Osteuropa-Update zum ESC 2026: Unerwünschte Sängerin in der Ukraine, Eigeninitiative in Georgien

Bild: Torcho & Olya Polyakova – Instagram: @torchooo / @polyakovamusic

Nur wenige Länder, die dieses Jahr am Eurovision Song Contest teilnahmen, haben sich zu ihren 2026-Plänen noch gar nicht geäußert. Genauer gesagt gibt es lediglich aus Polen, Armenien und Georgien bislang keine Informationen darüber, ob die jeweiligen Rundfunkanstalten überhaupt am ESC in Wien teilnehmen werden. Dennoch bereiten sich mehrere Acts (auch genau in diesen Ländern) schon einmal auf eine potenzielle Teilnahme vor. Wir checken den aktuellen Stand im heutigen Osteuropa-Update.

Während sich Armenien gerade intensiv auf die Teilnahme am diesjährigen Junior ESC in Tiflis vorbereitet, soll der Sender ARMTV auch schon an der ESC-Teilnahme 2027 arbeiten und sich mit dem Sänger Patrick Fiori dafür in Gesprächen befinden. Die Teilnahme in Wien 2026 sollte also relativ sicher sein, dennoch schweigt man in Armenien weiterhin darüber und auch die angebliche interne Nominierung des Rappers bbno$ bleibt weiter unkommentiert.

Ähnlich sieht es auch beim armenischen Nachbarn Georgien aus. Der zuständige Sender GPB hat seine Teilnahme in Wien noch nicht bestätigt oder kommentiert. Vermutlich konzentriert man sich hier aber erst einmal auf die Ausrichtung des Junior ESCs am 13. Dezember. Dennoch denken einige georgische Acts bereits einen Schritt weiter, darunter auch Torcho. Der Musiker verkündete ganz offiziell, sich beim Sender GPB für die ESC-Teilnahme in Wien beworben zu haben.

Doch anstatt seine Fans lange auf die Folter zu spannen, präsentierte Torcho sogar direkt die Nummer, mit der er sein Heimatland vertreten möchte: „Zardakhsha“ (siehe unten). Es handelt sich um einen funkigen Song in Muttersprache. Gepaart mit orientalisch-klingendem Hip Hop-Beat in der Bridge könnte Torcho so für einen ungewöhnlichen georgischen Beitrag sorgen. Dennoch verriet er nachträglich, dass er theoretisch auch mit einer anderen Nummer zum ESC fahren würde.

Wir verlassen den Kaukasus und gehen etwas weiter westlich in die Ukraine. Diese hat ihre Teilnahme für Wien schon lange bestätigt und die Bewerbungsphase für den Vorentscheid Vidbir 2026 bereits gestartet. Nun gab es von ESC-Siegerin Jamala allerdings ein ungewöhnliches Update. Diese wird die Rolle der musikalischen Produzentin beim kommenden Vorentscheid übernehmen und gilt somit als eine der wenigen Menschen, die bereits in die Bewerbungen für Vidbir 2026 reinhören durfte. Ihr Urteil über die bisherige musikalische Qualität fällt dabei sehr durchwachsen aus:

„(…) So kann man sich nicht präsentieren. Einfach schreckliche Demos, schreckliche Qualität, schrecklicher Gesang, schreckliche Songs, schreckliche Intonation. Einfach nichts, was einem ins Auge fällt. So erreichen wir nichts. […]

Man sollte sich nicht immer nur schön und gepflegt präsentieren, man braucht auch einen gewissen Kontext, Verständnis. […] …tut mir leid. Ich bin einfach schockiert von dem, was ich gehört habe. Aber nicht von allem. Ich habe mir viele Demos angehört und schon einige ausgewählt, aber wir brauchen mehr und eine bessere Qualität.“

Für bessere Qualität wollte unter anderem die populäre Sängerin Olya Polyakova (Aufmacherbild) sorgen. Dabei gab es nun jedoch ein Problem: Wie bereits in den Vorjahren gab der Sender Suspilne zum Bewerbungsstart die Regel bekannt, dass Acts, die nach März 2014 in Russland oder der Krim aufgetreten sind, nicht am ESC-Vorentscheid teilnehmen dürfen. Dass diese Regel zu streng sei und talentierte, ukrainische Musiker*innen von einer Bewerbung abhalte, kritisierte Olya nun (siehe unten).

Sie gab auf Instagram bekannt, den Sender Suspilne daher um eine Anpassung der Regeln gebeten zu haben. Der offensichtliche Grund: Olya hatte 2015 noch einen Auftritt auf russischem Boden – also nachdem die Krim im März 2014 von russischen Truppen besetzt wurde. Dementsprechend reagierte der ukrainische Sender auf Olyas Anfrage:

„Supsilne trägt Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, berücksichtigt die Auswirkungen der Kriegszeit und hält es für inakzeptabel, die Ukraine durch einen Act zu repräsentieren, der Konzertaktivitäten auf dem Territorium eines Aggressorstaates durchgeführt hat.“

Olya zeigt sich immer wieder als stolze Ukrainerin, die den Krieg scharf verurteilt und hat eine beeindruckende Karriere in ihrer Heimat als Moderatorin, Sängerin und Comedienne vorzuweisen. Dennoch wird ihr nun offen verboten, am Vorentscheid teilzunehmen. Aus demselben Grund durfte 2022 die eigentliche Vidbir-Siegerin Alina Pash nicht zum ESC nach Turin fahren und wurde vom Kalush Orchestra ersetzt. Inzwischen wurde bekannt, dass Olyas Management Suspilne verklagen will, sollte der Sender ihre Bewerbung tatsächlich nicht zulassen. Zudem wurde die EBU zu Rate gezogen.

Für genau richtig hält die Sängerin СолоХа (SoloHa) (siehe oben) die Entscheidung des ukrainischen Senders, auf Olyas Anfrage nicht eingegangen zu sein. Sie sprach sich klar gegen Künstler*innen aus, die zu lange in Russland auftraten. Sie selbst gab im selben Atemzug bekannt, für die Ukraine in Wien ins Rennen gehen zu wollen und verkündete selbstsicher ihre Einreichung für den Vorentscheid 2026. Noch bis kommenden Montag werden Bewerbungen in der Ukraine angenommen.

Was sagst Du zum Vorentscheid-Drama in der Ukraine? Wie gefällt Dir Georgiens potenzieller ESC-Act Torcho? Lass uns gerne Deine Eindrücke da.



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