Live-Blog: PrePartyES at home

PrePartyES at home 2020 Eurovision ESC

Nachdem nicht nur der ESC 2020, sondern auch sämtliche Fan-Events im Vorfeld wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, haben die Organisatoren der spanischen PrePartyES eine Alternative für den Ostersamstag erfunden. Sie haben ihr Event kurzerhand ins Internet verlegt und ließen die Veranstaltung unter dem Namen „PrePartyES at home“ trotzdem steigen. In unserem Liveblog könnt Ihr das Event noch einmal nachvollziehen.

Über die teilnehmenden Acts haben wir an anderer Stelle schon berichtet, aber die Liste ist mittlerweile noch angewachsen, deshalb hier ein aktualisierter Überblick über die Künstler:

  • Ana Soklič (Slowenien 2020)
  • Ben Dolic (Deutschland 2020)
  • Benny Cristo (Tschechien 2020)
  • Damir Kedžo (Kroatien 2020)
  • Diodato (Italien 2020)
  • Gjon’s Tears (Schweiz 2020)
  • Go_A (Ukraine 2020)
  • Hurricane (Serbien 2020)
  • James Newman (Vereinigtes Königreich 2020)
  • Lesley Roy (Irland 2020)
  • Lucía Pérez (Spanien 2011)
  • Melani (Spanien JESC 2019)
  • Montaigne (Australien 2020)
  • Natalia Gordienko (Moldau 2020)
  • Roxen (Rumänien 2020)
  • Samanta Tīna (Lettland 2020)
  • Senhit (San Marino 2020)
  • Soraya (Spanien 2009)
  • The Mamas (Schweden 2020)
  • THE ROOP (Litauen 2020)
  • VAL (Weißrussland 2020)
  • Vasil (Nordmazedonien 2020)
  • VICTORIA (Bulgarien 2020)
  • Zlata Ognevich (Ukraine 2013)

Moderiert wird das Event von Barei (Spanien 2016), Blas Cantó (Spanien 2020), Krista Siegfrids (Finnland 2013) und Víctor Escudero (eurovision.tv). Die Party beginnt am Samstag, den 11. April, um 22 Uhr und wird live über den YouTube-Kanal von eurovision-spain.com übertragen.

Damit wir dieses Event nicht isoliert schauen müssen und auch in Zeiten von Social Distancing ein kleines Gemeinschaftsgefühl aufkommt, bloggen wir die „PrePartyES at home“ live. Vor, während und nach der Sendung könnt Ihr die Geschehnisse wie immer unter diesem Beitrag kommentieren.

Aus HH Ottensen meldet sich mit einem megaherzlichen guten Abend Peter, der sich auf einen beschwingten #stayathome Abend mit Euch freut.

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Zum Abendessen gab es – passend zum Anlass – spanischen Schinken (zum Mitnehmen) von Patricia und Jesús vom Hamburger Portomarin, jetzt zur PrePartyES at home gibt es spanischen Weißwein, ebenfalls ausgesucht von Jesús A. Díaz Sindín, wie Deutschlands bester spanischer Gastgeber mit vollständigem Namen heißt.

Der LineUp ist toll, knapp 30 Acts erwarten uns, darunter – das will ich nicht verheimlichen – mit Zlata und Lucia gleich zwei meiner All Time Favourites.

2/3 DACH sind am Start – Ben Dolic ist dabei und Gjon’s Tears aus der Schweiz. Außerdem, darüber freue ich mich besonders, Diodato aus Italien.

Die Einführung – vor heimischen CD-Regal – macht Victor Escudero – zweisprachig in Spanisch und Englisch und mit viel Empathie. Er richtet sich auch direkt an die Künstler des Jahrgangs 2020 und betont, dass ihre Songs nicht vergessen werden werden. Recht hat er.

Die erste MAZ ist ein Querschnitt des Jahrgangs 2020, auch mit Acts, die heute Abend nicht dabei sind.

