Letztes Wort? EBU lehnt erneut ab, Songs aus diesem Jahr beim ESC 2021 antreten zu lassen

ESC 2018 Lissabon Fans Quelle EBU Thomas Hanses und Andres Putting

In den vergangenen Tagen wurde häufig darüber diskutiert, dass die Lieder des aktuellen – und leider abgesagten – ESC-Jahrgangs 2020 nicht am ESC im kommenden Jahr teilnehmen dürfen. Das hatte die ESC Reference Group entschieden, aber viele Offizielle, Künstler, Komponisten und Fans zeigten sich mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und äußerten sich öffentlich dazu – unter anderem auch der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber, der Komponist Boris Milanov, der in diesem Jahr gleich drei Song im Wettbewerb hatte, sowie der deutsche ESC-Act Ben Dolic.

Es scheint so, als habe all der Protest nichts genutzt. Die EBU hat mittlerweile ihre Ausführungen zu diesem Thema auf der offiziellen ESC-Seite eurovision.tv ergänzt und die Entscheidung verteidigt. Mittlerweile ist dort unter den Frequently Asked Questions folgender Text zu lesen:

Die Referenzgruppe des Eurovision Song Contest, die alle teilnehmenden Sender vertritt, ist übereingekommen, dass die Regeln des Eurovision Song Contest auch bei der Rückkehr der Veranstaltung im Jahr 2021 eingehalten werden sollten. Dies bedeutet, dass die Songs, die im nächsten Jahr antreten, nicht vor dem 1. September 2020 kommerziell veröffentlicht sein dürfen, was die aktuell für die diesjährige abgesagte Veranstaltung ausgewählten Songs ausschließt.

Die teilnehmenden Sender können jedoch entscheiden, ob sie den für den diesjährigen Wettbewerb ausgewählten Künstler schicken oder einen neuen auswählen möchten. Wir wissen, dass die Entscheidung für viele enttäuschend ist, aber die EBU und ihre Mitglieder beabsichtigen, die diesjährigen Songs in den kommenden Monaten zu feiern, auch wenn 2020 kein Wettbewerb stattfindet.

Bei der Entscheidung berücksichtigte die Referenzgruppe, dass die EBU, die 41 teilnehmenden Sender und Universal Music die diesjährigen Songs und Künstler in den kommenden Wochen in einem alternativem Programm, auf einer Tribut-CD und auf allen unseren digitalen Kanälen so gut wie möglich präsentieren.

Sie befasste sich auch mit der Tatsache, dass die gleichen Songs zum ESC 2021 zu schicken, nicht im Geiste des Wettbewerbs wäre und die Aufregung und das Engagement, die jedes Jahr während der Vorentscheidungssaison entstehen, verloren gehen würden. Dies würde sich auf den Spannungsaufbau in den sozialen Medien, online und während der Übertragung für die teilnehmenden Sender während der nationalen Vorentscheidungen und der Preview Shows auswirken.

Sie war sich einig, dass die Aufhebung der 1. September Regelung für die kommerzielle Veröffentlichung selbst unter diesen beispiellosen Umständen zu einem unlauteren Wettbewerb im Jahr 2021 führen würde, bei dem einige Sender wählen könnten, das diesjährige Lied einzureichen oder ein neueres Lied zu wählen.

Wirklich viel Neues ist in diesem Statement nicht zu erfahren, die EBU bestätigt hier nun aber auch offiziell nochmal, was wir bereits vermutet und von anderer Seite gehört haben: Bei der Entscheidungsfindung hat zum einen eine Rolle gespielt, dass man den nationalen Sendern nicht die Vorentscheidungs- und Previewsaison (hach, manche Länder haben schon Glück) wegnehmen wollte, und zum anderen wäre es eventuell ein Wettbewerbsvor- oder nachteil gewesen, wenn manche Länder so und andere anders entschieden hätte.

Diese detailliertere Begründung der EBU legt nun die Vermutung nahe, dass die Entscheidung endgültig ist und sich daran nichts mehr ändern wird. Für den ESC 2021 werden also alle teilnehmenden Länder einen neuen Song auswählen müssen.

