Nach der PrePartyES at home: Blas Cantó spricht über seine Angstzustände

Quelle: eurovision-spain.com

„Der hat ja noch nicht einmal gesungen!“, polterten nicht wenige spanische ESC-Fans, als Blas Cantó beim Stream der PrePartyES at home weder seinen ESC-Beitrag „Universo“ noch irgendein anderes Lied gesungen hatte. Da organisierte die größte spanische ESC-Seite in Rekordzeit eine Online-PreParty und der eigene Teilnehmer singt nicht einmal den eigenen Song. Sofort warf man Blas vor, dass nicht einmal er hinter „Universo“ stehe und dass er andere Projekte wie etwa das Duett mit Pastora Soler (Spanien 2012) oder eine andere Kooperation mit Kelly Clarkson priorisiere. Auch Tage nach dem Online-Event hielt die Kritik an – das Schweigen des Sängers befeuerte die Spekulationen zusätzlich. Das alles gipfelte schließlich am Freitag darin, dass Blas seinen Twitter-Account löschte – laut spanischen Medien aufgrund von Beleidigungen und Drohungen.

Hinter der Geschichte steckte aber wohl mehr, als den Kritikern bewusst war. In einem gemeinsamen Statement von Blas Cantó und der Webseite eurovision-spain.com erklärte der Sänger am Samstag, dass er mit psychischen Problemen zu kämpfen habe. Bereits im Jahr 2015 habe er auf Tour mit seiner damaligen Band Auryn Panikattacken erlitten. Damals hätten seine Angstzustände auch zu hohem Fieber geführt. Die aktuelle Situation rund um das Coronavirus hat laut Blas alte Krankheitsmuster wieder zum Vorschein gebracht. „Ich konnte gerade einmal zwei Sätze von mir geben, mehr war nicht drin“, erklärte Blas zu seinem Auftritt bei der Online-PreParty.

Zudem gab der Sänger zu, dass er nicht ganz ehrlich zu den Veranstaltern der Party gewesen ist. Ihnen hatte er im Vorfeld gesagt, dass er aus technischen Gründen und aufgrund fehlender Mittel nicht in der Lage sei, von daheim aus zu singen. So einigten sich eurovision-spain und Blas darauf, dass er zusammen mit anderen Künstlern die Rolle des Gastgebers übernehmen würde. Zwar war dies bereits im Vorfeld bekannt, ESC-Fans gingen jedoch trotzdem davon aus, dass er zumindest seinen ESC-Song performen würde oder während des Live-Streams öfter zu sehen sei – wie etwa Krista Siegfrids (Finnland 2013).

Weiter gab der Sänger an, dass er die wenigen Termine und Verpflichtungen, die er trotz der Ausgangssperre hatte, absagen musste. Sein Management, seine Familie und seine Freunde wüssten um seine Situation und ihm täte es Leid, dass „sie am meisten darunter leiden“. Blas entschuldigte sich für seine Abwesenheit und versicherte, dass sowohl er als auch alle, die eine ähnliche Situation wie er durchmachen müssen, schon bald alles überstehen würden.

Die überwältigende Mehrheit der Fans zeigte Verständnis und Unterstützung für Blas und einige mussten auch zugeben, dass sie vorschnell geurteilt hatten. ESC kompakt schließt sich den vielen Genesungswünschen natürlich an und wir hoffen, dass es Blas bald wieder besser geht. Blas Cantó wurde bereits als spanischer Künstler für den ESC 2021 bestätigt.

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13 Kommentare

  1. Ich finde es sehr bewundernswert, dass Blas Canto jetzt so offen und aufrichtig mit seiner Krankheit umgeht, und kann voll und ganz nachempfinden, wie sich Panikattacken anfühlen. Schwer zu beschreiben, ganz schrecklich auf jeden Fall. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.

    Auch von mir alles Liebe und Gute, ich freue mich, dass er 2021 antreten wird.

  2. Ich kann es mittlerweile keinen Künstler mehr übel nehmen, der sich aus dem Internet und den asozialen Netzwerken komplett zurückzieht – man wird wegen jeder Lappalie nur noch beschimpft, beleidigt und bedroht.
    Und einige der spanischen ESC-Fans habe ich ohnehin – auch durch persönliche Erlebnisse vor Ort – als unangenehm militante Mischpoke in Erinnerung. Schade, dass sich dieser Eindruck bestätigt.
    Ich wünsche Blas Canto, dass er gestärkt für Spanien 2021 auf der Eurovisions-Bühne stehen kann.

