Live-Blog: 40 Jahre „Ein Bisschen Frieden“ – Vorentscheidung „Ein Lied für Harrogate“ … Again

Heute auf den Tag genau vor 40 Jahren nahm Nicole den größten Schritt auf ihrem Weg zum ersten deutschen Sieg beim Eurovision Song Contest, der damals noch regelmäßig „Grand Prix“ genannt wurde. Mit ihrem Song „Ein bisschen Frieden“, der heute aktueller ist denn je, gewann sie die von Carolin Reiber moderierte Vorentscheidung „Ein Lied für Harrogate“. In Anlehnung an das Format „Eurovision Again“, bei dem alte ESC gemeinsam geschaut und kommentiert werden, möchten wir heute Abend ab 20:15 Uhr in Erinnerungen schwelgen und gemeinsam mit Euch auf Youtube die Vorentscheidung sehen. Wir begleiten die Sendung mit einem Live-Blog und freuen uns auf Eure Kommentare!

In den Jahren von 1977 bis 1987 hatte Deutschland eine bisher einmalige Erfolgsserie beim ESC. Das Jahr 1982 sollte da keine Ausnahme sein. Die Vorentscheidung war großartig besetzt mit Künstler/innen, die auch heute noch zum Teil im Musikgeschäft sind; zumindest sind die meisten Namen aber geläufig: die ESC-Siegerin Séverine, die ESC-Dritte Mary Roos, die ESC-Fünfte Paola, Marianne Rosenberg, Jürgen Marcus, Gaby Baginsky, Gottllieb Wendehals…

Wir drehen heute Abend die Uhr exakt 40 Jahre zurück und verfolgen mit Start um 20:15 Uhr die Vorentscheidung, die seinerzeit aus dem Fernsehstudio 4 des Bayerischen Rundfunks in München übertragen wurde.

Auf vielfachen Wunsch starten wir noch eine Umfrage nach Euren Favoriten für „Ein Lied für Harrogate“.

Welche maximal drei Songs von "Ein Lied für Harrogate" (Vorentscheidung 1982) gefallen Dir am besten?

  • Nicole „Ein bißchen Frieden“ (27%, 101 Votes)
  • Paola „Peter Pan“ (17%, 65 Votes)
  • Mary Roos & David Hanselmann „Lady“ (17%, 65 Votes)
  • Hannes Schöner „Nun sag‘ schon Adieu“ (12%, 46 Votes)
  • Marianne Rosenberg „Blue-Jeans-Kinder“ (8%, 29 Votes)
  • Denise „Die Nacht der Lüge“ (5%, 19 Votes)
  • Séverine „Ich glaub’ an meine Träume“ (5%, 17 Votes)
  • Jennifer Kemp „Wie Phönix aus der Asche“ (3%, 10 Votes)
  • Jürgen Marcus „Ich würde gerne bei Dir sein“ (2%, 9 Votes)
  • Gaby Baginsky „So wie Du bist“ (1%, 5 Votes)
  • Mel Jersey „Schenk‘ mir eine Nacht“ (1%, 4 Votes)
  • Gottlieb Wendehals „Der Ohrwurm“ (1%, 4 Votes)

Total Voters: 151

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Guten Abend aus Hamburg-Hohenfelde. Gleich beginnt die deutsche Endausscheidung in München. Wir haben Rotkäppchensekt (den gab es 1982 bereits, wenn auch nicht so verbreitet in Westdeutschland) kaltgestellt und freuen uns auf die Show. Gleich, um 20:15 Uhr fahren wir auf YouTube das Band ab.

Und jetzt geht es los. Samstagabend, 20:15 Uhr. Beste Sendezeit! Im Studio werden wir mit beschwingter Musik begrüßt. Im Hintergrund ist das alte Logo des Bayerischen Rundfunks zusehen. Und schon begrüßt uns Caroline Reiber im Studio 4. Es geht um den deutschen Beitrag für 27. Grand Prix.