Barei eröffnet danach das LineUp, ebenfalls zweisprachig. „We are united thanks to much, thanks to Eurovision.“ Sie darf dann auch den ersten Song präsentieren, ihren Fan-Favorite „Say Yay!“ aus 2016. Das ist ergreifend. Ich konnte mir das nicht so recht vorstellen, wie das funktioniert, langsam bekommt man ein Gefühl dafür.

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Das wird eine lange Nacht, denn Barei darf noch einmal ran, mit einem zweiten englischsprachigen (eigenen?) Song „Youre my number one“ (NICHT der ESC-Siegersong 2005). Wenn das alle dürfen…

Lesley Roy ist die erste Interpretin des aktuellen Jahrgangs, die vortragen darf. Sie präsentiert ihren Titel „Story of my life“ als Acoustic Version und begleitet sich dabei selbst auf der Gitarre. Das ist zwar supersympathisch, aber von diesem Kate Perry goes Kesha Groover braucht man nicht unbedingt eine Acoustic Adaption.

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Bemerkenswert schließlich – wie schon beim EHC (Eurovision Home Concert) bei Vasil am gestrigen Freitag – die Hydrokultur-Zimmerpflanze im Hintergrund. Scheint in Europa länderübergreifend beliebt zu sein.

Und da ist er dann auch schon als Act 2 der aktuellen Jahrgangs: Vasil aus Nordmazedonien. Er singt vor weißem Hintergrund fast accapella und begleitet sich akzentuiert selbst auf dem Klavier. Seine erste ESC-Erinnerung ist Tajci, er stimmt ihren Kulthit kurz an.

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Anders als Lesley Roy schließt Vasil nach „You“ noch eine Fast-Accapella-Crossover-Version von „Toy“ meets „?“ an. Wie gesagt, das wird ein langer Abend. „We are family now“, sagt Vasil.

Dann quatscht er noch eine Minute weiter, denn – so sagt er – er habe 8 Minuten zugeteilt bekommen. Es wird nicht ein langer Abend, es wird ein sehr langer Abend. Mal gucken, wie viele der derzeit gut 6.000 YouTube-Zuschauer durchhalten.

Nach einem Kurzauftritt von Krista Siegfrieds, dessen Sinn sich mir nicht erschließt, erscheint Benny Cristo in einem Iron Maiden T-Shirt – soooo cool, mein erstes echtes Highlight. Das wird der Abend der Acoustic Versions, auch „Kemama“ gibt es nur mit Gitarrenbegleitung, kommt aber doch mit mehr Drive rüber als die Songs aus Irland und Nordmazedozien zuvor.

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Den zweiten Song von Benny glaube ich zu kennen und dann doch wieder nicht?!? Das weiß sicher einer von Euch? Hier hätte Krista mal was sinnvolles anmoderieren können. Zwischendurch werden Bewegtbilder von Fans eingeblendet, ich entdecke u.a. William (wiwibloggs) aus London.

Montaigne ist dran. In Australien ist es 6:45 Uhr am frühen Morgen. Montaigne demonstriert etwas altbackenen Humor, sie singt „Don’t break me“ in eine Pfeffermühle. Klingt aber wie live recorded. Flo gefällt das Mikro, wie er in unserer Blogger-WhatsAppGruppe artikuliert, so unterschiedlich kann es zugehen. Ich find’s ein bissel albern. Dafür gefällt mir der florale Wandschmuck in Montaignes Wohnzimmer.

Montaigne PrePartyES 2020

„Ready“ heißt ihr zweiter Song. Naja, geht so. Sie gibt alles, aber der Titel selbst ist jetzt nicht unbedingt die Neuerschaffung der Popmusik.

Und dann kommt Lucia Perez. Bei ihr zuhause ist ganz viel Zimmerplanzen-Alarm, bisher ist sie Hydro-Kultur-Klassenbeste. Und Orchideen gibt’s auch. „Heroes Sen Nome“ ist der erste Song, den sie anstimmt, ein eigener Erfolgstitel aus 2018. Etwas merkwürdig muten die Stoff- und Teppichfetzen/-reste an, mit denen sie ihr lilafarbenes T-Shirt gepimpt hat.

