ESC-Songcheck kompakt 2022 (3) – Lettland: „Eat Your Salad“ von Citi Zēni

Die Band Citi Zēni hat in diesem Jahr die wiederbelebte lettische „Supernova“ gewonnen, die Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest. Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung hatten den Sender 130 Lieder erreicht. Eine interne Jury gab Anfang Januar die 16 Teilnehmer für das Halbfinale bekannt. In einer Online-Vorrunde konnten Fans dann noch einen 17. Act hinzuwählen.

Im Halbfinale mit den 17 Beiträgen zählten nur die Televoting-Stimmen. Hier lagen die späteren Sieger mit 11,48% der Votes nur auf Rang vier. Die Lieder mit den meisten Stimmen zogen ins Finale ein. Dort gab es dann sowohl ein Televoting als auch eine Jury-Abstimmung. Dieses Mal holten sich Citi Zēni mit Abstand die meisten Stimmen bei den Zuschauer/innen. Außerdem erhielten sie die Höchstwertung der Juroren.

Die Gruppe Citi Zēni (zu Deutsch „Die anderen Jungs“) ist im März 2020 im Rahmen eines Songwriting Camps in Riga entstanden. Sie besteht aus Jānis Pētersons (Gesang), Dagnis Roziņš (Gesang and Saxophon), Reinis Višķeris (Keyboard), Krišjānis Ozols (Gitarre), Roberts Memmēns (Bass) und Toms Kagainis (Schlagzeug).

Die Gruppe beschreibt sich als „Rap-Prinzen und Pop-Musik Könige des 21. Jahrhunderts“ und versprecht mit ihrer Musik einen „frischen geschüttelten und geöffneten Tonic“. Runtergebrochen beschreiben sie ihre Musik als „alternative unicorn pop„. Im letzten Jahr veröffentlichte die Band ihr Debütalbum „Suņi iziet ielās“; „Limuzīns uz krīta“ war die letzte Auskopplung vor „Eat Your Salad“.

Der Song

Der Song „Eat Your Salad“ wurde vom Band-Bassisten Roberts Memmēns komponiert. Für den Text zeichnen die beiden Bandmitglieder Jānis Pētersons und Dagnis Roziņš sowie Jānis Jačmenkins verantwortlich.

„Eat Your Salad“ ist eine Uptempo-Nummer, die sich an Retro- und Funkelementen bedient. Der Gesang besteht aus Rap und gesungener Melodie, prominent sind auch das Saxophon und die Elektrosounds in Szene gesetzt. Mit dem Song laden sie zum Essen von Gemüse ein und beschreiben es als angesagt und State of the art, um den Planeten zu retten. Damit diese Aussage nicht zu sehr von oben herab wirkt, ist der Text gespickt mit satirischen und bisweilen anzüglichen Formulierungen. Dies wird durch die sehr lustige und gut choreographierte Art der Inszenierung unterstrichen.

Der Check

Song: 2,5/5 Punkten

Stimme: 2,5/5 Punkten

Darbietung: 4,5/5 Punkten

Instant Appeal: 4/5 Punkten

Benny: Das ist natürlich totaler Trash, aber von der guten Sorte. Der Text trifft den Zeitgeist und mir gefällt das Funkige an dem Song. Den sexistischen Anfang hätten sie sich aber schenken können. 7 Punkte.

Berenike: Persönlich kann ich mit dem Funk-Genre in der Regel nichts anfangen, ich finde es musikalisch immer extrem nervig-eintönig. Durch den ironisch-doppelbödigen Text ist „Eat Your Salad“ wenigstens etwas interessant, trotzdem kann ich subjektiv nicht mehr als 2 Punkte vergeben, auch wenn der Song objektiv sicher ein paar mehr Punkte verdient hätte.

Douze Points: Joko Winterscheidt tritt in diesem Jahr also für Lettland an und ist sich für keinen Bühnen-Gag zu schade. Die Nummer macht als Crossover aus Blåsemafian und „Wadde hadde dudde da“ schon Spaß und man kann drei Minuten dranbleiben. Der Text regt mich dann aber doch auch ein bisschen auf. Ist das jetzt ironisierte Ironie? Man weiß es nicht. 5 Punkte.

Flo: Die Botschaft von „Eat Your Salad“ ist vielleicht die mit zeitgenössischste des ESC-Jahrgangs 2022. Der Song und vor allem der Auftritt macht die drei Minuten über Spaß und beweist auf TikTok schon seine Massentauglichkeit. Gleichwohl es kein Song ist, den ich persönlich auf meine Playlist nehmen würde, kann ich dem Paket und der Botschaft etwas abgewinnen und rechne dieses Jahr wieder mit einem Finaleinzug für Lettland. 6 Punkte.

Manu: „Being green is hot, being green is cool“… Ich weiß immer noch nicht, ob Citi Zēni die Message von „Eat your Salad“ ernst meinen. Aber selbst wenn, macht die Message allein leider noch kein gutes und für mich ansprechendes Lied. 2 Punkte.