1978 gab es in Deutschland 60 Lieder zur Auswahl, die zum ESC wollten. In diesem Jahr – also 1982 – waren es 807! Carolin Reiber berichtet von den großen deutschen Erfolgen beim ESC in den letzten (sehr erfolgreichen) Jahren. Vor einem Jahr hat Lena Valaitis nur um 5 Punkte den Sieg verpasst. Der Sieg beim Grand Prix wird als wichtigster Preis der Musikwelt angesehen.

Eine Fachjury hat aus 807 Lieder 24 ausgewählt, die im Radio vorgestellt wurden. Die Hörer/innen konnten dann ihre Lieblingsbeiträge auswählen. Oder waren es doch nur die 500 repräsentativen Personen, die vorher ausgewählt wurden? Im Studio ist das Dieter Reit Orchester und die Streichergruppe des Symphonieorchesters Gromke (oder so). Die Startreihenfolge der Lieder heute abends wurde ausgelost.

Und schon geht es los mit dem ersten Beitrag. Carolin Reiber stellt den Künstler vor und nennt die Komponisten/Texter.

1. Gottlieb Wendehals „Der Ohrwurm“ 
Musik: Harald Wolff Berg; Text: Beppo Pohlmann

Was für ein Auftakt: Spaßmusik gleich zum Auftakt. Das Publikum ist noch etwas reserviert. Gottlieb Wendehals trägt sein Schachbrett-Sakko mit rosafarbenen Hemd. Das Lied steht in bester Tradition von der Polonäse Blankenese, die im Frühjahr des Jahres die deutschen Charts angeführt hat. Oh, Prop: Der Ohrwurm steckt in einer Tuba. Diese wird von einem Musiker gespielt, der genauso gekleidet ist wie Gottlieb. „Immer in die Ohr’n will sicher bohr’n. Dieses Tier braucht keinen Bohrturm“. Die letzten Wiederholungen singt Gottlieb mit der Ohrwurm-Puppe auf dem Arm. Durchgedreht, aber lustig.

8 Punkte

Guter Applaus und ich meine auch ein, zwei Bravo-Rufe gehört zu haben. Nach einer kurzen Ankündigung geht es auch schon weiter mit dem nächsten Beitrag.

2. Séverine „Ich glaub’ an meine Träume“
Musik: Jack White; Text: Kurt Hertha

Die Sängerin trägt ein ausladendes Abendkleid in schwarz und weiß. Sie spielt bestens mit den Kameras und weiß, wo sie hinschauen muss. Die Stimme ist gut und natürlich ist der französische Akzent da. „Ich glaub‘ an meine Träumen, denn ich glaub‘ an Dich“ – gut, das kann auch Logik sein. Der Refrain ist beschwingter als die Strophe. Der Viervierteltakt hat durchaus Dynamik. Die Instrumentierung ist gut und es gibt einen Tonartwechsel! Love it. Séverine unterstreicht das schön mit ihren Armen. Großes Finale.

7 Punkte

Toll, wie Carolin Reiber das Mikro hält (übrigens ein Funkmikro – 1982 muss man das dazusagen).

3. Jennifer Kemp „Wie Phönix aus der Asche“
Musik: Alexander Gordan; Text: Norbert Hammerschmidt

Von der Sängerin hatte ich abgesehen von der Vorentscheidung noch nicht so viel gehört. Die Stimme ist tiefer als vorher die von Séverine. Ach, das baut sich schon zum Refrain auf. Wie melodiös (und auch ein bisschen vorhersehbar), aber toll. Jennifer trägt einen schwarzen Anzug mit Glitzer-Sakko und darunter eine rosa Satin-Bluse. Sie hat langes blondes Haar. Auch sie arbeitet aktiv mit der Kamera. „Und nun liegst Du neben mir“ – ja, Liebesträume können sich noch erfüllen. Toll, jetzt sehe ich auch die Glockenröhren. Phantastisch! Die könnte man auch beim ESC heute mal wieder einsetzen. War da gerade ein Tonartwechsel? Ach, ich bin ganz angetan.

