Jury-Voting aus Weissrussland disqualifiziert

Wer auf Eurovision.tv die weissrussischen Einzelergebnisse des Juryvotes nachschlagen will, sucht diese vergebens. Stattdessen sind der Ergebnisse eines Algorithmus veröffentlicht, der Israel seinen einzigen Zwölfer zuweist und Deutschland immerhin acht „Jurypunkte“ aus Belarus. Diese Punktevergabe ist eine Konsequenz aus der Disqualifikation der weissrussischen Jury.

Über die Disqualikation berichten mehrere britische Medien wie z.B. The Sun. Grund dafür ist, dass der weissrussische Jurysprecher, Valeri Prigun, öffentlich darüber gesprochen hat, wie die weissrussische Jury im ersten Halbfinale abgestimmt hat. Das ist gemäß der EBU Statuten strikt untersagt.

Die EBU bestätigt die Disqualifikation: “The Belarussian jury voting has been revealed in an interview contravening Eurovision Song Contest rules. In order to be compliant with the ESC voting regulations, the EBU has taken action and has dismissed the Belarussian jury from the Grand Final on Saturday. An aggregated result approved by the auditors will be used in order to determine to whom the Belarussian votes will be allocated.”

Wie das Ersatzvoting exakt zustande kam, verrät die EBU nicht. „An aggregated result approved by the auditors“ klingt eher mysteriös als aufhellend. Fest steht, dass die jetzt zum Einsatz gekommene Punktetableau weit weg von dem ist, wie die weissrussische Jury tatsächlich abgestimmt hätte, was diese ja teilweise verbotenerweise öffentlich gemacht hat.

Und Russland (auch in 2019 wieder 12 Punkte im weissrussischen Televoting) geht leer aus, was es in der ESC Geschichte noch nie gegeben hat, seit Weissrussland abstimmt. Stattdessen bekommt von der weissrussischen „Algorithmus-Jury“ Israel seine einzige „twelve points“, was zu einem sehr emotionalen Moment in der Liveshow führte, also substanziell auf die Dramaturgie der Liveshow rückgekoppelt hat. Ohne die geschenkten Zwölf wäre Israel im Juryvoting ohne Punkte auf dem letzten Platz gelandet. Diese Blamage blieb dem Gastgeber durch die Algorithmus-Zuwendung erspart.

Die 10 des computergenierten Algorithmus geht an Estland und die 8 wie berichtet an Deutschland, was bei Nicht-Disqualifikation der Jury wohl auch eher unwahrscheinlich gewesen wäre. Im Televoting gehen beide Länder leer aus.

Für den Zieleinlauf spielt das alles allerdings keine signifikante Rolle. Zwar hätten Belarus und Deutschland die Plätze getauscht, aber weder bei der BottomFive noch bei der Platzierung von Russland (auch nicht in der exklusiven Juryvotingtabelle) hätte sich darüber hinaus maßgebend etwas geändert. Vielleicht ist das mit der verschwurbelten Formulierung „an aggregated result approved by the auditors“ gemeint.

C4AA011F-D929-4C1E-A3C1-A062A4A0B6E2Die rechnergenerierten synthetischen „Jury-und-doch-nicht-Jury“ Punkte aus Weissrussland lindern allerdings etwas den subjektiven Schmerz einiger low performer wie UK, Israel und auch Deutschland. So verzeichnet die Punktebilanz der S!sters neben Dänemark einen zweiten Achter.

Für Weissrussland ist der Jury-Gau im übrigen ein Eigentor. Wenn es die acht Punkte für Deutschland nicht gegeben hätte, hätten sie Zena den vorletzten Platz erspart.*

*Danke an Janni, an David Z und an Kristina Nieswand für ergänzende Hinweise.



15 Kommentare

  1. Die haben wohl statt 2019, den 2018 Algorithmus verwendet. Die hinteren Länder haben somit Punkte geschenkt bekommen. Das ist eigentlich ein größerer Skandal als das Bekanntgeben der Ergebnisse.

  2. Die Aktion war ein Eigentor von Weißrussland. Ohne den idiotischen Fehler wären sie noch vor uns gelandet. Selbst schuld.
    Außerdem hätte Israel bei den Jurys den letzten Platz gemacht mit 0 Punkten. Schon bitter wenn die einzigen Punkte von einer Pseudo-Jury kommen

  3. Ganz verständlich ist das aber nicht, wie es dann zu Punkten für uns, das UK und Israel kommt…

    Aber wir können dankbar sein 🙂

  4. Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass die EBU überhaupt nicht kommuniziert, wie die Votes zustande kommen. Und dass sie fast ausschließlich an die hinteren Plätze gehen, hinterlässt auch ein „Geschmäckle“.

  5. Bin echt gespannt, wie das neue Ergebnis zustande kommt, so konnte sich Kobi einmal freuen 🙂 UK wäre so oder so letzter gewesen, sonst wären die Wetten auf last place beeinflusst gewesen..

  6. Wie kann man so strunzdoof sein und öffentlich Ergebnisse ausplaudern? Plaudertasche Valeri Prigun sollte nie wieder einer Jury angehören dürfen!

  7. Kleiner Funfact am Rande: ich hatte ja eine Liste erstellt, wie denn die Votingreihenfolge beim gestrigen Finale sein wird und festgestellt, daß ich dabei drei Länder richtig getippt habe! Das waren Portugal (1.), Griechenland (33.) und Israel (41.).

  8. Wenn man die weißrussischen Jury-Punkte herausrechnet, würden Schweden und Norwegen (5./6.), Albanien und Serbien (17./18.), Estland und San Marino (19./20.) sowie Weißrussland selbst und Deutschland (24./25.) Plätzte tauschen.

    Der „Algorithmus“ ist wohl so programmiert, dass die Pseudo-Punkte keinerlei Auswirkung auf den Sieg haben. Um die Letzte-Platz-Wetten muss sich die EBU nicht kümmern.

  9. ESCxtra hat sich das mal mehr Gedanken zu gemacht und eine-wie ich finde sehr plausible-Erklärung für dieses unglaubliche Voting gehabt(Danke an die eurofire-Kollegen für die Meldung). Die EBU hat es dabei geschafft ihre eigenen Regeln nicht zu verstehen und den eigentlich letztenplatzierten die Punkte zu geben. Wenn es wirklich so gekommen ist, müsste das Ergebnis meiner Meinung nach nochmal korrigiert werden, alles andere wäre frech. Und Herr Sand kann sich zukünftig sein Rumgestotter vonwegen „Voting is valid“ sparen, Stimmt ja eh nicht. Das passt finde ich eh nicht in die Show, weil er das nicht richtig zu verkaufen weiß in seinen 30 Sekunden.
    Link dazu: https://escxtra.com/2019/05/19/major-error-belarus-jury-vote-eurovision-final/

  10. Es gibt bestimmt einen Zusatzparagrafen in den Regeln, der besagt, dass die Votings vom Ende des Rankings übernommen werden, um gänzlich das mutmassliche Spitzenranking einer korrupten oder falsch agierenden Jury abzustrafen und zu nivellieren.

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