Max: Hier treffen einige Sachen aufeinander, die ich nicht mag. Ich mag weder Funk-Musik, noch Salate, noch… aber gut, es ist etwas Positives, dass es verschiedene Styles beim ESC gibt, auch wenn „Eat Your Salad“ meinen Geschmack so gar nicht trifft. Kann der Band und dem Lied auch sonst nicht wirklich etwas abgewinnen, außer vielleicht, dass sie etwas Spaß auf die Bühne bringen. Vergebe hier mit viel Wohlwollen 2 Punkte.

Peter: „Eat Your Salad“ macht Spaß und gefühlt habe ich das mindestens so oft gehört wie „Brividi“ oder „Rockstars“, weil es unverändert bei TikTok trendet (aus naheliegenden Gründen). Ich würde mich sehr freuen, wenn Lettland damit ins Finale kommt, die „juicy veggie“ Botschaft ist ein bissel anzüglich, aber gleichzeitig augenzwinkernd sympathisch und die Jungs liefern jenseits der „Botschaft“ einen sehr tanzbaren Guten-Laune-Popsong mit modernen Breaks und viel witzigem Schwung. Leichtigkeit gehört belohnt. 10 Punkte.

Rick: Natürlich nicht das hochwertigste Meisterwerk der Welt, aber unterhaltsam. Zudem bringen die Jungs eine interessante Mischung aus Jazz, Pop und Rap auf die Bühne und singen über eine „Lebenseinstellung“, die jeder verstehen kann. Gute 5 Punkte!

Gesamtpunktzahl: 39/96 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „Eat Your Salad“ auf Platz 22 von 40.

Wie schneidet der lettische Beitrag "Eat Your Salad" von Citi Zēni ab?

  • bleibt im Halbfinale hängen (54%, 326 Votes)
  • Platz 16-20 (20%, 123 Votes)
  • Platz 21-25 (15%, 92 Votes)
  • Platz 11-15 (7%, 42 Votes)
  • Platz 6-10 (3%, 17 Votes)
  • Top 5 (1%, 5 Votes)

Total Voters: 605

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Bisher erschienene Songchecks:

(1) Albanien: „Sekret“ von Ronela Hajati
(2) Bulgarien: „Intention“ von Intelligent Music Project


88 Kommentare

  1. Ich hätte mal ne Frage an alle Vegetarier und Veganer hier im Forum: Fühlt ihr euch auch immer so cool, hot und sexy, wenn ihr euren Salat, Tofu oder was auch immer zu sich nimmt? So wie es im Song beschrieben wird? Ich kann da leider nicht mitreden.

    • Wie konnte ich das nur übersehen!!
      Also, ich bin aus dem Alter wo man sich sexy and hot fühlt, aber cool und vor allem gut (sowohl körperlich als auch seelisch) fühl ich mich schon..
      Mich würde auch mal interessieren wie man sich fühlt, wenn man Körperteile von unschuldigen, gequälten Lebewesen zu sich nimmt, obwohl man heutzutage, durch die riesige Auswahl an pflanzlichen Lebensmitteln, die Möglichkeit hätte gesund und umweltschonend zu leben ?? So nach dem Motto: ’scheiß auf alles Hauptsache es schmeckt ‚ wohl?

  2. Ich weiß, dass viele hier auf dem Blog eine starke Abneigung gegenüber dem Song haben, aber ich muss mich outen: Ich finde es richtig gut. Kommt locker daher und man kann sich am Text stören (ich sage nur „Three, two, one, all the girls go eco / If you want your man’s tongue longer than a gecko’s“), ich finde es aber noch im Rahmen. Zumindest mal nichts allzu Steifes, darüber bin ich schon mal froh und ich kann mir auch vorstellen, dass sie sehr gut beim Publikum ankommen werden (am besten natürlich als Opener fürs Semi!), aber ich kann mir genauso gut vorstellen, dass sie bei den Juroren leer ausgehen. Somit wird es wohl eine knappe Kiste, verdient hätten es die Jungs aber auf alle Fälle. Viel Erfolg!

    Prognose: Halbfinale 9/17 (60%) -> Finale 16-20
    Meinung: Platz 9/40 (10 Punkte)

    • Und im direkten Vergleich zu Silvia Nights gequirlter Sch….amlosigkeit im Jahre 2006 ist das nun wirklich noch Goldstandard. Ich bin immer noch so froh, dass Island rausgeflogen ist im Halbfinale.

  3. Song, Stimme, Darbietung: Drei Minuten Feierlaune.
    .
    Instant Appeal: Nur mit Maßgeschneiderten Klamotten.

    Finale: ja.
    Gewinner: nein.

  4. Lettland:
    – wichtige Message, erreicht mich leider musikalisch nicht
    – 4 von 10 Punkten
    – Platz 31 von 40

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