Kommentar: Warum „The Best In Me“ bislang gnadenlos unterschätzt wird

„The history book on the shelf is always repeating itself“, wussten schon ABBA und gewannen mit dieser Weisheit 1974 den Eurovision Song Contest. Vor einem Jahr veröffentlichte Bloggerkollege Benny eine Erklärung, warum (der französische Beitrag) „Roi“ bislang gnadenlos unterschätzt wird. In Jahr später sehe ich mich in derselben Situation. Denn ich finde: „The Best In Me“ wird missverstanden und unterschätzt – zumindest deutet das ESC-Barometer darauf hin.

Zunächst einmal ist es leicht, „The Best In Me“ nicht zu mögen. Eine vermeintliche Boyband-Ballade mit mehr Zuckerguss, als die Zuckerinsel Kuba in einem Jahr produzieren kann. Dann dieses Video mit dem Auftritt auf dem Eiffelturm, der superkitschig angestrahlt wird. Und hat nicht die Schweden-Mafia um Thomas G:son das Lied verbrochen? By the way: John Lundviks Song für Michael Rice im letzten Jahr ist doch auf dem letzten Platz gelandet. Ergo: Warum sollte es Tom Leeb besser gehen?

Killer-Smile des Vollblut-Musikers Tom Leeb

Darum. Weil der „The Best In Me“-Zucker an allen Poren der Zuschauer festkleben bleibt. Weil John Lundvik mit seinem anderen ESC-Beitrag im letzten Jahr um den Sieg mitgesungen hat. Weil Tom Leeb in den Strophen einen französisch Text singt, der von Amir Haddad mitgeschrieben wurde, der beim ESC 2016 auf dem sechsten Platz landete. Weil der Eiffelturm schon den Auftritt von Alma beim ESC 2017 gerettet hat. Und weil Tom – bei aller politischen (Un-)Korrektheit – visuell in einer anderen Liga spielt als Michael Rice und mehr Charisma hat.

Der Mann mit Durchblick 

Nun aber zum harten Argument: Michał Szpak. Was wurde „Color Of Your Life“ beim ESC 2016 (mit Recht) runtergeschrieben. Aber am Ende hatte es die drittmeisten Zuschauerpunkte und platzierte sich trotz dem vorletzten Platz bei den Juroren auf einem Platz 8 im Gesamtklassement. Warum sollte „The Best In Me“ in all seiner Altmodigkeit nicht denselben Effekt hervorrufen?

Macht auch auf dem Roten ESC-Teppich eine gute Figur: Tom Leeb hier mit seiner Schwester Elsa 

Natürlich muss ich zugeben, dass ich beim ersten Hören auch negativ überrascht war und arrogant abwertend geurteilt habe. Aber dann hatte ich diesen Ohrwurm. Und plötzlich wusste ich, was die französische Delegation wohl damit gemeint hatte, als sie sagte, der Song würde süchtig machen.

Wandlungsfähig: Tom Leeb wirkt im schwarzen Hoodie fast wie ein Twen

Benny schloss sein Plädoyer letzten Jahr mit folgenden Worten: „Aber es gibt bei allen Spekulationen sowieso noch eine große Unbekannte: Die anderen Songs. Bislang kennen wir erst zwei von Bilals Konkurrenten in Tel Aviv, also lassen wir uns erstmal überraschen, welche weiteren Songs und Künstler in den nächsten Wochen das Ticket nach Israel lösen. Ich bin mir aber sicher, dass eine Platzierung in den Top 5 bis Top 7 für „Roi“ mehr als möglich ist.“

Nun, wir kennen schon elf Songs und ich würde mich auch nicht zu einer Top-10-Vorhersage hinreißen lassen. Aber wenn die Franzosen den Eiffelturm in die Ahoy-Arena bekommen, dann klappt’s auf jeden Fall mit einer 1 vor der zweitstellen Platzierung.