9 Punkte

Leider ruft dieses Mal keiner Bravo. Dann mache ich das eben. Was für ein Tempo haben wir hier eigentlich? Die Show ist kaum 15 Minuten alt und schon haben wir drei Songs erlebt.

4. Mel Jersey „Schenk‘ mir eine Nacht“
Musik: Mel Jersey; Text: Judith Jupe

Hier singt der Komponist noch selbst. Mel trägt einen cremefarbend-beigen Anzug, weißes Hemd und anthrazitfarbene Fliege und Weste. Ach, der Refrain klingt wie ein sehr typischer Schlager aus den späten 70ern (oder eben doch 80ern). Wenig überraschend geht es hier auch mal wieder um Liebe bzw. den Austausch von Körperflüssigkeiten. Oder? Er ruft doch eher nach einem One-Night-Stand. Bei der melodischen Instrumentierung kann man sich diese deutliche Botschaft kaum vorstellen. Die Stimme ist sauber und kräftig, schmeichelt aber nicht zu sehr. „Liebe – das ist wie ein Sturm, der vorüberzieht.“

6 Punkte

5. Gaby Baginsky „So wie Du bist“
Musik: Dietmar Kawohl; Text: Michael Kunze

Ihren Hit „Der Rum von Barbados“ hatte sie doch vorher, oder? Die Strophe hat eine Art Country-Sound. Der Refrain hat dann Walzercharakter. Da kann man gut zu tanzen. Die Sängerin trägt ein apricot-cremefarbendes Trägerkleid. Inhaltlich scheint sie ziemlich von ihrem Typen enttäuscht zu sein und man fragt sich, was der ihr denn eigentlich gibt. Heute würde man das wohl toxische Beziehung nennen. Oder ist das einfach ein Aufruf an Ehefrauen, in Bezug auf die Männer Fünfe grade sein zu lassen, damit die Scheidungsraten nicht explodieren? Da scheint sich gesellschaftlich in den letzten 40 Jahren dann doch viel getan zu haben.

5 Punkte

Und jetzt kommt das erste Siegel-Meinunger-Lied. Und wie heute schon jemand kommentiert hat, mochte Marianne das Lied überhaupt nicht. Mal schauen, wie überzeugend sie es transportiert.

6. Marianne Rosenberg „Blue-Jeans-Kinder“
Musik: Ralph Siegel; Text: Bernd Meinunger

Oh, schon mit ersten Zeile wird deutlich, dass das anspruchsvoll zu singen ist, auch wenn die Melodie nicht so kompliziert klingt. Da sieht man aber auch, was Marianne Rosenberg musikalisch so drauf hat. Sie steht in einem blauen Kleid mit Puffärmeln auf der Bühne. Inhaltlich geht es ja auch zurück in die bessere Zeiten – ein bisschen wie bei Malik in diesem Jahr. Das Ganze ist schon sehr melancholisch. Ja, und dann die Auflösung mit Tonartwechsel. Schönes Outro. Der Titel ist trotzdem etwas gewollt.

6 Punkte (2 davon für Marianne als Künstlerin)

Begeisterte Rufe im Publikum. Und wir haben die Hälfte schon geschafft. Hammer-Tempo. Und weiter geht es mit Mary, die schon den dritten Platz beim ESC geholt hatte.

7. Mary Roos & David Hanselmann „Lady“
Musik: Werner Böhm-Thorn; Text: Michael Chambosse

Mary trägt lilafarbenes Trägerkleid mit einem Schal um die Hüfte, er trägt Anzug mit Fliege. Seine Stimme ist schon sehr hoch, dass man manchmal nicht weiß, ob er oder sie singt. Ach, der Refrain …. ein Traum!!! Und wie die beiden dabei strahlen. Ich finde sowieso, dass ihr Zusammenspiel prima ist. Musikalisch könnte der Song problemlos zu der Zeit (oder etwas früher) auch in den USA ein Hit gewesen sein können. Lustig, dass auch hier wieder ein Aufruf gestartet wird, dass man dem Partner seinen Freiraum geben soll, auch wenn man mal getrennte Wege geht (wo genau die auch hinführen). Laaange Töne zum Schluss und ein begeistertes Publikum.