  3. Schlimm zu hören. Ich wünsche Blas auch von Herzen, dass er nicht weiter mit jenem Dreck zugekübelt wird, den die Kritiker*innen lieber der eigenen Psychohygiene zuführen hätten sollen. Gute Genesung, viel Mut und Kraft für Blas!

  4. Angststörungen? Damit kenne ich mich aus und ich sage Euch, dass das kein Spaß ist. Alles Gute für Blas und verurteilt ihn nicht.

  5. Ich wünsche Blas Cantó Menschen die ihn lieben und unterstützen und Menschen die ihm helfen. Ich wünsche ihm alles Gute hoffe das er weiterhin gute Musik machen kann. Ich wüsche mir das alle genau überlegen was Sie schreiben bevor sie es posten. Die HemmSchwelle Dinge zu schreiben die andere verletzten ist geringer als sie ins Gesicht zu sagen. Mir selber ist das passiert als ich mich über das Voting von Waterloo aufgeregt habe und es tut mir Leid was ich geschrieben habe.

  6. Ich glaube ja erstmal jedem alles. Wenn er aber wirklich angstzustände und panikattacken hat, dann hat er sich den falschen beruf ausgesucht.

      • Sie ist therapierbar, aber da psychische Erkrankungen immer noch mit einem Stigma belegt sind – und vermutlich in Spanien sogar noch mehr als hier – braucht es sehr viel Mut, sich dem zu stellen und sich therapieren zu lassen, sei es mittels Psychotherapie oder medikamentös. Dazu kommt, dass auf einem Strahlemann-Boygroup-Typen vermutlich mehr öffentlicher Druck zum Frohsinn lastet als auf einer Finanzbeamtin.

    • Rainer, bei allem Respekt, aber Du kennst die Krankheit offenkundig nicht und Dein Beitrag ärgert mich sehr. Das sucht man sich nicht aus und das weiß man nicht vorher. Welchen Beruf sollte man denn Deiner Meinung nach ausüben, wenn man depressiv ist?

    • Rainer, das klingt, als läge das Problem bei Blas. Dabei sind allein die Menschen, die ohne schlechtes Gewissen (Cyber-)Mobbing betreiben das Problem. So etwas darf niemals als normal, quasi „das gehört halt dazu“ angesehen werden. Blas scheint es auf der Bühne zu gefallen und er ist ein guter Sänger. Ich jeweils finde keine Berufsbeschreibung von Sängern bzw. Künstlern, die „psychische Erkrankung“ als Ausschlusskriterium listet. Wir sind doch nicht beim Militär!

    • @ Rainer 1

      Ich erlaube mir eine kleine Kritik an deinem Kommentar. Sie ist nicht böse gemeint und ich hoffe, dass
      du in meiner Reaktion die gute Absicht erkennst.

      Dein erster und dein zweiter Satz sind genau genommen etwas widersprüchlich und dann wird von dir, wie ich finde, recht hochmütig die Berufswahl von Blas Cantó infrage gestellt. Deine Meinung, liest sich für mich wie ein harsches Urteil. Es fröstelt etwas. Aus dem Artikel geht nicht viel über den Gesundheitszustand von Blas hervor. Wer weiß denn schon, ob er nicht an seinen aktuellen Problemen mit entsprechender Unterstützung mental enorm wachsen und sich zukünftig auf der Bühne wohlfühlen wird?
      Ob sich Blas Cantó den richtigen Beruf ausgesucht hat, kann doch nur ein Mensch entscheiden: er selbst.

      Ich finde, dass der ESC zum Teil eine wunderbar furchtbare Trash Show ist, die zum Lästern
      über Lieder, Kleider und Interpreten einlädt. Bei so persönlichen Problemen wie sie Blas Cantó momentan zu haben scheint, sollte man schon sensibler sein, sich zurücknehmen und nicht vorschnell (ver)urteilen.

      Ich wünsche dem allerschönsten Blas Cantó eine kraftvolle Rückkehr auf die große ESC Bühne.

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