So, und wer immer noch nicht überzeugt ist: Jetzt den Song anhören, spüren, wie der Zucker einen klebrig überzieht – und dann beim Finale für Tom Leeb voten!


106 Kommentare

  1. „Weil der Eiffelturm schon den Auftritt von Alma beim ESC 2017 gerettet hat.“

    Da widerspreche in ganz entschieden. Alma hatte ein gutes Lied und war für mich the sexiest female on ESC stage ever. 🙂

    • Vielleicht hat Tom Leeb ja Glück und die Delegation bringt den Eifelturm als Bühnenelement mit nach Rotterdam (aka Dänemarks Stuhl vom xxxl Möbelhaus) 😋

    • Das hier ist mein erster Kommentar. Bin erst vor Kurzem auf eure Seite gestoßen und bin jetzt süchtig. Vielen Dank, dass ihr euch neben Alltag, Familie etc die Zeit nehmt, uns zu informieren.
      Ich bin keine ESC-Expertin, aber ich glaube nicht, dass der Song gut abschneiden wird. Dafür fehlt ihm ein großes Finale. Das Lied baut mit all seinem Kitsch und Schmalz eigentlich auf ein großes Finale hin und man denkt die ganze Zeit, ‚gleich wird das Lied explodieren‘. Das passiert aber nicht. Daher werden die Zuschauer, die solche Lieder mögen, enttäuscht und es bleibt ein fader Nachgeschmack hängen. Wenn man schon auf Emotionen baut, dann müssen diese auch befriedigt werden. Das Staging mit dem Eifelturm war atemberaubend, kann aber in dieser Form in Rotterdam nicht getoppt werden. Daher denke ich, dass das Lied im hinteren Drittel landen wird.
      Ich war die letzten Tage krank und habe daher ein ‚guilty pleasure‘ gefunden: mir auf youtube Reaktionen von Esc-Fans aus verschiedenen Ländern zu diesem Lied anzuschauen. Sehr unterhaltsam und oft auch unbeabsichtigt lustig. Fast allen ist eins gemein: anfangs mögen sie das Lied, doch dann werden die ersten Vergleiche zu Westlife und Disney gezogen. dann steigt die Erwartung wieder – und – das Lied ist zu Ende. Fazit von den meisten ist ‚hhm‘, ‚well‘, kurzes Schweigen. Vielleicht sind diese Clips nicht repräsentativ, aber es ist schon sehr interessant, dass fast alle dieselben Reaktionen haben. ‚Nicht schlecht nicht gut.‘ Denke, dass beim Finale viele Menschen, die das Lied zum ersten Mal hören, eine ähnliche Reaktion haben werden. Vielleicht liegt das Lied bei vielen im Mittelfeld, aber dann werden sie nicht dafür anrufen.
      So, wünsche allen ein schönes Karnevalswochenende! Freue mich schon auf weitere Beiträge von euch und bin jetzt super gespannt auf nächsten Donnerstag.

      Kölle Alaaf,

      die Rike

      • Ich fühle mich geehrt, dass Dein erster Kommentar eine Antwort an mich ist, auch wenn das wahrscheinlich gar nicht beabsichtigt war. Willkommen!

  2. Schwierig schwierig. Die Akustik Version ist um Meinen besser und da er ja momentan an einer Folk Version arbeitet, ändert das den gesamten Beitrag ohnehin noch mal. Mit Polen lässt sich das Abschneiden nicht wirklich gut vergleichen, sind die doch oft aufgrund der Diaspora weiter vorne gelandet, als sie verdient hatten. Ich bekomme jedenfalls richtige bigger than us oder my heart is yours oder sunlight vibes von dem Lied hier. Die schwedische B-wäre könnte lediglich komplett in Französisch, als Akustik-Version ein wenig Boden gut machen, aber so glaubt doch niemand ernsthaft, er wäre unterschätzt 🙄

  3. Das ist ja das Problem, dass er französische Strophen singt. Entweder alles französisch oder alles englisch, aber dieser Sprachmix tut rein gar nix für das Lied.
    Es wird dem Gelegenheitszuschauer auch vollkommen egal sein, ob ein ehemaliger französische Starter den Text schrieb oder zwei nicht ganz unbekannte Schweden die Komponisten sind.