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Es wird mitreißend, sie präsentiert den spanischen ESC-Klassiker aus 2011 „Que me quiten lo bailao“ zwar im Schneidersitz, aber mit viel Verve. Die Stoffreste kommen in Bewegung. Ich muss bei dem Song immer an die gefühlt zweitausend Spanier im Euroclub in der Düsseldorfer Altstadt denken, die nebeneinander aufgereiht die Finalchoreo getanzt haben. Das sind wahrhaftige Eurovisions-Erinnerungen.

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Mich erschreckt immer, dass diverse Acts „a couple of songs“ ankündigen, dann sind es aber maximal zwei (durchaus ausreichend). Jetzt sind Go_A dran, zu zweit im Schlafzimmer (mutmaßlich) im Vollplayback mit einem schwarz-weißen Marilyn-Kirmesplakat an der Wand.

Ich sage Euch, der Blick in fremde Zimmer/Wohnungen/Umgebungen ist das, was diese Home-Office-Google-Hangout-Videokonferenz-Seiten reizvoll macht.

Go_A PrePartyES 2020

Go_A schließen einen (vermutlich) eigenen Hardrock-Song an „Solovey“ an, der Songtitel wird in Landessprache eingeblendet, was mich überfordert. Aber der Song rockt gut. Ich entdecke ein selbstgemaltes „Climate Now“ Plakat an der Schlafzimmerwand.

Oha, schon 100 Kommentare. Bei YouTube waren wir zwischenzeitlich spürbar unter die 6.000 Zuschauer-Marke gerutscht, aber Go_A haben uns wieder über diese magische Grenze katapultiert. Eine gute Handvoll davon dürften aus Deutschland sein, wenn hier doch viel mehr los ist, als ich ursprünglich dachte.

James Newman

James Newman aus UK ist dran, eingerichtet im englischen Country-Style, so ein bissel wie man es sich bei Camilla nach dem dritten Gin-Tonic vorstellt. Neben dem Laura-Ashley-Lampenschirm steht ein Porzellan-Leopard, der James aus dem Background anfaucht. Überraschung, James singt allein – durchaus Songtext-kompatibel – „My last breath“, es gibt keine Zugabe.

Hurricane PrePartyES 2020

Es folgen „Hurricane“, die sich sehr viel Zeit für ihren Einführungsvortrag nehmen. Die Frau auf dem Sofa war schon mal als Solistin beim ESC oder, ich meine, die habe ich schon ausgiebigst photographiert?!? Ist es sehr vermessen und unverschämt, wenn ich schreibe, dass die Damen durchaus „heimat-kompatibel“ rüberkommen?!? Wobei der Schönheitschirug eher in L.A. zu verorten ist, die Ergebnisse sind sehr ansehnlich.

Nach „Hasta la vista“ kommt „Molitva“ und das ist accapella wirklich sehr sauber gesungen, Respekt. „Hurricane“ sind der erste Act, wo der Wortanteil größer war als der Songanteil.

Warum singen einige mehrere Songs und andere nicht? Ich habe ein bissel Angst, dass die Ein-Song-Acts später alle noch einmal randürfen.

Natalia Gordienko PrePartyES 2020

Natalia „I don’t wanna be with you“ Gordienko ist dran. Sie hat keine Zimmerpflanzen sondern einen Mann im Hoodie am Klavier im Hintergrund dabei. Sehr #stayathome. Natalia trägt eine fantastische kragenlose weiße Bluse, sehr stylish und sexy. Ich habe das Gefühl, ich muss hier was Positives schreiben, nachdem wir sie im Songcheck unisono so niedrig bewertet haben.