10 Punkte (Höchstwertung)

Ich war ja noch nie ein Fan von Peter Pan, also der Figur. Insofern schaue ich mal, ob mich Paola, die ich natürlich verehre, hier überzeugen kann.

8. Paola „Peter Pan“
Musik: Ralph Siegel; Text: Bernd Meinunger

Sie trägt eine Kombination aus Apricot-Oberteil mit fluffigem Kragen und Ärmeln und weinroten Hosen. Sie hat fünf Mädchen mit auf der Bühne, die wirken als wären sie aus der „Nesthäkchen“-Verfilmung übrig geblieben. Ganz schlimm aus der Zeit gefallen. Aber Paola agiert schön mit ihnen. Und überhaupt: Zu der Zeit durften also noch Kinder auf die Bühne. Man vergisst ja schnell, dass nicht immer verboten war. Also, Paola, wenn Du mir schon eine Geschichte in einem Lied erzählen willst, dann doch lieber die vom „Teufel und dem jungen Mann“. Oh, nein, jetzt noch ein Chor mit den Mädchen. Aber Paolos Stimme und Ausstrahlung gleicht einiges aus. Und ins Ohr geht die Melodie natürlich.

7 Punkte

Wieder begeisterte Rufe im Publikum. Hätte man gar nicht gedacht, so schick wie da gekleidet sind.

9. Denise „Die Nacht der Lüge“
Musik: Joachim Heider; Text: Michael Kunze

Und es geht schon wieder um einen Fehltritt. Dieses Mal aber von einer Frau. Also wirklich, das muss Anfang der 80er ein ganz großes Thema gewesen sein. Denise trägt ein Oberteil wie das von Cornelia Jakobs vor einer Woche – nur mit gelben Lametta. Tolle Stimme hat sie, grrrr … so verrucht. Ich finde, dass ihre Gesichtssprache zu fröhlich ist für den Text und ihr Liebesgeständnis. „Frag nicht, was geschah, ich bin wieder da“ – willkommen in der Welt der offenen Partnerschaften. Schöner Herzschlag bei der Instrumentierung. Ach, das meintet Ihr mit den Ähnlichkeiten zu Roland Kaiser. Stimmt total! Geil, sie deutet den Fehltritt nicht nur an, sondern singt es ganz konkret. Aber es war ein Mann. Heute wäre das vielleicht eine Frau gewesen. Bei dem Text achtet man kaum auf die Musik. Die begleitet gut, ist aber nicht sooo überzeugend. Trotzdem toll.

8 Punkte

10. Hannes Schöner „Nun sag‘ schon Adieu“
Musik: Bernhard Vonficht, Harald Steinhauer; Text: Andrea Andergast

Hier bin ich ja voreingenommen. Als ich das Lied vor etlichen Jahren zum ersten Mal gehört habe, war ich total geflasht. Jetzt sind wir auch wirklich voll in den 80ern. Dazu Uptempo und dann noch ein Text, den man schön umdeuten kann. Wenn ich das richtig verstanden habe, war der Song seinerzeit auch ein Hit in der männlichen LGBT-Community. Mit Recht! Hannes trägt ein blaues Sakko, dazu ein gelbes Hemd mit einer ebensolchen Krawatte. Untenrum eine schwarze Lederhose? Druckvolle Instrumentierung beim Refrain. Ich liebe es immer noch. Und dann noch ein schönes Zwischenspiel. An Hannes‘ Ausstrahlung könnte man noch arbeiten. Sein Gesang ist sicher, seine Stimme passt, ist aber nicht außergewöhnlich. Ah, die Fassung ist auf 3 Minuten gekürzt.