    Kurzum: ich hab kein Argument gefunden, warum der Song unterschätzt wird.
    Dass es auch Leute gibt, die den Song mögen werden: geschenkt. Das ist bei jedem Song in jedem Jahrgang so.

    • Da bin ich ganz deiner Meinung. Jedoch haben die S!stets uns letztes Jahr gezeigt, dass nicht jeder Song seine Liebhaber im Publikum hat.😋

      • Nach Deiner Theorie hatte also jeder Liebhaber einen Televoting-Punkt, den er vergeben konnte.

  4. Nee, sorry. Ich hab’s mir jetzt extra nochmal drei Mal nacheinander angehört um zu schauen, ob es sich festsetzt – nö, tut es nicht. Bleibt belanglos. Das einzige, was sich ändert, ist, dass mich das „You are, you are, you are“ zunehmend nervt.

  5. Wenn der Song süchtig macht, ein zweites Mal hören braucht um sich fest zu kleben … hat man den richtigen Song gewählt für einen einmaligen Auftritt im Finale?

  6. Wenn die Kompaktblogger nur familyvalue und kein Community-affines Fotomaterial (Pools, Gym, Beach ..) auftreiben, ist das ein Indiz für Votingpotenzial bei schmachtenden Soccer-, Menopause-Moms oder Männern in der Midlife Crisis, quasi einem Großteil des ESC-Publikums. Also Platz 25 sage ich nicht an.

    Was völlig anderes ist es, wenn man persönlich nach den drei Minuten spontan zum Rohrfrei greifen möchte, um den Fettpropfen zu lösen. Schönhörpotenzial? You never know …

  7. Ich gebe zu. Ich war auf anhieb nicht begeistert. Die gründe waren aber weniger der song, sondern die ganzen begleitumstände. Destination eurovision dafür weg, zweisprachigkeit und nicht nur französisch, schwedische produktion.
    Aber meine meinung hat sich nach dem zweiten, unvoreingenommenen hören, komplett geändert. „The best in me“ ist mittlerweile mein meistgehörter song und ist nur noch knapp hinter „on fire“. Zuschauer, die das ganze bubble-gehate nicht kennen, werden „the best in me“und tom leeb lieben. Top10
    Danke dp. für diese wahren worte.

    • Stimme Dir in allem zu, außer dass er es bei mir noch nicht auf Platz 2 geschafft hat. Aber er ist nicht weit von meiner Spitzengruppe weg, er wäre wohl mit drin, wenn er alles auf französisch singen würde.

      Anscheinend steht jedoch eine andere Änderung an, Daan hat weiter oben geschrieben, dass Tom Leeb an einer Folk-Version arbeitet, da bin ich dann doch ein bisschen besorgt.

      Douze Points, danke für diesen Artikel!

  8. Den Artikel hier lese ich als Satire. Bei ALLEM Respekt, der Song stört zwar niemanden, doch er beeindruckt auch niemanden. Das riecht mir sehr nach Bottom 5

  9. Bei allem nötigen Respekt Douze Points, aber das ist wirklich realitätsfernes Wunschdenken!!

    Der Vergleich zu Polen 2016 hinkt auch gewaltig, oder seit wann gibt es so eine große fanzösische Diaspora??

    Ne, ich werde auch garantiert nicht für diesen schleimigen Pfropfen anrufen, da ist mir mein Geld wirklich zu schade!!

