Kommentar: „The Masked Singer“ macht die ESC-Bedeutung von Stefan Raab schmerzlich bewusst

Ganz Deutschland spricht über die maskierten Sänger – und ihren Sieger: Max Mutzke. Über 4 Millionen Zuschauer sahen am Donnerstagabend das Finale von The Masked Singer. Das sind fast 40% Marktanteil. Das ESC-Finale hat in Deutschland zwar mehr Zuschauer, läuft aber auch an einem Samstagabend. Und so intensiv wie jetzt bei The Masked Singer wird anschließend selten darüber diskutiert. Es ist ein phänomenaler Erfolg für ProSieben. 

Gewohnt ist der Sender solche Triumphe schon lange nicht mehr. Seit dem Ausstieg von Stefan Raab gab es bei ProSieben showmäßig kaum relevante Innovationen. Nun wurde also ein Erfolgsformat eingekauft – und ausgerechnet ein ESC-Vertreter, den Raab groß gemacht hat, hat dort erneut seine Klasse bewiesen. Gesangliche und künstlerische Qualität setzt sich eben durch – auch hinter einer Maske. 

Unglaubliche 15 Jahre ist es jetzt her, dass Stefan Raab Max Mutzke entdeckt hat. Im Rahmen seiner TV-Show startete er eine eigene Casting-Show mit dem sperrigen Titel SSDSGPS – Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star. Dort setzte sich der damals 22-jährige Mutzke durch. Danach gab es kein Halten mehr: Platz 1 in den deutschen Single-Charts für „Can’t Wait Until Tonight“, ein Erdrutschsieg beim deutschen ESC-Vorentscheid und ein großartiger achter Platz im selben Jahr in Istanbul. 

Danach wurde es zwar ruhiger um Mutzke. Er war aber immer irgendwie da und machte sein Ding. Und nun brachte er sich mit einem Schlag wieder ins Bewusstsein der deutschen TV-Bevölkerung. Was für ein großartiger Erfolg – auch für Stefan Raab. Nach seinen ESC-Missionen 1998 mit Guildo Horn und seinem eigenen Auftritt 2000 in Stockholm holte er mit Mutzke bei seinem dritten ESC-Engagement die dritte Top-10-Platzierung. Drei weitere folgten 2010, 2011 und 2012. 

Bei dieser Erfolgsliste ist es kein Wunder, dass seitdem nach jeder Unter-ferner-liefen-Platzierung Deutschlands beim ESC Stimmen laut wurden, die die Rückkehr von Raab zur deutschen Vorentscheidung forderten. Natürlich aussichtslos. Und wer weiß: Womöglich hat Raab ja in der Zwischenzeit auch seinen ESC-Erfolgs-Riecher verloren?

Selbst wenn dem so ist: Raabs ESC-Arbeit wirkt bis heute noch nach. Mit Lena, ein bisschen mit Roman Lob und jetzt eben auch wieder mit Max Mutzke. Wie viele andere deutsche ESC-Teilnehmer hat man seitdem vergessen?! Wie wackelig ist das deutsche Abschneiden beim Grand Prix – ob mit oder ohne Simon Kucher. So im Rückblick wird Raab schmerzlich vermisst.

„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, sagte einst Erich Honecker – ironischerweise kurz vor seinem politischen Ende. Inhaltlich hat er damit aber nicht ganz unrecht. Schauen wir also mit Freude auf die zurückliegenden Erfolg Raabs beim ESC und seiner Schützen heute – und seien wir optimistisch, dass es irgendwann einen neuen Raab für ESC-Deutschland gibt. Oder einen 80er-Jahre-Ralph-Siegel for that matter.



9 Kommentare

  1. Darf ich an dieser Stelle einmal völlig ohne Bezug zum Thema des Artikels anmerken, dass Max Mutzke mit Vollbart unglaublich heiß aussieht?

  2. Na, da wurde halt aus einem Jüngling ein Mann!
    Passt.

    PS. Nicht nur, dass man mit Max Mutzke 2004 eine wirkliche Persönlichkeit gefunden hatte, die auch 2019 noch nachhallt. Nein, es wird schmerzlich bewusst gemacht, wie dilettantisch der NDR in den Nicht-Raab-Jahren an die Kandidatensuche herangegangen ist. Weniger Newcomer, weniger niedlich und mehr gestandene Persönlichkeiten mit Stimme täte dem deutschen VE mal ganz gut. Hach, welch‘ Traum…, aber mit dem NDR wird das eh nichts mehr.