10 Punkte

11. Jürgen Marcus „Ich würde gerne bei Dir sein“
Musik: Thomas Fuchsberger; Text: Joachim Fuchsberger

Der Sänger trägt einen mittelblauen Anzug, weißes Hamed und eine fliederfarbene Krawatte. Wie vorher schon Hannes hat er auch volles Haar bis zu den Schultern. Oh und weiße Schuhe. Das ging damals! Eine schöne Melodie, die aber vom Text lebt – finde ich zumindest. Und der ist etwas komisch, da er an seine Liebe immer dann denkt, wenn in der Natur was passiert. Naja, da fällt mir jetzt nicht mehr zu sein. Die Melodie ist schnell vergessen.

6 Punkte

Aber viele Bravo-Rufe im Publikum. Das taut jetzt ja richtig auf. Damit kommen wir dann zum Höhepunkt, warum wir hier heute versammelt sind. Was für ein Glück Nicole bei der Auslosung hatte. Es war wohl alles eine Fügung des Schicksals.

12. Nicole „Ein bißchen Frieden“
Musik: Ralph Siegel; Text: Bernd Meinunger

Das Lied kennen wir natürlich ALLE. Nicole sitzt mit ihrem ikonischen Kleid und der weißen Gitarre auf der Bühne und singt in die Kamera. Im Hintergrund ist eine große Harfe zu sehen. Nicole singt sauber und ihre Stimme ist natürlich sofort zu erkennen. Bei den ganz höhen Tönen wird sie etwas wackelig. Ein wahrer Moment der Gänsehaut und des Innehaltens. Wie kann ein Song auch 40 Jahre später noch so relevant und eben auch zeitlos sein. Der NDR muss sie einfach am 14. Mai in seinen Sendungen um den ESC aus Turin auftreten lassen. Natürlich jetzt noch die Tonartänderung und der Aufruf mit ihr zu singen. Das ist alles schon sehr geschickt gemacht. Und es zeigt, dass der Auftritt einfach auch wahnsinnig wichtig ist, damit es in der TV-Show funktioniert.

12 Punkte (auch wenn es nur 10 gibt)

Begeisterung auch hier im Publikum.

Nur 50 Minuten nach Sendungsbeginn haben wir alle zwölf Songs erlebt. Im Hintergrund ist schon die Punktetabelle zu sehen. Der Chor „Munich Voices“ wird vorgestellt. Es folgt ein Medley aus den zwölf Songs in umgekehrter Reihenfolge. Was es alles gibt! Die Künstler/innen kommen jeweils auf die Bühne, während ihr Song gespielt/gesungen wird und nehmen den Applaus entgegen. Das heißt für das Publikum jetzt, dass viel und lange geklatscht werden muss.

Aber wirklich, wie toll ist dieses Medley? Da hat sich Dieter Reit wirklich selbst übertroffen. Und beim Ohrwurm klatschen natürlich alle im Rhythmus mit. So muss es sein. Großes Finale des Medleys. So zelebriert man Musik!

Jetzt wird Rudolf Rohlinger, der Experte in Sachen Demoskopie, auf die Bühne geholt. Was für eine Hammer-Raucherstimme hat er eigentlich? Der hat aber auch einen Clown gefrühstückt. Infratest hat die 500 Vertreter „für uns alle“ ausgewählt. Jetzt erst nach dem Hören der Songs dürfen sie alle Lieder in eine Reihenfolge bringen. 150 Infratest-Mitarbeiter/innen nehmen die Wertungen „sicherheitshalber auf zwei Computern“ entgegen. Jetzt müssen wir aber warten.

Die Pausenunterhaltung übernimmt der Magier Vito Lupo. Er macht alles pantomimisch. Seine Kleidung ist sehr klassisch für einen Unterhaltungszauberer. Die Tricks sind auch zeitlos. Ich glaube aber, das könnte man bei der deutschen Vorentscheidung heute so nicht mehr bringen. Zumindest nicht in der Länge. So, nun ist er fertig und es gibt einen großen Tusch.