  10. Ich bin überzeugt das der Song gut abschneiden wird, weil Tom eine wahnsinnige Ausstrahlung hat, gut singen kann und diesen kitschigen Song perfekt transportiert… Es ist kein Meisterwerk aber wird im Televoting sehr gut abschneiden

  11. OK, er gewinnt wohl den Wiwi „Hottie des Jahrgangs“ – Bewerb, aber die schillernde Persönlichkeit und Power von Michał Szpak fehlt dann doch für ein gutes Televote-Ergebnis.
    Mich stört auch weniger das süßlich klebrige, sondern mehr das schleimige an dem Song.

    Wer momentan tatsächlich total unterschätzt wird, ist m.M. nach Tschechien.
    Gibt´s dafür vielleicht auch einen glühenden Verehrer im Autorenteam? 🙂

  12. Ich glaube auch, dass DP genau so falsch liegt wie Benny letztes Jahr 😉 Letztlich ist das ein Song, der im Televoting in den allermeisten Ländern um Platz 15 herum landen wird, und das sind dann halt Null Punkte.

  13. So, und wer immer noch nicht überzeugt ist: Jetzt den Song anhören, […]

    Ich gebe zu, ich habe das Ding aus ideologischen Gründen bisher nicht ein einziges Mal angehört und bin auch willens, dass bis zum 16.05. durchzuziehen (mal sehen ob ich um den obligatorischen Snippet im Halbfinale herumkomme). Das könnte dem schönen Monsieur Leeb immerhin den Vorteil verschaffen, dass sein Song im Gegensatz zum Rest noch frisch und unverbraucht erscheint. Bin schon sehr gespannt, ob ich dafür dann irgendwelche Punkte über hab.

  14. Ich würde zustimmen, dass der Titel in der Bubble unterbewertet wird. Weil der engagierte Grand-Prix-Fan andere Erwartungen an die Grande Nation hat als eine beliebige, kitschige Baukastenballade. Und weil sie es als kulturelle Selbstaufgabe wertet und abstraft, wenn ausgerechnet das so nationalchauvinistische Frankreich zum schwedischen Strohhalm greift. Das wird d. Durchschnittszuschauer_in egal sein. Die sieht einen feschen Sänger mit guter Stimme und einem Zuckergusslied. Das aber, wie der hoch geschätzte Douze Points ja selbst zugibt, wenn überhaupt, dann erst beim wiederholten Hören zündet. Beim ersten Mal bleibt der Eindruck doch blass. Ich glaube daher weder an eine Top-Ten-Platzierung noch an die Rote Laterne. Der visuelle Aspekt und die Jurys werden mal wieder für einen soliden Mittelfeldplatz sorgen.

  15. „So, und wer immer noch nicht überzeugt ist: Jetzt den Song anhören, spüren, wie der Zucker einen klebrig überzieht – und dann beim Finale für Tom Leeb voten!“

    ————-

    Nein Danke. Ich stehe nicht auf Zucker.
    Diabetes, Übergewicht, Karies, Akne, Gicht Fettleber etc. brauche ich nicht.

    Der Mann sieht sehr gut aus, hat eine tolle Stimme und was ich sonst auf Y-Tube von ihm gehört habe gefällt mir gut. Schade, dass er mit so einem Schleim beim ESC auftreten will.

  16. “The best in me” wird auf keinen Fall unterschätzt. John Lundvik ist nicht unbedingt der Top-Schreiber , was man auch bei “Bigger than us” und “Too late for love”, sein Auftritt hat für mich größtenteils nur durch die Mamas und durch die Performance irgendwie gewirkt. Thomas G:son ebenso , Euphoria wird wahrscheinlich sein einzig erfolgreicher guter Song sein. Für mich wer Tom Leebs song ebenso besser wenn er nur auf französisch wäre, Alma hätte auch besser angeschnitten wäre sie bei französisch gewesen .

    Tom Leeb wird nicht unterschätzt , sein Song ist einfach langweilig. Bei den Juries wird es vielleicht noch angenommene , denke bei den Televote fast null . Das wird irgendwas zwischen 17-25 mehr nicht , am Ende schlechter als Deutschland !