  3. Die Diskussion ist eigentlich müßig: Stefan Raab hat über die Jahre einen sehr guten Riecher bewiesen und Großes für das Ansehen des ESC in Deutschland geleistet, aber er ist jetzt weg, wird nicht zurückkommen und nur in der glorreichen Vergangenheit zu schwelgen, bringt nichts. Was man aber eideutig als Lehre aus dem Raab-Komplex ziehen kann, ist, dass ein Quereinsteiger mit Leidenschaft für die Sache und dem nötigen Ehrgeiz den „frischen Wind“ mitbringen kann, den es manchmal einfach braucht. Also lieber NDR: Vielleicht mal die Beamten-Mentalität über Bord werfen und nach solchen Querköpfen Ausschau halten, eventuell sogar mit einer öffentlichen Ausschreibung? Einen Versuch wäre es wert!

  4. Wieso sollte es eigentlich so unmöglich sein, dass Raab noch einmal einsteigt? Er ist doch als Produzent längst wieder aktiv, macht hinter den Kulissen weiter z.B. das „Ding des Jahres“ auf ProSieben… Wenn er als Mentor oder Produzent gefragt würde ohne zwingende TV-Präsenz dazu, wäre es m.E. durchaus möglich, dass er es noch mal wuppt…

  5. Wenn wir den Bogen von TMS zum „Potential Artist Profile“ schlagen, dann würde ich mir tatsächlich den Grashüpfer-Typ wünschen. Und jetzt Schwärmerei beiseite, darum geht es gar nicht. Ich will jemanden, der vor allem die Bühne liebt. Es muss kein ESC-Fan sein, es geht um die Leidenschaft, etwas vorzutragen, zu verkörpern und mit Leben zu füllen. Einen eleganten Performer, der das Ganze aber nicht arrogant oder selbstverliebt angeht, sondern mit Herz und Energie! Jemanden, der die „Attitude“ mitbringt, um da eine Show aufs Parkett zu legen. Man könnte auch Rampensau sagen, aber ich persönlich möchte mehr auf den geschmeidigen Anteil hinaus ^^ Neben dem Grashüpfer fallen mir da Roger Cicero (RIP 😭❤) und Texas Lightning als „Vorbilder“ ein.

  6. Diese Raab-Glorifizierung gerade im Kontext des Vorentscheides 2004 kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich daran zurückdenke, welches Lineup mit damalig angesagten Größen (Scooter, Sabrina Setlur, Mia., Westbam, Laith Al Deen, Patrick Nuo…) es da gab und die etablierten Künstler, die wir heute so sehr bei Vorentscheiden vermissen, von Raab und einem damaligen Noname vorgeführt wurden, werde ich immer noch wütend. Vor diesem Hintergrund kann ich sehr wohl verstehen, dass etablierte Künstler den Vorentscheid meiden. Und das ist dann m.E. auch ein Verdienst von Herrn Raab. Natürlich hat er viel geleistet, unfehlbar war und ist er aber nicht.

    • Danke, Matthes! Genau so sehe ich das auch.

      Natürlich hat Raab Unglaubliches für den ESC geleistet, aber gerade 2004 ging es ihm vor allem darum, sein Ego zu befriedigen und das Establishment zu düpieren, was ihm ja auch grandios gelang.

      Und auch ich denke, dass es mehr Köpfe wie Raab gibt, die mit neuen Ideen an den ESC rangehen würden, wenn man sie ließe. So cool ich Stefan Raab auch fand, einzigartig und nicht zu ersetzen war er dann eben nicht…

  7. Vor Stefan Raabs Leistung habe ich den grössten Respekt, auch wenn ich persönlich ihn eher unsympathisch finde. Aber das spielt ja keine Rolle. Und Max Mutzke hat einen klasse Auftritt hingelegt, auch wenn das jetzt nicht unbedingt meine Musik ist. Vielleicht hat Herr Raab gespürt, dass ihm allmählich die Ideen ausgehen. Finde ich gut, dass er dann die Konsequenzen zieht.
    Anders als Herr Siegel, der ja auch unheimlich viel für den ESC geleistet hat, damals. Leider hat er den Absprung verpasst, und wurde bekanntlich zur tragischen, bedauernswerten Person. Trotzdem, mein Respekt auch für Herrn Siegel, dass er sich dem Wettbewerb dennoch solange beharrlich gestellt hat (und vielleicht auch wieder stellen wird).

    • Ich freue mich immer über Beiträge von Ralph Siegel, auch wenn er zugegebenermaßen immer mal wieder den einen oder anderen Titel raushaut, der nicht so mein Fall ist (das war aber auch schon zu seinen erfolgreichsten Zeiten so). Wenn er schon früh dem ESC den Rücken gekehrt hätte, wären wir wohl nie in den Genuss von „Crisalide“ gekommen, für mich ein Meisterwerk, einer der besten Titel der ESC-Geschichte.

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