
Am Donnerstag wurde das Regelwerk des Festival di Sanremo 2026 veröffentlicht. Dieses enthält auch einen Abschnitt zur Teilnahme am Eurovision Song Contest; Italien scheint also am kommenden ESC in Wien teilnehmen zu wollen.
Carlo Conti, der Moderator und musikalische Leiter des Festivals im kommenden Jahr, hat das neue Regelwerk selbst sehr treffend zusammengefasst. Im Nachrichtenjournal TG1 sagte er gestern Abend:
„Das Reglement? Genau dasselbe wie im letzten Jahr. Die Hoffnung ist, 26 große Namen im Wettbewerb zu haben, damit es früher endet und ich früher schlafen gehen kann.“
Im Großen und Ganzen gibt es tatsächlich kaum eine Änderung zum Vorjahr. Der größte Unterschied ist die Anzahl der teilnehmenden, etablierten „Big“-Acts. Im letzten Jahr nahmen 29 Künstler*innen und Bands teil. Allerdings war damals in der ersten Version des Regelwerks von 24 „Big“ die Rede, bevor die Anzahl später auf 30 erhöht wurde und schließlich Emis Killa disqualifiziert wurde. Wie viele Acts dann real am 76. Festival di Sanremo teilnehmen werden, bleibt also abzuwarten; schon in vielen vergangenen Jahren wurde die Teilnehmerzahl nach Sichtung aller Einreichungen noch nach oben korrigiert.
Ablauf des Festivals
So laufen die einzelnen Abende im kommenden Jahr ab:
Erster Abend
Alle 26 „Big“-Acts präsentieren ihren Wettbewerbsbeitrag zum ersten Mal und werden von der Pressejury bewertet. Die Top 5 der Abstimmung werden in zufälliger Reihenfolge bekannt gegeben.
Zweiter und Dritter Abend
Am Zweiten Abend präsentieren 13 Acts ihren Wettbewerbsbeitrag zum zweiten Mal, am Dritten Abend die anderen 13. Abgestimmt wird an beiden Abenden durch Televoting und durch die Radiojury (beide haben einen Stimmanteil von 50%). An jedem Abend wird ein Einzelranking erstellt und die Top 5 des Abends werden in zufälliger Reihenfolge enthüllt. Anschließend wird ein kombiniertes Ranking dieser beiden Abende erstellt.
Vierter Abend
Der Vierte Abend bleibt der Abend der Cover, an dem die teilnehmenden „Big“-Acts zusammen mit Gästen Cover-Versionen italienischer oder internationaler Lieder präsentieren. Das Ergebnis geht wie im letzten Jahr nicht mehr in das Gesamtklassement ein, der Cover-Abend ist ein eigenständiger Wettbewerb. Abgestimmt wird durch Pressejury, Radiojury und Televoter (33%, 33%, 34%).
Fünfter Abend
Alle etablierten Acts treten ein weiteres Mal mit ihren Wettbewerbsbeitrag auf und werden von allen drei Jurys bewertet (Pressejury 33%, Radiojury 33%, Televoting 34%). Anschließend wird ein Gesamtklassement gebildet, in das die Abstimmung aus dem Ersten Abend, dem Zweiten und Dritten Abend in Kombination sowie dem Fünften Abend eingehen. Die ersten Fünf erreichen ein Superfinale.
Im Superfinale wird dann noch einmal durch Televoter (34%) und die beiden Jurys (je 33%) abgestimmt und der Sieger durch die Kombination dieses Votings mit dem der Vorabende bestimmt. Auch das war schon so im letzten Jahr. In den Jahren zuvor hingegen zählte nur das Voting im Superfinale.
Teilnehmende Lieder dürfen maximal 3:30 min lang sein, wobei Überschreitungen von wenigen Sekunden nur im Fall von „zwingenden künstlerischen Gründen“ erlaubt sind. Die RAI scheint das aber nicht so streng zu sehen, im letzten Jahr mit gleicher Regelung durfte Brunori Sas mit „L’albero delle noci“ antreten, welches 3:56 min lang war. Auf jeden Fall kann es so passieren, dass der Siegerbeitrag für den ESC mit seiner 3-Minuten-Regelung deutlich gekürzt werden muss. Lieder, die in der Kategorie Nuove Proposte vorgestellt werden, dürfen wie beim ESC maximal 3 Minuten lang sein.