Über dieses Thema haben wir auch schon in unserem ESC kompakt LIVE gesprochen:

Überzeugen Euch die Argumente der Reference Group? Oder hättet Ihr Euch eine andere Entscheidung gewünscht?


23 Kommentare

  1. Auf der einen Seite finde ich es schade, die diesjährigen Songs nicht im Wettbewerb erleben zu dürfen. Im Gegensatz zu einigen Mitkommentator/innen finde ich den Jahrgang gar nicht so schlecht.
    Aber, bei aller berechtigten Kritik an die EBU, die Entscheidung ist schon korrekt. Habe vorher etwas anders gedacht, aber mittlerweile finde ich es auch besser, wenn nächstes Jahr frische Songs an den Start gehen.
    Allein wegen der Chancengleichheit.
    Es ist ja auch spannender für uns Fans, sich wieder mit frischer Musik auseinandersetzen zu dürfen.
    Ich finde es aber toll, dass einige Länder an ihre Künstler festhalten

  2. In einem Monat kommt die ESC-Compilation ’21 mit allen 41 Songs heraus. Nicht realistisch, dass es noch Diskussionsspielraum gibt, ob einzelne Titel nächstes Jahr wieder antreten dürfen. Hätte ich auch nicht erwartet.
    Etwas überraschender finde ich, dass die CD offenbar unter dem Slogan „Open up“ mit entsprechenden Design erscheint. Beides wird dann wohl ebensowenig wiederverwendet werden.

  3. Die Entscheidung halte ich für richtig, denn schauen wir doch mal nach vorne. Es gäbe im kommenden Jahr keine einzige Vorentscheidung, keine Songauswahl, absolut nichts. Na, da wäre der Fan-Mob aber erbost 😀

  4. Reizend von der EBU, dass auch diesjährige Teilnehmer nächstes Jahr antreten dürfen, obwohl es ein Wettbewerbsvorteil bzw. -nachteil sein kann.. Ich drücke den Delegationen die Daumen, die dies Jahr vorne mitgespielt hätten, dass sie auch fürs nächste Jahr einen Hit ins Rennen schicken.

  5. Ich hoffe, da ist jetzt der Deckel drauf!

    Das nächste Jahr kann der Geldmangel entweder lauter (in leeren Einkaufszentren vorgestellte) halbwegs recycelte Songs bringen, mit Oligarchengeld erkaufte Auftragsproduktionen oder man gönnt sich einfach kreative (aber erfolglose) Acts, die jeden Cent brauchen. Der ESC 2021 wird in jedem Fall anders sein – bei Größe, Grundstimmung, Songauswahl und Motto! Zwar echt schade um Ben/violent thing, aber da haben die Songs aus diesem Jahr einfach nichts mehr verloren. Das Gefühl gerade vom Leben gef*ckt zu werden, haben die Produzenten, Autoren & Acts eben auch nicht exklusiv.

  6. Was haben denn einige User, Künstler, Songwriters etc. gedacht, dass sich die Refenzengruppe und die EBU die Blöße gibt und ihre Entscheidung rückgängig macht? Hier wurde (auch) das Gesicht gewahrt. Aber sein wir ESC-Fans doch mal ehrlich, würdet ihr wirklich 41 „alte“ Songs 2021 auf der Bühne haben? Das ausgewählte Künstler bereits jetzt schon in einigen Ländern feststehen/nominiert sind, ist doch schon mal enorm gut und fair. Bedazerlicherweise sehen es die skandin.Länder anders. Aber stellt euch auch ein Jahr ohne das Melodifestivalen mit seinen x-Vorrunden, Vorvorentscheidungen, Halbfinalen und das Große Finale vor.
    Dennoch…freuen wir uns auf die Ersatz-Gala, auf die Doppel-CD, die am 8. Mai auf dem Markt kommt….und auf den 65. Eurovision Song Contest 2021 aus den Niederlanden 🙂

  7. Richtige Entscheidung von der EBU, die alten Lieder nicht zuzulassen, denn dann hätte man gleich zwei verunglückte Jahrgänge.

