Interview: Søren Torpegaard Lund über die Startreihenfolge in Wien, ESC-Songs auf Dänisch & neue Projekte

Beim Eurovision Song Contest 2026 hat Søren Torpegaard Lund noch darüber gesungen, was passiert, bevor er nach Hause geht. Zuhause war der dänische Vertreter aber vermutlich schon lange nicht mehr, denn seit dem ESC ist Søren viel beschäftigt. Wie berichtet, hat er in den vergangenen Monaten nicht nur mit dem deutschen DJ-Duo twocolors zusammengearbeitet, sondern sorgt jetzt auch für musikalischen Nachschub.

Ich durfte meinen absoluten Favoriten des Wien-Jahrgangs, Søren Torpegaard Lund, in Berlin zum Interview treffen und hätte mir keinen besseren Interviewpartner vorstellen können. Der Däne war tiefenentspannt und setzte sich mit Kaffeetasse in der Hand pünktlich um 10 Uhr zu uns in die Hotellobby. Die gesamte Woche über verbringt Søren in Berlin, um neue Musik aufzunehmen und für den Auftritt am heutigen Samstag zu proben: Dann steht nämlich der CSD in der deutschen Hauptstadt an.

Übrigens: Neben Søren tritt auch ein weiterer Act mit ESC-Bezug auf! wavvyboi beehrt Berlin heute (siehe unten), nachdem er im deutschen Vorentscheid dieses Jahr noch den zweiten Platz belegte und im ESC-Finale sogar die deutschen Jurypunkte verkünden durfte. Zudem seit kurzem bekannt: Sarah Connor ist „Surprise Act“ beim CSD am Samstag. Sie war zumindest schon einmal Teil der deutschen ESC-Jury.

Doch natürlich gab es beim Interview mit Dänemarks Søren noch viel mehr zu besprechen als seinen bevorstehenden CSD-Auftritt. Zuerst haben wir einen Blick zurück auf seine ESC-Reise geworfen. Søren meinte, dass ihm das Gemeinschaftsgefühl mit all den anderen Acts besonders gefallen hat. Die Momente backstage bleiben ihm wohl noch sehr lange in Erinnerung.

Besonders gespannt war ich persönlich auf seine Meinung zur (stark polarisierenden) Startreihenfolge, die der ORF und die EBU dieses Jahr für das ESC-Finale bestimmt haben. Demnach musste Søren als Erster auf die Bühne und eröffnete das große Finale. Auch wenn er selbst es gelassen nahm, verriet Søren uns, dass sein Team alles andere als entspannt war. Die dänische Delegation war demnach nicht begeistert von der Vorgabe, als Erstes aufzutreten.

Anstatt sich den Kopf darüber zu zerbrechen, habe sich Søren komplett auf seinen Auftritt fokussiert, wie er mir sagte. Er empfand es sogar als Ehre, dass die Verantwortlichen seinen Song als stark genug bewerteten, um ihn als Auftakt der Show zu nutzen. Zudem findet Søren, jeder Song könne den ESC gewinnen – egal von welcher Startposition aus. Auf die Wettquoten habe er die ganze Zeit über nicht geachtet, sagt er.

Am Ende hat Søren bewiesen, dass die Startposition 1 tatsächlich kein Riesen-Nachteil bedeuten muss. Seit Emmelie de Forest 2013 gewann, konnte sich kein dänischer ESC-Beitrag mehr so weit oben platzieren, wie „Før Vi Går Hjem“ in Wien. Und das, obwohl der Beitrag in Landessprache gesungen wurde. Auch hierzu hat Søren eine klare Meinung: Jeder Song sollte beim ESC in der Sprache performt werden, in der er geschrieben wurde. Zumindest sei dies seiner Auffassung nach am authentischsten.

Søren sang auch zuvor ausschließlich in seiner Muttersprache und fühlte sich daher sehr wohl, „Før Vi Går Hjem“ auf Dänisch zu performen. Übrigens hofft er, damit auch künftige ESC-Acts aus Dänemark inspiriert zu haben. Er würde sich freuen, wenn ab sofort mehr Songs in Landessprache beim Vorentscheid Dansk Melodi Grand Prix antreten. Er selbst wolle – zumindest 2027 – definitiv nicht nochmal teilnehmen. Eine Beteiligung an künftigen ESC-Beiträgen schließt Søren aber nicht aus.

Søren Torpegaard Lund mit Blogger Rick (links) und ESC-kompakt-Leser Sören (rechts)

Tatsächlich ist der Sänger momentan regelmäßig in Deutschland anzutreffen, da er einen sogenannten „Major Label Vertrag“ unterzeichnet hat und somit bei der Universal Music Group in Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen unter Vertrag steht. In Berlin arbeitet er bei den zugehörigen Tonstudios aktuell an neuer Musik. So kam er interessanterweise auch mit Florian Rößler, aka Floryan, in Kontakt, der 2024 selbst noch versuchte, das (deutsche) ESC-Ticket zu lösen.

Ein Vorbote auf das, was musikalisch noch von Søren kommt, ist seine neuste Single. „Festen stopper aldrig“ („Die Party endet nie“) wurde am 3. Juli veröffentlicht und handelt von seiner Zeit während der ESC-Woche. Völlig euphorisiert und positiv gestresst singt Søren über eine ausgelassene Partynacht, die nicht enden soll. Sowohl thematisch als auch musikalisch geht die Nummer in die Richtung seines ESC-Songs. „Festen stopper aldrig“ (siehe unten) kombiniert eine mitreißende Melodie mit moderner Club-Produktion.

Mir hat Søren übrigens noch verraten, dieses Jahr auch in Schweden und Kopenhagen auf den jeweiligen Pride-Paraden aufzutreten. Auch an weiteren Songs und einem Album wird gearbeitet. Zudem glaubt der Sänger, dass ihm der ESC viele neue Türen geöffnet habe. Aus diesem Grund rät er auch Acts aus Deutschland, keine Angst vor einer Teilnahme zu haben und sich unbedingt zu bewerben. Der ESC sei schon lange kein Ort mehr, an dem Karrieren beendet werden könnten, so Søren.

Wie gefällt dir die neue Single von Søren Torpegaard Lund? Denkst du, die Startreihenfolge im ESC-Finale hat ihm geschadet? Lass uns deine Meinung gerne da.



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