  17. So viele esc-banausen hier😂😂. Ich freu mich so, wenn ich nach einem top10 platz von tom euch eure kommentare brühwarm aufs brötchen schmieren kann. Wenn nicht…vergessen wirs😊😊

  18. Ich finde es noch bescheidener als den letzten Beitrag.
    Ekelhafter Text und es bleibt einfach nicht hängen.

    Wo sind die Tollen Beträge von Frankreich hin?
    1991, 2009, 2002 und 2001 hatten die so tolle Lieder.
    Komisch ist nur das mir die Schmalzballade von France 2004 mir irgendwie besser gefällt xD

      • Genau schmazig. Und nur wieder ein Kerl wo papa promis Star in Frankreich ist. Das Lieb ist… Zum einsclafen. Wollen wir mal sehen was Deutschlznd raus haut. Am Besten wieder Sister. Die wo keinerwollte letztes Jahr

  19. Also ganz ehrlich auch nach dem zweiten Hören liegt der Song schwer im Magen und fühlt sich an als hätte man Kötbullar in die französische Küche gemogelt. Ich mag eig Schweden aber langsam nervt es aus jedem Land was schwedisches zu hören. Jetzt sogar vom Mutterland des Chansons.

  20. Na ja Lundvik hatte letztes Jahr nur durch die bizarre Jurybewertung gut angeschnitten. Insgesamt hab ich den Eindruck, dass er qualitätsmässig der schwedische Dieter Bohlen ist.

  21. Ich mag den schönen Tom und sein Liedchen sehr. Das Liedchen selber ist ein bisschen zu unauffällig um wirklich erfolgreich zu sein, aber man sollte bedenken, dass der schöne Tom ein echter Kameramagnet sein wird. Und übrigens hat Herr G:son auch schon sehr schöne und erfolgreiche Balladen geschrieben: Quedate conmigo von Pastora Soler zum Beispiel.

  22. Etwas zu sehr hormongesteuert der Komnentar, was?

    Einmal gehört, und für ekligklebrigsüßunerträglichschmalzig empfunden. Das will man nicht ein zweites Mal hören.

  23. Der Autor hat eigentlich schon gleich die Begründung mitgeliefert, warum dieses Werk eben nicht „gnadenlos überschätzt“ wird.
    „Natürlich muss ich zugeben, dass ich beim ersten Hören auch negativ überrascht war…“.
    Punkt. Und darum gehts beim ESC. Nicht wie ich etwas nach 5x hören finde oder während einer schon sehr früh eintretenden Schönhörphase, sondern beim ersten Mal. So geht es nämlich den allermeisten Zuschauern im Finale. Und eines sollte doch jeder wissen: Dem eigenen Bauchgefühl kann man immer trauen 😉

  24. Der Song ist definitiv ein Grower. Bis Mai habe ich ihn mir schöngehört. Aber die Zuschauer haben leider nicht so viel Zeit. Warten wir das Staging ab.

    BTW von Michał Szpaks Song war ich bereits früher überzeugt.

  25. Der Song passt einfach nicht zu Ihm und schön hören kann ich mir das leider auch nicht, können die Zuschauer im Mai ja auch nicht 😀 . Hab mir heute die Akustik Version angehört und selbst da war es für mich nicht gut . Sorry das Lied wird es nicht weit schaffen .