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Und Natalia macht es mir leicht, denn sie rockt den Abend mit einem Medley aus Helena Paparizous „My Number One“, „Volare“ und ihrem eigenen „Loca“ aus 2006. Richtig gut, richtig sympathisch, richtig authentisch, die Harmonie zum Pianoplayer kommt schmissig rüber. Und die Kirmes-Instrumente sind funny.

Soraya PrePartyES 2020

ESC-Königin Soraya darf ran. Wow, die sieht toll aus, das Älterwerden steht ihr gut. Und die Ohrringe sind eine Sensation. Und ihr Wohnzimmer ist prunkvoll spanisch, mediterrane Fliesen und ein schwerer großer Spiegel mit floralem dunklem Holzrahmen. Soraya bringt „La noche es para mí“ kraftvoll-euphorisch und man merkt, dass es ihr Spaß macht, hier dabei zu sein. Ihr zweiter (eigener) Song (aus 2010) heißt „Dreamer“ und klingt nach (Großraum)-Eurodisco der 90er Jahre.

VAL PrePartyES 2020

Bei VAL kehrt die Hydrokultur zurück ins Bild. Die beiden singen „Da Vidna“ zweistimmig mit Gitarrenbegleitung durch Vlad (Pashkevich) dann ist der Auftritt auch schon wieder vorbei. Valeria (Gribusova) im chicen schwarzen Nadelstreifen-Hosenanzug ist stimmlich sehr überzeugend.

Ana Soklic 2020

Ana Soklič passt gut dahinter, Sound und Atmo passen harmonisch. Sie hat sehr einfühlsame Worte für die spanisches Gastgeber und bringt zwei Songs. Nach „Voda“ (wo die Kamera sogar die Zimmerpflanzen in die Total nimmt) kommt ein jazziger Barsong („I put a spell on you“) mit einer fünfköpfigen Band, die alle fünf einzeln zugeschaltet/eingeblendet werden. Ana gibt richtig Gas, wow, wow, wow! Großartig, das war ein echtes Highlight. Sie nutzt ihre Stimmbänder wie ein Jazz-Instrument und präsentiert ihre fantastischen Stimmtalente in Vollendung.

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Zwischendurch kommt übrigens immer mal wieder Krista Siegfrieds mit sinnentleerten Zwischenmoderationen. Sorry, wenn ich das hier nicht jedes einzelne Mal dokumentierte.

Blas Cantó spricht spanisch, es folgt eine MAZ mit ESC Siegern von Lys Assia über ABBA bis Salvador Sobral. Nicht originell, aber immer wieder schön.

Gut, dass Damir nicht direkt auf Ana folgen musste, nach ihrem Jazz-Burner mit Band wäre es schwer geworden. Da war die MAZ mit den Siegertiteln an der richtigen Stelle platziert.

Damir Kedžo 2020

Wobei Damir mit „Lane Moje“ ebenfalls sehr überzeugend ist, viel besser vorgetragen als sein eigener diesjähriger Beitrag „Divlji vjetre“. Er sitzt auf einem Stufenhocker, den man sonst auch nutzt, um die Gardinen wieder aufzuhängen, im Hintergrund – natürlich – dauergrüne Hydrokultur, allerdings dezenter als bei fast allen anderen mit floraler Deko.

Senhit 2020

Dann kommt Senhit aus ihrem Penthouse mit Dachschräge und mittelgroßem schlafendem Hund auf dem auslaufenden Sofa (Cassina?). Sie stimmt „Freaky“ kurz accapella dann, dann gibt’s den Song noch mal 30 Sekunden mit Dancemoves auf dem Splitscreen mit ihrem Choreographen, das war’s dann schon. Die gebrieften acht Minuten um sieben Minuten verfehlt.

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Roxen aus Rumänien folgt auf San Marino und irritiert etwas mit ihrem lilafarbenen Haarton, der allerdings gut mit der Rautentapete in ihrem Schlafzimmer harmoniert. Sie trägt „Alcohol you“ in einer ruhigen Version mit Klavierbegleitung sehr souverän und stimmlich sehr überzeugend vor, einen zweiten Titel aus Rumänien gibt es nicht.