Und da kommt Rudolf Rohlinger mit einem Blatt Papier auf die Bühne. Bisher haben 53 Leute ihre Punkte abgegeben. Lady geht nach vorn. Aber Peter Pan übertrifft das noch. Haha, die 505 müssen korrigiert werden, es waren doch nur 405. Gleich dahinter die Nacht der Lüge. Und Nun Sag schon Adieu sogar noch mehr. Aber „Ein bisschen Frieden“ geht ganz klar in Führung.

Rudolf Rohlinger erklärt das Verfahren. Der Favorit der Zuschauer hat 12 Punkte bekommen, der Song auf dem 12. Platz nur einen Punkt. Die Auszählung erfolgt per „doppelt geprüfter Maschinenrechnung“. Bis zur nächsten Zwischenwertung muss jetzt Zeit überbrückt werden. Rohlinger zückt eine Zigarette (damals konnte man noch in Fernsehshows rauchen). Zauberer Vito Lupo kommt dazu und macht Tricks mit ihm, seiner Zigarette und dem Einstecktuch. Rolinger kommentiert die Tricks, da Vito ja nichts sagt. Teilweise moderiert er auf Englisch, wenn er mit dem Magier spricht.

Ein weiterer Tusch und es gibt den nächsten Zwischenstand. Jetzt mit 153 von 500 Stimmen. Entsprechend sind die Werte natürlich deutlich höher. Die Punkte werden wieder in der Startreihenfolge vorgetragen. „Schenk‘ mir eine Nacht“ geht als erster Song über die 1.000 Punkte-Schwelle. Peter Pan geht mit 1.251 Punkten deutlich nach vorn. Aber insgesamt waren die stärken Songs wohl am Ende dran. Rohlinger erkennt jetzt schon eine Tendenz.

Rolinger sagt, dass Deutschland 1956 beim ESC mit dem „Wartesaal zum großen Glück“ den zweiten Platz erreicht hätte. Und die Zahlen der letzten Jahre zeigen auch, dass wir fast immer die schlechtesten Bewertungen aus Österreich und der Schweiz bekommen haben. In den Kulissen sieht man jetzt auch die beiden Computer. Jetzt haben 258 Personen ihre Wertung abgegeben. Etwas mehr als die Hälfte also. Die Tendenzen verfestigen sich jetzt. „Peter Pan“ geht als erster über 2.000 Punkte.

Carolin Reiber meldet sich aus den Kulissen und führte kurze Interviews mit den Künstler/innen. „Nicole soll doch nicht so ernst schauen“, fordert Carolin. Ach, die Acts stehen alle auf der Bühne. Mitten im Interview kommt ein Tusch. Jetzt ist das Endergebnis da.

Mary Roos ist gerührt. Auch die Kinder von Paola freuen sich über mehr als 4.000 Punkte. Und dann geht es über 5.000 Punkte für „Ein bißchen Frieden“. Das ist der Gewinner! Carolin Reiber holt Ralph Siegel und Bernd Meinunger auf die Bühne zum Siegerinterview (Bild unten). Ja, Carolin, wir drücken alle die Daumen für Harrogate am 24. April 1982.

Nicole umarmt einige der Künstler – und auch Ralph Siegel. Dann darf sie noch einmal ran. Sie nimmt ihre Gitarre und geht auf ihren Hocker. Es erklingt zum zweiten Mal heute „Ein bisschen Frieden“ in voller Länger. Herzlichen Glückwunsch, Nicole – sowie Ralph Siegel und Bernd Meinunger! Mit diesem Erfolg seid Ihr für die deutschen ESC-Fans unsterblich geworden. Lustigerweise wird beim Siegerauftritt noch einmal die Startnummer 12 mit eingeblendet.

Nach dem Vortrag ist Nicole sichtlich gerührt. Und dann setzt auch schon wieder das Orchester ein und die Show ist vorbei. Wir wissen natürlich, wie es anschließend weiterging in Harrogate. Aber es ist schön, sich einmal an die Situation vor 40 Jahren zurückzuerinnern.