  26. Ich kann Douze Points nur zustimmen. Für den Song spricht doch schon alleine, dass hier so kontrovers diskutiert wird. Wäre er unauffällig, wäre das Thema schon längst erledigt. Also irgendetwas scheint an dem Song dran zu sein.
    Die Hasser rufen sowieso nicht an, sie können die Unterstützer aber auch nicht daran hindern.
    Der Song hat einen wunderschönen Kern. „Best in me“ kann auch für alles stehen: Partner, Elternteil, Großeltern, eigene Kinder, also genügend Potenzial, den einen oder anderen emotional zu erwischen.
    Nur über das Arrangement kann man trefflich diskutieren. Ich glaube, das ist schon etwas angestaubt, was sicherlich mit ein Grund für die negativen Kommentare sein könnte. Da hätte mal jemand mit einer groben Bürste rangemusst.
    Die acoustic version (https://www.youtube.com/watch?time_continue=48&v=pMLswJHjqD4&feature=emb_logo) finde ich persönlich klar besser – um nicht zu sagen zauberhaft.

  27. Auf „Colours of my Life“ lass ich nichts kommen! So eine herrlich kitschige Zuckerwatte! Den Song liebe ich noch heute.
    „The Best in Me“ finde ich nicht ganz so stark, aber er hat durchaus Schönhör-Potenzial bei mir. So schlecht finde ich ihn nun wirklich nicht, aber ich finde auch (wie Andi mit Bild), dass er sich für eine Sprache entscheiden sollte.

  28. hmmm – kann es sein,daß hier die „verpackung“ mal wieder wichtiger ist,als der inhalt? ;
    ich meine ja,musikalische grütze bleibt grütze,egal wie oft man das hört – das kann man sich auch nicht schön hören.
    sich etwas schön zu hören läuft bei mir in der regel unter zeitverschwendung.
    es gibt einfach viel zu viel gute musik – das muß man im kopf die grütze sofort aussortieren.
    bei mir muß es nach spätestens 3-4 mal hören BANG machen!
    das klappt auch ganz gut.

  29. Sehr schön, wenn sich die Blogger stärker zu Prognosen hinreißen lassen, die auch vom Konsens abweichen. Allerdings muss ich sagen, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass der Song dir erste Hälfte erreichen kann. Wäre der nicht fürs Finale vorqualifiziert, würden wir über die geringen Finalchancen sinnieren. Das Lied ist einfach zu seicht, um irgendwas zu reißen. Vielleicht kann da die Bühnenshow was ausrichten (hat ja auch einem deutschen Beitrag gut getan), aber mehr als Platz 15 anhand der Erfahrungen der letzten Jahre sehe ich nicht, wenn ich mich jetzt festlegen müsste, würde ich sagen, Bottom Five.

      • Und ich denke auch jetzt noch, dass „Sister“ grandios unterschätzt wurde (halt leider auch vom europäischen Televoting-Publikum).

        Die Korrelation zwischen den Kategorien „Platzierung beim ESC“ (für manche scheinbar eine Art „Gottesurteil“) und „Qualität eines Songs“ ist nach meinen Dafürhalten schon immer etwas überschätzt worden.

  30. Selbst wenn ich für Tom Graisseux stimmen wollte, würden meine Finger auf der ersten Taste des Handys kleben bleiben und wahrscheinlich nur per Notoperation wieder gelöst werden können

  31. Mal was ganz anderes:
    Warum sollten mir Benjamins Beiträge besser gefallen? „Weil [Benjamin] – bei aller politischen (Un-)Korrektheit – visuell in einer anderen Liga spielt als [Douze Points] und mehr Charisma hat.“
    [Ironie off]
    Ich kann verstehen, dass übergriffige Inhalte aus Comments nicht ganz herauszahlten sind. Aber in einem Blogeintrag ist das schon sehr, sehr bodennahe Schublade, oder? „Sieht halt besser aus“ ist inhaltlich und journalistisch kein Argument – da ist es dann auch schon wurscht, ob es politisch korrekt ist oder nicht.
    Bitte besser machen, danke!

  32. Die Zeiten für solche angestaubten Lieder sind längst vorbei. Sowas war vielleicht mal vor 20 Jahren erfolgreich. Obwohl die Nummer berührt überhaupt nicht und hätte somit auch damals keinen Erfolg gehabt. Es werden in Rotterdam genug langsame und originelle Lieder präsentiert. Einige davon werden absahnen. Das Stück aus Frankreich wird kaum die Top 20 erreichen.