Roxen 2020

Großes Kino ist wieder das Wohnzimmer von Samanta Tina aus Lettland. Keine Zimmerpflanzen aber ganz viel barocker Möbelhauschic inklusive hüfthohem fünfarmigem Kerzenleuchter. Dazu Samanta – schwer übermotiviert – im schwarzen Hosenanzug mit ganz viel Fransen, die bei „Still breathing“ alles gibt (auch bewegungstechnisch) und danach noch völlig außer Atem aber mit viel Inbrunst „Euphoria“ bietet. Zuvor hatte sie noch erzählt, dass „Come back“ von Jessica Garlic (UK) für sie eine der schönsten Song-Erinnerungen überhaupt an den ESC ist.

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Ich habe gedacht, nach Ana kann das keiner toppen, aber Samanta tut das gerade. „Ich lieg lachend unterm Tisch“ schreibt Benny in der WhatsAppGruppe der Blogger. Denn bei „Euphoria“ hat Samanta das Licht ausgemacht und springt im Kerzenschein wie wild über ihren wild gemusterten Teppich, dass die Fransen nur so fliegen. „I love you“ sagt Samanta und das kann ich nur aus vollem Herzen erwidern.

Melani Garcia 2020

Für Melani Garcia, Spaniens Teilnehmerin beim JESC 2019, ist es nicht leicht, auf Samanta zu folgen. Melani, mir bislang nicht aufgefallen, ist eine Freundin der hohen Oktaven, sowohl bei ihrem JESC-Titel „Marte“ als auch bei „La Forza“ von Elina Nechayeva aus 2018. Ein bissel too much, wiewohl es schön war, an „La Forza“ erinnert zu werden. (Danke Flo, Max.)

Und jetzt kommt auch noch Ben Dolic. Dankenswerterweise keine Acoustic Version, sondern ein Livevortrag von „Violent Thing“ vor weißer Wand mit groovigem Halbplayback. Stimmlich stark, und er bewegt sich prima. Auch das Outfit, lila Jeansjacke über weißem T-Shirt, passt gut zu ihm.

Ben Dolic PrePartyES 2020

Allerdings den erhoffen Eindruck, wie denn die Choreo in Rotterdam ausgesehen hätte, den hat man hier nicht bekommen.

Gjons Tears 2020

Auf Deutschland folgt die Schweiz. Gjon wiederholt seinen Auftritt vom Eurovision Home Concert, er begleitet sich selbst am Klavier und im Hintergrund hängt ein großes Mondrian-Style-Gemälde.  Man sieht ihm an, dass auch in der Schweiz die Frisörsalons seit drei Wochen geschlossen sind. Wie Ben singt er nur einen Titel, logischerweise seinen diesjährigen Beitrag „Répondez-moi“.

Victoria 2020

Nun einer der ganz großen zukünftigen ESC-Songklassiker und einer der besten Titel des aktuellen Jahrgangs: „Tears getting sober“ von Victoria. Victoria hat viel mehr Backsteine als Soraya und viel, viel mehr Kerzen als Samanta. Ich bin ganz hingerissen, wie schön das Ambiente wirkt, ein ausschließlich mit vielen „Kerzeninseln“ erleuchtetes Wohnzimmer mit einer gemütlichen Couch in beige. Klar, das ist vom Online-Konzert in der letzten Woche recyclt, aber die warmen Farben und die schöne Atmo machen diesen Auftritt zu einem Highlight. Und die Stimme von Victoria ist magisch.

The Mamas 2020

„The Mamas“ sitzen auch auf dem Sofa, allerdings nur zur Anmoderation (in der sie Carolas Erfolg aus 1991 würdigen), danach gibt es die Acoustic Versionen ihrer beiden ESC-Hits in einem kleinen Club/Studio, mit Klavier/Synthesizer- und Gitarrenbegleitung, zunächst „Move“, dann „Too late for love“ – und im direkten Vergleich wird klar, wie viel stärker doch der John Lundvik Erfolg aus dem Vorjahr ist.