Auswahl des ESC-Acts
Im Regelwerk findet sich auch ein Abschnitt zum Eurovision Song Contest. Hier gibt es keine große Veränderung zu den letzten Jahren, der Abschnitt ist mehr oder weniger „Copy and Paste“ der Version des letztjährigen Reglements kurz vor dem Sanremo-Festival 2025.
Der Sieger des Festivals wird Italien beim ESC vertreten, sofern er oder sie vorher seine schriftliche Einwilligung gegeben hat. Falls der Gewinner-Act nicht zum ESC zu fahren möchte oder die EBU den Act nicht akzeptiert, wird die RAI den italienischen Vertreter nach der Platzierung im Gesamtergebnis auswählen.
Im vergangenen Jahr stand in der ersten Version des Reglements, dass sich die RAI vorbehält, den ESC-Vertreter intern nach eigenen Kriterien auszuwählen, falls keine Zustimmung des Gewinners vorliegt. In einer späteren Version wurde der Abschnitt jedoch noch einmal verändert, sodass für das Festival 2025 auch schon die Regelung mit der Ernennung entsprechend dem finalen Ranking existierte – und auch zur Anwendung kam.
Der Gewinner des vergangenen Festivals, Olly mit „Balorda nostalgia“, lehnte damals wegen seiner ausverkauften Tournee ab, beim ESC anzutreten, weshalb der Zweitplatzierte Lucio Corsi mit seiner ruhigen Ballade „Volevo essere un duro“ nach Basel reiste und dort einen sehr guten fünften Platz erreichte. Im kommenden Februar wird Lucio Corsi auf Europatournee gehen und dabei auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Luxemburg auftreten.
Mit der Veröffentlichung des Abschnitts zum Eurovision Song Contest im Regelwerk scheint die Teilnahme von Italien am internationalen Wettbewerb jetzt auch ziemlich sicher zu sein. Trotzdem ist dies noch keine offizielle Bestätigung der RAI in einer Pressemeldung oder ähnlichem.
Nuove Proposte
Auch zum Nachwuchskategorie Nuove Proposte nimmt das Regelwerk Stellung. Hier bleibt auch fast alles beim Alten: der Wettbewerb wird wieder unabhängig vom Wettbewerb der „Big“ ausgetragen und der Duell-Modus wird beibehalten.
Am Zweiten Abend werden vier Acts in zwei Duellen gegeneinander antreten. Zwei von ihnen stammen aus der Vorauswahl Sanremo Giovani, die anderen beiden aus der Vorauswahl Area Sanremo. Im letzten Jahr war nur einer der Acts aus Area Sanremo. Dass die Anzahl auf zwei erhöht wird, war Teil der zwischen Kommune Sanremo und der RAI ausgehandelten Vereinbarung.
Am Dritten Abend findet dann das Finale von Nuove Proposte statt. Voten werden an beiden Abenden die Televoter (34%), die Pressejury (33%) und die Radio-Jury (33%).
Zur Vorauswahl Sanremo Giovani gab es gestern auch noch Neuigkeiten. Carlo Conti hat in den Abendnachrichten bekannt gegeben, dass Gianluca Gazzoli durch die Shows, die im November und Dezember ausgestrahlt werden, führen wird. Außerdem wurde verkündet, dass es mehr als 500 Einsendungen gab.
Dass das Sanremo-Festival in den kommenden Jahren weiterhin in Sanremo stattfinden wird, ist mittlerweile auch ganz offiziell bestätigt. Bereits Anfang September hatten sich die RAI und die Kommune Sanremo nach langen, emotionalen Verhandlungen geeinigt, damals konnte der Vertrag aber noch nicht unterschrieben werden. Das erfolgte nun Anfang Oktober. Das Festival di Sanremo wird also die kommenden drei Jahre mit Verlängerungsoption um zwei Jahre in Sanremo ausgetragen.
Das 76. Festival di Sanremo findet vom 24. bis zum 28. Februar 2026 statt. Aufgrund der olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist dies später als üblich. Austragungsort ist nach langen Verhandlungen zwischen RAI und der Kommune wie immer das Teatro Ariston in der Küstenstadt Sanremo. Insgesamt nehmen 26 etablierte „Big“-Acts und vier Nachwuchsacts im getrennt ablaufen Wettbewerb Nuove Proposte teil.
Findest Du das Regelwerk des kommenden Sanremo-Festivals gut oder hättest Du Dir mehr Veränderungen gewünscht? Freust Du Dich, dass Italien sehr wahrscheinlich beim ESC 2026 dabei sein wird? Welche Acts wünschst Du Dir als Teilnehmer? Schreib es uns gerne in die Kommentare.
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