Vielen Dank an alle, die heute Abend mit dabei waren und mitkommentiert haben. Kommt gut in die Nacht und hoffen wir, dass das Lied bald wahr wird und wir sogar noch mehr als nur ein bisschen Frieden haben, nämlich vollständigen Frieden. Gute Nacht aus Hamburg! 

Wer nicht warten oder beim Live-Blog dabei sein konnte, kann die Vorentscheidung natürlich jederzeit einfach so sehen. Hier ist die Ausstrahlung, die vor einiger Zeit auf ONE lief. Alle, die dabei sein wollen, drücken erst um 20:15 Uhr auf Start und verfolgen die Show dann gemeinsam mit uns in normaler Geschwindigkeit – so, wie sie am 20. März 1982 ausgestrahlt wurde.


229 Kommentare

  1. Was für ein Abend. Tolle Idee, danke Leute! Ich finde es total verstörend, dass Nicole nach dem Sieg gar nicht zu Wort kommt. Sie hat toll gesungen, weit besser als viele andere an dem anderen, wo es zuweilen schonetwas schief klang.

  2. Herrlich, meine erste Vorentscheidung, die ich verfolgt habe. Ich liebte das Konzept der Demoskopie und fand Nicole unerreichbar, war aber auch von Paola und Mary Roos begeistert. Und konnte kaum erwarten, in der Schlagerparade im NDR im Radio dann die Lieder mitzuschneiden, so sie denn vorgestellt wurden. Danke für dieses Revival und die geweckten Erinnerungen 🥰

  3. „peter pan“ ist einfach wunderschön und gehört bis heute zu meinem absoluten lieblingsliedern aus deutschen vorentscheidungen.

  4. Noch eine Ergänzung:
    Ich glaube bei der Streichergruppe -die das Orchester von Dieter Reith begleitet- handelt es sich um die Streichergruppe vom „Symphonie-Orchester Graunke“, was heute die „Münchner Symphoniker“ (nicht verwechseln mit den „Münchner Philharmonikern“) sind.
    Das Symphonie-Orchester Graunke wurde 1945 von Kurt Graunke gegründet und bis 1989 geleitet. Danach übernahm Christoph Stepp und der Name des Orchesters wurde in den heutigen (Müchner Symphoniker) umbenannt.

  5. Fand den Song von Séverine und ihren Auftritt großartig. Schade, dass ihre letzte VÖ im Jahr ´2003 war.
    Beim Radio-Vorentscheid erreichte sie den 2.Platz, und Nicole 12.
    Bei TV-Endrunde drehte es sich wieder.

  6. „An Hannes‘ Ausstrahlung könnte man noch arbeiten.“
    Ja, das stimmt. Jedenfalls war er immer mal in der Stimmung, Frauen nette Blicke zuzuwerfen. Wie meine Mutter (mit mir) mal bei einem Höhner-Konzert am Merch-Stand erfuhr. xD

  7. Das war 1982 mit vielen bekannten Sängern. Wieso schafft man so eine Vorentscheidung heutzutage nicht mehr. Sollte man den BR mal wieder ranlassen?

  8. schon damals ein furchtbar verstaubtes Line-Up. und das, als da schon die Neue Deutsche Welle sich dem kommerziellen Höhepunkt entgegenfieberte. Stattdessen die reinste ‚Schlagerhölle‘. NDW hatte für den VE Auftrittsverbot. Hubert Kah mit Rosemarie hätte zb theoretisch antreten können. DAS wäre was gewesen. Stattdessen Gaby Baginski lol. Mit Kah hätte Deutschland den ESC aus-einander-genommen, jede Wette. Oder Eisbär. Fand es immer ein krasses Versagen, nie auf NDW gesetzt zu haben für den ESC. Nix getraut, weil bibbernde Angst vor den Bildzeitungsschreibern…

    • Und trotzdem haben wir 1982 mit Nicole gewonnen und 1983 mit Rücksicht Platz 5 belegt. Von diesen Platzierungen träumen wir heutzutage.

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