Sympathisch auch, wie professionell und atmosphärisch dicht das schwedische Home Concert produziert ist, sogar für eine Lightshow und eine Nebelmaschine hat es gereicht. Schweden eben!

Zlata Ognevich PrePartyES 2020

Und jetzt, wir vollenden bald die dritten Stunde, ENDLICH Zlata. Hinreißend sieht sie aus. „Gravity“ ist eine der besten ESC-Hymnen aller Zeiten, soviel steht fest. Zlata wirkt allerdings stimmlich etwas fahrig, verpasst zweimal ihren Einsatz, wirkt aber in der zweiten Hälfte stimmlich wieder gefestigter. Dennoch, hätte sie 2013 so gesungen wie heute, wäre es wohl nicht der 3. Platz geworden.

Bei ihrem zweiten Song – von ihrem neuen demnächst erscheinenden Album und in ukrainischer Sprache – findet sie zu alter Form zurück. Wahrscheinlich hatte sie „Gravity“ lange nicht mehr live gesungen.

The Roop 2020

Wir nähern uns dem Finale. Die großen (Ex-)Favoriten, The Roop aus Litauen, übertragen ihr Home Concert ebenfalls aus einem Studio. Leadsänger Vaidotas sitzt zwischen seinen Bandkollegen Mantas und Robertas, die ihn auf der Gitarre begleiten. Das macht Spaß, ist rund und stimmig. Aber auch hier gilt wie z.B. auch bei Irland: „On fire“ ist nicht dafür gemacht, als Acoustic Version präsentiert zu werden.

Diodato folgt auf The Roop, die sich auf ihren ESC Beitrag beschränkt haben. Es ist richtig, wahrhaftig und herzzerreißend, den Beitrag Italiens ans Ende des LineUps zu setzen.

Diodato 2020

Die Kommentarspalte bei YouTube explodiert beinahe ob der vielen Herzen die bei Diodatos Livevortrag, der sich selbst auf der Gitarre begleitet, gepostet werden. Mir fehlen die Worte, wie man das, was speziell Italien und Spanien vor allen anderen europäischen Nationen in diesen Tagen und Wochen durchleiden müssen, auf einem Liveblog angemessen und mitfühlend ausdrücken kann. Ich kämpfe mit den Tränen und versuche es erst gar nicht.

Nach dem zweiten (eigenen) italienischen Song von Diodato wirkt die überschwängliche Feel-Good-Abmoderation von Krista dann ganz am Ende etwas deplaziert. Ein großes Kompliment geht aber an das spanische PreParty-Team, dass mit kurzem Planungshorizont das für Madrid vorgesehene PreParty-Event in einen abwechselungsreichen kurzweiligen YouTube-Abend verwandelt haben.

Nach dem sehr emotionalen Abschluss des Events mit Diodato gab es für mich persönlich rückwirkend zwei ganz überraschende Highlights – Ana und Samanta. Allein für Samatas fulminantes High-Heels-One-Woman-Show-Wohnzimmer-Bonanza haben sich die drei Stunden gelohnt. Ab 1:57. Das ist jetzt schon ESC-Geschichte!

Hier das PrePartyES Event noch einmal in voller Länge:


309 Kommentare

  1. Oh jetzt wird es winterlich , leise rieselt hier der Schnee .
    Hab mir das echt schön gehört . Top 10 mittlerweile bei mir .

  2. So, ich vertschüss mich jetzt. Hab morgen ne längere wanderung.
    P.s. über den sieger der jury-wertung besteht doch jetzt kein zweifel mehr, oder.😊😊
    Gut nacht ihr hübschen

  3. Blöd, wenn der Song, den die Mamas letztes Jahr (mit-)gesungen haben,um so viele Klassen besser ist als der eigene von diesem Jahr…

    • Schon auch gut, aber die 80er Synthie-Sounds fehlen mir schon, sie tragen halt doch sehr stark zum Reiz dieses Liedes bei.