  8. Der Geist des ESC solle erhalten bleiben, sagt die EBU, die den Geist des ESC wegen Geldes absichtlich nicht erhält. Man ist gutmütig, wenn man vergisst, was die EBU dieses Jahr macht. Ich bin leider echt enttäuscht, aber die sitzen ja am längeren Hebel.

  9. Kann immer noch nicht wirklich verstehen, warum die diesjährigen Songs sich keinen Wettbewerb stellen können. Man hätte doch einen ESC 2020 in abgespeckter Version machen können. Jeder hätte seinen Beitrag von zu Hause aus performen können und dieser wird dann live in der Show (selbstverständlich ohne Publikum) zugeschaltet. Das dann alles mit Halbfinals und großem Finale wie gehabt. Ich denke, das wäre eine denkwürdige und eine einmalige Veranstaltung gewesen, an die man sich noch lange daran erinnern hätte können. Die Interpreten und deren Songs wären entsprechend gewürdigt worden und wir Fans hätten in diesem Jahr einen Contest mit einem Sieger 2020 gehabt. Scheiß drauf, dass dann die Niederländer nicht ihre angemessene Show bekommen hätten, ist dann halt Pech.

    • Holland hat bereits 1980 austragen dürfen ohne im Vorjahr gewonnen zu haben. Dann eben fixen Platz im Finale 2021 á la AU 2015 und zumindest einen Video-Contest mit niederländischen Einsprengseln. Und wenn das nicht geht eben dem Sieger 2020 den sieg an-, das Austragungsrecht jedoch aberkennen.

    • Ich hätte sogar diese Variante favorisiert. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, als etiche Teilnehmer für nächstes Jahr wieder nominiert wurden. Das hätte dann für mich keinen Sinn ergeben.

  10. Freut mich ja, dass recht viele hier mit der Entscheidung zufrieden sind. Ich kann die Seite der Argumentation auch nachvollziehen. Aber dann ist mir die Sendung am 16. Mai zu wenig – man hätte zur Würdigung aller Beiträge sie schon ausspielen müssen und hätte auf das Drumherum verzichten sollen. So hat das alles einen faden Beigeschmack. Die Option, den alten Beitrag zu wählen, hätte man den Ländern ruhig offen halten können. Schade. Und wer ernsthaft glaubt, die nächste Vorentscheidssaison sei noch irgendwie zu retten, lebt wohl auf einem anderen Planeten – oder schaut ausschließlich die großen Formate.

    • Ich wäre ja dafür, am eigentlichen FInalabend alle Videoclips vorzustellen ohne viel Brimborium drumherum ganz einfach unter dem Motto „Songs for Europe“.

      Vom angedachten Format erwarte ich dagegen leider nicht allzu viel.

      • Jap, genau diese Idee hätte ich auch präferiert. Stattdessen wird man sich wohl auf die Klassiker besinnen und zwischendurch schnell ein paar Fetzen der diesjährigen Beiträge reinschustern. Schade, das ist nicht die Art der Würdigung, die ich mir erwünscht hätte. Dann war die Selektion von 41 Beiträgen weitesgehend sinnlos.

  11. Ich bin derzeit aus verschiedenen Gründen nur noch sehr selten hier anzutreffen. Zu diesem Thema möchte ich mich aber doch äußern.

    Leider hat sich das bei mir das Thema ESC 2020 nach der Absage erledigt und man kann es bedauern, aber ich finde Entscheidung der EBU absolut richtig und alternativlos. Es ist nunmal gegen die Regeln und man kann nicht ein Jahr alte Songs „verschleppen“. Dann müßte man schon konsequenterweise sämtliche Clips auf Youtube sperren. Zudem wird beispielsweise Schweden kaum auf das Mello verzichten.

    Auch ich trauere um meine Favoriten (Schweiz, Niederlande, Litauen, Slowenien). Aber momentan haben wir wohl doch alle wirklich ganz andere Probleme.

  12. Vielleicht nutzt die EBU die Zwangspause mal auch dazu, den ESC wieder kompeltt neu aufzustellen und über Reformen nachzudenken.

    Es gäbe da einige Kritkpunklte. die mir in den letzten Jahren oft die Freude getrübt haben…..

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