  33. Ich glaube das die Vergleiche – auch wenn sie naheliegen – mit Lundviks vorherigen Beiträgen hinken. „My Turn“ hat es nie zum ESC geschafft. „Too late for love“ ist vom Titel her nicht vergleichbar, „Bigger than us“ ist zwar am ehesten vergleichbar – allerdings darf man da nicht vergessen, dass die Bühnenpräsenz von Michael Rice einfach mal komplett im Minusbereich lag.

    Ich möchte „The best in me“ am ehesten einmal mit „A Million Voices“ von Polina Gagarina vergleichen. Diese Stücke sind sich in der musikalischer Anmut sehr ähnlich. Während das prägnante „you are, you are, you are“ bei Tom Leeb gerade bei mehrmaligen Hören einen ordentlichen Nervfaktor besitzt, nimmt „The best in me“ erst zur Hälfte des Liedes an Fahrt auf. Mit dem einsetzenden, aber etwas schwermütigen Beat verpufft allerdings die zuvor aufgebaute Stimmung wieder und bleibt spannungstechnisch auf einem Level. Auch die Bridge zum „großen Ton“ und dem letzten Refrain wurde mit angezogener Handbremse produziert. Der Hörer wartet die ganze Zeit darauf, dass sich der Song als große Ballade endlich komplett öffnet, doch auch nach der Bridge bremst das Lied erstmal für 10 Sekunden ab. Dann das große Finale mit Chor und allem, doch irgendwie öffnet sich die Ballade nicht komplett, sondern schleift sich weiter auf dem selben Spannungslevel. Toms Stimme wird in den hohen Tönen dann leider auch noch etwas dünn. Und bumms ist das Lied dann ohne kräftezerrenden Höhepunkt auch schon wieder rum.

    Als Gegensatz dazu „A Million Voices“, das ebenfalls sehr leise beginnt, aber es schafft, schon nach wenigen Sekunden Spannung aufzubauen. Nach der ersten Minute setzt schon der sattere Rhythmus ein, aber damit schleppt sich das Lied nun nicht belanglos dahin, sondern baut durch ein immer satteres und volleres Instrumental weiter Spannung auf. Auch stimmlich bleibt Polina nicht zart, sondern nimmt kraftvoll die erzeugte Spannung auf. An der Stelle wo bei „The best in me“ gerade einmal der etwas schleppende Beat einsetzt, schraubt sich Polina schon in den ersten „Hände in die Höhe reissenden“ Chorus. Ziemlich genau an der Stelle an der Tom Leebs Lied spannungstechnisch eine Vollbremsung hinlegt, geht auch Polina in die Bridge. Gesanglich ist sie aber an der Stelle schon komplett geöffnet, kann so gut mit der Spannung spielen und leitet in den zweiten Teil der Bridge, in der nun noch ein Chor in den Song eingeführt wird. Auch hier gibt es wieder einen instrumentalen Wechsel, da der Chor anfangs nur durch das Schlagzeug begleitet wird. Das baut weiter Spannung auf, die dann im letzten Refrain, wenn alles wieder einsetzt, fast zu explodieren scheint und sich auch im Finale zum Höhepunkt ganz am Ende schraubt.

    Worauf ich hinaus will – wenn schon eine Ballade aus dem Baukastensystem, dann kommt es dabei auf die Produktion und die aufgebaute Spannung an. Einen durchweg interessanten Spannungsaufbau erreicht „The best in me“ in meinem Empfinden nicht. Der Zuhörer wartet über 2 Minuten auf den Höhepunkt und wird beim Höhepunkt zum Teil dann noch enttäuscht. Die Produktion wirkt insgesamt etwas schwächlich, da könnte man definitiv noch was rausholen.

