
Obwohl es noch drei Monate bis zur entscheidenden Abstimmung über die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest 2026 sind, wird von etlichen Ländern weiter Druck auf die European Broadcasting Union (EBU) aufgebaut. Diese soll sich derweil in Sondierungen befinden. Dabei werden laut Angaben der israelischen Website Ynet derzeit drei mögliche Szenarien für eine Lösung mit Israel diskutiert. Allerdings scheint keine dieser Alternativen für das Land und den es beim ESC vertretenden Sender KAN gangbar zu sein.
Der ESC 2026 steht aktuell ganz unter dem Eindruck der Diskussion über die Teilnahme Israels am Wettbewerb. Immer mehr Sender aus verschiedenen Ländern drohen damit, keinen Beitrag nach Wien entsenden zu wollen, wenn Israel dort auftreten darf: Slowenien, Irland und die Niederlande haben hierzu ganz eindeutig Stellung bezogen. Aus anderen Ländern wie etwa Spanien, Belgien und zuletzt auch Frankreich sind ähnliche Signale zu vernehmen. Wenn die EBU, die den ESC ausrichtet, nicht aufpasst, könnte eine Boykott-Lawine in Bewegung geraten und man im Mai in Wien vor einem Scherbenhaufen stehen.
Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass die EBU alle Räder in Bewegung setzt, um das Problem schnellstmöglich zu lösen. Als Deadline gilt dabei die EBU-Sitzung im Dezember in Genf. Dort soll über die Teilnahme Israels am ESC 2026 abgestimmt werden. Wie auch immer diese Abstimmung ausgeht, für den ESC und die EBU ist weder das eine, noch das andere Ergebnis wünschenswert. Denn weder der Ausschluss eines Landes (in diesem Fall Israels), noch ein Boykott des Wettbewerbs von anderen Ländern entsprechen der völkerverbindenden Zielsetzung des Wettbewerbs. Idealweise muss also schon vor der Entscheidung in Genf eine (diplomatische) Lösung gefunden werden, mit der alle leben können. Und genau hier liegt das Problem.
Alle drei bekannten, derzeit diskutierten Lösungen dürften für den israelischen Sender KAN nicht akzeptabel sein. Mit dem Hinweis, dass die drei Alternativen nicht offiziell sind, benennt Ynet diese: 1) Israel könnte sich vorübergehend vom ESC zurückziehen, um eine „demütigende Disqualifikation“ bei der Abstimmung zu vermeiden. 2) Israel könnte unter einer neutralen Flagge antreten, wie wir es von den Olympischen Spielen kennen. Diese Flagge könnte schlicht das Senderlogo von KAN sein. 3) Der Sender KAN könnte sich in einem öffentlichen Statement von der Politik der israelischen Regierung und des Militärs distanzieren. Deren Agieren im Gaza-Streifen wird als Auslöser der Ausschlussforderungen gegen Israel angesehen.
Tatsächlich scheint keine der Alternativen für den Sender gangbar zu sein. Beim vorübergehenden Rückzug vom ESC steht für Israel die Gefahr im Raum, dass daraus ein längerer Zeitraum des Ausschlusses wird. Die Idee, ohne die Nationalflagge aufzutreten, wird ebenfalls als inakzeptabel angesehen. Und die öffentliche Distanzierung des Senders von Staat und Militär wird laut sendernahen Quellen von Ynet für extrem unwahrscheinlich gehalten.
Während die drei Monate bis zur finalen Entscheidung in Genf im Moment noch recht lang wirken, kann die Kompromissbereitschaft auf allen Seiten steigen, wenn wir uns dem Dezember nähern. Möglicherweise kommen aber auch noch weitere Lösungsvorschläge auf den Tisch. Im Moment jedenfalls scheint eine versöhnliche Lösung in weiter Ferne.
Wie bewertest Du die drei Vorschläge, die Diskussionen um die ESC-Teilnahme Israels in Wien zu beruhigen? Siehst Du noch andere Lösungsmöglichkeiten als die drei genannten? Und was glaubst Du, wird am Ende im Dezember entschieden? Lass es uns in den Kommentaren wissen.
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