Aufguss bekannter und lauwarm abgekupferter Pseudo-Witzigkeit. Is doch lustig, ging doch letztes Jahr auch ganz gut, können wir doch auch…Maggi-Fix-ESC!?!
Wenn ich einen Wunsch frei hab: bitte, bitte, bitte keinen Neuaufguss von schlecht kopiertem „Bangaranga“ oder Pseudo-Erika oder Ähnliches nächstes Jahr. Das ist doch ein kleiner, bescheidener Wunsch, oder?
Also der ESC ist nicht „verstaubt“ zumindest außerhalb Deutschlands und das zählt ja.
Man sollte den ESC nicht aus der deutschen Brille betrachten, sondern aus der europäischen Sicht heraus und da hat sich dieses Jahr besonders gezeigt, das mitreißende Musik auch in die top 10 kommen kann und solch eine Musik gibt’s auch in Deutschland.