    Allerdings bin ich mir sicher, dass „The best in me“ nicht komplett untergehen wird. Jurys sind momentan nicht gut einzuschätzen und greifen gern auch mal auf bekannte Muster zurück. Der zweite Pluspunkt – so oberflächlich er auch ist – ist tatsächlich das Aussehen von Tom Leeb. Sowas zieht immer ein paar Votes (man erinnere sich nur mal an Dänemark 1999 zurück – ohne das Aussehen von Michael Teschl wäre sein Lied wohl gnadenlos gescheitert). Allerdings wirkt Tom Leeb weniger „süß“, sondern eher als „schönes Model“ und dadurch vielleicht unnahbarer. Er muss es schaffen bei seinem Auftritt sympathisch rüberzukommen.

    • Sehr gute Songanalysen. Mit Polinas Kitschballade kann man mich jagen, aber an dem, was du schreibst, ist was dran. „A Million Voices“ ist eine auf Erfolg getrimmte, leicht ins Ohr gehende Popballade, während „The Best In Me“ auch nach dem 55. Mal ums Verrecken nicht hängen bleibt.
      Mein Gedanke war auch, dass Toms Aussehen ihn zumindest aus dem Punktekeller retten könnte. Estland hat’s letztes Jahr auch mit diesem Nichts von einem Song auf Platz 20 geschafft. Und da siedle ich auch FRA 2020 ungefähr an.

      Erst das UK, nun Frankreich. Man könnte fast meinen, die Schweden würden John Lundvik absichtlich die Beiträge der Big 5 der Reihe nach sabotieren lassen 🤔

  34. So kann ich das auch sehen. Ich glaube fast, dass letztlich eine andere Version des Songs auf die Bühne kommt. Ich bin ja ein williger G:son-Mitklatscher – schon aus Gewohnheit – finde aber, das musikalische Konzept geht hier nicht ganz auf. Nach der anfänglichen Enttäuschug ist „The Best In Me“ natürlich schon „grown on me“ und wandert erstmal in die Playlist. Vielleicht geht ja noch was 🙂

  35. Ach Gott ja, der Eiffelturm. Wenn der nicht wäre, könnte man glatt übersehen bzw überhören, dass der Beitrag aus Frankreich kommt. Ich stelle mir das so schön vor: Ein 10köpfiges, hochbezahltes Marketingteam sitzt in Paris in irgendeinem teuer angemieteten „Meeting Room“ mehrere Tage zusammen um zu überlegen, wie man das französische Flair im Video rüberbringen könnte. Zig Ideen werden gebrainstormt, verworfen, vertieft, die Köpfe rauchen – bis irgendwann einer sagt: „Ich hab’s: wir nehmen den (Trommelwirbel“) Eiffelturm!“. Zwei Sekunden ungläubiges Schweigen und Staunen und ein tosender Applaus bricht los. Grandios! Innovativ! Merveilleux! Weil echt noch niemand vorher je auf diese Idee gekommen war. 🙂
    PS: Und wehe, im Video zum deutschen Beitrag taucht der Berliner Fernsehturm auf 🙂

  36. Interessanterweise ist für mich Tom Leebs Aussehen fast schon das große Manko bei dem Beitrag: Nach dem Motto „Sex sells“. Pardon, haut bei mir nicht hin.

  37. Diodato hat eine viel, viel stärkere Ballade und er ist auch ein ganz hübscher Typ. Ich denke, dass eher ihm als Tom Leeb die Stimmen aus der Schmacht-Fraktion zufliegen werden.

      • Nun gut, ein paar Gnadenpunkte von der Jury wird es wohl geben (wie etwa DE 2019). Aber niemals Platz zwei. Ingrosso fand ich übrigens noch übler als „The Best in me“.

    • Das will ich Dich doch hoffen – zumal „Fai rumore“ musikalisch auch ein ganz anderes Kaliber ist. Authentisch und nicht auf den ESC zugeschnitten.

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