  4. Diodato ist für mich heute Nacht, neben Ana Soklič, stimmlich doppel A Liga.
    Am besten hat mir aber wirklich Lucía Pérez gefallen.

  5. Diodato war der beste heute Abend. Wow so schön. Normal muss ich bei Fai Rumore seit dem Balkonvideo immer heulen. Heute hab ich es ohne heulen genossen. Er ist einfach zum verlieben ich könnte ihm stundenlang zuhören

  6. Diodato auch einfach toll , gehört für mich auch zu einen der besten Italienischen Songs der letzten Jahre.
    Was wäre das für ein toller Jahrgang gewesen und eine cooler Abend in Rotterdam.
    Fand die Show echt super , hätte noch weiter gehen dürfen .
    Schönen Abend und Gute Nacht .

  7. Leute das war ein genialer ESC Abend mal ganz anders. Vllt kann man das in Zukunft öfter machen. Ich finde es zumindest wenn auch aus der Not heraus geboren sehr unterhaltsam. Das war heute Abend für mich ein Stück ESC Geschichte der besonderen Art. So nun gute Nacht und bleibt gesund🌈👋

  8. Ein wirklich schöner Abend! Es hat auch Spaß gemacht, Peters Blog (vielen Dank!) und Eure Kommentare nebenher zu lesen. Ich möchte noch kurz los werden, dass man bei „Home Concerts“ hinsichtlich des Sounds ruhig ein bisschen großzügig sein darf (manche haben das schon ein wenig streng kommentiert).

  9. Hab gestern auch mal kurz reingehört. Sie sollten wirklich mit Kopfhörer singen um ihren Sound ein bisschen im Griff zu haben. Sie stehen ja manchmal nur zu nah oder zu weit weg von ihrem irgendwie gearteten Mikro. Die Leslie aus Irland hatte das ja noch am besten drauf und kam deswegen auch gut rüber trotz nananananana

  10. @Peter: Du hast die Räumlichkeit, in der Soraya gesungen hat, liebevoll als prunkvolles spanisches Wohnzimmer (oder so ähnlich) beschrieben. Ich habe da einen ganz anderen Verdacht: am Anfang ihres Auftritts sieht man links oben eindeutig eine Duschwand, die Kamera wird dann nach ein paar Sekunden etwas nach rechts gedreht. Und rechts an der Wand sieht man die ganze Zeit 3 Handtuchhalter im Bild. Befürchte, sie hat uns in ihr Badezimmer entführt 🤣, schaut da nochmal nach.

    Ansonsten danke für den tollen Liveblog. Schade, dass Blas nicht singen durfte, und Diodato war mit Abstand der beste Act.

  11. Jetzt habe ich die Pre-Party auch nachgeholt (ich hab gestern weder #EurovisionAgain noch #prepartyes geguckt, sondern mal wieder die Avengers 😂).
    Tolles Konzert. Hat Spaß gemacht. Montaigne super cool mit dem „Mikrofon“ und Lesley war auch toll. Überhaupt haben sich wirklich alle Mühe gegeben. Ich bin mittlerweile von der Schweiz als Jurysieger überzeugt, aber ich weiß nicht ob das Publikum da mitgezogen hätte. Aber diese hohen Noten waren so perfekt, ich will ihn heiraten 😂

  12. Das war eine sehr gelungene Veranstaltung, die ich mir heute teilweise auf youtube auch noch mal angesehen habe. Eindeutige Siegerin war für mich Victoria. Ihr melancholisches Lied über Tränen, die intime Wohnzimmeratmosphäre, der Anlass… hier passte alles zusammen. Ich glaube, Corona hat Bulgarien um seinen 1. Sieg gebracht.

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